Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Frauen und die Wehrpflicht

reinecke54, Tuesday, 14.09.2010, 01:45 (vor 5601 Tagen)

Was verzapfen die damen der TAZin wieder bei der diskussion um die wehrpflicht?

Schlecht gelaunte Wehrpflichtige, die überall lieber wären als in der Kaserne, sind hervorragend geeignet, die Streitkräfte zu kontrollieren und Missstände aufzudecken. Ein Korpsgeist, in dessen Namen Skandale vertuscht und Informanten als Verräter gebrandmarkt werden, bildet sich in einer Wehrpflichtarmee nicht so leicht heraus.

Ist das ein verschleiertes plädoyer für den erhalt der wehrpflicht? Mit dem üblichen lachhaften argument, dass wehrpflichtige die BW konrollieren könnten? Man merkt, dass frauen davon keine ahnung haben, aber gut, dass sie darüber geredet haben.

Das sind aber keine "Damen", sondern einfach Frauen (kT)

Müller ⌂, Tuesday, 14.09.2010, 01:54 (vor 5601 Tagen) @ reinecke54

Das sind aber keine "Damen", sondern einfach Frauen

MC Henrich ⌂, Tuesday, 14.09.2010, 03:57 (vor 5601 Tagen) @ Müller

Frauen? Denken wir mal daran, dass das Wort "Frau" ursprünglich mal eine Respektsanrede war, es ist nur Jahrhunderte her.

Weibliche Wesen, die keinen speziellen Respekt verdient haben, waren einfach "Weiber". Ich finde, dieses Wort sollte häufiger verwendet werden.

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Das sind aber keine "Frauen", sondern einfach Weiber

Mus Lim ⌂, Tuesday, 14.09.2010, 05:00 (vor 5600 Tagen) @ Müller

*grins*

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Das sind aber keine "Damen", sondern einfach Frauen

Imageberater, Tuesday, 14.09.2010, 10:32 (vor 5600 Tagen) @ MC Henrich

Frauen? Denken wir mal daran, dass das Wort "Frau" ursprünglich mal eine
Respektsanrede war, es ist nur Jahrhunderte her.

Weibliche Wesen, die keinen speziellen Respekt verdient haben, waren
einfach "Weiber". Ich finde, dieses Wort sollte häufiger verwendet werden.

Eben. Etwa "Kerl" wird ja auch ganz selbstverständlich gebraucht, obwohl es ebenso negativ konnotiert ist. Da redet niemand von Männerfeindlichkeit, die wertende Bezeichnung wird ganz selbstverständlich als zutreffend erachtet.

Bei Frauen springt sofort der Welpenschutz an. Auch ich habe früher das Wort "Schlampe" vermieden, weil ich nicht fand, dass irgendeine Frau eine solche Bezeichnung verdient hätte. Frauen belehrten mich eines Besseren.

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Das sind aber keine "Damen", sondern schwanzloses Gesindel

Rechtlos, Tuesday, 14.09.2010, 11:27 (vor 5600 Tagen) @ Müller

LOL

Das sind aber keine "Damen", sondern einfach Frauen

Robert ⌂, München, Tuesday, 14.09.2010, 20:01 (vor 5600 Tagen) @ MC Henrich

Frauen? Denken wir mal daran, dass das Wort "Frau" ursprünglich mal eine
Respektsanrede war, es ist nur Jahrhunderte her.

Weibliche Wesen, die keinen speziellen Respekt verdient haben, waren
einfach "Weiber". Ich finde, dieses Wort sollte häufiger verwendet werden.

Die Begriffspaare sind:
Mann - Weib / männlich - weiblich
Herr - Frau (also Personen, die "höhergestellt" sind)
herrlich - fraulich ist sind in ihrer Bedeutung nicht ganz so nahe an den Ausgangsbegriffen dran ;)

Aber ich mag "Dame" --> "dämlich" ;) (wobei "Dame" ja nichts anders ist als die französische Übersetzung von "Frau", genauso wie "Lady" die englische Übersetzung davon ist. Der "Sire"/"Sir" hats nicht ins Deutsche geschafft).

Robert

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Wolfgang Gogolin "Diese Hymnen für Frauen erinnern an das Lob, das einem vierjährigen Kind zuteil wird, weil es endlich nicht mehr in die Hose kackt, sondern von allein aufs Töpfchen geht."

Frauen und die Wehrpflicht

Garfield, Tuesday, 14.09.2010, 20:16 (vor 5600 Tagen) @ reinecke54

Hallo Reinecke!

Schlecht gelaunte Wehrpflichtige, die überall lieber wären als in der Kaserne, sind hervorragend geeignet, die Streitkräfte zu kontrollieren und Missstände aufzudecken.

Wehrpflichtige als ehrenamtliche verdeckte Ermittler??? Was für ein Schwachsinn. Das kann nur jemand verzapft haben, der niemals Wehrdienst leisten mußte.

Ich erinnere mich da gerade an meine Zeit bei der NVA. Ich hatte noch riesiges Glück, weil ich im Herbst 1989 eingezogen wurde und somit die NVA nur noch in den letzten Zügen erlebt habe. Aber das reichte, um mir ein gutes Bild machen zu können.

Da gab es etwas, das von den Wehrpflichtigen der höheren Diensthalbjahre gern pathetisch als "E-Bewegung" bezeichnet wurde. "E" stand dabei für "Entlassungskandidat" - das waren die Wehrpflichtigen im letzten Diensthalbjahr. Der Wehrdienst dauerte ja in der NVA 18 Monate, es gab also drei Diensthalbjahre. Offiziell war es so, daß die Soldaten ihre Zimmer sowie die äußeren und inneren Kompaniebereiche selbst reinigen mußten. Praktisch sah das so aus, daß das nur die Wehrpflichtigen des ersten Diensthalbjahres taten. Ihnen blieb nichts anderes übrig, weil sie auf jeden Fall immer eine doppelte Anzahl gegen sich hatten, nämlich die Wehrpflichtigen des zweiten und dritten Diensthalbjahres. Die vom zweiten Diensthalbjahr - die sogenannten "Vizes" - beaufsichtigten sie dabei und gaben ihnen Anweisungen. Die vom letzten Diensthalbjahr dagegen ließen es sich gut gehen und griffen nur ein, wenn die "Vizes" die "Glatten" (das waren die im ersten Diensthalbjahr) mal nicht im Griff hatten. "Der E denkt, der Vize lenkt, der Glatte rennt", hieß es immer.

Für Soldaten, die sich dem nicht fügen wollten, gab es diverse Strafen. Z.B. die "Weiße Weihnacht" - da wurden große Mengen Scheuerpulver in Räumen ausgeschüttet und naß gemacht. Die "Glatten" durften das dann anschließend mühselig wegschrubben. Oder die "Musikbox" - da kam ein "Glatter" in einen Spind-Schrank, und wenn jemand gegen den Schrank schlug, mußte er ein Lied singen. Manchmal machte man sowas auch nicht als Strafe, sondern einfach so aus Langeweile.

Offiziell war das alles natürlich untersagt. Aber die Vorgesetzten akzeptierten das stillschweigend, solange es nicht übertrieben wurde. Denn es trug dazu bei, die Truppe zu disziplinieren.

Wenn man das nie mitgemacht hat, ist es leicht zu sagen, daß man sich gegen solche Zustände doch auflehnen kann. Man versetze sich mal in einen jungen Menschen, der vielleicht gerade mal 18 bis 20 ist, kaum Lebenserfahrung hat und dann in solche Zustände hinein gerät. Der wird kaum auf die Idee kommen, da zu rebellieren, und wenn er es doch tut, hat er schnell zunächst zwei Drittel der "Kameraden" gegen sich, dann auch noch die Vorgesetzten und letztendlich obendrein auch noch die anderen aus seinem Diensthalbjahr, weil die nämlich immer wegen ihm Kollektivstrafen aufgebrummt bekommen und deshalb stinksauer sind.

In der NVA hat es deshalb immer wieder Selbstmordfälle gegeben. Nach dem, was man von der Bundeswehr hört, scheint es da nicht sehr viel anders zu sein, und auch da gab es schon Selbstmorde. Die Konstellation ist ja auch ähnlich: Da sind junge Menschen, die bisher in Schule, Lehre und anfangs auch in der Armee immer nur gehorchen mußten. Und irgendwann sind sie auf einmal entweder offiziell oder inoffiziell anderen jungen Menschen vorgesetzt. Schon nutzen sie diese Chance, um endlich auch mal andere kommandieren zu können. Und manche toben sich dann so richtig aus, an anderen jungen Menschen, die sich mangels Lebenserfahrung in dieser für sie sehr ungünstigen Situation kaum effektiv wehren können.

Die Wehrpflicht ändert daran nicht nur nichts, sondern die fördert so etwas noch. Und es ist entweder Zynismus, Unwissenheit oder Dummheit, das so schön reden zu wollen.

Freundliche Grüße
von Garfield

Frauen und die Wehrpflicht

reinecke54, Wednesday, 15.09.2010, 15:32 (vor 5599 Tagen) @ Garfield

Das von Dir beschriebene senioritätsprinzip existiert ja bekanntlich in der russischen armee in viel extremerer form ohne dass sich jemand hier in der EU darüber aufregt. Diese beschreibung (von 2006) habe ich gefunden:

Junge Rekruten als Arbeitssklaven missbraucht

Auch im Inneren der Armee sieht es anders aus, als Wladimir Putin der Öffentlichkeit weismachen möchte. Zum äußeren Verfall kommt die Zerstörung der Moral, die Verrohung der Menschen. "Dedowschtschina" legt hiervon Zeugnis ab, die "Herrschaft der Großväter". Anders gesagt: Die systematische Drangsalierung und brutale Herrschaft der Älteren über die Jüngeren. "Dedowschtschina" ist die uneingeschränkte Machtausübung über die nachrückenden Rekruten. Die Älteren, häufig die Offiziere, konfiszieren deren privaten Besitz, nehmen sich ihre Essensrationen, den Sold. Junge Wehrdienstleistende werden als regelrechte Arbeitssklaven missbraucht und sogar gegen Geld an fremde Firmen verliehen. Sie werden zu sinnlosen, erniedrigenden, demütigenden Tätigkeiten gezwungen. Sie werden gequält, geprügelt und vergewaltigt. Und es gibt keine offizielle Instanz, an die sich die Gepeinigten in ihrer Not wenden könnten.

Die Journalistin Anna Politikovskaja, die sich mit kritischen Berichten über die russische Tschetschenien-Politik und über die korrupten Verhältnisse beim Militär einen Namen gemacht hat, schreibt in einem Buch: "Die Armee Russlands - traditionell eine der tragenden Säulen des Staates - ist immer noch ein typisches Straflager hinter Stacheldraht für die jungen Bürger des Landes, die man ohne Recht auf Gegenwehr dorthin verfrachtete."

Ergänzende möchte ich hinzufügen: nicht alle jungen bürger sondern nur die männer.

Natürlich existiert ein solches prinzip auch bei der BW. Die neuzugänge hiessen bei uns rotärsche. Aber die brutalisierung war anscheinend geringer als bei der NVA, jedenfalls nach meiner erfahrung. Aber auch hier waren die wehrpflichtigen weit davon entfernt, die streitkräfte kontrollieren zu können.

Frau Gaus war ja nie wehrpflichtig - hat aber ne grosse klappe.

Die Wehrpflichtigen Männer in der Sowjetarmee

Christine ⌂, Wednesday, 15.09.2010, 15:53 (vor 5599 Tagen) @ reinecke54

Hallo Reinecke,

jetzt verstehe ich auch viel besser, warum die sowjetischen Männer mehr als der Durchschnitt - z.B. europäischen Männer - saufen und daher viel eher krepieren, denn anders kann man dieses sterben nicht nennen :-(

Gruß - Christine

--
Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein

Frauen und die Wehrpflicht

Garfield, Wednesday, 15.09.2010, 18:26 (vor 5599 Tagen) @ reinecke54

Hallo Reinecke!

Ja, die Zustände in der Roten Armee müssen noch weit schlimmer gewesen sein als die in der NVA. In der DDR hörte man immer wieder Geschichten über dort stationierte Rotarmisten, die dieser Hölle entflohen waren. Manche versteckten sich eine Weile in irgendwelchen Wäldern, andere wurden schnell wieder aufgegriffen. Jemand aus meinem Bekanntenkreis hat mal zufällig miterlebt, wie das ablief: Da wurde der geflohene Soldat von den Feldjägern erst einmal auf offener Straße zusammen geprügelt, dann warf man ihn auf die Ladefläche eines LKWs, die Feldjäger stiegen dazu, die Plane wurde geschlossen, und ab gings zurück in die Kaserne.

Obendrein war die Wehrdienstzeit in der Roten Armee auch noch länger als in der NVA - man erzählte damals immer was von drei Jahren. (!)

Diese alten Traditionen werden in der russischen Armee sicher bis heute weiter leben. Dazu kommt noch, daß unter Jelzin ja das ganze Land finanziell ruiniert wurde. Das bekam dann bekanntlich auch die Armee zu spüren, und so wuchs für die Vorgesetzten natürlich die Versuchung, den mageren oder womöglich nicht einmal gezahlten Sold durch Ausbeutung ihrer Untergebenen aufzubessern. Als es dann finanziell wieder besser lief, floß das nun wieder vorhandene Geld sicher vor allem in neue Waffensysteme und weniger in die Taschen der Soldaten. So wird sich da wohl auch nicht viel geändert haben.

Aber wen interessiert's - es sind ja eh nur Männer betroffen...

Freundliche Grüße
von Garfield

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