Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Ziellose Bewegung.

IM Rosenbaum, Friday, 10.09.2010, 02:04 (vor 5604 Tagen) @ WolfS

Das war in der Tat wohl weiser von Deinem Großvater, als er vermutete -
viel weiser, lieber Wolfgang. Zwar hängt der anhaltende Geburtenrückgang
heute - auch - mit dem Einfluß des Feminismus zusammen, umgekehrt ist aber
der Erfolg des Feminismus ursächlich auf den Geburtenrückgang Ende des 19.
Jahrhunderts zurückzuführen. Wir haben ihn den Männern zu verdanken, die
das Kindbettfieber in den Griff bekamen und die Kindersterblichkeit
deutlich senkten. Mußten vorher - also während fast der gesamten
Menschheitsgeschichte - Frauen, die zwei oder drei Kinder ins
geschlechtsreife Alter bringen wollten, fast jedes Jahr schwanger werden
und konnten sie wegen der Kinder das Haus nur gelegentlich verlassen, so
wurden mit dem Rückgang der Geburten nun gewaltige Kapazitäten frei.

Die weiblichen Kapazitäten der Unterschicht wurden von der aufblühenden
Industrie aufgesogen, die rapide steigenden Bedarf an billigen
Arbeitskräften hatte. Die bürgerlichen Frauen dagegen begannen, sich zu
langweilen. Die Ideen der gebärunfähigen/gebärunwilligen Frauen, die keinen
Versorger abbekamen bzw. keinen wollten, fielen bei einigen dieser
bürgerlichen Ehefrauen nun auf fruchtbaren Boden. Einige fühlten sich nun
nicht nur unausgelastet, sondern auch "unterdrückt". Sie kamen, da sie ja
"keine Schweine zu hüten hatten", wie Dein Großvater sagt, "auf dumme
Gedanken". So entstand die erste Welle der Frauenbewegung, die zweite, die
1968 begann, hatte andere Ursachen.

Wolf

Ein zentrales Argument von Frauen ist ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit, wenn sie arbeiten gehen. Wobei dieses Argument nicht selten obsolet wird, wenn sie sich vom Partner trennen, da dann die Unabhängigkeit durch Unterhalts- oder staatliche Leistungen ersetzt werden. Die Legitimation rührt dann aus der Kinderbetreuung, die kurz zuvor noch an Krippen, Kitas und Horte problemlos delegiert werden konnte. Der gesamte Komplex der Befreiung von den Zwängen der Gesellschaft wird so schlicht hin und her geschoben. Die bürgerliche Frau, die als Hausfrau die Vollversorgung wählt, sucht sich nach gleichen Maßstäben den Weg, der von der Kosten-Nutzen-Analyse oder Selbstbestätigung das meiste Futter liefert. Eine tatsächliche Unabhängigkeit wird aber nie angestrebt. Es werden nur die Peitschen oder Käfige gewechselt. Da nehmen sich die Geschlechter nicht viel. Nur dass Männer nicht den großen utopisch-feministischen Bohei daraus machen, wenn sie ähnlichen Zwängen unterliegen. Dass dieser Bohei existiert und jede Kapriole oder Volte von Frauen ideologisch unterfüttert wird, dafür sind die div. Frauenzeitschriften von Brigitte bis Tina zuständig, die nach Art eines biographischen Bastelbogens jegliche Entscheidung wie Moden folgend nach- oder nebeneinander darstellen, so dass Frau das zum Kleid passende Vokabular für die Entscheidungen erhält, egal was oder wer dabei zu Schaden kommt. Man stelle sich also vor, Männermagazine würden von der Abtreibung bis zum Zelotentum jedwede Entscheidung von Männern gut heißen und diesen argumentativ beispringen, unabhängig wonach dem modernen Mann gelüstet. Eben dies passiert aber nicht, von der Zahl der Männerzeitschriften mal ganz abgesehen. Jedenfalls stehen bei den Publikationen für Männer das Wohlergehen der Frau, der Kinder und berufliche Strategien zur maximalen Selbstausbeutung zum Nutzen Dritter im Vordergrund. Als Goodies stehen dann, neben der Beliebigkeit ein "moderner" Mann und Vater zu sein, materielle Anreize wie ein schneller Familien-Wagen im Vordergrund oder ein Werkzeug-Porno vom Baumarkt, damit Mann auch den Feierabend und das Wochenende mit der Nestoptimierung verbringt. Der Unterschied der Sinngebung ist schon auffällig. Auf der einen Seite das Nutztier Mann und auf der anderen Seite die Frau, die nach Lust und Laune, seltener aus tatsächlicher Not, alles durchspielen kann und soll, was man ihr an "Befreiungs-Variation" vorschlägt. In den Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts nannten Feministen diese trügerische Freiheit bei Frauen noch "aus der Flasche in die Flasche". Nur dass sich in den letzten vierzig Jahren daran nichts geändert hat, sondern die Freiheiten so unerträglich sind und keinenfalls sinnstiftend, dass Frauen in der Frustrationsfalle hängenbleiben. Und wo Ursache und Wirkung nicht zu erkennen sind, beginnt der Mensch aus diffusem Unbehagen zu nörgeln. Beobachtet man die Zeitläufte, wird dieses Gefühl nicht aus der Welt zu schaffen sein, mit der jetzt schon sichtbaren Folge, dass die Ziellosigkeit an die Töchter als Grundstimmung weitergegeben wird und die Söhne unter den Stimmungsschwankungen der Mütter leiden. Hier wird ein "etwas" tradiert, dass in seiner Schadensbreite der verwahrlosten Jugend nach dem 2. Weltkrieg sehr stark ähnelt.


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