Spiegel: Die neuen Deutschen
Spiegel-Online: Die neuen Deutschen, 23.08.10, Auszug:
Für die große Mehrzahl der Deutschen ist Ursula von der Leyen die politische Idealfrau. Wenn man sie selbst nach einer wichtigen moralischen Instanz gefragt hätte, dann hätte von der Leyen - neben Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker - den Namen einer Frau genannt: "Alice Schwarzer. Sie ist eine Frau von Format und mit Charisma. Sie hat einen geraden Lebensweg, der sicherlich nicht leicht war. Aber sie stand für ihre Sache schon in den Siebzigern, als das schwierig war. Das imponiert mir."
Und mit ihr 38 Prozent der Deutschen. Das ist neu. Eine Emanze, die Buhfrau der Ära Helmut Kohl, steht heute mehr für gute neue Werte als der Altkanzler Gerhard Schröder oder der Spitzenbanker Josef Ackermann. Das Ansehen von Alice Schwarzer ist auch bei CDU-Stammwählern kaum weniger hoch als im deutschen Durchschnitt (35 Prozent) und in fast gleichem Maß verbreitet in Ost und West.
Ein Spitzenpolitiker muss wie Alice Schwarzer in der Lage sein, jedes noch so heikle Dilemma in drei Minuten zu benennen. Und seine Entscheidung zu begründen und den Zuhörer mit dem Gefühl entlassen, dass er in guten Händen ist. Alles in allem maximal eine Viertelstunde. Es geht um das, was die Amerikaner "explainer in chief" nennen. Daran mangelt es in der Bundespolitik.
Passt alles. Ich weiß vieles, woran es "in der Bundespolitik mangelt"-aber die Ministerpräsidententochter und Studienabbrecherin gehört nicht dazu, von der Sorte ist eine schon zuviel.
