„Rabenliebe“ - In der Gruft der Erinnerung - Buch eines verlassenen Kindes ...
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... da der Autor erst als 50-jähriger Mann seine Mutter wiedergefunden hat:
„Rabenliebe“ In der Gruft der Erinnerung
Freitag 20.08.2010, 15:20 · von FOCUS-Redakteur Jobst-Ulrich Brand
Als Zweijähriger wird er von der Mutter verlassen. Fünf Jahrzehnte dauert es, bis Peter Wawerzinek sie aufspüren kann. Sein Roman „Rabenliebe“ ist die Geschichte einer Annäherung – und eine wütende Abrechnung
s war ihr Glück, dass es plötzlich so still wurde in der Wohnung. Dass das Lärmen aufgehört hatte. Dass nichts mehr zu hören war, wo sonst immer Kinder tobten. Die Ruhe kam den Nachbarn verdächtig vor. Sie brachen die Tür auf und fanden die beiden Kinder – verwahrlost, verstört, verlassen.
Der Mutter waren sie lästig geworden, der zweijährige Junge und das noch kleinere Mädchen. Der Vater war ohnehin schon auf und davon. Die junge Frau wollte fliehen aus Rostock in den Westen, damals im Jahr 1956. Kleinkinder hätten bei der Unternehmung nur gestört. Die gerade noch Geretteten kamen in verschiedene Heime. Ihre Kindheit zerbrach, bevor sie eigentlich begonnen hatte.
Wütende Anklageschrift
50 Jahre später erzählt Peter Wawerzinek in „Rabenliebe“ von dieser Kindheit (Verlag Galiani Berlin, 428 Seiten, 22,95 Euro). Er nennt sein Buch einen Roman, doch eigentlich ist es eine wütende Anklageschrift. Eine Abrechnung mit der verlorenen Mutter, mit der kalten Welt der DDR-Kinderheime, mit den Zumutungen gescheiterter Adoptionsversuche.