Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Kleiner Exkurs in die Geschichte

adler, Kurpfalz, Saturday, 07.08.2010, 06:25 (vor 5637 Tagen) @ Cardillac

Hallo Cardillac,

gesellschaftliche Veränderungen geschehen schleichend, oft über Generationen. In Demokratien zumindest. Die sind nämlich auf Dauer dadurch stark, daß sie flexibel sind. Diktaturen brechen, wenn der Druck zu stark wird, weil sie starr sind. Meist unter Getöse und gewaltigem Blutzoll. Bis in die jüngste Geschichte. Da scheinen selbst sie gelernt zu haben, denn sie klappten nun einfach zusammen, ohne Millionen Tote mitzunehmen. Demokratien können nachgeben, an bestimmten Stellen nachfedern, wenn der Druck zu stark wird. Das sichert ihnen ihr Überleben, weil sie zu Veränderungen fähig sind. Aber der Druck muß sich erst aufbauen. Und das macht er nicht von Heute auf Morgen.

Weißt Du, wie lange es die Frauenbewegung schon gibt?
Ich habe noch einen alten Brockhaus von 1966. Damals gab es noch keine Geschichtsfälscher aus der Feministischen "Wissenschaft", deshalb ist er unverfänglich. Aber selbst da steht sie schon drin, die Frauenbewegung!

Bereits im 19. Jahrhundert hub sie an, im Zuge der sozialen Reformbewegungen. 1848 begann sie politisch zu werden, im Fahrwasser der 1848er Bewegung. Das Hambacher "Fest" von 1832 war ein wichtiger Vorbereiter. Ich war bei der 150-Jahrfeier dabei. Das Hambacher Schloß ist ja bei mir gerade um die Ecke. Aber das nur am Rande. Zu merken ist, daß sie auch hier nur mitschwammen. 1918 gab es dann das Frauenwahlrecht als Beipack zu den Trümmern des Kaiserreiches. Und in den 1968iger Jahren waren sie wieder Trittbrettfahrer, diesmal eben der 68iger-Bewegung.

Wichtig ist, daß sie eben nie selbst aus sich heraus Veränderungen geschaffen haben, sondern immer nur auf einen sowieso schon fahrenden Zug aufsprangen und profitierten. Und nun hatten sie 40 Jahre Zeit, sich in allen gesellschaftlich relevante Positione einzunisten. Da, wo Entscheidungen getroffen, vorbereitet und festgeschrieben werden:
Bei den Meinungsmachern (den Medien), in der Erziehung (Kindergärten und Schulen), bei den Intellektuellen (der Think-Tank der Gesellschaft), in den Bürokratien und Ämtern, an den Universitäten und auch da, wo die Gelder verteilt werden. Überall haben sie sich breit gemacht und werden immer fetter.

Eine Männerbewegung gibt es in zarten Anfängen vielleicht 20 Jahre. Ausgangspunkt waren die Väterrechtler, weil dort das Unrecht am deutlichsten zu spüren und damit auch der Druck am größten war. Machen wir uns nichts vor: Wir sind bis heute ein ziemlich mickriger Haufen geblieben ohne jeden nennenswerten Einfluß. Und durchsetzen können wir noch lange Nichts. Wir sind immer noch nichts weiter als Bittsteller, wenn wir etwas erreichen wollen.

Wir können von der Geschichte der Frauenbewegung etwas lernen. Und was lernen wir?

Erstens natürlich, daß wir einen langen Atem brauchen. Und das ist auch gut so. denn wo kämen wir da hin, wenn jeder Furtz, der einem im Bauch rum geht gleich zu gesellschaftlichen Umbrüchen führen sollte. Nein, er muß erst beweisen, daß er auch wichtig genug ist, gehört zu werden. Und das tut er, wenn er Zeiten überdauert. Ein wichtiger Test, der gesellschaftliche Stabilität sichert.

Zweitens sehen wir, es gab Veränderungen in Teilbereichen immer dann, wenn es insgesamt mächtig knirschte im Gebälk. Das hat bei denen mehr als 150 Jahre gedauert und dass mit mehreren Anläufen. Auch wir werden erst dann wirklich weiter kommen, wenn auch an anderen Stellen nichts mehr so recht zusammen passt. Ich denke, als nächstes wird die Finanzwirtschft zusammenbrechen, die völlig ohne jede Moral ist. Und zwar gerade deshalb! dann geht den Femfaschs erst mal das Geld aus und dann ist es auch bald mit ihnen aus. Denn sie haben ja nichts eigenes auf die Beine gestellt, sondern hängen am Tropf des Patriarchats, das sie so lautstark "bekämpfen".

Aber das Alles geschieht nicht von heute auf Morgen. Es braucht erst die Zeit, die reif ist für Veränderungen. Aber die dürfen wir dann eben nicht verschlafen. Dann müssen auch wir bereit sein. Und dafür brauchen wir die Jugend. es ist dann nicht nur ihr Recht, sondern sogar ihre Pflicht, Alles zu wollen und zwar sofort. Ungeduldig, ungestüm und voller Tatendrang. Sie werden es nicht sofort bekommen und auch nicht Alles, sondern immer nur ein Wenig. Aber das verraten wir ihnen nicht, um ihnen den Mut nicht zu nehmen.

Gruß
adler

--
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Männer verdienen bei Außenreinigung deutlich mehr als Frauen bei Innenreinigung.

"Benachteiligungen von Männern beseitigen ... das ist nicht unser politischer Wille" -Grüne, Ortsgruppe Goslar


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