Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Gesterkamps Spielchen

Narrowitsch, Berlin, Saturday, 31.07.2010, 17:45 (vor 5644 Tagen) @ vt

Hammwa schon?
Richtungskämpfe
Bundesregierung will Jungen und Männer fördern. Hinter den Kulissen toben
Debatten darüber, ob und wie mit frauenpolitischen Einrichtungen kooperiert
werden soll

http://www.jungewelt.de/2010/07-30/002.php?sstr=feminismus

"Junge Welt" - das ist der rechte Ort für Pamphlete unseres bekannten Ritters von den traurigen Gestalten; hier trifft er auf die trefflichen Schreiberinnen der Mädchenmannschaft, die sich für Journalistinnen halten und für ebenso progressiv, wie er selbst und auf eine Zielgruppe, von der kein Widerspruch zu erwarten ist.

Gut.

Erstaunlich, dass er das agitatorische Fernrohr, durch welches er am falschen Ende blickt und mit dessen Hilfe er so gern Antifeministen oder auch bloß Nichtfeminsten im braunen Sumpf sehen will, diesmal in den geschleiften Bastionen des Patriarchats, dort wo jetzt die Femis hausen, zurück ließ. Herr G. hat verstanden. Ganz so einfach geht es nicht mit dem "Vorwärts!" in die schöne neue gegenderte Welt; das Etikett "rechtsextrem" erwies sich als Schuss in den Ofen.

Diesmal agitiert er andersherum, getreu dem Motto: Was Du nicht besiegen kannst, umarme. Oder besser: Umarme jene , die sich für eigene Zwecke instrumentalisieren lassen. Aber er bleibt sich treu. Er jongliert abermals mit Halbwahrheiten und übt sich in Kunst des Weglassens, die es so wunderbar versteht zu lügen ohne etwas Falsches zu sagen.

So moniert er die ungeliebte Tatsache , dass Jungen-und Männerpolitik überhaupt im Koalitionspapier Eingang fand so:

"Bei der letzten Bundestagswahl haben 17 Prozent der Männer, aber nur 13 Prozent der Frauen ihr Kreuzchen bei der FDP gemacht. "

Es ist freilich allerhand, wenn Wähler nicht im Geschlechterproporz wählen. Wenn Männer irgendwo in größerer Zahl gesichtet werden als Frauen, da kann es sich nach gewissen Dogmen nur um eine Verschwörung gegen das Frauenwohl handeln. Von Obdachlosen mal abgesehen. Nicht zu reden davon, dass er jene Gründe für Wahlentscheidungen der FDP- Wähler unterschlägt, die mehr in wirtschaftspolitischen und liberalen Hoffnungen zu suchen sind. Jedenfalls mehr als in der Korrektur unsäglicher Geschlechterpolitik und natürlich verschweigt Gesterkamp, dass exakt ähnliches Wahlverahlten, wie das von ihm bemägelte, das feministisches Denken einst derart in den Staatsbetrieb schleuste, wie wir es heut ertragen müssen.

Seit der Großen Koalition Brandt-Kiesinger, die Ausdruck eines Patts der beiden - damals noch- Volksparteien signalisierte, geht es um Gewinnung zigeunernder Wählerschaften; die grünen und roten Linken hatten es zuerst erkannt: WählerInnen, die sich in erster Linie um nichts anderes kümmern, als um Partikularinteressen einer bestimmten Gruppe, können die ein - zwei Prozent Stimmen beschaffen, die über politische Macht oder Ohnmacht entscheiden. Und so nahm das Buhlen um Stimmen von Leuten ihren Anfang, deren Interesse an Wirtschafts-, Innen-, Außen - und Verteidigungspolitik weit hinter dem Interesse an einer Gesellschaftsutopie, die Gleichheit propagierte, aber eigene Privilegien im Sinne trug, lag. Kurz gesagt, linke Parteien begannen um die Gunst der Feministinnen und Femiinfizierten zu werben. Und weil der Erfolg nicht ausblieb, sprangen die sogenannten Konservativen auf den selben Zug. So ist es ein offenes Geheimnis, dass die CDU - Granden Frau Merkel wegen eines "Frauenbonus" als Kanzlerkandidatin installierten, in der Hoffnung, mit ihr werde es schon nicht so schlimm werden. Eine Milchmädchenrechnug wie sich spätestens seit ihrer letzten Wahl heraus stellte.

Wäre Gesterkamp in seine Berichten redlich, erwähnte er in seinem Geschreibe, dass der politische Zeitgeist, auf dem er reitet, seine Existenz einer leicht anrüchigem , aber legitimen Wahlstrategie verdankt, die er nun suggestiv der FDP andichten will.

Freilich stützt sich meine Behauptung auf keinen offizielle Studie, so redlich muss ich schon sein, denn zu diesem Komplex kennen ich keine. Aber sie stützt sich auf vielerlei Nebensätze, die Leute , die es wissen müssen, in Talkshows unbedacht ausplaudern oder auch gelegentlich im Blätterwald. Die vermutete Abwesenheit einer Wahlanalyse der vergangenen 40 Jahre unter geschlechterpolitischen Aspekten spricht in Zeiten, in denen jeder Käse auf geschlechterpolitische Hintergründe untersucht wird, übrigens für sich. An dieser Stelle frage ich mich einmal mehr , was sogenannte Männerforscher wichtiges treiben, wenn sie jene gesellschaftlichen Umwälzungen, die wie kaum andere in das Zusammenleben der Geschlechter hinein regieren, scheinbar herzlich wenig interessieren und vor allem dann, sobald es an Betrachtungen von Wurzeln geht. Mir deucht, auch Männerforscher haben sich einem Burgfrieden unterworfen, der es gebietet, Feminismus als Ideologie und soziale Bewegung ganzheitlich zu betrachten.

Ganz im Sinne des Gesterkamp. Er fährt in seinem Artikel auf Sammelfahrschein, der ihn mit einer ganzen Reihe schreibender und politisierender (Pro)FemistInnen in einem Abteil des Zuges der Zeit versammelt. Sie alle nehmen neuerdings ein paar Missstände zur Kenntnis, die Antifemisten und Männerrechtler seit Jahrzehnten kritisieren und nungaukelt die feie Gesellschaft der Leserschaft vor, schon immer gegen gewisse Auswüchse er großartigen Frauenbewegung gewesen zu sein. Doch leider hätte Wichtigeres zuerst durchgesetzt werden müssen. Die Themen Wehrpflicht, Jungen und Erziehung, Gesundheit sehen sie neuerdings als ernstzunehmende Problemfelder, die angegangen werden sollten. Und einstimmig singen sie den Choral vom Feminismus, der mit jenen Missstände nichts zu tun habe.
Freilich erinnern wir uns trotz neuerer Sirenengesänge daran, erst der Feminismus bereitete das geistige Mistbeet, auf dem er ganz Anderes züchtete als die benannten Probleme. Zum eigenen Wohle- versteht sich.

Wer also ein wenig nachdenkt, kommt sehr schnell zur Überlegung, ob der plötzliche Wille zu Korrekturen bestimmter Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten durchaus nicht nur besseren Einsichten geschuldet sein könnte: Männergesundheit- auch eine Frage der Kosten, Abschaffung der Wehrpflicht steht aus unterschiedlichen Gründen- nicht aber wegen Männerbenachteiligung - zur Disposition, und die Bildungspolitik, die Jungen auf zweite Plätze verweist, trägt faule Früchte, deren Folgekosten sich jetzt abzuzeichnen beginnen. Gesterkamp weiß natürlich zumindest über Letzteres bestens Bescheid. Er schreibt:

"...Anlaß waren alarmistische Interventionen von Unternehmern, die sich Sorgen um das Qualifikationsniveau der Schulabgänger machten. Es drohe ein vorwiegend >männliches Proletariat«, warnte schon vor fünf Jahren der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. ..."

Aber auch in diesem Fall ist er unaufrichtig, ebenso unaufrichtig wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Dem einen wie den anderen war die "Proletrarisierung", die wohl besser Prekariatisierung" heißen müsste, über lange Jahre völlig Schnuppe. Männer, die seit Jahrzehnten auf die Folgen der Gleichgültigkeit gegenüber Jungenbenachteiligung oder deren wissentlichen und feministisch gewünschte Inkaufnahme, warnten als einsame Rufer in der gegenderten Wüste BRD. Nicht erst seit 5 Jahren. Und siehe: Die Industrie brummt wieder und beklagt nun immer vernehmlicher den Mangel an Fachkräften. So, als wäre er nicht vorauszusehen gewesen. Auch die Industrie hat in dieser Frage versagt, ihre mächtige Stimme und Lobby hätte manches anders laufen lassen können. Das Image "frauenfreundlich" war ihr wichtiger. Die Realität legt nun die Rechnung vor.
Nämlich die Rechnung für die Fehlkalulation der Femis, die glaubten, frau müsse nur Mädchen bessere Bildungserfolge bescheren als den Jungen und schon werden Frauen in der Industrie die Plätze der Männer einnehmen, ist nicht aufgegangen. Dieser Unfug korrespondiert mit der gern kolportierten Geschichtsdeutung, Frauen wären in der Nachkriegszeit von Männern gegen ihren Willen von der geliebten Arbeit in den Fabriken und auf den Trümmerbergen verdrängt worden. Manchmal haben Lügen lange Beine und nun tut schnelle Abhilfe der Folgen Not; nun sollen es Fachkräfte auch aus den sogenannten Schwellenländern richten. Dass die beim Aufbau der eigenen Wirtschaft fehlen könnten, scheint den (linken) Gutmenschen, die sich ansonsten laut für Entwicklungspolitik vernehmen lassen, unvorstellbar.

Und auch unserer wackere Autor schwärmt noch immer von "von der Förderung des Projekts >Neue Wege für Jungs«, das männlichen Jugendlichen insbesondere Perspektiven in erzieherischen und pflegerischen Berufen ermöglichen will". Wie fast immer mit der halben Wahrheit. Es geht dort durchaus nicht allein um die (notwendige) Implatierung von Männern auf 2 Berufsfeldern, es geht erklärte Maßen um Jungen in Mädchenberufen. Frisör zum Beispiel. Möglicherweise sind aber Frisöre für den Fortbestand einer Wohlstandsgesellschaft nicht ganz so wichtig wie qualifizierte Maschinenbauer.

So etwas beeindruckt Herrn Gesterkamp nicht im Geringsten. Ohne mit der Wimper zu zucken, betreibt er weiter Agitation, die nichts anderes tut, als den (Alp)Traum einer geschlechtslosen Gesellschaft über das Wohlergehen der Gemeinschaft zu stellen. Ich zähle diese Handlungsweise zu den signifikanten Merkmalen des Feminismus. Und genau darum geht es: Das Wesen des Feminismus in seiner verderblichen Vielschichtigkeit darf und soll nicht in die breite Öffentlichkeit sickern. Deshalb die angestrebte negative Kornnation des Begriffs "antifeministisch". So als wäre Feminismus ein Synonym für Humanität, den in Frage zu stellen, einem Bekenntnis zum Satanismus gleich kommt.

Also braucht es auch niemanden wundern, weshalb ausgerechnet gestandene Femis und Pudel ihr Herz für eine kirchliche Bewegung entdecken:die Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Mann muss nur lesen, was diese Gruppierung antreibt, nämlich vieles von dem, was feministische Gebetsmühlen seit Jahrzehnten klappern : mehr Männer bei er Hausarbeit, bei der Kindererziehung usw usw. Nicht, dass ich im Detail an den männerevangelischen Absichtserklärungen grundsätzlich etwas zu mäkeln hätte, ich bemängele allerdings die Abwesenheit fast aller Themen, die Männer wirklich auf den Nägeln brennen. Angefangen bei den Folgen des Treibens der Scheidungsindustrie, über Kindesentzug bis hin zu Missbräuchen mit dem Missbrauch. Von der ungerechten Quotenpolitik, die bei gleicher Qualifikation Frauen bevorzugt, selbst wenn sie sich am Job nur mäßig interessiert zeigen und auch deren bessere Eignung zweifelhaft bleibt.

All das interessiert diesen Verein christlicher Männerin keiner Weise. Und genau das ist es vermutlich, was ihn für die Gesterkamps als Plattform und Ansprechpartner geradezu prädestiniert (vorherbestimmt). In ihren Augen handelt es sich um einsichtige Männer, einsichtig in den Femigrundsatz: wenn es den Frauen gut geht, wird es Männern auch gut gehen. Die Wirklichkeit spricht allerdings eine andere Sprache. Und so machen sich Männer, vermutlich mit besten Absichten zu Marionetten des Feminats.

Und genau das ist der neue, der versöhnliche Ton, den uns das Femi- Pack immer öfter bietet: Anerkennt uns, respektiert uns, fragt nicht so genau nach. Dann und nur dann wird es euch gut gehen, endlich können wir die Gräben des Geschlechterkrieges zuschütten, den wir FeministInnen aufreißen mussten, um euch zur Vernunft zu bringen. Und Frieden auf Erden, Amen.

Nicht schlecht, aber durchsichtig. Plötzlich strecken sich feministische Hände Männern entgegen, jetzt wo es im Untergrund grollt. Pfründe sichern ist das Gebot der Stunde, deshalb: Frieden, Frieden, Frieden

Ich meine: Diese Weiber und ihre Lakaien können rhetorische Leimruten auslegen, soviel sie wollen. Wir werden weiter genau hinschauen, hinhören und genau lesen. Ich für meinen Teil weiß:

Gleichberechtigung, Chancengleichheit, halbwegs Fairness kann es erst geben, wenn das Wort Feminismus in den Köpfen Verachtung auslöst und der feministischen Ungeist der Ungleichheit wieder in der Flasche ist, in die er gehört. Das fürchten sie freilich wie der Teufel das Weihwasser.Ändern an Zeiten , die sich ändern, wird es nichts.

Da können Gesterkamps schreibend taktieren, soviel sie nur wollen.

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Extemplo simul pares esse coeperint, superiores erunt-

Den Augenblick, sowie sie anfangen, euch gleich zu sein, werden sie eure Herren sein.


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