Weibliche Führungskompetenz
Melkor, Monday, 26.07.2010, 20:28 (vor 5649 Tagen)
Hallo
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:agenda-maehen-und-dreschen-bei-claas/50148551.html
Schön das hier die FTD keine gegenderte Rücksicht nimmt, sondern eines der Probleme beim Namen nennt.
Melkor
Weibliche Führungskompetenz
Garfield, Monday, 26.07.2010, 21:39 (vor 5649 Tagen) @ Melkor
Hallo Melkor!
Ich glaube, das ist kein speziell weibliches Problem.
In dem Artikel wird ja auch beschrieben, wie Claas groß geworden ist:
Mehr als vier Jahrzehnte prägte der Patriarch Geist und Kultur des Unternehmens. Noch immer ist der äußerst bescheiden auftretende Seniorchef regelmäßig ab 10 Uhr in seinem Büro. Wegbegleiter beschreiben ihn als gebildet, zuverlässig - und vor allem sparsam. Abgesehen von einem Bauernhof in Großbritannien und einer Wohnung in Marbella leiste er sich keine größeren Extravaganzen. Er trete so unprätentiös auf, dass er auf der Jagd lange einen alten Strohhut mit den Initialen seines Vaters trug, des Unternehmensgründers August Claas. In der Branche gilt Helmut Claas als Technikfreak, der noch heute bei Produktinnovationen sofort den Schwachpunkt erkennt.
Das ist so ein typischer Vertreter der alten Schule an der Spitze von erfolgreichen Familien-Firmen. Jemand, der seine Firma von der Pike auf kennt.
Und auch das hier ist leider ganz typisch:
Zwar ist die Nachwuchschefin hervorragend ausgebildet - sie spricht mehrere Sprachen, studierte in der Kaderschmiede Sankt Gallen, durchlief ein Trainee-Programm bei ABB - im operativen Geschäft war sie aber bei Claas nie tätig. Nach wie vor versucht sie, den Überblick aus der Ferne zu behalten, zunächst aus Zürich, seit ihrer Heirat aus Frankfurt. "Sie ist volatil präsent", heißt es in Unternehmenskreisen.
Die Nachwuchschefs haben heute oft studiert, sprechen fließend Englisch usw., aber sie kennen die Firmen nicht, die sie leiten wollen. Sie haben niemals in einer Fabrikhalle oder ganz unten im Vertrieb gearbeitet. Dafür haben sie alle ein gewaltiges Ego und glauben, alles besser zu wissen. Eben diese "Franjo Pooth-Mentalität".
Die werden in Zukunft noch einige Firmen gegen die Wand fahren, nicht nur Claas.
Aber zumindest zeigt dieses Beispiel gut, daß die Behauptung, Frauen wären bessere Führungskräfte, ganz klar auch nur ein Märchen ist.
Freundliche Grüße
von Garfield
Weibliche Führungskompetenz
Narrowitsch, Berlin, Tuesday, 27.07.2010, 02:01 (vor 5648 Tagen) @ Garfield
Hallo Melkor!
Ich glaube, das ist kein speziell weibliches Problem.
Wahrscheinlich nicht. Den Unterschied macht der Umstand, dass niemand bislang forderte, mindestens 40% von Führungspositionen müssten in Männerhand und zwar wegen deren herausragenden und überlegenen Kompetenzen.
In dem Artikel wird ja auch beschrieben, wie Claas groß geworden ist:
Das ist so ein typischer Vertreter der alten Schule an der Spitze von
erfolgreichen Familien-Firmen. Jemand, der seine Firma von der Pike auf
kennt.
Von alten Patriarchen, die sich um Firma und Belegschaft kümmern, gibt es unendlich viele Geschichten, über Frauen habe ich noch nichts vergleichbares- mit Ausnahme des Autoverleihs Hertz- gelesen. Mag sein, dass es an der relativ kurzen Zeitspanne liegt, in denen Frauen vermehrt das Sagen in Familienunternehmen haben. Aber ich hege jedoch den Verdacht, dass es da nicht viel zu berichten gibt. Wäre es anders füllten jenen Berichte den Blätterwald und jeder Käseartikel begänne mit dem Satz: Frauen haben längst ihre Überlegenheit über Männer auch im Unternehmertum bewiesen.
Zwar klingen diese Untertöne mehr als genug in diversen Medienmachwerken an, aber zur finalen Siegesfanfare reicht es noch nicht. Wie sich das anhört, kennen wir aus dem Bereich Bildung.
Und auch das hier ist leider ganz typisch:
Zwar ist die Nachwuchschefin hervorragend ausgebildet - sie spricht
mehrere Sprachen, studierte in der Kaderschmiede Sankt Gallen, durchlief
ein Trainee-Programm bei ABB - im operativen Geschäft war sie aber bei
Claas nie tätig.
Was einmal mehr für die Tatsache spricht, dass gute Ausbildung und Eignung für anspruchsvolle Aufgaben zwei verschiedenen Paar Schuhe sind. Denke ich an die Gründerzeit, der Deutschland und Europa so unendlich viel verdankt, wundert es mich , wie Weltkonzernen entstehen konnten, ohne dass die Gründer St. Gallen oder "Eliteschulen in den USA" je gesehen haben.
Aber zumindest zeigt dieses Beispiel gut, daß die Behauptung, Frauen wären
bessere Führungskräfte, ganz klar auch nur ein Märchen ist.
Ebben.
Freundliche Grüße
von Garfield
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Extemplo simul pares esse coeperint, superiores erunt-
Den Augenblick, sowie sie anfangen, euch gleich zu sein, werden sie eure Herren sein.
Weibliche Führungskompetenz
Garfield, Tuesday, 27.07.2010, 12:11 (vor 5648 Tagen) @ Narrowitsch
Hallo Narrowitsch!
Denke ich an die Gründerzeit, der Deutschland und Europa so unendlich viel verdankt, wundert es mich , wie Weltkonzernen entstehen konnten, ohne dass die Gründer St. Gallen oder "Eliteschulen in den USA" je gesehen haben.
Ich frage mich da auch immer wieder, wie es eigentlich sein kann, daß es so große qualitative Unterschiede zwischen den Generationen gibt. Wieso es die Alten so oft nicht geschafft haben, ihre Nachfolger vernünftig einzuarbeiten.
In kleinem Maßstab habe ich das mal in einer Fahrradfabrik miterlebt. Da gab es einen Meister, der für die Halle verantwortlich war, in der Vormontage, Endmontage und Verpackung der Fahrräder stattfand. Als ich da anfing, hab ich miterlebt, wie dieser Meister, der da auch gerade neu angefangen hatte, dafür eingearbeitet wurde. Der hat da an jeder Arbeitsstation mal ein paar Tage gearbeitet. So wußte er, worum es überall geht, und so konnte er alles viel besser einschätzen und die Arbeit gut koordinieren. Er war sich auch nie zu fein, selbst mit anzupacken, wenn es mal irgendwo einen Engpaß gab.
Allerdings mußte er das immer vor den höheren Chefs verheimlichen. Wenn die sahen, daß er selbst am Fließband mit anpackte, bekam er von denen sofort einen Anschiß.
Er verließ die Fabrik aber schon bald wieder. Ein Nachfolger wurde eingestellt, und zur Einarbeitung dieses Nachfolgers wurde ein Meister aus einer anderen Fabrik rangeholt. Obendrein gab es mittlerweile noch einen dritten Meister in der Halle. Die Firma hatte nämlich in der Zwischenzeit eine andere Firma geschluckt, deren Fahrräder nun auch in dieser Fabrik gebaut wurden. Weil die Beschäftigten der geschluckten Firma anfangs noch hofften, daß die Produktion in ihrer Fabrik weiter laufen könnte, haben sie alles Mögliche an den in unserer Fabrik produzierten Rädern bemängelt. Letztendlich wurde dann als Kompromiß ein Meister aus dieser Firma in unsere Fabrik versetzt. Der sollte da die Qualität kontrollieren.
So gab es nun also gleich drei Meister in der Halle, und das brachte das totale Chaos. Auch wurde der neue Meister gar nicht richtig eingearbeitet. Der hat nie irgendwo mit angepackt. So lernte er die Arbeit nie kennen und wurde auch von den anderen Mitarbeitern gar nicht richtig akzeptiert. Der hatte von Anfang an gar keine Chance.
Ich hab dann bald da aufgehört, und etwa 1-2 Jahre später wurde die Fabrik dicht gemacht, was aber auch damit zusammen hing, daß zu der Zeit Fördermittel ausliefen.
Und genau so etwas geschieht heute oft auch in großem Maßstab in Familienunternehmen. Da werden die Nachfolger nicht mehr erst einmal in die Fabrikhalle gestellt, um da mitzuarbeiten. Nein, die besuchen Privatschulen und danach "Elite-Universitäten". Dann kommen sie irgendwann zurück und haben immer noch nichts von dem gelernt, was sie eigentlich können müßten.
Man könnte doch normalerweise annehmen, daß die Väter dafür sorgen, daß ihre Nachfolger richtig eingearbeitet werden. Manchmal geschieht das vermutlich auch. Aber offensichtlich nicht immer.
Ich vermute, daß das vor allem daran liegt, daß die Mütter in den Familien das Sagen haben. Und die wollen oft, daß die Kinder nicht irgendwelche unfeine Arbeit in einer Fabrikhalle machen. Das wäre ja peinlich. Nein, sie sollen studieren und der Arbeit möglichst fern bleiben. Die Väter machen wahrscheinlich dann oft den Fehler, das zu dulden und zu hoffen, daß die Kinder später schon noch alles lernen werden. Aber das klappt dann auch meist nicht, weil den Kindern dann schon ein riesengroßes Ego anerzogen wurde, was sie daran hindert, von "niederen" Beschäftigten der Firma zu lernen. Und so sitzen sie dann in ihren Chef-Büros, wissen nichts und können nichts und haben somit nur noch die Möglichkeit, irgendeinen Käse durchzuziehen, den sie in irgendeiner Manager-Zeitschrift oder an der Uni gelernt haben. Wenn das aber gerade überhaupt nicht paßt, dann rutscht die Firma eben in die roten Zahlen. Das übergroße Ego hindert sie dann auch noch daran, ihre eigenen Fehler zu erkennen. Stattdessen wird die Schuld Anderen zugeschoben. Und mit betont autoritärem Auftreten soll die eigene Inkompetenz getarnt werden. Bis dann irgendwann die Insolvenz erreicht ist.
Freundliche Grüße
von Garfield
Weibliche Führungskompetenz
Lektor, Tuesday, 27.07.2010, 10:00 (vor 5648 Tagen) @ Melkor
Übrig blieben in der Konzernleitung die ganz Getreuen: Geschäftsführer, die nicht viel verändern, nicht besonders auffallen und vor allem keine Fehler machen wollen, sagen Insider.
Macht Kohls Töchti grad ganz genauso - aber mit einem ganzen Land.
Und eine toll ausgebildete, qualifizierte, hoch motivierte Betriebswirtin, die noch dazu ganz toll Fremdsprachen kann?
Helmut Claas studierte Maschinenbau.
Meine Güte, wenn man etwas leiten will, sollte man sich schon irgendwie dafür interessieren, meint man...
Weibliche Führungskompetenz - Nachtrag
Lektor, Tuesday, 27.07.2010, 10:12 (vor 5648 Tagen) @ Lektor
Helmut Claas studierte Maschinenbau.
Zudem ist er ausgebildeter Maschinenschlosser und studierte obendrein auch noch ein Jahr Landwirtschaft.
Ich bezweifle, dass seine Tochter überhaupt einen Reifen wechseln kann.
Weibliche Führungskompetenz
der_quixote, Absurdistan, Tuesday, 27.07.2010, 12:37 (vor 5648 Tagen) @ Melkor
Doch Helmut Claas' Ära geht langsam zu Ende. Aus Altersgründen muss er sich zunehmend auf seine Tochter verlassen. Und auf seine deutlich jüngere Gattin Erika, die einst als Sekretärin für ihn arbeitete. In letzter Zeit mische sie sich stärker ein, heißt es in der Branche. So sei sie häufiger auf Messen und bei offiziellen Anlässen zu sehen - zur Not eben auch, um ihre Tochter in Schutz zu nehmen.
Sekretätrin und Sekretärinentöchter an die Macht.
Ins gemachte Nest setzen schön und gut.
Aber die Lebensgrundlage von tausenden Beschäftigten ruinieren ist eine andere Sache.
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Man(n) sollte (s)eine Frau welche schweigt niemals unterbrechen...