Gute Analyse zur "Wissenschaftlichkeit" und "Argumentation" von QueerStudies/Gender Studies etc
Autor: Altschneider
Quelle: Alles Evolution
Die Queer-Theorie ist natürlich keine Theorie im wissenschaftlichen Sinn, sondern allenfalls eine Hypothese. Allein diese falsche Verwendung des Theorie-Begriffs verrät schon, das im Bereich des Genderismus, zu dem ja auch die Queers gehören, Wissenschaft keine Rolle spielt (ähnliches findet man in der Soziologie mit der Rollen-Theorie, die ja allenfalls ein Modell ist). Es handelt sich um Ideologien, die sich gerne einen wissenschaftlichen Anstrich geben, denen es aber letztlich nicht um Erkenntnisgewinn geht, sondern um Definitiumsmacht und Meinungshoheit. Das verrät auch schon die Begrifflichkeit – wäre geschlechtliche Identität soziokulturell bestimmt, dann wäre ein neuer Begriff wie „Gender“ unnötig, da er genau dasselbe meinen würde wie Sex bzw. Geschlecht.
Die Queer Theorie behauptet also, sie belegt nicht, sie beweist nicht, sie überzeugt nicht.
Es ist interessant, das hier der Konstruktionsbegriff ins Spiel gebracht wird. In den letzten Jahrzehnten ist in den Sozial“wissenschaften“, zunehmend auch in den Kulturwissenschaften, eine Variante des Konstruktivismus in Gebrauch gekommen, die davon ausgeht, alle Erkenntnis wäre individuelle (nicht, wohlgemerkt subjektiv – also durch eigene Erfahrungen geprägt). Der für die Erkenntnis wesentliche Prozess der Rekonstruktion (der Wirklichkeit eben) wurde dort entwertet (als Re-Konstruktion – der Wiedergabe von schon Gedachten und der Berufung auf Autoritäten), Dekonstruktion umdefiniert vom wesentlichen Prozess der Falsifikation des zu Erkennenden zur Zerstörung der anderen Meinung (des subjektiven Konstrukt nämlich). Dadurch wird ein pseudowissenschaftlicher Überbau geschaffen, der es legitimiert, persönliche Meinung gleichwertig mit annährend objektiven Fakten zu behandeln (was vielleicht auch den Erfolg dieser kruden Konstruktionismusvariante erklärt). Aus der philosophischen Konstruktivismusschule ist also ein rhetorisches Mittel geworden, dass zum Missbrauch förmlich einlädt und die zwangsläufig die Bildung von Vorurteilen unterstützt.
Liest man das „andere Geschlecht“, dann ist man zuerst einmal erschüttert von der Verweiflung und vom Selbsthass der Autorin, die so gerne eine Andere wäre, dazu aber nicht die Kraft hat. In diesem Buch tritt vor allem eines zu Tage, – der auf die Leinwand des Männlichen projizierte Selbsthass, der Wunsch, nicht für sich selbst einstehen zu müssen, die Selbstbezogenheit und Ichsucht, die verhindert, dass sich das alte Philosophengroupie mit dem gegebenen abfinden, und daraus etwas machen, kann – was dann in der verzweifelten Schuldzuschreibung an die Gesellschaft gipfelt – Geschlecht wird gemacht, nicht angeboren. In gewisser Weise ein interessantes Buch, wenn man sich für die Abgründe der menschlichen Seele interessiert.
Der funktionale Aspekt gesellschaftlicher Geschlechtsgestaltung wird allerdings völlig ausgeblendet.
Und hier kommt natürlich hinzu, das die Evolutionstheorie durchaus einen gut abgesichertes Alternativmodell bietet – nämlich die Kombination des biologischen, auf Evolutions- und Funktion basierenden Geschlechts ergänzt mit der kulturellen Komponente. Um zum vermeiden, diese Diskussion führen zu müssen und damit auch der Methodik wissenschaftlichen Diskurses unterworfen zu sein, wurde der antiwissenschaftliche Begriff es „Biologismus“ geschaffen. Er verhindert, durch gleichzeitig Abwertung biologisch-medizinischer Argumentation (Faktenvermutungen) und Schubladisierung, sich mit den einzelnen Argumenten auf der Sachebene auseinandersetzen zu müssen. Es geht, wie gesagt, um hegemoniale Deutungshoheit, nicht um Erkenntnisgewinn.
Die Anerkennung evolutiver Mechanismen, wie eben der Selektion der Geschlechter, kann schon aus ideologischen Gründen nicht erfolgen. Eine der wesentlichen Dogmen des Feminismus und seiner Spielarten (Genderismus mit den Queerspekulationen) besteht darin, dem Mann, dem Patriarchat, Unterdrückung des Weiblichen und Minderwertigkeit des Männlichen gegenüber dem Weiblichen zuzuschreiben. Das Männer so sind, wie sie sind, weil Frauen sie dazu (durch Zuchtwahl) gemacht haben und weil dies eine sinnvolle und tragfähige funktionale Lösungen ermöglichte, hat im Weltbild des Feminismus keinen Platz. Da daraus auch folgen könnte, dass auch kulturelles Verhalten funktional ist, wird statt dessen eine künstliche Trennung von biologischen Geschlecht und kulturellen Geschlecht eingeführt, wobei der Eindruck vermittelt werden soll, das kulturelle Vorgaben rein willkürlich, also nicht als Problemlösungsverhalten beider Geschlechter, zu verstehen sind und damit, das ist die Heilsbotschaft, auch beliebig veränderbar sind. Das erlaubt es, dort mit Begriffen wie gerecht und ungerecht zu operieren, die auch auf die historische Situation angewandt werden, die nicht analysiert zu werden braucht (allenfalls zweckmäßig neu konstruiert).
Auch die beiden Varianten der Sexuellen Selektione gehen nicht, weil diese ja auch dazu führen, dass beide Geschlechter Teilhabe an der Selektion und damit, als Konsequenz, auch an der Gesellschaft haben. Ein absolutes No-Go für eine Ideologie, die aus einer Opferrhetorik soziale Privilegien auf Kosten der Gesellschaft fordert und erhält.
Das angeborenes Verhalten auch kulturellen Ausdruck findet, das vieles im Verhalten von Männern und Frauen erst Kultur in diesem Umfang möglich gemacht hat (wobei Kultur dann auch wieder die Biologie beeinflusst) und das gerade der Geschlechtsdimorphismus es möglich machte, recht viele Kinder überleben zu lassen (im Gegensatz zu den meisten Primaten), das alles wird geflissentlich übersehen oder sogar mit rhetorischen Mitteln bekämpft. So wird gerne etwas völlig abseitiges unterstellt, um es dann zu wiederlegen und damit den Anschein zu erwecken, die Biologie tauge nichts. Ein schönes Beispiel ist aus Vollmer: Fachwörterbuch für Erzieherinnen und pädagogische Fachkräfte (S. 77), wo er als Kritik der biologischen Theorien anführt, dass „die biologischen Faktoren nicht nur beeinflussen, sondern auch vom Verhalten eines (sic!) Menschen beeinflusst werden. Soziale und kulturelle Einflüsse werden ausgeblendet“. Die Absurdität dieser Behauptung liegt auf der Hand, welcher Evolutionsbiologe würde leugnen oder ausblenden, dass die Reduktion des Haarkleids, der Schnauze, des Kiefers, die Entwicklung einer differnzierten Mimik etc. auch Folgen kultureller und sozialer Einflüsse sind? Man sieht also, das zumindest im Bereich Gender unseriös und unwissenschaftlich argumentiert wird.
Was Genderismus so interessant macht, ist die politische Verwendbarkeit. Er erlaubt es, mit dem Heilsversprechen, dass alles Geschlecht sei und dieses beliebig veränderbar, Freiheit weitgehend einzuschränken und Verhalten vorzuschreiben, ohne das derart doktrinäre Politik kritisierbar wäre. Dann dadurch, das Geschlecht beliebig definierbar ist oder, besser gesagt, gewünscht werden kann, können auch Inhalte und Ziele für die Geschlechter politisch definiert und von den Bürgern eingefordert werden.
Um auch mal eine Lanze für die Queers zu brechen: die sexuelle Orientierung auf das gleiche Geschlecht wird sich vermutlich nicht falsch anfühlen, sondern ganz normal. Was Homosexuelle aber erleben, sind natürlich die kulturellen Mechanismen, die in einer Gesellschaft wirksam sind, und die vielleicht auch anders sein könnten. Daher entspricht der „soziologische“ Konstruktivsmus sicher dem Wunschdenken und wohl auch dem eigenen Empfinden. Sie übersehen natürlich auch, dass vieles davon seine biologischen Grundlagen haben mag. Allerdings ist ja auch biologisches Verhalten nicht streng determiniert und überwindbar, sodass es besser wäre, sich mit den wirklichen Ursachen auseinanderzusetzen.
Und dann gibt es natürlich auch die Menschen, die irgendwie zwischen den (biologischen) Geschlechtern stehen – hier ist natürlich der Wunsch verständlich, nicht als krank angesehen zu werden (und sich selbst so zu verstehen), sondern einfach als weiteres Geschlecht (wobei in den Diskussionen nicht ganz klar ist, ob die Vielzahl der so entstehenden Geschlechter nun sozial bedingt ist oder biologisch und nur sozial akzeptiert werden soll). Derartige Vorstellungen zu entwickeln halte ich für eine verständliche Reaktion in dieser Situation. Nur konstituiert Wunschdenken eben keine Realität und schon gar nicht wissenschaftlich Verwendbares.
Der Wunsch, toleriert zu werden, lässt sich auch anders ausdrücken als in wirren, pseudowissenschaftlichen Vermutungen. Genderismus allerdings stellt nach wie vor eine der zeitgenössischen Hauptgefahren für Demokratie und Freiheit dar, zumal hier auch Gelder versenkt werden, die man an anderer Stelle sicher besser und sinnvoller Einsetzen könnte.
Gleichheit der Geschlechter ist eine wohlklingende Forderung, die allerdings bei näherer Betrachtung kaum realisierbar ist. Denn sie würde voraussetzen, dass erst einmal die Vertreter des jeweiligen Geschlechtes untereinander gleichgestellt werden müssten, nur dann lassen sich ja Unterschiede durch das Geschlecht überhaupt erst ausgleichen.
Natürlich ist auch dieser künftige evolutive Weg denkbar, weg vom Geschlechtsdimorphismus zu einer stärkeren, wenn auch nicht ganz identischen, Geschlechtergleichheit. Und diesen drastischen biologischen Veränderungen müssten wohl kulturelle Veränderungen vorausgehen. Ob das allerdings machbar und überhaupt sinnvoll ist und ob das, was wir dafür tun müssten, wirklich erstrebenswert ist, darüber müsste man mit ganz anderen Modelle als dem Genderismus nachdenken und diese Diskussion auch öffentlich führen. Womit wir dann allerdings schon wieder bei genetischen Zuchtprogrammen wären – es scheint nix Gutes aus dem Genderismus zu entspringen.