Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Deutscher Werberat

Leser_nicht_eingeloggt, Sunday, 11.07.2010, 11:18 (vor 5664 Tagen)

Moin,

nachdem ich den Artikel von Maskulist zum Thema Öffentlich Rechtliche gelesen habe, fiel mir meine Beschwerde an den Deutschen Werberat wieder ein ... Frauen könnens besser und so resp. Lebende Verkehrshindernisse, die von Schweisserinnen überrollt werden müssen. Nun ja, die Serie ist Geschichte und in dem gleichen Orkus verschwunden, aus dem sie entsprungen ist.

Wie auch immer, da ich vom Werberat nie wieder etwas gehört habe, bin ich mal auf deren Website gegangen und habe mir mal die "Einzelfälle" angeschaut ... spannend:

Verstoß gegen ethische Mindestanforderungen in der Werbung

Versicherungen

Ein Versicherungsunternehmen bewarb eines seiner Produkte mit einem TV-Spot sowie einem Werbemailing. In dem Mailing verschwindet der Familienvater per Hologramm und wird durch einen umgestürzten Baum ersetzt; in dem Spot spricht er den Satz "Ich kann schon selber auf mich aufpassen" und wird postwendend von einem Baum vor den Augen seiner Familie erschlagen.

Die Beschwerdeführer kritisierten beide Werbekampagnen als geschmack- und pietätlos.

Diese Ansicht teilte der Werberat nicht. Beide Kampagnen stufte das Gremium als erkennbar satirische Überzeichnung ein, die durch die Machart sowie die Mitwirkung des Comedy-Stars Anke Engelke deutlich werde.

Das war der Spot(t) von Axia, wenn ich mich recht entsinne. Anke wirds "richten" und sollte ja mal Emma-Chefredakteuse werden ...

Männerdiskriminierung

Telekommunikation

In einem Fernsehspot warb ein Telekommunikationsunternehmen für seine Flatrate-Angebote mit einem so genannten Sandwich-Man. Der Mann trug zwei Pappschilder, auf denen die Angebote zu lesen waren. Ungewöhnlicherweise war der Mann unter den Schildern, die ihn fast komplett bedeckten, unbekleidet.

Der Beschwerdeführer kritisierte den Spot aufgrund der Nacktheit des Models als Männer diskriminierend.

Der Werberat schloss sich dieser Meinung nicht an, da aufgrund des "Pappschild-Kostüms" kaum nackte Haut zu sehen sei und stufte zudem die dargestellte Szenerie nicht als herabwürdigend ein, sondern als humorvolle optische Ergänzung des Slogans >Das ist der nackte Wahnsinn«.

Humor ist also, wenn ein dummer Mensch(w) über Männer lacht (und manche Deppen es auch noch über ihr eigenes Geschlecht "mittuntun") ...

Männerdiskriminierung

Kfz und -Zubehör/-Werkzeug

Eine Werbeanzeige für ein Familienauto zeigte unter dem Slogan "Für Familien, wie sie wirklich sind" eine Frau mit vier Kindern und deren diversen Sportgeräten sowie Musikinstrumenten. Die fehlende Abbildung eines Vaters führte zu einer Beschwerde beim Werberat.

Das Gremium konnte hierin keine Diskriminierung von Vätern erkennen und beanstandete die Anzeige nicht.

Ja, ist klar ...

Und abschließend nun ein besonders gut gelungenes Beispiel, wie invasiv der gute Deutsche Werberat doch sein kann; mächtich empört bestimmt:

Frauendiskriminierung

Dienstleistungen

Ein Veranstaltungsunternehmen warb für eine Fachkonferenz mit einer Werbeanzeige, in der eine übergewichtige Frau in roten Dessous sich in einen Kühlschrank beugt. Begleitet wurde das Motiv von dem Slogan: "Hat Ihre IT auch das Haltbarkeitsdatum überschritten? Finden Sie es heraus."

Die Beschwerdeführerin sah hierin eine sexistische Darstellung von Frauen.

Dieser Auffassung schloss sich der Werberat an und forderte das Unternehmen zur Stellungnahme auf. Dieses erklärte sich daraufhin bereit, die Anzeige nicht mehr zu verwenden.

... Schlaand ... Schlaamp ... Schlamm!

Alle Zitate: http://www.werberat.de/content/Einzelfaelle.php
Der berühmt berüchtigte Einzelfall eben ;-)

Deutscher Werberat

IS, Sunday, 11.07.2010, 23:36 (vor 5663 Tagen) @ Leser_nicht_eingeloggt

Dieser Einzelfall ist auch interessant, vor allem die Begründung:

Frauendiskriminierung
Gaststättengewerbe

Der Fernsehwerbespot für ein Schnellrestaurant zeigte eine Szene aus einem Lehrerzimmer, in dem der Referendar mehrere Kollegen zunächst beleidigt und schließlich einer Frau einen Klaps auf das Gesäß gibt.

Die Beschwerdeführer kritisierten, dass das, was oberflächlich lustig erscheinen möge, unterschwellig die Botschaft transportiere, dass sexuelle Belästigung wie beispielsweise der Klaps auf den Po einer Frau "in Ordnung" sei. Unterstützt werde dieser Eindruck durch den aus dem Hintergrund gesprochenen Slogan: "Damit kann man sich alles leisten".

Nach Intervention durch den Werberat erklärte sich das werbende Unternehmen bereit, den Spot nicht mehr zu schalten.

Hier wird es eigentlich deutlich gesagt: Der Werberat interveniert nicht nur bei Regelverstößen, die dem Zuschauer um die Ohren gehauen werden, sondern auch schon bei unterschwelligen Botschaften, liest also auch zwischen den Zeilen, wogegen ja erstmal gar nichts einzuwenden wäre. Leider tut er dies offenbar nur, wenn Frauen betroffen sind. Bei Spots wie dem von Otto (eine Frau schlägt einen Mann ohne Grund mit einem Katalog nieder) oder dem von Braun (zwei Leder-Machas fesseln und entführen einen Mann, weil sie ihren Spaß mit ihm haben wollen) findet der Werberat keine unterschwelligen Botschaften. Kein Grund zur Intervention. Gewalt oder Belästigung ist für den Werberat offenbar kein Problem, wenn sie von Frauen ausgeht. Einfach einer dieser vielen Doppelstandards, die inzwischen so normal geworden sind.

Stimmt: Der Irrsinn ist Normalität und solche Vereine, wie der Werberat fördern das noch!

Leser_nicht_eingeloggt, Monday, 12.07.2010, 12:35 (vor 5663 Tagen) @ IS

Sexismus gegen Männer in der Werbung nennt der "Deutsche Werberat" humorvoll, Gewalt gegen Männer ist eine stilistische Übertreibung etc. Insofern gibt es keine Männerdiskriminierung laut Werberat ...

Aber wehe, eine Mutti hat das Ablaufdatum überschritten, dannn ist das selbstverständlich keine humorvolle Spitze, sondern übelste Frauenverachtung.

Dieser Werberat ist genauso bigott und in sich verlogen, wie vieles andere in diesem Land auch. Wahrscheinlich kämen die sogar auf die Idee, das Familienrecht als "humorvoll" zynisch zu betrachten.

Grüße, Leser

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