Spiegel: "Jungen brauchen die Konfrontation"
Der Jugendpsychologe Allan Guggenbühl über die Defizite und Ersatzhandlungen von jungen Männern, die ohne Vater aufwachsen
SPIEGEL: Herr Guggenbühl, in Deutschland wachsen etwa 1,6 Millionen der unter 18-Jährigen mit nur einem Elternteil auf - rund 90 Prozent von ihnen mit der Mutter. Auf welche Weise wirkt sich die Abwesenheit des Vaters in der Pubertät aus?
Allan Guggenbühl: Das ist ein großes Problem: Wenn ein Elternteil fehlt, wird die Auseinandersetzung, die die Heranwachsenden suchen und brauchen, viel schwieriger. Vor allem bei instabilen Situationen oder egoistischen Eltern. Die Kinder haben dann das Gefühl: Ich kann eigentlich keinen Konflikt mit dem betreuenden Elternteil, meist also der Mutter, riskieren, sonst verderbe ich es mir mit der auch noch.
SPIEGEL: Betrifft das Jungen und Mädchen gleichermaßen?
Guggenbühl: Vor allem Jungen fehlt die Reibung mit einem männlichen Erwachsenen, über den sie sich aufregen und ärgern, zu dem sie eine Beziehung haben und von dem sie sich abgrenzen können. Sie brauchen das zum Aufbau einer männlichen Identität. Mädchen können sich auch mit der Mutter auseinandersetzen und finden ihre Identität leichter. Die Jungen aber vermissen etwas für sie sehr Wichtiges; sie suchen nach Ersatz.
... http://www.spiegel.de/spiegelwissen/0,1518,693970,00.html
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