@ "Unterdücker"
Garfield, Monday, 14.06.2010, 12:57 (vor 5688 Tagen)
bearbeitet von Garfield, Monday, 14.06.2010, 13:03
Hallo "Unterdrücker"!
Ich hatte am Wochenende keine Zeit für Foren. Deshalb kann ich deine inzwischen auf Seite 2 gewanderte Antwort leider erst jetzt beantworten.
Nur was für einen Zweck aus Sicht der Elite erfüllt der Feminismus heute noch? Die Frauen arbeiten ja jetzt. Arbeitskräfte haben wir im Überfluss.
Jain. Als man noch echten Arbeitskräftemangel hatte, wollte man dies zum einen durch Einwanderung, zum anderen aber eben auch durch mehr Frauen im Berufsleben lösen.
Man hatte mit beiden Methoden Erfolg - aber vor allem in Jobs mit niedrigem Qualifikationsniveau.
Denn viele Frauen mit mittlerer und hoher beruflicher Qualifkation leben mit Männern zusammen, die genauso oder noch besser qualifiziert sind. Und dann oft auch entsprechend viel verdienen. So neigen solche Frauen immer noch sehr zum Hausfrauen-Dasein oder zu Teilzeitjobs, spätestens dann, wenn das erste Kind da ist.
Das will man den Frauen austreiben. Damit eben in Zukunft auch der erfahrene Facharbeiter oder Ingenieur für einen Appel und ein Ei arbeiten muß. Es geht heute nicht mehr darum, überhaupt Arbeitskräfte zu haben, sondern es geht um billige Arbeitskräfte. Und dafür braucht man weiterhin den Feminismus.
Das ist auch der Grund für diverse Maßnahmen des Frauenministeriums, die offensichtlich darauf abzielen, Akademikerinnen ins Berufsleben (zurück) zu holen.
Außerdem hat man den Feminismus ja nun salonfähig gemacht, und nicht nur das - er gilt heute auch als "politisch korrekt". Die Geister, die man da gerufen hat, wird man nicht so einfach wieder los! Die verselbstständigen sich nun natürlich und kochen ihr eigenes Süppchen. Das können diejenigen, die Kontrolle über die Massenmedien haben, zwar durchaus einschränken - aber das tun sie nur, wenn ihre Interessen negativ betroffen sein könnten. Wenn es nur allgemein gegen Männer geht, dann interessiert das niemanden von den oberen 10.000.
...daher wird gebetsmühlenartig die Lohnlüge wiederholt...
Worauf das hinausläuft, konnte man ja schon in Großbritannien sehen: Da wurde ja ein Gesetz oder eine Vorschrift für den öffentlichen Dienst erlassen, wonach es keine Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männer geben darf. Und dann hieß es prompt, daß nun z.B. männlichen Müllfahrern wohl die Zuschläge weggestrichen werden würden.
Ich denke, es geht dabei immer darum, Männern die Löhne runter zu drücken. Würde man das so direkt sagen, hätte man sowohl die Männer selbst als auch die Frauen, die ja auch von den Löhnen ihrer Männer leben, gegen sich. Also tut man so, als würde es darum gehen, die Löhne der Frauen zu erhöhen.
In den USA gab es früher mal ein Gesetz, das es Vorgesetzten in der Wirtschaft verbot, Frauen Überstunden machen zu lassen. Das galt unabhängig davon, ob eine Frau zu Überstunden bereit war oder nicht. Dieses Gesetz war erlassen worden, damit Frauen abends noch Zeit für die Familie haben.
So waren die Einkommen der Männer natürlich größer, weil nur sie Überstunden machten und bezahlt bekamen. Schließlich forderten Feministinnen die Abschaffung dieses Gesetzes, weil es Frauen durch geringere Löhne benachteiligen würde.
Das Gesetz wurde gekippt, und viele Frauen stellten aber nun schnell fest, daß sie damit vom Regen in die Traufe geraten waren: Jetzt war es nicht etwa so, daß man sie fragte, ob sie Überstunden machen wollten, nein, ihre Vorgesetzten erwarteten das nun von ihnen genauso selbstverständlich wie von ihren männlichen Kollegen.
Als den Feministinnen klar wurde, daß sie den Frauen damit einen Bärendienst erwiesen hatten und daß man sie nur für ganz andere Ziele eingespannt hatte, starteten sie eine Kampagne, um das wieder rückgängig zu machen. Damit kamen sie nun aber interessanterweise nicht durch.
...oder dass jede vierte Frau von häuslicher Gewalt betroffen ist...
Ich denke, sowas kommt von der mittlerweile fest etablieren "Helfer"-Industrie. Die gehört eben auch zu den Geistern, die man jetzt nicht so einfach wieder los wird. Da sind mittlerweile gute Posten entstanden, und die sollen auch bleiben. Da es keinen wirklichen Bedarf gibt, geht das nur, solange Steuergelder dorthin fließen. Also muß man natürlich regelmäßig Artikel veröffentlichen, die das nötig erscheinen lassen.
Gäbe es von nun an eine pro-männliche Propaganda mit derselben Intensität wie es diese nun mal profeministisch gibt, es gäbe nach einer übersehbaren Zeitspanne, von ein oder zwei Jahren bereits ein massives Umdenken und eine völlig andere öffentliche Meinung.
Das wäre aber nicht so einfach, und diese geänderte öffentliche Meinung wäre auch nur oberflächlich. Tief darunter, im Unterbewußtsein, steckt weiter der feministische Pilz, der uns glauben macht, daß Frauen viel schützenswerter und überhaupt viel wertvoller sind als Männer.
Deshalb haben es feministische Thesen immer viel leichter, sich durchzusetzen. Maskulistische Thesen dagegen haben es viel schwerer.
Natürlich wäre der Feminismus dadurch nicht gestorben, aber in den Köpfen der signifikanten Mehrheit unbedeutend.
Der offiziell organisierte Feminismus wäre unbedeutend, der reale Feminismus in den Köpfen dagegen nicht!
Nur ein Beispiel, wie schnell öffentliche Meinung gemacht werden kann ist das Rauchverbot. Jahrzehnte war das Rauchen überall in Ordnung. Es begannen die Medien, letztlich aus dem Nichts, Stimmung gegen das Rauchen zu machen, und es dauerte vielleicht ein halbes Jahr und das Volk war konditioniert und die Politik konnte das Thema aufgreifen und letztlich auch das Rauchverbot durchsetzen.
Dieses Rauchverbot ist keineswegs so beliebt bei der Bevölkerung. Es wurde nicht vom Volk, sondern von Lobbygruppen durchgedrückt:
Zunächst gab es Werbeverbote für Tabakprodukte. Auffällig war dabei schon, daß sich paradoxerweise einige Produzenten solcher Tabakprodukte dafür einsetzten, angeblich zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Philipp Morris beispielsweise startete eine Kampagne namens "Cool kids can wait".
Wenn man sich aber ansieht, welche Marktposition diese Firmen in Deutschland haben, dann wird das durchaus verständlich. Philipp Morris beispielsweise ist Marktführer beim Zigaretten-Verkauf. Somit ist der Hintergedanke klar: Man rechnete nicht mehr damit, den eigenen Marktanteil noch viel weiter erhöhen zu können, also wollte man ihn durch ein Werbeverbot für Tabakwaren einfrieren und kleinere Konkurrenten so daran hindern, mehr Marktanteile zu gewinnen.
Um das durchzudrücken, muß man natürlich zulassen, daß die Massenmedien entsprechende Artikel veröffentlichen. Sowas kann sich dann verselbstständigen. Zusätzlich kamen nun aber noch andere Interessengruppen hinzu:
Da war z.B. die Deutsche Bahn. Die empfand die Raucher in den Zügen als Kostenfaktor. Man wird sich da sicher genau ausgerechnet haben, wieviel Reinigungspersonal man einsparen kann, wenn die vielen Aschenbecher in den Zügen nicht mehr geleert werden müssen und wenn es auch nicht mehr nötig ist, überall daneben gefallene Asche aufzufegen. Und wieviel sich sparen läßt, wenn es nicht mehr nötig ist, ab und zu mal einen angeschmorten Sitzbezug zu wechseln.
Dann gab es große Restaurant- und Imbiß-Ketten, die kalkulkierten, daß viele kleine Kneipen, die keine separaten Raucherräume einrichten können, mit einem Rauchverbot bald schließen müssen. Gerade im Gaststättenwesen haben sich ja die Preiserhöhungen mit der Euro-Einführung fatal ausgewirkt, und so gab es da natürlich auch ein entsprechend großes Bedürfnis zur Marktbereinigung. Wenn die kleinen Gaststätten weg sind, haben die größeren entsprechend mehr Zulauf, kalkulierte man.
Dann gibt es auch Produzenten irgendwelcher Rauch-Filtersysteme. Die haben sich von einem Rauchverbot auch gute Geschäfte erhofft.
Diese und wahrscheinlich noch andere Firmen haben das dann gemeinsam durchgedrückt. Ohne die vorherigen Kampagnen zum Werbeverbot für Tabakprodukte wäre das wohl nicht so einfach gewesen oder vielleicht auch gescheitert. Aber so war der Boden bereitet, und nun ist es gut möglich, daß Philipp Morris & Co sich damit voll in die Nesseln setzen, zumal sie ja auch noch die Preise immer wieder erhöhen.
Da sieht man wieder mal, daß man letztendlich nicht unbedingt das erreicht, was man geplant hatte.
Freundliche Grüße
von Garfield
@ "Unterdücker"
Movemen, Monday, 14.06.2010, 14:17 (vor 5688 Tagen) @ Garfield
Und dafür braucht man weiterhin
den Feminismus.
...
Freundliche Grüße
von Garfield
Wer ist "man"? Wenn man nicht benennen kann, wer "man" ist, dann hat man auch keine Adresse gegen "man".
Freundliche Grüße zurück
Move"man".
@ "Unterdücker"
Garfield, Monday, 14.06.2010, 14:53 (vor 5688 Tagen) @ Movemen
Hallo Movemen!
Wer ist "man"?
Alle, die Einfluß auf die Massenmedien und Interesse am sinkenden Lohnniveau haben. Wer könnte wohl dazu zählen?
Freundliche Grüße
von Garfield
@ "Unterdücker"
Prometheus, Luxemburg, Monday, 14.06.2010, 14:21 (vor 5688 Tagen) @ Garfield
Aber wie passt in dieses Bild die Jungen-Benachteiligung an den Schulen und den dadurch verursachten Fachkräftemangel. Dieser könnte durchaus zu Gehaltssteigerungen in vielen technischen Bereichen führen.
@ "Unterdücker"
Garfield, Monday, 14.06.2010, 14:57 (vor 5688 Tagen) @ Prometheus
Hallo Prometheus!
Aber wie passt in dieses Bild die Jungen-Benachteiligung an den Schulen und den dadurch verursachten Fachkräftemangel. Dieser könnte durchaus zu Gehaltssteigerungen in vielen technischen Bereichen führen.
Das zeigt eben wieder die Kurzsichtigkeit solcher Kampagnen. Aber es gibt offensichtlich Interessengruppen, die immer noch ernsthaft glauben, man könne das durch Einwanderung und "Frauenförderung" ausgleichen.
Andere Interessengruppen gehen wohl eher davon aus, daß sie in Zukunft weitaus weniger Arbeitskräfte brauchen werden und daß es dann gut sein wird, wenn die Menschen in der Unterschicht - insbesondere die männlichen - kein hohes Bildungsniveau haben. Da kommt ihnen der Verfall des Bildungssystems sehr gelegen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Die Theorie, das der "Kapitalismus"
ajk, Monday, 14.06.2010, 14:38 (vor 5688 Tagen) @ Garfield
Den Feminismus gezielt gefördert hat, weil er stumpf "mehr Arbeiter" wollte, ist für mich irrsinnig.
Erstens braucht unsere Wirtschaft Fachkräfte, keine Hilfskräfte.
Zweitens braucht unsere Wirtschaft qualifizierten Nachwuchs der "noch ganz dicht ist". Fehlende Mütter sind das schlechteste für den Nachwuchs. Frauen die keine Kinder gebären noch schlechter für den Nachwuchs.
Drittens wurde das ganze Femizeugs Undemokratisch und Illegal von den Universitäten- Studentenverbänden und der Bürokratie dem Rest aufgedrückt. Die Wirtschaft hat da gar nicht die Finger im Spiel gehabt.
Viertens ist es absurd zu meinen das 100.000.000 Sklavendeutsche wirtschaftlich eine Chance gegen 400.000.000 Sklavenchinesen haben. Selbst wenn alle Deutschen umsonst arbeiten würden, gäbe es mehr Chinesen die das tun würden.
Diese These ist absurd, der Feminismus ist ein Linkes "Marxistisches" Projekt von der Frankfurter Schule, die früher Deutsche Marxistische Schule (oder so ähnlich) hiess.
/ajk
--
Solange du andere fragst, was du "darfst", bist du kein Mann. - Robert
Die Theorie, das der "Kapitalismus"
Garfield, Monday, 14.06.2010, 15:09 (vor 5688 Tagen) @ ajk
Hall ajk!
Erstens braucht unsere Wirtschaft Fachkräfte, keine Hilfskräfte.
Nein, sie braucht beides. Auch Hilfskräfte werden in vielen Branchen durchaus noch benötigt.
Aber egal, ob Fach- oder Hilfskraft: Der Gewinn maximiert sich nun einmal, wenn sie alle möglichst wenig Lohn bekommen. Und die Löhne sinken bei hohem Angebot auf dem Arbeitsmarkt.
Deshalb schreien Unternehmensverbände ja auch immer wieder nach Senkung der Sozialleistungen.
Zweitens braucht unsere Wirtschaft qualifizierten Nachwuchs der "noch ganz dicht ist". Fehlende Mütter sind das schlechteste für den Nachwuchs. Frauen die keine Kinder gebären noch schlechter für den Nachwuchs.
Soweit denken unsere "Eliten" aber nicht. Für die sind wir nur eine blökende Hammelherde, die man jederzeit durch irgendwelche anderen Hammel von sonstwoher auffüllen kann.
Drittens wurde das ganze Femizeugs Undemokratisch und Illegal von den Universitäten- Studentenverbänden und der Bürokratie dem Rest aufgedrückt.
Wie soll denn das passiert sein? Welchen Einfluß hat ein Studentenverband auf die Politik?
Die Wirtschaft hat da gar nicht die Finger im Spiel gehabt.
Die Wirtschaft - bzw. die Besitzer der Firmen - hat überall die Finger im Spiel. Weil da das Geld ist. Und Geld regiert die Welt. Schon seit dem 19. Jahrhundert ist es in Deutschland - und leider auch anderswo - üblich, daß Wirtschafts-Lobbyisten Gesetze nicht nur abnicken, sondern sie sogar selbst schreiben.
Selbst wenn alle Deutschen umsonst arbeiten würden, gäbe es mehr Chinesen die das tun würden.
Und was willst du damit sagen?
Diese These ist absurd, der Feminismus ist ein Linkes "Marxistisches" Projekt von der Frankfurter Schule, die früher Deutsche Marxistische Schule (oder so ähnlich) hiess.
Die ersten Feministinnen (im heutigen Sinne, tatsächlich gab es ja schon vorher welche) waren aber keine Linken. Sie kamen aus dem Bürgertum - es waren meist gelangweilte Mittelschichtfrauen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Die Theorie, das der "Kapitalismus"
ajk, Monday, 14.06.2010, 15:18 (vor 5688 Tagen) @ Garfield
Hall ajk!
Erstens braucht unsere Wirtschaft Fachkräfte, keine Hilfskräfte.
Nein, sie braucht beides. Auch Hilfskräfte werden in vielen Branchen
durchaus noch benötigt.
Aber weitaus weniger als Fachkräfte. Und ungebildete sowie unmontivierte Hilfskräfte kosten mehr als sie bringen.
Aber egal, ob Fach- oder Hilfskraft: Der Gewinn maximiert sich nun einmal,
wenn sie alle möglichst wenig Lohn bekommen. Und die Löhne sinken bei hohem
Angebot auf dem Arbeitsmarkt.
Gewinnmaximierung per Lohndrückung ist nicht wirklich das Ziel von Unternehmen. Schlecht bezahlte Fachleute suchen sich eine andere Arbeit. Oder sie wandern aus, genauso wie es jetzt passiert. Wir haben auch kein hohes angebot auf dem Arbeitsmarkt. Es fehlen "Fachleute". Und der Nachwuchs bricht weg.
Deshalb schreien Unternehmensverbände ja auch immer wieder nach Senkung
der Sozialleistungen.
Das tun sie weil diese Sozialleistungen sehr hoch sind. Und das sind sie auch. Versuch mal eine Firma zu gründen, die Anfangsinvestitionen wegen Zahlungen an Behörden sind so hoch, das man nicht mal mehr gründen will.
Zweitens braucht unsere Wirtschaft qualifizierten Nachwuchs der "noch
ganz dicht ist". Fehlende Mütter sind das schlechteste für den Nachwuchs.
Frauen die keine Kinder gebären noch schlechter für den Nachwuchs.Soweit denken unsere "Eliten" aber nicht. Für die sind wir nur eine
blökende Hammelherde, die man jederzeit durch irgendwelche anderen Hammel
von sonstwoher auffüllen kann.
Dochdoch, soweit denken die Wirtschaftseliten. Nur sind die echten Wirtschaftseliten nicht im Fernsehen. Sondern in der Schwäbischen Alb oder so. Man sollte nicht vergessen das die Feministinnen gegen die Wirtschaft "geschimpft" haben, weil sie so Patriarchal waren..
Wie soll denn das passiert sein? Welchen Einfluß hat ein Studentenverband
auf die Politik?
Ja, keine Ahnung der Feminismus ist ja völlig Wirkungsfrei obwohl er von Studenten kam. Der Einfluss ist dergestalt, das die Studenten in die Politik gehen und dort Gesetze machen die alles kaputt machen. Das ist der Einfluss der Studenten in die Politik. Sonst hätten wir weder Feminismus noch Gender-Mainstreaming.
Die Wirtschaft hat da gar nicht die Finger im Spiel gehabt.
Die Wirtschaft - bzw. die Besitzer der Firmen - hat überall die Finger im
Spiel. Weil da das Geld ist. Und Geld regiert die Welt. Schon seit dem 19.
Jahrhundert ist es in Deutschland - und leider auch anderswo - üblich, daß
Wirtschafts-Lobbyisten Gesetze nicht nur abnicken, sondern sie sogar selbst
schreiben.
Und nu? Schon seit dem 19 jahrhundert ist es so das auch Gewerkschafter, Ärztekammern, Apothekerverbände, Frauenverbände und co genau dasselbe machen. Ich spreche hier doch nicht von den Grosskonzernen die relativ klein von der Menge sind. Ich spreche von High-Tech-Unternehmen mit knapp 10 bis 100 Mann. Oder vom Handwerk. Das sind viel mehr Menschen und viel mehr "Wirtschaft" als die wenigen Aktionärsunternehmen. Und selbst die grossen Konzerne sind am strampeln.
Selbst wenn alle Deutschen umsonst arbeiten würden, gäbe es mehr
Chinesen die das tun würden.Und was willst du damit sagen?
Das es logisch unsinnig ist die Deutschen zu armen Arbeitssklaven zu machen um die Deutsche Wirtschaft zu fördern. Selbst wenn man es schaffen würde, würde die Deutsche Wirtschaft zusammenbrechen. Man muss eher den umgekehrten Weg gehen und ganz ganz viele Spezialisten haben. Und genau das verhindern unsere Genossinen und Genossen.
Die ersten Feministinnen (im heutigen Sinne, tatsächlich gab es ja schon
vorher welche) waren aber keine Linken. Sie kamen aus dem Bürgertum - es
waren meist gelangweilte Mittelschichtfrauen.
Was meinste wie viele Linke wohlhabend sind? Lies doch mal "Unter Linken", das sind alles Schnösel. Wie viele von den Punker haben Ärzte als Väter die genug Geld haben..
Freundliche Grüsse,
/ajk
--
Solange du andere fragst, was du "darfst", bist du kein Mann. - Robert
Die Theorie, das der "Kapitalismus"
Garfield, Monday, 14.06.2010, 16:41 (vor 5688 Tagen) @ ajk
Hallo ajk!
Und ungebildete sowie unmontivierte Hilfskräfte kosten mehr als sie bringen.
Das erzähl mal unseren Führungskräften...
Gewinnmaximierung per Lohndrückung ist nicht wirklich das Ziel von Unternehmen.
Gewinnmaximierung ist generell das wichtigste Ziel in der privaten Wirtschaft, egal wie.
Schlecht bezahlte Fachleute suchen sich eine andere Arbeit.
Ja, und genau deshalb braucht man hohe Erwerbslosenzahlen. Dann kündigt man nämlich nicht so schnell, sondern akzeptiert z.B. eine höhere Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich. Oder auch die Streichung des Weihnachtsgeldes. Oder eine Lohnkürzung. Es geht gar nicht immer so sehr darum, wirklich Arbeitskräfte zu kriegen, sondern es geht um die pure Erwerbslosenzahl. Und die erhöht man eben auch dadurch, daß man mehr Frauen ins Berufsleben drängt. Zumal die Maßnahmen dafür ja nicht die Wirtschaft bezahlen muß, sondern der Effektiv-Steuerzahler. Viele Firmen, vor allem größere, zahlen aber nur nominell, nicht effektiv Steuern. Weil sie sie einfach an Andere weiter reichen.
Oder sie wandern aus, genauso wie es jetzt passiert.
Ja, aber man hofft, das durch Einwanderung ausgleichen zu können. Dabei gehts ja offensichtlich auch mehr um Quantität als um Qualität.
Wir haben auch kein hohes angebot auf dem Arbeitsmarkt. Es fehlen "Fachleute".
Das war in den 1950er/1960er Jahren auch so. Damals waren viele Firmen bereit, neuen Mitarbeitern die nötige Qualifizierung zu bezahlen. Es ging ja auch manchmal gar nicht anders, denn wie sollte jemand, der direkt nach der Schule in den Krieg eingezogen wurde und danach 10 Jahre lang Hilfsarbeiten in Sibiren verrichten mußte, sonst zu einer vernünftigen Qualifikation kommen?
Heute wird selbstverständlich erwartet, daß ein Bewerber schon die nötige Qualifikation hat. Solange das so ist, gibt es keinen Fachkräftemangel.
Und der Nachwuchs bricht weg.
Ja, aber das glaubt man ja durch Einwanderung lösen zu können.
Das tun sie weil diese Sozialleistungen sehr hoch sind.
Das tun sie, weil die Löhne mittlerweile so weit gesunken sind, daß man teilweise mit Sozialleistungen mehr oder zumindest nicht viel weniger hat. Wenn man die Löhne weiter drücken will, müssen also die Sozialleistungen sinken. Sonst steht man schnell ohne Mitarbeiter da.
Versuch mal eine Firma zu gründen, die Anfangsinvestitionen wegen Zahlungen an Behörden sind so hoch, das man nicht mal mehr gründen will.
Kleine Firmengründer haben doch gar keinen Einfluß auf Massenmedien und Politik. Die Rufe nach Senkung von Sozialleistungen kommen von den etablierten Firmen und ihren Verbänden.
Doch doch, soweit denken die Wirtschaftseliten.
Und wieso merkt man davon nichts?
Der Einfluss ist dergestalt, das die Studenten in die Politik gehen und dort Gesetze machen die alles kaputt machen.
So wie Schröder oder Fischer, die einst große Revolutionäre und Pazifisten waren und dann brav vor Bush die Hacken zusammen geknallt und die Bundeswehr willig nach Afghanistan geschickt haben?
Wer als Politiker die Ideale seiner Jugend behält, kommt damit nicht weit. Überhaupt können Ideen allein nichts bewirken. Man braucht immer auch Mittel, um die Ideen durchzusetzen. Und selbst Menschen, die auf dem Papier sehr viel Macht haben, kriegen nicht alles durchgesetzt, was sie wollen. Das war sogar schon zu Zeiten der absolutistischen Monarchen so. Wenn da ein reicher Bankier den Geldhahn zudrehte, dann ist der absolutistische Monarch brav zu Kreuze gekrochen und hat alle Forderungen des Bankiers erfüllt. Geld regiert die Welt. Ideen nicht.
Schon seit dem 19 jahrhundert ist es so das auch Gewerkschafter, Ärztekammern, Apothekerverbände, Frauenverbände und co genau dasselbe machen.
Die können aber nicht alle locker-flockig mal einen Koffer mit einer "Spende" auf einem Schreibtisch platzieren. Das macht den Unterschied aus!
Sieh dir an, wohin Politiker nach ihrem Ausscheiden aus der Politik gehen, wo sie danach gutbezahlte Posten bekommen. Dann weißt du, für wenn sie vorher im Amt Lobbypolitik betrieben haben.
Das sind viel mehr Menschen und viel mehr "Wirtschaft" als die wenigen Aktionärsunternehmen.
Aber die großen AGn haben das große Geld!
Das es logisch unsinnig ist die Deutschen zu armen Arbeitssklaven zu machen um die Deutsche Wirtschaft zu fördern.
Das ist nur auf lange Sicht betrachtet unlogisch. Kurzsichtig betrachtet ist es sehr sinnvoll. Und man plant heute nur noch für ein Jahr oder maximal einige wenige Jahre im Voraus.
Man muss eher den umgekehrten Weg gehen und ganz ganz viele Spezialisten haben. Und genau das verhindern unsere Genossinen und Genossen.
Das verhindern sie allenfalls durch ihre Experimente im Bildungssystem. Das aber auch unbewußt, denn ich fürchte, die bilden sich echt ein, daß das etwas zum Positiven ändern könnte.
Was meinste wie viele Linke wohlhabend sind? Lies doch mal "Unter Linken", das sind alles Schnösel. Wie viele von den Punker haben Ärzte als Väter die genug Geld haben..
Das sind keine Linken, sondern Pseudolinke. Die kommen üblicherweise auch nicht auf Entscheidungspositionen, weil sie es gewohnt sind, immer auf Papas Kosten zu leben und deshalb eigene Anstrengungen scheuen. Und wenn sie das doch schaffen - siehe oben. Dann sind ihre Revoluzzer-Attitüden schnell vergessen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Die Theorie, das der "Kapitalismus"
Robert
, München, Monday, 14.06.2010, 15:37 (vor 5688 Tagen) @ Garfield
Aber egal, ob Fach- oder Hilfskraft: Der Gewinn maximiert sich nun einmal,
wenn sie alle möglichst wenig Lohn bekommen. Und die Löhne sinken bei hohem
Angebot auf dem Arbeitsmarkt.
Wobei allgemein übersehen wird, daß geringere Löhne auf mittlere Sicht auch bedeutend geringere Einkünfte bedeuten (kann und will sich ja keiner mehr die hohen Preise leisten).
Robert
Die Theorie, das der "Kapitalismus"
Garfield, Monday, 14.06.2010, 16:02 (vor 5688 Tagen) @ Robert
Hallo Robert!
Wobei allgemein übersehen wird, daß geringere Löhne auf mittlere Sicht auch bedeutend geringere Einkünfte bedeuten (kann und will sich ja keiner mehr die hohen Preise leisten).
Ja, genau. Das trifft aber nur Firmen, die auf die Binnenmärkte angewiesen sind. Die Exportwirtschaft läßt das kalt - da können die Löhne gar nicht niedrig genug sein. Und Deutschland hat nun einmal einen relativ großen Export-Sektor.
Und selbst bei den Firmen, die auf die Binnenmärkte angewiesen sind, ist es so, daß in den Chefetagen natürlich die Einsicht da ist, daß man durch Lohndrückerei die Kaufkraft senkt. Aber deshalb geht man selbstverständlich nicht so weit, daß man den eigenen Beschäftigten die Löhne freiwillig erhöht. Das würde ja den eigenen Reibach schmälern. Löhne können andere gern erhöhen, und der Staat kann auch gern Sozialleistungen erhöhen - den damit möglichen Zusatzgewinn nimmt man gern mit. Aber selbst mehr zahlen - nein, das geht gar nicht...
Freundliche Grüße
von Garfield
Wo ist er denn, der "Kapitalismus"
Movemen, Monday, 14.06.2010, 17:15 (vor 5688 Tagen) @ Garfield
Das ist mir in der Analyse alles zu zersplittert. Stefan Luft schrieb in seinem Buch über die Zuwanderung davon, dass eigentlich alle gesellschaftlich relevanten Gruppen daran beteiligt waren und die Sache in den Sand gesetzt haben. Die Aufgabenverteilung dürfte sich bis heute nicht geändert haben, weil eine verschiedene Gruppen durch Lobbyismus ihr Ziel verfolgen und sich damit oft als gegenseitige Verstärker erweisen.
Die Industrie wollte bei der Zuwanderung billige Arbeitskräfte, aber sie wollte vor allen Dingen Arbeitskräfte, denn die Tarifverträge unterscheiden nicht zwischen Herkunft, sondern legen Löhne und Gehälter für Hilfsarbeiter oder Arbeiter weitenteils fest.
Die Sozialindustrie, in den Siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, fasste immer mehr Fuß in allen Bereichen der Gesellschaft, ob Sozialarbeiter oder Amtsreferent, ob Lehrerin oder Psychologin. Ein weiter Ausbau aller Berufe, die dem Menschen assistieren, beraten, helfen oder entmündigen, war die Folge. Viele dieser Berufe fingen vor allem den Abiturientenüberschuss auf, der durch die Erleichterungen und Bildungsreformen gerade Kindern aus der oberen Unterschicht aufwärts eine bessere, vielleicht aber auch eine leistungsminderbetonte Teilhabe, an höherer Ausbildung ermöglichten.
Die Politik der Parteien und auch Gewerkschaften pendelte zwischen mehr Demokratie, mehr Subventionen, bessere Bildung, höhere Löhne, Verringerung der Arbeitszeiten, etc. hin und her. Ob Sozial-Liberal oder Christlich-Liberal oder Rot/Grün - immer gab es genug Lobbyverbände aus allen Richtungen, die über die Jahre kumulativ ihre Vorstellungen und Vorschläge in Gesetze gießen lassen konnten. Einhergehend mit immer höheren Schulden, denn was der Haushalt nicht hergab, wurde mit Schulden finanziert; und dies seit Jahrzehnten. Die Sozial- und Gesundheitsposten dominieren inzwischen jeden Haushalt nicht minder als der Schuldendienst. Allein die Sozialhilfe, welches Etikett man ihr auch aufklebt und unabhängig von der Agenda 2010 hat sich seit 1980 vervielfacht. Die Details, wer staatlich alimentiert wird, deckt sich mit verschiedenen Erklärungen, wobei diese nebensächlich sind, denn politisch ist daran kaum etwas zu ändern.
Wo man also hinguckt, und die EU ist nur große Schirm, ist der Staat in die Sozialismusfalle gelaufen. Er ist gezwungen, kollektivistisch Geld zu verteilen und mit Gefälligkeiten die eigene Legitimation zu erkaufen und gleichzeitig in den vielen Teilmengen der Bürgerinteressen auch Ausdruck dafür, dass die Gleichheit mehr als Freiheit oder Gerechtigkeit zählen muss. Und sprachlich, gerade wenn es um Feminismus geht, nimmt die politische Kaste auch kein Blatt mehr vor den Mund. Man spricht offen von Topdown-Maßnahmen, übersetzt heißt das Zwang von oben nach unten, koste es, was es wolle.
In all dem Hickhack, den Verwaltungsvorschriften, den Ausführungsbestimmungen, den Steuern, den Auflagen sind Unternehmen nicht weniger Spielball. Einzig Konzerne besitzen noch das Drohpotential der Abwanderung oder Produktionsverlagerung, dass ihnen einen Lex Ausnahme bescheren kann, wenn auch immer seltener. Insofern ist der Kapitalismus längst eingehegt. Der Staat oder der Superstaat ist gänzlich bürokratisiert und die Lebens- und Wirtschaftsbelange werden administrativ fremdbestimmt. So erklärt sich für mich auch die Blässe und Farblosigkeit der Politiker. Nicht weil sie Berufspolitiker sind, sind sie blass und Phrasenschweine vor dem Herrn, sondern hier ist eine Kaste nach den Notwendigkeiten entstanden, die man auch in der Oberfinanzdirektion Wuppertal rekrutieren könnte.
Insofern greift die Kapitalismuskritik nicht mehr. Nicht nur der Staat, auch die Unternehmen müssen Verpflichtungen und Vorgaben erfüllen, die dann einen Wasserkopf von Verwaltung nach sich ziehen. Der Öffentliche Dienst wurde durch immer mehr Gesetze aufgebläht und zieht damit einen Rattenschwanz vornehmlich weiblicher Beschäftigter nach sich. Die Unternehmen müssen diese Flut ebenso durch Einsatz von mehr (typischerweise) weiblichen Bürokräften auffangen. Aber selbst der Praktische Arzt mit halbwegs gut laufender Praxis benötigt inzwischen zwei Arzthelferinnen: Eine macht die Termine und betreut die Patienten, die andere kümmert sich nur um die Abrechnungen. Wo man auch hinschaut, hat sich der Staat zu Tode organisiert; mit den entsprechenden Folgekosten. Von unternehmerischer Freiheit kann da kaum noch die Rede sein, ebensowenig von der Freiheit der Bürger. Von der Wiege bis zur Bahre war die Welt nie stärker kontrolliert, wenn auch der relative, wenn auch nur temporäre, Wohlstand nie höher war. Der Sieg des kapitalistischen Staates sieht ganz sicher anders aus. Insofern halte ich die Kapitalismus-Kritik der Linken für seltsam weltfern und nicht unähnlich der feministischen Kritik, stammen sie doch beide aus dem gleichen Nest. Die soziale Marktwirtschaft ist längst in den Zustand des marktwirtschaftlichen Sozialismus übergegangen. Eine kommode Diktatur, in der die Repressionsseligkeit der DDR überwunden scheint, aber die sich politisch längst der Kontrolle von Volk oder Bevölkerung entzogen hat. Man könnte sagen, die Politik allein hat sich emanzipiert.
großartiger Beitrag (kt)
Prometheus, Luxemburg, Monday, 14.06.2010, 18:22 (vor 5688 Tagen) @ Movemen
- kein Text -
Wo ist er denn, der "Kapitalismus"
Garfield, Monday, 14.06.2010, 18:48 (vor 5688 Tagen) @ Movemen
Hallo Movemen!
Das ist mir in der Analyse alles zu zersplittert.
Selbstverständlich - wie du ja auch schreibst, sind da schon lange unterschiedliche Lobbygruppen mit unterschiedlichen Zielen am Werk gewesen. Das läßt sich nicht einfach und universell mit einem simplen Modell erklären.
Die Industrie wollte bei der Zuwanderung billige Arbeitskräfte, aber sie wollte vor allen Dingen Arbeitskräfte...
Das war so bis Ende der 1960/Anfang der 1970er Jahre, als die Erwerbslosenzahlen wieder anstiegen, dann nochmal kurz abfielen, um schließlich endgültig und dauerhaft anzusteigen. Von da an gab es keinen Arbeitskräftemangel mehr. Wäre es also nur darum gegangen, dann hätte man die Einwanderung nun tatsächlich und nicht nur zum Schein stoppen müssen.
Man holte aber weiter Einwanderer ins Land und tut das immer noch. Trotz realer Erwerbslosenzahlen, die schon zu Kohls Zeiten auf etwa 9 Millionen geschätzt wurden. Und sogar trotzdem mittlerweile offensichtlich ist, daß viele Einwanderer hier gar nicht arbeiten wollen. Das führt zwar mittlerweile dazu, daß auch seitens der Wirtschaft Kritik kaut wird, aber geändert hat sich bislang nichts.
...denn die Tarifverträge unterscheiden nicht zwischen Herkunft, sondern legen Löhne und Gehälter für Hilfsarbeiter oder Arbeiter weitenteils fest.
Genau. Und je mehr potenzielle Bewerber auf dem Arbeitsmarkt sind, umso bescheidener sind die Beschäftigten und umso einfacher wird man sich mit den Gewerkschaften einig.
Die Sozialindustrie, in den Siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, fasste immer mehr Fuß in allen Bereichen der Gesellschaft...
Ja, weil ja seit den 1970er Jahren die Zahl der Sozialfälle immer weiter steigt! Natürlich ufert allein deshalb der Sozialstaat immer weiter aus. Und natürlich bilden sich immer mehr Behörden und "Helfer" um die vielen Sozialfälle herum. Und natürlich gibt es mittlerweile auch genügend Firmen, die Bezieher von Sozialleistungen als nicht unwesentliche Klientel betrachten und deshalb sogar die Erhöhung der Sozialleistungen befürworten. Vermieter nehmen auch gern ALG II-Bezieher als Mieter in ihre Wohnungen - da zahlt nämlich das Amt regelmäßig und pünktlich die Miete, und notfalls kann die sogar direkt an den Vermieter überwiesen werden. Die FDP hat ja vor kurzem gefordert, daß der Mietzuschuß auf eine Pauschale reduziert werden solle. Es wundert mich gar nicht, daß davon im neuen Sparpaket der Bundesregierung keine Rede mehr ist. In Regierung und Parlament sitzen schließlich genügend Besitzer von Mietswohnungen - die lassen sich doch nicht das gute Geschäft mit Hartz IV kaputt machen.
In all dem Hickhack, den Verwaltungsvorschriften, den Ausführungsbestimmungen, den Steuern, den Auflagen sind Unternehmen nicht weniger Spielball.
Sicher. Es ist aber generell so, daß die Wirtschaft in Krisenzeiten gern nach dem Staat brüllt. In guten Zeiten sackt man die Gewinne schön privat ein und will von Sozialismus nichts wissen. In schlechten Zeiten soll doch aber bitteschön der Staat die Verluste ausgleichen - dann ist Sozialismus plötzlich eine Supersache, solange er so aussieht, daß die Verluste der Konzerne sozialisiert werden.
Insofern ist der Kapitalismus längst eingehegt. Der Staat oder der Superstaat ist gänzlich bürokratisiert und die Lebens- und Wirtschaftsbelange werden administrativ fremdbestimmt.
Staat und Wirtschaft sind schon lange weitgehend verschmolzen. Fremdbestimmung gibt es da nur, weil die Interessen der Beteiligten eben nicht immer identisch sind und weil manche Prozesse, die da in Gang gesetzt werden, zu kompliziert sind, um sie exakt steuern zu können.
Da wird z.B. zugunsten irgendeiner Lobbygruppe eine neue Subvention eingeführt. Das dazu nötige Gesetz wurde von den interessierten Lobbyisten geliefert, die aber dabei natürlich nur an sich gedacht haben und nicht daran, was andere mit diesem Gesetz anfangen könnten. Zwar gibt es Warnungen von Experten, die aber in den Wind geschlagen werden. Das Gesetz wird also schleunigst durchgewinkt. Bald stellt man aber fest, daß es massenweise Mißbrauch dieses Gesetzes gibt und daß das Ganze somit teurer wird als geplant. Also richtet man eine neue Behörde ein, die den Mißbrauch einschränken soll... So wuchert der Wildwuchs immer weiter.
Die soziale Marktwirtschaft ist längst in den Zustand des marktwirtschaftlichen Sozialismus übergegangen.
Wie soll das denn anders gehen? Wo sollten denn all die Erwerbslosen, die wir schon haben, Jobs finden???
Freundliche Grüße
von Garfield
Wo ist sie denn, die Demokratie?
Unterdrücker, Monday, 14.06.2010, 20:21 (vor 5688 Tagen) @ Garfield
Hallo Garfield,
schön, dass Du das Thema noch einmal aufgreifst, auch wenn sich der Inhalt meines, sowie auch dieses Threads von meiner ursprünglichen Fragenstellung weg entwickelt hat.
Nun hat sich hier eine Diskussion entwickelt, bei der die Meinungen nur auf den ersten Blick auseinander gehen. Es scheint sich nahezu jeder einig zu sein, dass Politik nicht mehr vom Volk (resp. Volksvertretern) fürs Volk gemacht wird, sondern von einflussreichen Personen und Gruppen (Lobbys), für ebendiese, also für sich selbst.
Zu diesen Lobbys zählt natürlich auch der Feminismus. Offensichtlich eine der mächtigeren Lobbys.
Einig dürften wir uns wohl auch sein, dass der Feminismus sich selbst von seinem ursprünglichen Gedanken, von seinen ursprünglichen Zielen genauso weit entfernt hat, wie der Volksvertreter vom Volk und betrachten wir uns die täglichen Themen, bei der sich der Bürger positionieren kann, sehen wir, dass der Feminismus bei der Allgemeinheit nicht den Stellenwert hat, wie andere Themen, andere Säue, die tagtäglich durchs Land getrieben werden.
Junge gegen Alte. Arbeitnehmer gegen Rentner. Arbeiter gegen Arbeitslose. Atomkraftbefürworter gegen Atomkraftgegner. Arme gegen Reiche. Linke gegen Rechte. Nichtraucher gegen Raucher. Wehrdienstbefürworter gegen Wehrdienstgegner usw. Und es funktioniert, auch das wissen wir. Die Losung ‚divide et impera‘ ist mittlerweile schon fast so bekannt wie die „Nazikeule“.
Einen Unterschied gibt es aber: während die „Nazikeule“ ihre Schlagkraft verloren hat, funktioniert ‚divide et impera‘ immer noch und immer und immer wieder. Das ist so sicher, wie der nächste Wetterumschwung.
Das, was ihr bisher hier im Thread diskutiert hat, sind Nuancen, die aber von der eigentlichen Frage, der wichtigsten Frage, ablenken … divide et impera …
Die wichtigste Frage ist zuvorderst, wie konnte es soweit kommen, dass Lobbyismus in derart massiver Weise und ungebremst in der Politik Einzug halten konnte und was kann dagegen getan werden?
Meine Eingangsgedanken hierzu sind folgende: Die Demokratie (zumindest die Form, die wir erleben) funktioniert, ebenso wie der Kommunismus NUR und ich betone! NUR in der Theorie!
Warum funktioniert nun meiner Meinung nach die Demokratie in angewandter Form nicht?
Der Hauptgrund ist, dass das Volk keine Lobby hat. Jeder noch so kleine, regionale Verband kann mehr Einfluss auf die Politik ausüben als das Volk! Im Grunde sind ja die demokratisch gewählten Volksvertreter die Volkslobby oder sollten es zumindest sein. Im Grunde sollten demokratische Politiker genau deswegen eben NICHT auf Lobbys hören, sondern auf Volkes Stimme. Nur die ist nicht homogen! Ein imaginärer regionaler Verband der vegetarischen und veganen Imbissbudenbesitzer hat, das liegt in der Natur der Sache, ein oder mehrere gemeinsame Anliegen, mit denen sie an die Politik herantreten können. Das Volk kann das nicht.
Bürgersprechstunde: viel zu selten gibt es die, aber natürlich muss ja der gewählte Volksvertreter, MdB, seine Arbeit in Berlin machen und kann nicht häufig im Wahlkreis sein.
Bürgersprechstunde also: mich (evtl. auch Mitglied der Bürgerinitiative Stoppt den Verkehr im Stadtteil xy) stört der Durchgangsverkehr in meiner Straße, Garfield (evtl. auch Sprecher der Bürgerinitiative Genug ist Genug. Die Hauptstraße muss bleiben) widerspricht mir sofort, weil er befürchtet, dass, falls der Durchgangsverkehr umgeleitet wird, dieser plötzlich an seinem Haus vorbeigeht. Frau Hansen, neulich aus Hamburg zugezogen stören die Glocken, die die Kühe um den Hals tragen, Herrn Müller die Kirchenglocke. Nebenbei schimpfen alle über zu hohe Steuern und Sozialabgaben.
Kaum zurück in Berlin, hat unser Volksvertreter, dutzende Anliegen im Gepäck, einen Termin mit einem Herrn des Verbandes der vegetarischen und veganen Imbissbudenbesitzer, der mit ein oder zwei KLAR formulierten Forderungen an ihn herantritt. Die Nahrung, die die Mitglieder seines Verbandes anbieten, sei viel gesünder und deshalb wäre es angebracht, hier vergünstigte Steuersätze einzuführen. Nachdruck verleiht der Lobbyist seiner Forderung mit einer Einladung zu einem eleganten Galadiner, sowie einer nicht unbeträchtlichen Spende für die Partei. Unser Volksvertreter bittet um Bedenkzeit. Er würde sich spätestens Ende der Woche melden. Er erzählt seinen Parteifreunden/-genossen von einer möglichen Spende und einem damit zusammenhängenden, wohlformulierten Anliegen. Im weiteren Verlauf erwähnt er auch einige, der vielen Anliegen seiner Bürger. Ebenso tun dies seine Parteifreunde/-genossen.
Am Ende des Treffens beschließt man, die Einladung zum Galadiner anzunehmen. Vor Ort soll versucht werden, einen etwas höheren Spendenbeitrag heraus zu handeln. Die unzähligen Forderungen der Bürger, dutzende, vielleicht sogar hunderte verschiedene, werden im Laufe der Diskussion an den Rand gedrängt, vergessen, als unwichtig empfunden. Selbst, wenn alle Parteimitglieder sich geschworen haben, ihre Bürger zu vertreten, deren Anliegen ernst zu nehmen, so wird niemals ein Konsens erzielt werden können. Denn MdB Michel von Hamburg interessieren nun mal keine Kuhglocken in der Nachbarschaft, er habe so ein Problem noch nie gehört, so dringend kann das also gar nicht sein. Sepp Huber, etwas beleidigt, ist nun aber auch etwas überrascht von Michel von Hamburg, der das Anliegen eines Bürgers erwähnt, dass die Nationalhymnen am Willkomm-Höft in Wedel doch bitte auf die Zeiten Montag bis Freitag zehn bis 16 Uhr und generell auf 10 Sekunden je Hymne beschränkt werden sollten. Außerdem seien sie generell zu laut.
In den kommenden Tagen und Wochen folgen unzählige weitere Termine für die Parteifreunde/-genossen unserer Partei. Zusammengenommen ebenfalls wieder hunderte. Termine mit den unterschiedlichsten Verbänden. Also Lobbygruppen und deren Lobbyisten. Alle mit klaren Forderungen … und … ja und vielleicht nicht alle, aber viele mit der Absicht, der Partei im Falle der erfolgreichen Durchsetzung des Anliegens etwas Gutes zu tun. Geld im Allgemeinen.
Hier breche ich nun den kleinen, bewusst etwas überspitzt dargestellten, Ausflug in das Leben eines Bundestagsabgeordneten ab.
Genau hier liegt das Problem zwischen Theorie und Praxis unserer Form der Demokratie. Sie kann in einem großen Land wie Deutschland nicht funktionieren. Nicht in erster Linie, weil überall Verschwörungen stattfinden und alle Politiker generell das leibhafte Böse verkörpern, sondern weil ein Bundespolitiker das Volk als solches, mit all seinen Sorgen und Nöten, gar nicht zufriedenstellend vertreten kann.
Lösungsansatz (zur Diskussion gestellt): Wir alle gehen sicherlich mit Churchill konform, der sinngemäß sagte, Demokratie sei die schlechteste aller Regierungsformen, aber es gäbe keine bessere.
Bürgerinitiativen haben unter den aktuell herrschenden Bedingungen das Problem, dass sie zwar eine Meinung, ein Anliegen formulieren können, dass die Meinung mehrerer widerspiegelt, aber sie haben keinen nennenswerten finanziellen Background.
Selbstverständlich muss die direkte Demokratie her. Es ist meines Erachtens ein Unding, ein System, das kein Plebiszit zulässt, als Demokratie zu bezeichnen!
Jedes MdB hat vier feste Bürgersprechstunden im Jahr, bei Dringlichkeit können natürlich weitere angesetzt werden.
In diesen Bürgersprechstunden müssen alle Gesetzesänderungen vorgestellt und erläutert werden.Das (anwesende) Volk stimmt hierüber ab.
Der MdB fährt mit dem Abstimmungsergebnis zurück nach Berlin und MUSS seine Stimme gemäß des Abstimmungsergebnisses in seinem Wahlkreis abgeben. Diese Abstimmung MUSS öffentlich und nachvollziehbar sein.
Somit wird die Farce umgangen, unter der die Bevölkerung in diesem Land leidet:
Der Bürger gibt einmal in vier Jahren seine Stimme ab. Aufgrund von ein paar griffigen Parolen muss er zwischen den Parteien entscheiden. Diese Parolen sind nichtssagend, das Parteiprogramm vielen nicht verständlich.
Sagt eine Partei im Wahlkampf: "mehr soziale Sicherheit wagen", so kann sie mit einigermaßen ruhigem Gewissen sogar die Agenda 2010 durchsetzen!
Kommt aber die Agenda 2010 direkt zur Abstimmung,so muss diese a) erklärt und b) vom Volk angenommen werden.
Und ich glaube, dass das Volk diese Agenda nicht angenommen hätte!
Wenn aber nun eine Änderung unumgänglich ist?
Dann muss die Politik eben eine Agenda 2010 in einem zweiten Versuch vorlegen, die mit höherer Wahrscheinlichkeit die Gunst der Bürger gewinnt!
Buchempfehlung hierzu: Wie Politik funktioniert von Wolf Wagner.
Wo ist sie denn, die Demokratie?
Garfield, Monday, 14.06.2010, 20:40 (vor 5688 Tagen) @ Unterdrücker
bearbeitet von Garfield, Monday, 14.06.2010, 20:45
Hallo "Unterdrücker"!
Ja, dem kann ich nicht mehr viel hinzufügen. Exakt so stelle ich mir das auch vor.
Das Problem mit dem Lobbyismus ist auch keineswegs neu. Das bildete sich schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts heraus. Davor war es auch schon so, daß die Mächtigen natürlich gern auch ihre privaten Interessen in ihren Ämtern verfolgten. So hat sich Bismarck als Großgrundbesitzer natürlich immer auch für die Interessen eben dieser Großgrundbesitzer stark gemacht.
Als dann aber in den 1870er Jahren eine weltweite Krise in den Industriestaaten ausbrach, die zunächst vor allem durch Überproduktion ausgelöst wurde, führte dies erst einmal zu einem beschleunigten Konzentrationsprozeß in der Wirtschaft und schließlich zur Gründung von Verbänden, Trusts und Syndikaten, die sich keineswegs nur mit Preisabsprachen begnügten, sondern ihre geballte Macht einsetzten, um neue Gesetze oder Gesetzesänderungen in ihrem Sinne durchzudrücken. Und schon damals haben die von ihnen bezahlten Lobbyisten den Ministerien manchmal bereits fertig verfaßte Gesetzestexte vorgelegt, die dann von den Politikern einfach nur abgenickt wurden.
Bei der Gründung der Bundesrepublik wurde dann auch gesetzlich festgelegt, daß die Ministerien Gesetzentwürfe den interessierten Lobbygruppen vor der Abstimmung zur Einsicht vorlegen und diese Gruppen angemessen an der Gestaltung der Gesetze beteiligen müssen.
Mit den heutigen Möglichkeiten der Technik bräuchten wir eigentlich überhaupt keine Parlamente mit Abgeordneten mehr. Man könnte virtuelle Parlamente schaffen, und dort könnte jeder Bürger sein eigener Abgeordneter sein.
Problematisch wäre dabei allerdings das Risiko von Manipulationen. Da wäre deine Variante schon sicherer.
Aber das ist natürlich von oben her überhaupt nicht gewollt. Man läßt ja nicht einmal Volksentscheide zu so wichtigen Fragen wie die der Euro-Einführung oder der Zumutung von Lissabon zu. Weil man genau weiß, wie diese Entscheide ausfallen würden. Im Endeffekt ist es auch nicht anders als in der DDR.
Freundliche Grüße
von Garfield
Wo ist sie denn, die Demokratie?
Unterdrücker, Monday, 14.06.2010, 21:07 (vor 5688 Tagen) @ Garfield
Hallo Garfield,
Und schon
damals haben die von ihnen bezahlten Lobbyisten den Ministerien manchmal
bereits fertig verfaßte Gesetzestexte vorgelegt, die dann von den
Politikern einfach nur abgenickt wurden.Bei der Gründung der Bundesrepublik wurde dann auch gesetzlich festgelegt,
daß die Ministerien Gesetzentwürfe den interessierten Lobbygruppen vor der
Abstimmung zur Einsicht vorlegen und diese Gruppen angemessen an der
Gestaltung der Gesetze beteiligen müssen.
Ja. Die EU-Verfassung wurde im wesentlichen von der Bertelsmann-Stiftung 'komponiert'.
Ich empfinde das als eine exorbitante Dreistigkeit! Aber warum funktioniert das in einer vermeintlichen Demokratie? Das kann nur funktionieren, weil unsere "vierte Gewalt", die Presse, die Medien also, das "Volk" konditionieren, ihre Aufmerksamkeit auf Bohlen und Big Brother zum einen und bei den politisch Interessierten auf Parteiengezänk lenken. Nicht aber auf wesentliche Themen. Hofberichterstattung ist das Motto, nicht aber Aufklärung der Bürger. Dabei war die Idee mit den Medien, die Idee mit der "freien Presse" als weitere demokratische Errungenschaft der Gewaltenteilung neben Legislative, Judikative und Exekutive, keine schlechte.
Problematisch wäre dabei allerdings das Risiko von Manipulationen. Da wäre
deine Variante schon sicherer.
Unbedingt! Das Netz ist niemals so transparent! Da kann viel manipuliert werden. Aber bei einer Versammlung, bei der -im Idealfall- hunderte Bürger anwesend sind, weiss jeder am Ende, was gesprochen wurde und was diskutiert wurde. Diese Anwesenden können und würden dann ja z.B. in ihren Blogs darüber berichten und ihre eigene Meinung darüber darlegen. Viel mehr Transparenz wäre das, als die uns durch die Medien vorgegaukelte.
Aber das ist natürlich von oben her überhaupt nicht gewollt.
Selbstverständlich nicht.
nicht einmal Volksentscheide zu so wichtigen Fragen wie die der
Euro-Einführung oder der Zumutung von Lissabon zu. Weil man genau weiß, wie
diese Entscheide ausfallen würden.
Genau. Es ist ja auch nicht ohne Absicht, alles verkompliziert darzustellen, damit viele abwinken "das verstehe ich nicht" und sich dann mehr und mehr auf die Parolen bei Wahlen oder Schlagzeilen der Boulevardpresse zurückgreifen.
Vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber meines Erachtens begann der Umschwung der Politik 1983 mit der "geistig-moralischen Wende" von Helmut Kohl.
- das Privatfernsehen wurde eingeführt und somit
- das Niveau der Unterhaltung sowie der Berichterstattung gesenkt
- die Politik ging weg von Sachthemen und redete in nahezu jedem Zusammenhang nur noch über Geld.
Ich kann mich nicht erinnern, dass Politik vor dieser "geistig-moralischen Wende" derart auf die finanzielle Sicht reduziert wurde. Eher habe ich das Gefühl, dass politische Entscheidungen eher noch vernunftorientiert waren. Oder zumindest als solches verkauft wurden.Ich kann mich aber natürlich auch täuschen, damals war ich ja noch jung (Jahrgang 1967) und bezüglich politischer Themen unerfahren.
Freundliche Grüße
von Garfield
Ebenso freundliche Grüße zurück.
Traumhaft
ajk, Monday, 14.06.2010, 19:26 (vor 5688 Tagen) @ Movemen
genau so ist es.
gruss
/ajk
--
Solange du andere fragst, was du "darfst", bist du kein Mann. - Robert
Wo ist er denn, der "Kapitalismus"
Maesi, Tuesday, 15.06.2010, 10:13 (vor 5688 Tagen) @ Movemen
Hallo Movemen
Das ist mir in der Analyse alles zu zersplittert. Stefan Luft schrieb in
seinem Buch über die Zuwanderung davon, dass eigentlich alle
gesellschaftlich relevanten Gruppen daran beteiligt waren und die Sache in
den Sand gesetzt haben. Die Aufgabenverteilung dürfte sich bis heute nicht
geändert haben, weil eine verschiedene Gruppen durch Lobbyismus ihr Ziel
verfolgen und sich damit oft als gegenseitige Verstärker erweisen.[snip]
Zustimmung zu Deinem Text Movemen. Du hast die Problematik des heutigen politisch gelenkten (vulgo 'regulierten') Marktes gut dargelegt. Die Politiker sind allesamt astreine Kollektivisten, die nie anders denn kollektivistisch denken und handeln koennen. Fuer den Bereich der Wirtschaftspolitik trifft das ebenso zu wie im Bereich Geschlechterpolitik, Erziehungspolitik, Sozialpolitik usw. usf. Alles wird fein saeuberlich in Kollektive aufgeteilt, die in der Folge politisch verwaltet und bei Bedarf auch gegeneinander ausgespielt werden; je nach ideologischem Standpunkt, weist man den konstruierten Kollektiven das Attribut 'gut' und anderen das Attribut 'boese' zu und fertig ist das kollektivistische Weltbild. Kurz und schlecht: Kapitalismus ist eine Projektionsflaeche, auf der jeder nach seinem Gusto irgendetwas projizieren kann. Die Kapitalismusprojektionen sagen jedoch normalerweise wesentlich mehr ueber den Projizierenden aus als ueber das Objekt 'Kapitalismus' selbst.
Ich persoenlich halte es mit Milton Friedman, der da einmal sagte: 'Ich bin nicht wirtschaftsfreundlich, ich bin fuer freie Marktwirtschaft, was etwas ganz anderes ist.' Den voellig korrumpierten Begriff 'Kapitalismus' vermeide ich normalerweise, da darunter so gut wie alles und somit in letzter Konsequenz dann ueberhaupt nichts sinnvolles mehr verstanden werden kann.
Freie Marktwirtschaft ist nichts anderes, als dass man den einzelnen Marktteilnehmern weitestgehend selbst ueberlaesst, inwieweit sie sich in welcher Form am Markt beteiligen. Was wir derzeit in Europa haben, hat nur noch wenig mit freiem Markt zu tun. Aber das haelt gewisse Leute nicht davon ab, trotzdem davon zu halluzinieren und ihre beliebigen Halluzinationen dann 'Kapitalismus' zu nennen. In einem freien Markt waeren konkursite Grosskonzerne (z.B. gewisse Banken) selbstredend NICHT von Staates wegen gerettet worden, dasselbe gilt fuer konkursite Staaten.
Fazit: Die freie Marktwirtschaft ist keine Religion. Sie ist einfach die Summe aller freiwillig getroffenen Tauschvereinbarungen zwischen freien Marktteilnehmern. Getauscht wird alles, wofuer Anbieter von und Nachfrager nach bestimmten Guetern/Dienstleistungen bestehen. Die Preise bilden sich gemaess gerade aktuellem Angebot und Nachfrage heraus. Mehr steckt nicht dahinter. Aber es gibt viele Menschen, die machen daraus einen Goetzen oder einen Teufel - je nach ideologischer Praegung und persoenlicher Betroffenheit. Haengt vielleicht damit zusammen, dass sie keinen Gott und Teufel mehr anerkennen und sich deshalb kuenstlich welche erschaffen muessen.
Gruss
Maesi
Wo ist er denn, der "Kapitalismus"
Garfield, Tuesday, 15.06.2010, 17:33 (vor 5687 Tagen) @ Maesi
Hallo Maesi!
Was wir derzeit in Europa haben, hat nur noch wenig mit freiem Markt zu tun.
Nicht nur in Europa - in den USA beispielsweise sieht das auch nicht anders aus. Auch da läuft es so, daß die aus Gier und teilweise auch aus Inkompetenz entstandenen Verluste diverser Konzerne eifrig sozialisiert werden, anstatt einfach dem Markt seinen Lauf zu lassen.
Der Markt kann nicht alle Probleme lösen, aber er kann zumindest alle rein wirtschaftlichen Probleme lösen. Wenn er denn frei ist.
Leider ist es aber so, daß große Konzerne ihre Marktmacht immer mißbrauchen, um den Markt zu ihrem Vorteil einzuschränken. Und wenn sie das allein nicht ganz schaffen, dann schreien sie nach dem Staat, der den Markt dann ihren Wünschen anpaßt.
Zusätzlich ist es noch so, daß der Markt eben nicht alle Probleme lösen kann. Damit meine ich jetzt nicht nur soziale Probleme. An einem freien Markt setzt sich durch, was im Moment gerade am wirtschaftlichsten ist. Das muß aber nicht dauerhaft das Sinnvollste sein. Auch deshalb hat man in vielen Staaten ja schon im 19. Jahrhundert Staatsbetriebe aufgebaut - dabei ging es häufig darum, überhaupt wieder einen freien Markt zu schaffen, nachdem große, private Konzerne diesen freien Markt weitgehend vernichtet hatten. Manchmal geht es dabei oder auch bei Subventionierungen aber auch darum, wichtige Technologien und Fachkräfte im Land zu erhalten.
Staatliche Eingriffe in den Markt lassen sich aber so oder so nicht vermeiden, denn ohne diese Eingriffe gibt es durch die Übermacht weniger Großkonzerne eben auch keinen freien Markt mehr.
Freundliche Grüße
von Garfield
Der Binnenmarkt ist tot
ajk, Monday, 14.06.2010, 19:23 (vor 5688 Tagen) @ Garfield
Weil wir zu hohe Steuern und Abgaben haben.
Die letzte grosse Enteignung war der Euro. Preise verdoppelt, Löhne sind gleich geblieben.
/ajk
--
Solange du andere fragst, was du "darfst", bist du kein Mann. - Robert
Die Theorie, das der "Kapitalismus"
Prometheus, Luxemburg, Monday, 14.06.2010, 16:13 (vor 5688 Tagen) @ Robert
Wobei allgemein übersehen wird, daß geringere Löhne auf mittlere Sicht
auch bedeutend geringere Einkünfte bedeuten (kann und will sich ja keiner
mehr die hohen Preise leisten).
Es gibt aber noch einen weiteren Faktor. In einer Konkurrenzsituation tendieren die Preise immer in Richtung Grenzkosten. Wenn die Löhne sinken, dann sinken die variablen Kosten, dadurch auch die Grenzkosten und letztendlich die Preise. Die Ersparnis landet also beim Kunden, nicht beim Unternehmer.
"Autos kaufen keine Autos"
ajk, Monday, 14.06.2010, 19:18 (vor 5688 Tagen) @ Robert
War die Aussage von Henry Ford.
Und das wissen auch "Kapitalismus".
Diese seltsame Antikapitalistische Denkweise hat vor allem eins, Mangel an Verständnis.
Es erscheint mir als würden Schüler, Studenten und Beamte über etwas reden, wovon sie keine Ahnung haben. Echter Arbeit. Unsere Schulen werden geleitet von Menschen die noch nie in Unternehmen waren, die nicht wissen was Kunden sind, die nicht wissen was Marktwirtschaftlicher Druck ist.
So sehen auch die Gesetze aus und darum wird das auch alles irgendwie krachen. Das ausgerechnet das, was eine Katastrophe wie 1921 verhindern würde (Wetten auf fallende Kurse) verboten wird, zeugt nur davon.
/ajk
--
Solange du andere fragst, was du "darfst", bist du kein Mann. - Robert
Primitive Habgier gepaart mit medialer Macht
es wurde kein Name eingegeben, Monday, 14.06.2010, 15:29 (vor 5688 Tagen) @ ajk
Den Feminismus gezielt gefördert hat, weil er stumpf "mehr Arbeiter"
wollte, ist für mich irrsinnig.Erstens braucht unsere Wirtschaft Fachkräfte, keine Hilfskräfte.
Weniger linear-kausale Sichtweise:
Je mehr unqualifizierte Arbeitssuchende, desto höher die Arbeitslosigkeit, desto höher der - durch politisch-mediale Hetze noch verstärkte - soziale Druck auf den Einzelnen, desto niedriger die Löhne und Gehälter aller neu eingestellten Beschäftigten.
Und es ist ja nun mal Fakt, dass durch die "arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen" der letzten Jahre alle Löhne und Gehälter gesunken sind und weit über zwei Millionen Vollzeitstellen durch Niedriglohn-Modelle ausgetauscht wurden.
Es ist im Grunde genommen ganz einfach: Mach´ den Leuten Angst, und sie sind bereit zu Konditionen zu arbeiten, die nach rationellen und marktprinzipiellen Gesichtspunkten eigentlich undenkbar wären. Das erhöht deinen Gewinn!
Und dass solche Manipulationen auf breiter Ebene funktionieren, siehst du z.B. sowohl am Feminismus, als auch in der "Sozialstaatsdebatte". Diese hohlen Phrasen und simplen Kampfparolen bleiben in den Köpfen der Menschen haften und werden von ihnen ohne Nachdenken nachgeplappert. Und sie handeln auch danach!
Primitive Habgier gepaart mit medialer Macht
Cardillac, Monday, 14.06.2010, 15:41 (vor 5688 Tagen) @ es wurde kein Name eingegeben
Und es ist ja nun mal Fakt, dass durch die "arbeitsmarktpolitischen
Maßnahmen" der letzten Jahre alle Löhne und Gehälter gesunken sind und weit
über zwei Millionen Vollzeitstellen durch Niedriglohn-Modelle ausgetauscht
wurden.
Ein in der Tat in Europa einmaliger Vorgang. Deutschland hat inzwischen von allen alteuropäischen Ländern den größten Niedriglohnsektor und ist bezüglich der Massenverarmung vergleichbar mit den USA.
Weshalb parallel zu diesem sozialen Kettensägenmassaker der Gesellschaft ein neues "soziales Design" (Savvakis) oktruiert wurde, ob die Feminisierung in einem inneren Zusammenhang damit steht, wäre eine der ganz vordringlichen Fragen.
Unwissenheit
ajk, Monday, 14.06.2010, 19:22 (vor 5688 Tagen) @ es wurde kein Name eingegeben
Je mehr unqualifizierte Arbeitssuchende, desto höher die Arbeitslosigkeit,
desto höher der - durch politisch-mediale Hetze noch verstärkte - soziale
Druck auf den Einzelnen, desto niedriger die Löhne und Gehälter aller neu
eingestellten Beschäftigten.
Man braucht aber nicht viele unqualifizierte Arbeitssuchende. Man braucht mehr qualifizierte Arbeitssuchende.
Und es ist ja nun mal Fakt, dass durch die "arbeitsmarktpolitischen
Maßnahmen" der letzten Jahre alle Löhne und Gehälter gesunken sind und weit
über zwei Millionen Vollzeitstellen durch Niedriglohn-Modelle ausgetauscht
wurden.
Ja, VOM STAAT. Die brauchen abhängige Wähler. Harz4ler die "SPD-oh-der-kapitalismus-beutet-uns-aus" Wähler.
Es ist im Grunde genommen ganz einfach: Mach´ den Leuten Angst, und sie
sind bereit zu Konditionen zu arbeiten, die nach rationellen und
marktprinzipiellen Gesichtspunkten eigentlich undenkbar wären. Das erhöht
deinen Gewinn!
So denken Menschen die vor 100 Jahren angefangen haben über Wirtschaft zu denken. Und dort sind sie auch geblieben. Du kannst mit solchen Menschen keine High-Tech Unternehmen führen. Angst fressen Seele auf. Und Angst stört die Arbeitsfähigkeit von denkenden Menschen. Es funktioniert nicht!
Und dass solche Manipulationen auf breiter Ebene funktionieren, siehst du
z.B. sowohl am Feminismus, als auch in der "Sozialstaatsdebatte". Diese
hohlen Phrasen und simplen Kampfparolen bleiben in den Köpfen der Menschen
haften und werden von ihnen ohne Nachdenken nachgeplappert. Und sie handeln
auch danach!
Das sind aber nicht Wirtschaftler, sondern Staatsdenkende. Linke die alle Menschen kontrollieren wollen.
/ajk
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Solange du andere fragst, was du "darfst", bist du kein Mann. - Robert