Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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"DENK"mal Kirche etc.

Donna Amaretta, Sunday, 13.06.2010, 18:56 (vor 5689 Tagen) @ Mus Lim

+ Militärseelsorge
+ Theologische Hochschulen
+ Subventionierung von Kirchentagen
+ Subventionierung von Papstbesuchen
+ Finanzierung von Bekenntnisunterricht in staatlichen Schulen
+ Denkmalschutz für Kirchengebäuden
+ dies und das

Spart Euch die Kirche

Hallo, Mus Lim
Meine Antwort hat nicht mehr viel mit dem Ausgangsthema zu tun,
da ich mich noch nie mit dem Thema Kirche und Finanzen beschäftigt habe.
Tatsächlich wusste ich nicht, das der Staat die Gehälter finanziert.
Nicht nur der Artikel selbst ist interessant, auch die Kommentare
sind lesenswert.

Speziell zu einigen von dir genannten Punkten möchte ich aber etwas sagen,
denn da bin ich der Ansicht, das das Geld gut angelegt ist. Hierbei handelt es sich um Gedanken, die ich mir nicht zum ersten Mal mache.

1.

+ Militärseelsorge

Ich könnte mir vorstellen, das dieser Bereich der Seelsorge besonders wichtig ist,
gerade für beispielsweise Männer, die in Afghanistan Dinge erlebt haben,
die man niemand zu sehenwünscht und mit denen mancher sicher schwer alleine fertig wird.
Egal ob der nun ein Gläubiger ist oder nicht,
die Wichtigkeit sich auch um die Seele zu kümmern und nicht nur um äusserliche Verletzungen, steht für mich fest.
Ich habe neulich eine Reportage gesehen über Männer, die mit ihren Kriegserlebnissen zu kämpfen hatten
und Hilfe brauchten, Ansprechpartner gibt es aber fast keine.
"Während man unter den Verantwortlichen noch diskutiert und Anschuldigungen zurückweist, nimmt die Häufigkeit seelischer Belastungsstörungen bei Afghanistan-Heimkehrern weiter zu. Dabei sind sich Experten einig: Nur ein Kultur- und Bewusstseinswandel in Militär und Gesellschaft kann langfristig helfen, Traumata bei ehemaligen Soldaten zu bekämpfen. Und mit jedem Soldaten mehr, der in Afghanistan im Einsatz ist, wird dieses Problem drängender. "
Angriff auf die Seele

2.

+ Finanzierung von Bekenntnisunterricht in staatlichen Schulen

Zu meiner Zeit hieß das Religionsstunde. Heisst das jetzt wirklich Bekenntnisunterricht?
Man wurde nicht zu irgendwelchen Bekenntnissen gezwungen, sondern las und interpretierte Bibeltexte.
Schon in diesem Interpretieren-Dürfen liegt eine Freiheit, die ich bei Auswendiglernern und Nachbetern vermisse.
Zudem wurde in jenem Unterricht nicht nur über das Christentum gesprochen,
es wurden auch andere Religionen thematisiert.
Wer keinen Religionsunterricht wollte, konnte Philosophie wählen.
Wenn man in einem Land lebt, in dem Weihnachten, Ostern etc. gefeiert werden, ist es ja wohl das Mindeste,
das die Kinder über den Ursprung dieser Feste wenigstens Bescheid wissen, welche Bedeutung sie haben
und das diese nichts mit dem Konsumtrubel und der Geschenke-Überschütterei zu tun hat, zu der die Angelegenheit
geworden zu sein scheint...

3.

+ Denkmalschutz für Kirchengebäuden

Du solltest überlegen, warum du die Ausgabe von Geldern für Kirchengebäude kritisierst. Ich werde jetzt persönlich und das absichtlich.
Du nennst dich ja "Mus Lim" und bist konvertiert. Gefallen hat mir das noch nie, obwohl ich versucht habe, deine Beweggründe und Gedanken zu verstehen
und dein Buch zur Familienzerstörung, das ich sehr interssant finde, zu Teilen auch gelesen und das Wachstum Seite für Seite verfolgt habe.
Für mich bist und bleibst du jedoch ein Nordjer ;-)
ein nordeuropäisch geprägter Mann, der sich um den Zustand der Gesellschaft
viele und eingehende Gedanken macht. Du hast Humor und Witz, Herz und Verstand, und trägst- dessen bin ich sicher- eine bestimmte Stadt, Region und deren Atmosphäre als Erinnerung und prägende Wurzel in dir, woraus sich Gemeinsamkeiten ergeben, die verbinden.
Ich sach nur ma Jan Fedder ;-) , anderes natürlich auch.
Was immer sich für dich aus deiner Abstandnahme zur hiesigen Kirche und
deiner Hinwendung zu einer anderen "Religion" ergibt, sollte dich das nicht zu einer prinzipiellen und starren Abwehrhaltung und Verunglimpfung allen christlich geprägten Aktivitäten verleiten. Leider tust du undifferenziert oft genau das,
und deswegen möchte ich dich mit diesem Beitrag an ein paar Dinge erinnern,
von denen du scheinbar nichts mehr wissen willst...leider...

Kirchengebäude sind nicht nur einfach Kirchengebäude, sie erzählen Geschichte
und sind wie viele andere Baudenkmäler Kulturgüter und unser Erbe.
Da kommen sogar Leute aus anderen Ländern von Japan bis USA hergereist um diese Denkmäler zu besuchen.
Ich finde es wichtig sie zu pflegen und zu erhalten,
ich sehe sie gerne an und freue mich daran.

Obwohl ich keinen Gottesdienst besuche, geniesse ich das Läuten der Glocken.
Ich fühle mich zu Hause, wenn sie klingen, ihr Klang hat etwas Friedliches, Beruhigendes und Beständiges für mich.

Ich habe ein paar Orte herausgesucht, lies einfach und sieh dir die Bilder an.

1.
Der Park der Christianskirche ist sehr anziehend:
ein wenig verwahrlost, unter Büschen versteckt und überall scheinbar wahllos verstreut
findet man uralte Grabsteine und Grabplatten.
"Die Kirche ist umringt von einem alten Friedhof, der wohl bereits ab 1537 für Bestattungen genutzt wurde.
Bis heute finden sich hier eindrucksvolle Grabmäler aus den vergangenen Jahrhunderten.
Ab 1860 wurden nur noch die Familiengräber genutzt, die letzte Beisetzung fand schließlich 1929 statt."

An einem solchen Ort kann man "Andacht", "Einkehr" halten, die moosbewachsenen Steine betrachtend derer gedenken,
die darunter ruhen, sich fragen, wer sie wohl waren, was sie dachten und fühlten, wie sie lebten.
Man guckt das an und spürt, das man nur eine kleine unwichtige "Ameise" ist in einer unendlich langen Reihe
krabbelnden, wuselnden unwichtigen "Ameisen".
2.
Was für wunderschöne Kirchen es gibt! Barock...Gotik...oder Neugotik, wie diese hier,
die schmucke Kreuzkirche
sie sind steinerne Zeugen europäischer (Architektur-)Geschichte- auch deiner Geschichte- und Kultur,
Jeder Euro der sie zu erhalten hilft ist meiner Ansicht nach gut verwendet,
ganz im Gegensatz zu anderen dämlichen Verschwendungen wie diese blöde Elbphilharmonie zum Beispiel. Oder "Feministische Wissenschaften", "Frauenforschung" oder "Bibeln in gerechter Sprache" *Rülps*
3.
Diese hier ist auch so ein Kleinod: die Martinskirche in einem kleinen Ort in der Heide.
Die dicken alten schmucklosen Mauern und der breite Turm vermitteln ein wenig den Eindruck
einer Burg, sie steht auf einem Hügel, und hinter dem Kirchenschiff liegt sich zur Straße hin senkend
der Friedhof, das Bild wirkt so idyllisch und friedlich wie man sich ein richtiges Dorf vorstellt.
Besonders schön war es Weihnachten, wenn das Licht warmgolden aus den hohen Bogenfenstern
in Bahnen ins Dunkel fällt.
4.
Als Kind liebte ich eine winzige Kapelle in Tirol, die einsam an einer Dorfstraße stand,
eine wunderhübsche Madonna war darin, darunter ein schmaler Tisch mit Spitzendeckchen und Kerzen
sowie sechs winzig kleine Holzbänke. Es sah aus, als hätten die sieben Zwerge ein Mini-Kirchlein
gebaut. Futter für die Fantasie.
Hoffentlich steht sie noch da...hoffentlich wurde ein wenig Geld für ihren Erhalt verwendet.
5.
Oder diese Holzkirche- links im Bild, ein kleiner Bau
vollständig mit Holzschindeln gedeckt und verkleidet. Wie lang die Leute an der Schindel-Schnitzerei wohl gesessen haben?
Im Winter fuhren wir bei ausreichend Schnee mit Schlitten oder Ski an dem Kirchlein vorbei bis runter ins Dorf,
im Sommer war sie Zeichen, das der halbe Teil des Aufstiegs geschafft war, und weidende Kühe spazierten
um sie herum.

Es muss nicht der Petersdom sein, der erschlägt einen, das Schönste dort ist der Blick von der Kuppel über Rom.
Die kleinen beschaulicheren, leiseren Orte erzählen mir mehr, sie "atmen".

Spart Euch die Kirche

Nö.Ich werde nicht austreten, schon aus Prinzip nicht, und ich werde wenn ich kann weiterhin ein paar Euros in aufgestellte Sparbüchsen werfen, deren Inhalt zum Erhalt der Bauwerke dient oder anderen mit-menschlichen Zwecken.
Nie werde ich auch die warmherzige Zuwendung der Christen an der Kirchenbasis vergessen. Ich hatte große Schwierigkeiten, die Summe für einen zweiwöchigen Sommeraufenthalt für meine Jungs zusammen zu kriegen, am Ende habe ich damals mein Konto überzogen, damit meine Kinder an dem bescheidenen Abenteuer einer Busfahrt mit auf dem Dach festegeschnallten Fahrrädern und Zeltlager mit Lagerfeuer und Schwimmen usw. teilnehmen konnten.
Meine schwierige Lage war den Kirchenleuten bekannt.
So stand dann eines Tages die Gemeindehelferin in meiner Tür und gab mir die Hälfte der Summe für die Reise in bar zurück. Das Geld stammte aus der Kollekte, und obwohl ich nicht einmal katholisch bin, kümmerten die Leute sich mit Hingabe, hatten beschlossen, den weniger Begüterten das Geld zukommen zu lassen. Dort an der Basis, wo nicht diese wichtigtuerischen Prälaten weihrauchkesselschwenkend lateinische Worte labernd in ihren Gewändern herumlaufen, ist das "Christ-Sein", das ich als ein "Mensch-Sein" im wirklichen Sinn von Nächstenliebe verstehe, lebendig.
Niemand von diesen Kirchenleuten hat je Bedingungen an die Hilfe geknüpft,
nie wurde ich unter Druck gesetzt, das ich nun katholisch werden solle.

Wie bereits gesagt: Ich halte die Pflege und den Erhalt dieser Güter für wichtig und richtig.
Sie sind auch ein Symbol für unser aller Wurzeln, und man muss kein praktizierender Christ
im Sinne einer Kirche sein, um Kirchen und vieles von dem, was zu ihnen gehört, zu achten und zu erhalten.

Liebe Grüße von Donna Amaretta


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