Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Betreuerin tötet Schwerbehinderten

der_quixote, Absurdistan, Tuesday, 08.06.2010, 21:04 (vor 5691 Tagen) @ Müller

Ich möchte gar nicht wissen, wieviele von Frauen zu Tode gepflegt werden.
Die, die es wissen könnten, wenn sie wollten, halten sich da bedeckt...

schlafende Hündinnen nicht aufwecken.

Ärzteblatt dazu

Wenn die Einschätzung der Enquête-Kommission des Bundestages zum "Demographischen Wandel" zutreffend ist und danach bis zum Jahr 2040 in Deutschland in Verbindung mit einem starken Alterungsprozeß die Bevölkerungszahl auf 75, vielleicht bis auf 65 Millionen zurückgehen wird, dann bedarf es keiner hellseherischen Fähigkeiten, um für die kommenden Jahrzehnte einen bis zum Vakuum gehenden Personalmangel in allen Pflegebereichen vorauszusagen. Was das in 30 bis 40 Jahren für den immer größer werdenden Anteil pflegebedürftiger alter Menschen bedeutet, ist ebenfalls voraussehbar.
Neben der Vernachlässigung Pflegebedürftiger spielt in den letzten Jahren auch die Gewaltanwendung bei alten Menschen zunehmend eine Rolle. Im Jahr 1998 betrug der Opferanteil alter Menschen über 60 Jahre bei allen vorsätzlichen Tötungen einschließlich Mord 11,4 Prozent, bei Mißhandlung schutzbefohlener Erwachsener über 14 Prozent und bei Raubüberfällen in Wohnungen sogar 16,6 Prozent. Ein Sonderkapitel ist der Handtaschenraub mit über 61 Prozent aller Opfer über 60 Jahre, davon 97 Prozent Frauen. Zieht man bei Verletzten und Toten durch Gewaltkriminalität einen Vergleich zu den alten Opfern im Straßenverkehr, denen bisher interdisziplinär mit die größte Sorge galt, dann muß man betroffen feststellen, daß sich auch hier die Schwerpunkte verlagern. 1998 wurden 8 006 verletzte Fußgänger im Alter über 60 Jahre verzeichnet. Demgegenüber stehen mehr als doppelt so viele alte Menschen (16 807), die durch vorsätzliche Gewalteinwirkung verletzt wurden. Was die medizinische Bedeutung von Verletzungen bei alten Menschen betrifft, so haben unfallchirurgische und forensisch traumatologische Erfahrungen die gravierenden Auswirkungen auch leichterer Verletzungen auf den älteren Organismus gezeigt.
Therapiebegrenzung aus Kostengründen
Die aus der Behandlung von Verletzungen und Erkrankungen bei alten Menschen resultierenden Probleme haben angesichts der Ressourcenknappheit im Gesundheitswesen die Rufe nach einer Therapiebegrenzung auch aus Kostengründen immer lauter werden lassen. Dabei weiß jeder, daß gerade mit zunehmendem Alter der Patienten der Schritt von der Selektion zur Tötung durch Unterlassen nur ein sehr kleiner sein kann. Als im Mai dieses Jahres der ehemalige Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Karsten Vilmar, auf dem Deutschen Ärztetag in Cottbus die soziale Triage anprangerte und die Folgen mit dem Begriff vom "sozialverträglichen Frühableben" plakatierte, bezog er "verbale Prügel" von allen, die sich getreten fühlten - und das waren nicht wenige!
Dabei hatte er genügend Vorkämpfer, die bereits Jahre zuvor in die gleiche Kerbe geschlagen hatten. Ich nenne hier nur den Freiburger Strafrechtler Albin Eser, der sowohl dem sozialbegründeten Unterlassen medizinischer Versorgung als auch der immer wieder zu beobachtenden Propagierung der aktiven Sterbehilfe beziehungsweise der Tötung auf Verlangen entgegentrat. Ihm gebührt vor allem das Verdienst, auf die Gefahr eines "Dammbrucheffekts" aufmerksam gemacht zu haben, sofern beim "Tötungstabu" auch nur geringste Ausnahmen zugelassen würden. Schließlich sei der "Verdacht nicht von der Hand zu weisen, daß die Zulassung der Euthanasie leicht zu einem Alibi für tiefergreifende soziale Versäumnisse werden könnte". Diese Warnung Esers ist mit Blick auf die sogenannte Gesundheitsreform 2000 dringender und aktueller denn je. Sofern mittels eines Globalbudgets auch Einfluß auf ärztliches Handeln ausgeübt werden sollte, dann ist eine Reanimation des Selektionsdenkens bei Therapiemaßnahmen im Alter voraussehbar, und die Kernfrage würde nur noch lauten: Wieviel darf’s kosten und bei wem?

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Man(n) sollte (s)eine Frau welche schweigt niemals unterbrechen...


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