Mein Senf zu der Anfrage von "Das Phantom eines Kindes"
Zum Thema "Lohndiskriminierung" darf ich an dieser Stelle meine persönlichen Forschungsergebnisse posten, wie ich sie im (momentan noch in Arbeit befindlichen) "Männerhassbuch" Version 2009/10 veröffentlichen werde.
Hinweis: Fürs Lesen den Text unbedingt in ein Word-Dokument kopieren, weil die Forumssoftware für das nicht geschaffen ist, wofür ich sie "vergewaltige".
Gruß, Kurti
Und nun zum Text:
7. Einkommen
7. 1. Allgemeines
Gern wird versucht, den durchschnittlich geringeren Verdienst von Frauen im Erwerbsleben als einen bewussten Akt von Frauenverachtung zu deuten.
Und auch hierbei kommen wieder einige Fakten in der öffentlichen Diskussion zu dem Thema schlichtweg nicht vor. So etwa Einflussgrößen wie Qualifikation, Berufswahl, Berufserfahrung, Betriebszugehörigkeit, Alter oder Überstunden. Auf diese Faktoren soll im Anschluss näher eingegangen werden.
7. 2. Gesetzliche Grundlagen
7. 2. 1. Tarifpolitik in der freien Wirtschaft
Das Männerrechtler-Internetlexikon "WikiMANNia", eine Art "Spin-off" des Männerrechtlertreffs "Wieviel 'Gleichberechtigung' verträgt das Land?", schrieb dazu einmal:
"Seit 1972 existiert in Deutschland kein Tarifvertrag mehr, der eine geringere Entlohnung von Frauen bei gleicher oder gleichwertiger Tätigkeit vorsieht. Eine Lohndiskriminierung kann seitens des Arbeitgebers allenfalls dadurch erfolgen, dass er Frauen (aber auch Männer) in eine geringer entlohnte Gehaltsgruppe einstuft, obwohl sie gleiche Tätigkeiten ausüben wie ihre männlichen (weiblichen) Kollegen. Ob dieser Arbeitgeber damit allerdings bei seinem Betriebsrat, vor dem Arbeitsgericht und in der für solche Ungerechtigkeiten sensibilisierten Öffentlichkeit durchkommt, ist eine andere Frage."
(Quelle: http://wikimannia.org )
7. 2. 2. Tarifpolitik im Öffentlichen Dienst
"WikiMANNia" schrieb:
"Im Öffentlichen Dienst werden Arbeitnehmer in Deutschland nach dem Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) bezahlt, unabhängig davon, ob sie Mann oder Frau sind."
(Quelle: http://wikimannia.org )
7. 2. 3. Eine Pressemeldung zum Thema
Die Internet-Ausgabe der deutschen Zeitung "Handelsblatt" veröffentlichte einmal folgenden Artikel:
"Arbeitsmarkt
'Gleicher Lohn für Frauen' gilt bereits
(...)
Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass Frauen und Männer im Job gleich bezahlt werden. Arbeitsminister Scholz will die Klagerechte weiblicher Angestellter stärken - doch Arbeitsrechtler sehen hier keinen Bedarf. Opposition und Wirtschaftsverbände halten den Vorschlag für eine Mogelpackung.
BERLIN. Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass Frauen und Männer im Job gleich bezahlt werden. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) will die Rechtsposition von Frauen stärken, die von ihrem Arbeitgeber den gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen einklagen wollen. Doch Arbeitrechtsexperten, Opposition und Wirtschaftsverbände halten den Vorschlag des Ministers für eine Mogelpackung, da die derzeitige Gesetzeslage diese Möglichkeit vor den Arbeitsgerichten längst vorsehe.
Scholz hatte angesichts einer erheblichen statistischen Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen vor kurzem vorgeschlagen, den Klageweg für Frauen zu erleichtern. Die Unternehmen sollen danach verpflichtet werden, die Daten für einen Gehältervergleich zur Verfügung zu stellen. Scholz forderte eine Beweislastumkehr bei Auseinandersetzungen um ungleiche Löhne: 'Wenn es eine Ungleichheit gibt, muss die Firma beweisen, dass es sich dabei nicht um eine Diskriminierung der Frauen handelt', sagte Scholz.
Auslöser des Vorstoßes ist eine vor kurzem vorgestellte Studie des Bundesfamilienministeriums, der zufolge Frauen bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter und gleichem Beruf im selben Betrieb im Schnitt fast ein Viertel weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.
Trotz dieser Zahlen halten renommierte Arbeitsrechtsexperten wie Frank-Karl Heuchemer von der Kanzlei White & Case in Frankfurt 'die Wunschvorstellungen von Scholz für rechtlich nicht fundiert', wenn es etwa um die Beweislastumkehr bei finanziellen Benachteiligungen am Arbeitsplatz geht. Der Arbeitgeber müsse nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schon heute darlegen, dass kein Verstoß gegen die Bestimmungen zum Schutz vor Benachteiligungen vorliege, sagte Heuchemer dem Handelsblatt.
In die gleiche Kerbe schlägt Arbeitsrechtler Jobst-Hubertus Bauer von der Kanzlei Gleiss Lutz: 'Es soll wohl mal wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben werden. Verdient eine Arbeitnehmerin 15 Euro pro Stunde, während ihr Kollege am gleichen Arbeitsplatz für die gleiche Arbeit einen Stundenlohn von 22 Euro bekommt, liegt schon heute nach Paragraf 22 AGG ein Indiz für eine Diskriminierung vor', sagte Bauer. Scholz werde daher sehr wohl wissen, dass die von ihm geforderte Beweislastumkehr bereits Gesetz sei. 'Eine Neuregelung ist überflüssig', sagte Bauer dieser Zeitung."
(Quelle: www.handelsblatt.com, 24. 03. 2009)
7. 3. Lage zu komplex, um allgemeingültige Aussagen zu treffen?
Das deutsche Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, laut Eigendefinition "Die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit", schrieb in einer 2005 veröffentlichten Studie unter dem Titel "Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Branchen, Berufen und Betrieben" Folgendes:
"Ist die unterschiedliche Entlohnung in den Betrieben nun als Diskriminierung zu deuten? Die methodischen Ausführungen machen klar, dass wir hier keine eindeutigen Antworten geben können."
7. 4. Bei vergleichbaren Parametern plötzlich keine Lohnunterschiede mehr feststellbar?
7. 4. 1. Allgemeines
Ein etwas derbes Sprichwort sagt: "Wenn ich meinen Kopf unter die Höhensonne halte und meinen Arsch in den Gefrierschrank strecke, geht es mir durchschnittlich gesehen gut."
Wie oben bereits erwähnt: Bei dem geringeren Verdienst von Frauen handelt es sich um einen D u r c h s c h n i t t sämtlicher Berufsgruppen. Und wie wenig aussagekräftig Durchschnitte bei der Beschreibung eines Ist-Zustandes sind, lernen Informatikstudenten bereits im ersten Semester.
7. 4. 2. Der Irrtum der Frau von der Leyen
Ein sehr gut illustrierendes Beispiel für dieses sachlich falsche Denken in arithmetischen Mitteln ist ein Zitat der deutschen Politikerin Ursula von der Leyen aus dem Jahr 2009:
"Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat an die Wirtschaft appelliert, das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen abzubauen. 'Unternehmen und Gewerkschaften müssen sich fragen lassen, warum typische Frauenberufe wie Altenpflegerin und Krankenschwester immer noch deutlich schlechter bezahlt werden als typische Männerberufe gleicher Ausbildungsgüte wie Elektriker oder Automechaniker', sagte die Ministerin dem 'Hamburger Abendblatt'."
(Quelle: n-tv, 5. März 2009)
So richtig der Einsatz dafür ist, dass jeder von seiner Hände Arbeit leben kann, so falsch ist es, Dinge gegeneinander auszuspielen, die nichts miteinander zu tun haben. Damit schadet man dem Anliegen bloß.
7. 4. 3. Renate Schmidt dagegen hat es erkannt
Schlagartig anders stellt sich daher die Lage dar, wenn man die Situation von Männern und Frauen in identischen beruflichen Umständen untersucht. Sogar die seinerzeitige Bundesfrauenministerin Renate Schmidt (SPD) erklärte:
"Frauen verdienen ja nicht weniger: bei gleicher Tätigkeit, gleicher Qualifikation und gleicher Berufserfahrung wird es sehr schwer nachzuweisen sein, dass es tatsächlich in nennenswertem Umfang (von Einzelfällen abgesehen) eine ungleiche Bezahlung gibt. (...) Ansonsten ist Lohndiskriminierung auch heute schon bei uns verboten. Und jede Frau hat die besten Chancen, eine Klage zu gewinnen, wenn es eine ungleiche Bezahlung bei sonst gleichen Voraussetzungen gibt."
(Quelle: Renate Schmidt im Tagesschau-Chat, 3. 6. 2003)
7. 4. 4. "quip"
Das deutsche Wirtschaftsmagazin "quip" äußerte sich folgendermaßen:
"Die Europäische Union hat bereits 2003 ihren Vorwurf zurückgezogen, in Deutschland gebe es ein frauenfeindliches Lohngefälle. 'In der Tat war ermittelt worden, dass Frauen (...) im Vergleich zu Männern in fast jedem Beruf, den sie gemeinsam mit männlichen Kollegen ausüben, identisch bezahlt werden'."
(Quelle: "quip", Magazin der Wirtschaftsjunioren, Juli 2003. Gefunden auf http://wikimannia.org )
7. 4. 5. Statistisches Bundesamt in Deutschland
Ebenso hat das Statistische Bundesamt in Deutschland einen etwas differenzierteren Blick auf die Situation:
"Nach zahlreichen Behauptungen, Frauen würden für gleiche Arbeit weniger Lohn bekommen, gab das Bundesamt für Statistik 2005 in einer Presseerklärung bekannt, dass aus diesen Zahlen das nicht abgeleitet werden kann."
(Quelle: http://wikimannia.org )
Im Jahr darauf vermeldete die Behörde in ihrer Pressemitteilung Nr. 285 vom 13. 07. 2006 der Öffentlichkeit nahezu Wortgleiches:
"Aus dem geschlechterspezifischen Verdienstabstand kann nicht geschlossen werden, dass Frauen im gleichen Unternehmen für die gleiche Tätigkeit anders bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen. Die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern lassen sich vielmehr durch Unterschiede in der männlichen und weiblichen Arbeitnehmerstruktur erklären. Diese sind beispielsweise gekennzeichnet durch Unterschiede im Anforderungsniveau, der Verteilung auf besser und schlechter bezahlte Wirtschaftszweige, der Größe der Unternehmen, der Zahl der Berufsjahre, der Dauer der Betriebszugehörigkeit und des Ausbildungsniveaus."
7. 4. 6. Institut der deutschen Wirtschaft
Hinweise auf eine Studie eines deutschen Wirtschaftsforschungsinstitutes, gefunden Anfang 2009:
"Einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zufolge kann von ungleichem Lohn für gleiche Arbeit nicht die Rede sein."
(Quelle: http://wikimannia.org )
7. 4. 7. Bundesfamilienministerium in Deutschland
Ebenfalls wieder auf http://wikimannia.org wurde im Jahr 2009 die Zusammenfassung einer Studie des deutschen Bundesfamilienministeriums zu dem Thema veröffentlicht:
"Das Durchschnittseinkommen von Frauen liegt etwa 16 Prozent unter dem von Männern. Gründe dafür sind u. a.:
- Männer sind häufiger als Frauen als technische Angestellte tätig. Diese werden in der Regel besser bezahlt als kaufmännische, auch wenn sie der gleichen Leistungsgruppe angehören; der größte Teil der weiblichen Angestellten übt aber kaufmännische Tätigkeiten aus.
- Jeder fünfte männliche Angestellte hat eine (Fach-)Hochschulausbildung, aber nur knapp jede zwanzigste Frau. Insgesamt üben Frauen häufiger einfache Tätigkeiten aus, haben eine schlechtere schulische und berufliche Ausbildung als Männer.
- Weibliche Angestellte sind im Durchschnitt jünger (36 Jahre, Männer 42) und haben damit ein geringeres Dienstalter (9 bzw. 13 Jahre). Sie bleiben nicht so lange in einem Unternehmen wie Männer, deshalb wird ihnen ein 'Treuebonus' oder der Aufstieg in qualifiziertere Jobs erschwert.
- Frauen machen weniger Überstunden als Männer.
- Frauen üben seltener als Männer Tätigkeiten aus, für die es Schmutz-, Lärm- oder Gefahrenzulagen gibt.
- Frauen leisten seltener Schichtarbeit.
- Frauen arbeiten häufig in kleineren Firmen, die ohnehin schon weniger zahlen als Großunternehmen."
(Quelle: http://wikimannia.org )
7. 4. 8. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
In die gleiche Kerbe schlägt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung:
"Der festgestellte Lohnunterschied von 12 Prozent lässt sich zum Teil auf statistisch nicht erfasste Faktoren zurückführen. Beispielsweise konnten in der Studie nur Tagesverdienste verglichen werden. Männer machen jedoch in einem höheren Ausmaß als Frauen Überstunden, so dass die längere tatsächliche Arbeitszeit einen Teil des Lohnunterschieds erklärt. Ein weiterer Faktor sind Hierarchien innerhalb der Berufe. Männer werden häufiger Gruppen- oder Teamleiter und in der Folge dann besser bezahlt. Vor allem aber wirken sich die längeren Erwerbsunterbrechungen und Phasen der Teilzeitbeschäftigung bei Frauen auf den Verdienst aus; meistens wegen der Erziehung von Kindern."
(Quelle: Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 19. 03. 2009. www.iab.de )
7. 4. 9. "MANNdat Geschlechterpolitische Initiative e. V."
Über vorgenannte Studie berichtete auch "MANNdat Geschlechterpolitische Initiative e. V.":
"Die IAB-Studie
Eine vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) in Auftrag gegebene Studie 'Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Branchen, Berufen und Betrieben' (IAB Discussion Paper Nr. 4/2005) kam zu dem Ergebnis: Wenn Frauen über die gleiche Qualifikation und Berufserfahrung verfügen wie Männer und außerdem 'mit gleicher Humankapitalausstattung im gleichen Beruf und Betrieb arbeiten', beträgt die Lohndifferenz nur noch 12 Prozent (S. 23). Da Männer jedoch weitaus häufiger und in größerem Ausmaß Überstunden machen, würde der Lohnabstand zwischen Männern und Frauen noch geringer ausfallen, wenn man ihn auf die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden bezöge (S. 27.).
Wegen der Schwierigkeiten, die verschiedenen Berufsgruppen, Einstufungen, Karriereschritte und Tätigkeiten genauer zu erfassen und miteinander zu vergleichen, ergeben sich einige 'Unschärfen bei der Abschätzung des Lohnunterschieds bei 'gleicher' beruflicher Tätigkeit', so dass 'der Lohnunterschied von 12 Prozentpunkten auf etwa die Hälfte zurückgehen könnte, wenn wir wirklich ähnliche hierarchische Positionen miteinander vergleichen.' (S. 28.)"
(Quelle: www.manndat.de/index.php?id=43 )
7. 4. 10. "brand eins"
Eine sehr umfangreiche Analyse des Themas erstellte das politische Magazin "brand eins" im Frühjahr 2009. Anschließend die wichtigsten Passagen:
"Tatsächlich ist es so, dass Frauen im Schnitt rund 25 Prozent weniger verdienen als Männer - allerdings ist fraglich, ob für die gleiche Arbeit. Auf ein Viertel Lohndifferenz kommt nur, wer wie das Statistische Bundesamt oder die OECD alle Frauengehälter und alle Männergehälter in Deutschland zusammenzählt, jeweils einen Durchschnittswert für den Stundenlohn bildet und sie dann miteinander vergleicht. Allerdings wird dabei nicht berücksichtigt, welche Tätigkeiten von Frauen und Männern hinter den Löhnen stehen - wie viele Stunden sie in Wirklichkeit arbeiten, in welchem Unternehmen sie beschäftigt sind, wie viel Personalverantwortung sie haben oder ob sie ganz allgemein für ihr Unternehmen gewinnbringend tätig sind.
Hinsichtlich der Frage, wie Frauen und Männer für die gleiche Arbeit entlohnt werden, 'klärt das nichts', sagt Alfonso Sousa-Poza, Professor für Volkswirtschaft am Forschungsinstitut für Arbeit und Arbeitsrecht der Universität St. Gallen und derzeit Gastprofessor an der Universität Hohenheim. Zweifel scheint auch das Statistische Bundesamt zu haben, das zum Thema schreibt: 'Der Bruttostundenverdienst von Frauen lag nach den Ergebnissen der Verdienststrukturerhebung 2006 um 24 Prozent unter dem der Männer. Dies bedeutet nicht, dass Frauen im gleichen Unternehmen für die gleiche Tätigkeit 24 Prozent weniger verdienen.'
Wie aber ist die 'gender pay gap', wie Wissenschaftler das Phänomen bezeichnen, zu erklären? Und was verdienen Männer und Frauen, wenn beide tatsächlich die gleiche Arbeit im gleichen Unternehmen ausführen?
Diese Fragen interessierten auch Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Im Rahmen des Sozioökonomischen Panels (SOEP) befragte sie 2006 gemeinsam mit TNS Infratest Sozialforschung rund 20.000 deutsche abhängig Beschäftigte beiderlei Geschlechts - Angestellte, Arbeiter, Beamte - nach ihrem Verdienst. Zusätzlich erhob sie Faktoren wie den Bildungsabschluss gemessen in Bildungsjahren, Berufserfahrung gemessen in Jahren der Erwerbstätigkeit, die Länge der Betriebszugehörigkeit oder die tatsächliche Wochenarbeitszeit.
Die erste Überraschung: Holst und ihre Mitarbeiter fanden keinen generellen durchschnittlichen Lohnunterschied von 25, sondern 'nur' von 18 Prozent. Das könnte an der Auswahl der Stichprobe oder der Art der Erhebung gelegen haben. Also rechneten die Wissenschaftler aus diesen 18 Prozent in einem zweiten Schritt die zusätzlichen Faktoren heraus. Sie wollten prüfen, ob unter Umständen die Berufserfahrung oder die Wochenarbeitszeit für die Einkommenslücke verantwortlich waren, nicht das biologische Geschlecht. Das Ergebnis: Zwar stellte Holst fest, dass gut ein Drittel der Gehaltsdifferenz über jene anderen Faktoren zu erklären war. Doch blieben rund elf Prozent Lohngefälle zwischen den Männer- und Frauengehältern. Holst wertete sie in ihrem DIW-Bericht vom April 2008 als Indiz dafür, 'dass weitere nicht beobachtete Effekte zuungunsten der Entlohnung von Frauen wirken'.
Das sieht auch der Volkswirt Alfonso Sousa-Poza ganz ähnlich. Wie in Deutschland, so unterscheiden sich auch in der Schweiz die Durchschnittsgehälter von Frauen und Männern laut Bundesamt für Statistik um rund 25 Prozent. Und wie hierzulande erhitzt diese Zahl die Gemüter. Als Sousa-Poza noch an der Universität St. Gallen tätig war, ließ er sich deshalb Informationen über die Gehälter von 439.337 in der Schweiz beschäftigten Personen zuschicken, die im Zuge der Schweizer Lohnstrukturerhebung von 1998 erhoben worden waren. Je nach Größe des Unternehmens waren Personalverantwortliche dazu angehalten worden, die Lohndaten mindestens eines Sechstels ihrer Mitarbeiter an die Schweizer Statistiker weiterzuleiten.
Was den Datensatz für Sousa-Poza besonders interessant machte: Ähnlich wie bei Holst waren neben den nackten Gehaltszahlen 20 weitere Indikatoren wie Berufserfahrung oder Betriebszugehörigkeit über die Mitarbeiter erhoben worden. Auch Sousa-Poza rechnete diese Faktoren heraus und konzentrierte sich auf die Daten aus der Banken- und Versicherungsbranche, dem Gesundheitswesen und dem Gastgewerbe. Zusätzlich unterteilte er die Arbeit in Tätigkeiten mit hohem Anforderungsprofil wie die eines Bankmanagers und in Tätigkeiten mit niedrigerem Anforderungsprofil, etwa im Sekretariat.
(...)
Warum stellt man eigentlich noch Männer ein, wenn Frauen den gleichen Job billiger machen?
(...)
Egal, ob elf Prozent unerklärter Lohnunterschied bei Holst oder 17 Prozent bei Sousa-Poza: Haben die beiden Volkswirte möglicherweise nur deshalb Unterschiede in der Bezahlung von Frauen und Männern gefunden, weil sie noch immer unterschiedliche Arbeit miteinander verglichen haben? Gibt es noch andere Ursachen? Und falls nicht, warum stellen Unternehmen dann überhaupt noch Männer ein, wenn Frauen doch die gleiche Arbeit so viel günstiger erledigen?
(...)
Zu Beginn ihrer Karriere erhalten Männer und Frauen heutzutage für die gleiche Arbeit in den meisten Berufen in etwa das gleiche Gehalt, und es entwickelt sich auch weitestgehend parallel bis ungefähr Mitte 30. (...)
Was ist eigentlich 'gleiche Arbeit'? Das ist die Frage, um die sich alles dreht
Hinzu komme, so Böger, dass in früheren Generationen in manchen Unternehmen einige Frauen tatsächlich ganz offiziell weniger verdienten als ihre männlichen Kollegen. Auch diese Tatsache fließt in die Gehaltsdaten der älteren Arbeitnehmer ein. Zudem fragten Männer im Lauf ihrer Karriere öfter nach einer Gehaltserhöhung und seien auch bessere Verhandler. Das bestätigt auch Cornelia Topf, Autorin des Buches 'Gehaltsverhandlungen für freche Frauen' und Coach in Sachen Frauenlohn. Nimmt man Bögers Zahlen ernst, werden Frauen, die in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren in den Beruf eingestiegen sind, also vor allem deshalb schlechter bezahlt, weil sie andere Tätigkeiten als die Männer verrichten und schlechter verhandeln. Und damit liegt Böger ziemlich nah an den Erkenntnissen, die der US-amerikanische Bestseller-Autor Warren Farrell in seinem 2005 erschienenen Buch 'Why men earn more' beschrieben hat.
Farrell, der einzige Mann, der dreimal in den Vorstand der feministischen National Organization for Women gewählt wurde, zählt in seinem Buch detailliert 25 Gründe auf, warum - unabhängig vom Geschlecht - manche Arbeit besser bezahlt wird. So zeigt er beispielsweise auf, dass Tätigkeiten mit offenem Ende der Arbeitszeit besser bezahlt werden als Arbeiten, bei denen man pünktlich den Stift fallen lassen kann. Gleiches gilt für Jobs mit mehr Reisetätigkeit oder einer eher naturwissenschaftlichen Orientierung; und auch für Jobs, die einer längeren Ausbildung bedürfen oder in schmutzigem Umfeld zu verrichten sind, gibt es in aller Regel mehr Geld. Farrells These: Kontrollierte man all diese Faktoren, die für die Entlohnung eines Jobs entscheidend seien, stünde am Ende, dass Frauen für die gleiche Arbeit genauso viel, vielleicht sogar mehr verdienten als Männer. Und umgekehrt: Wollten Frauen mehr Geld verdienen, müssten sie sich an den 25 Gründen orientieren, dann klappe es auch mit der Lohngerechtigkeit.
Die Einkommenslücke ist also nur ein gut erklärbares Phänomen, das nichts mit Diskriminierung zu tun hat? Das klingt erst einmal gewöhnungsbedürftig. Doch Yves Flückiger, Professor für politische Ökonomie an der Universität Genf, sagt: 'Farrell hat grundsätzlich recht.' Wie die Wissenschaftler Sousa-Poza und Holst hat auch er sich intensiv mit der Lücke beschäftigt, allerdings mithilfe einer anderen Methode. 'Jedes Unternehmen entlohnt seine Mitarbeiter nach einem anderen System', sagt Flückiger. Für den einen Betrieb sei wichtig, dass die Angestellten viel Berufserfahrung mitbringen, für andere, dass die Mitarbeiter gepflegt auftreten oder über Fremdsprachenkenntnisse verfügen. 'Wenn man für Untersuchungen zur 'gender pay gap' die Gehaltsdaten von Angestellten von Tausenden Unternehmen zusammenfasst, fasst man auch Tausende Gehaltssysteme zusammen und unzählige Faktoren, die für die Entlohnung letztlich entscheidend sind', so Flückiger.
Seine Lösung für dieses Dilemma: Er vergleicht nur die Daten aus ein und demselben Unternehmen. Dabei lässt er sich die Lohnangaben von den Personalverantwortlichen geben und spricht mit den Managern, nach welchen Kriterien sie ihre Angestellten bezahlen. Selbst wenn die Chefs sagen, dass Mitarbeiter mehr verdienen, wenn sie eine gepflegte Frisur haben, lässt Flückiger das gelten, wenn es sich etwa um Verkäufer handelt und deren Äußeres Einfluss auf den Umsatz hat. In Hunderten von Unternehmen hat der Schweizer seine Untersuchungen bereits durchgeführt und allein im Bankensektor mehr als 20.000 Datensätze gesammelt. Das Erstaunliche: Mit all den Faktoren, die er jeweils individuell erhebt und die alle unabhängig vom biologischen Geschlecht sind, kann Flückiger rund 90 bis 95 Prozent der Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen erklären.
Woher der noch immer verbleibende Unterschied rührt, versucht Flückiger anschließend mit den Verantwortlichen der Unternehmen für jeden Einzelfall zu klären. Die zeigen sich in aller Regel sehr kooperativ. Nicht nur, weil sie bis zu Flückigers Untersuchungen meist überzeugt waren, sie entlohnten Frauen und Männer exakt gleich - sie wissen auch, dass Frauen ihren Arbeitgeber auf Gehaltsdiskriminierung verklagen können. Ob die vorliegt, dafür dienen übrigens vor Schweizer Gerichten die Ergebnisse von Flückigers Untersuchungsmethoden als Beweis.
Was Flückiger herausgefunden hat, wird auch von anderen Experten bestätigt: 'Zwei Kellner im gleichen Restaurant oder zwei Arbeiter am gleichen Fließband werden in aller Regel auch das Gleiche verdienen - unabhängig vom Geschlecht', sagt Rudolf Winter-Ebmer, Professor für Arbeitsmarktökonomie in Österreich an der Universität Linz und einer der Gender-pay-gap-Experten Europas. Wenn man die durchschnittliche Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern untersucht, sei die große Kunst, alle Faktoren bis hin zu Motivation oder Arbeitseifer zu ermitteln und diese gleich zu halten. 'Im Gegensatz zu einfachen Tätigkeiten mit transparentem Lohnsystem ist das bei anspruchsvollen, weniger standardisierten Arbeiten leider kaum möglich.'"
(Quelle: "brand eins" 4/2009)
7. 5. Einflussfaktor Tarifverträge
Geistig verwandt mit dem vorherigen Punkt: Wenn man einen Blick in die Geschichte der Tarifabschlüsse wirft, so erkennt man, dass diese traditionell von Branche zu Branche in der monetären Höhe sehr unterschiedlich ausfallen können. Eine nicht zu unterschätzende statistische Größe. - Was "unter dem Strich" heißen soll, dass die unterschiedlichen Durchschnittsgehälter von Männern und Frauen auch eine Branchenfrage sein können und nicht vollautomatisch eine gezielte und vorsätzliche Frauendiskriminierung. Und dass man sich bei der Lösung des Problems vielleicht eher auf dieser Ebene damit auseinandersetzen sollte, anstatt ein plumpes Mann-Frau-Gegeneinander-Auspielen zu betreiben.
7. 6. Einflussfaktor Gehaltsverhandlung
"WikiMANNia" schrieb dazu:
"Die Personalberaterin Christina Langen bemerkte in einem Interview mit der TAZ (11. 12. 2004), Frauen verhandeln oft gar nicht um ihr Gehalt, stellen keine Forderungen und finden es unangenehm, überhaupt über Geld zu sprechen. Sie treten zu zögerlich auf und geben sich in der Regel mit kleinen Lohnaufschlägen zufrieden. Da Männer in diesen Situationen selbstbewusster auftreten, holen sie meist auch mehr für sich heraus."
(Quelle: http://wikimannia.org )
7. 7. Einflussfaktor Überstunden
7. 7. 1. Allgemeines
Männer leisten tendenziell mehr Überstunden als Frauen, wie ebenfalls aus Statistiken hervorgeht. (Stand 2006.)
7. 7. 2. Berichte aus der Praxis
7. 7. 2. 1. "Spiegel Online"
"Zwar sagt Jutta Allmendinger, die Leiterin des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Anm.), dass diese Gehaltsunterschiede vor allem mit dem Arbeitszeitvolumen zusammenhingen: 'Männer arbeiten einfach mehr als Frauen.' Und sie steuern die zahlungskräftigeren Branchen an."
(Quelle: "Spiegel Online", 22. 05. 2007)
7. 7. 2. 2. "WikiMANNia"
Und "WikiMANNia" veröffentlichte dazu Anfang 2009 folgenden Artikel:
"Männer nehmen ihren Beruf ernster als Frauen, sie sind eher bereit, ihr Privatleben ihrer Karriere unterzuordnen, Überstunden zu leisten, bis zur körperlichen Erschöpfung zu arbeiten. Ursächlich dafür ist neben dem Stellenwert der Berufstätigkeit in ihrem Leben auch der Umstand, dass immer noch sehr viele Frauen ganz selbstverständlich erwarten, dass der Mann sie und die Kinder ernährt. Solange die meisten Frauen sich nicht wirklich emanzipieren und nicht die Bereitschaft entwickeln, in ähnlichem Ausmaß wie die Männer zur Versorgung der Familien beizutragen, sollten sie nicht darüber klagen, dass sie nicht so viel verdienen wie die Männer. Die meisten Frauen scheinen es nicht anders zu wollen. Es ist für Frauen bequem, die Auswahl zwischen Job und Hausarbeit zu haben. Es ist eine nette Angelegenheit, einem ungeliebten Job entfliehen zu können, sobald man jemanden gefunden hat, der 'für einen sorgt'. Der 'Ausweg' heißt also, sich in die finanzielle Abhängigkeit von einem Mann zu begeben, anstatt seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Solange es diesen 'Ausweg' als Option gibt, besteht für Frauen keine Notwendigkeit, Anstrengungen innerhalb des Berufslebens zu unternehmen, voranzukommen."
(Quelle: http://wikimannia.org )
7. 8. Einflussfaktor spezielle berufliche Neigungen von Frauen
7. 8. 1. Allgemeines
Auch spezifische berufliche Grundeinstellungen von Frauen darf man dabei keinesfalls außer Acht lassen.
Anschließend mehrere Stellungnahmen aus den Medien zu dem Thema.
7. 8. 2. Publizistenmeinungen zu dem Thema
7. 8. 2. 1. Marcia Barinaga
"Wenn man die Berufsorientierungspräferenzen von Frauen und Männern betrachtet, finden sich die größten Unterschiede in den Ländern, die die größte Auswahl und Freiheit an Möglichkeiten bieten wie Deutschland, Schweiz, Norwegen, USA, Japan etc.."
(Quelle: Marcia Barinaga: "Surprises across the Cultural Divide". Science 263, 1994.)
7. 8. 2. 2. Andrew J. Oswald
"Unabhängig von Lernproblemen haben eine Reihe von Ökonomen belegt, daß Frauen häufig schlechter bezahlte Jobs auswählen, ihren eigenen Angaben aber zufriedener mit ihrer Arbeit sind."
(Quelle: "Job satisfaction and gender: Why are women so happy at work?". Labour economics 4, S. 341, 1997.
Andrew J. Oswald: "Happiness and economic performance". economic journal 107, 11/1997, S. 1815 - 1831.)
7. 8. 2. 3. Martin van Creveld
"Alle Analysen, die ich kenne, stimmen darin überein, dass Männer mehr Zeit auf ihren Beruf verwenden. Das gilt gleichermaßen für die Wochenarbeits- und die Lebensarbeitszeit. Damit nicht genug: Je härter, schmutziger und gefährlicher ein Job ist, desto weniger Frauen werden ihn ergreifen. Diese Umstände und nicht etwa 'Unterdrückung' oder 'Diskriminierung' machen die Gehaltsunterschiede aus. Das wird auch durch die Tatsache belegt, dass Frauen und Männer ziemlich genau dasselbe verdienen, wenn sie ins Berufsleben eintreten."
(Quelle: Martin van Creveld: "Der Mann ist der Esel des Hauses". Veröffentlicht in "Focus", 2003.)
7. 8. 2. 4. "Spiegel Online"
"Der Recruiting-Dienstleister Access ermittelte einen anderen Hauptgrund fürs Gehaltsgefälle im Beruf: Frauen orientieren sich bei der Wahl eines neuen Arbeitsplatzes völlig anders als Männer. So suchen junge Akademikerinnen aus dem kaufmännischen Bereich in erster Linie nach persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten und Jobsicherheit. Männer dagegen verlocken vor allem hohe Gehälter zum Jobwechsel, heißt es in einer Access-Studie, die im September erschien. Zudem unterscheiden sich die bevorzugten Branchen: Frauen zieht es eher in die Konsumgüterindustrie, in Tourismus, Medien, Werbung und PR. Männer dagegen drängt es in die Autoindustrie, IT-Branche, zu Unternehmensberatungen oder ins Investmentbanking - und dort zahlen die Arbeitgeber besser."
(Quelle: "Die Legende von den armen Frauen", "Spiegel Online", 13. 10. 2005)
7. 8. 2. 5. Sylvia Ann Hewlett
"... und dass 38 % der Frauen eine Beförderung abgelehnt oder sich bewusst für eine schlechter bezahlte Position entschieden hatten ..."
(Quelle: Sylvia Ann Hewlett: "Extreme Jobs. The Dangerous Allure of the 70 hour-workweek". Harvard Business Review 12/2006.
Hewlett und Luce: "off-ramps and on-ramps. Keeping talented woman on the road of success". Boston, Mass.: Harvard Business School press, 2007.)
7. 8. 2. 6. Susan Pinker
"Die Frauen, die weniger rentable Berufsfelder und Tätigkeiten wählen, tragen selbst zu dieser Diskrepanz bei, als ob sie sagen wollten: Dies ist die Arbeit, die ich tun möchte. Dies sind die Arbeitszeiten, die ich brauche. Und dafür nehme ich in Kauf, etwas weniger zu verdienen."
(Quelle: Susan Pinker: "Das Geschlechter-Paradox. Über begabte Mädchen, schwierige Jungs und den wahren Unterschied zwischen Männern und Frauen". S. 88. Random House Verlag, München, September 2008.)
"... durch ihre Suche nach inhärentem Sinn bei der Arbeit und über die geringere Stundenzahl, die sie in die Arbeit investieren wollten. Beides steht im Widerspruch zu Spitzengehältern und beruflichem Aufstieg."
(Quelle: ebenda)
"Es ist eine Binsenweisheit, dass dieser Bereich Männer magisch anzieht, und trotz riesiger Budgets und institutioneller Anreize zur Erhöhung des Frauenanteils zeigen Frauen nur geringes und sogar weiter schwindendes Interesse am IT-Bereich. Es hat keine signifikanten Auswirkungen auf die Einschreibungszahlen gehabt, dass die National Science Foundation, das National Physical Sciene Consortium, Google, IBM, Lucent, Loreal, die Association for Women in Science und andere Gruppen Millionenbeträge in finanzielle Anreize investieren, um mehr Frauen in die Physik oder Informatik zu locken. (Der Anteil von Frauen, die einen Studienabschluss in Informatik machen, bewegt sich bei etwa 17 % und ist seit 2002 um 2 % gesunken.)"
(Quelle: Susan Pinker: "Das Geschlechter-Paradox. Über begabte Mädchen, schwierige Jungs und den wahren Unterschied zwischen Männern und Frauen". S. 181. Random House Verlag, München, September 2008.
Sowie weiterführend:
"Male Female Enrollment Patterns in Electrical Engineering at MIT and other Schools". Final report of the EECS Womens Undergraduate Enrollment Committee. MIT, 01/1995.
Donna J. Nelson und Diana C. Rogers: "A National Analysis of Diversity in Science and Engineering Faculties at Research Universities", 01/2004. www.now.org/issues/diverse/diversity_report.pdf.)
7. 8. 2. 7. Arbeiterkammer Wien
"Die Eignung und das persönliche Interesse sind ganz wichtig bei der Berufswahl. Aber man sollte auch im Auge behalten, was einmal verdient werden kann. Denn noch immer entscheiden sich vor allem junge Frauen für Berufe, in denen im Schnitt eher weniger verdient wird. (...) Die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern beginnt also bereits bei der Berufswahl. Bei der Konzentration der Mädchen auf wenige Lehrberufe mit geringen Verdienstaussichten hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig verbessert. So waren 1997 etwa 55 Prozent der Mädchen auf die Lehrberufe Einzelhandel, Büro und Friseure konzentriert, 2007 waren es noch fast 50 Prozent.
Mädchen sollten sich genau informieren, bevor sie sich endgültig für einen Lehrberuf entscheiden und dabei die Verdienstmöglichkeiten auf lange Sicht im Auge behalten. Wer unsicher ist, sollte sich beraten lassen."
(Quelle: Auszug aus einer Kolumne von Edith Kugi, Expertin für Lehrlingsfragen der Arbeiterkammer Wien. Veröffentlicht in "AK FÜR SIE" 11/08.)
7. 8. 2. 8. Warren Farrell
"Nach Warren Farrell, einem amerikanischen Männerrechtler, arbeiten Männer häufiger in Berufen, ...
- bei denen man nicht das Ende des Arbeitstages vorhersehen kann,
- die ein finanzielles oder emotionales Risiko erfordern,
- in dem man fachlich immer auf dem Laufenden sein muss.
- Männer nehmen weitere Strecken zu ihrer Arbeitsstelle in Kauf.
- Männer weisen weniger Fehltage auf.
- Männer lassen sich häufiger auf Dienstreisen schicken."
(Quelle: http://wikimannia.org )
7. 8. 2. 9. "WikiMANNia"
"Freie Berufswahl
Wenn Frauen bei der Berufswahl andere Vorlieben haben als Männer und vor allem Berufe ausüben, bei denen sie von vorne herein damit rechnen müssen, weniger als Männer zu verdienen, so hat das mit Diskriminierung von Frauen nichts zu tun.
Ende der Neunziger Jahre steuerte nur ein Drittel der weiblichen Studienberechtigten eine leitende Stellung an, aber fast die Hälfte ihrer männlichen Kommilitonen. Wichtig ist den Studentinnen an einem Beruf 'Selbstverwirklichung, Spaß und Soziales'. Frauen können sich diese Einstellung leisten: Ein besonders hoher Verdienst muss nicht dazu gehören, weil auch heute noch in den seltensten Fällen eine Frau ihr ganzes Berufsleben hindurch einen gesunden Partner und den Nachwuchs finanziell versorgen muss. Während die Mehrzahl der Männer aus eben diesem Grund um die weniger 'spaßigen' und 'erfüllenden', aber dafür um so karriereträchtigeren Fächer wie Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik nicht herumkommt, können es sich Frauen zu mehr als 70 Prozent leisten, Fächer wie Germanistik, Anglistik, Romanistik, Pädagogik und Psychologie zu studieren.
Beim Gehaltsvergleich zwischen Männern und Frauen muss man sehr genau nach Branchen und Berufen differenzieren. Eine Auswertung der Hamburger Vergütungsberatung PersonalMarkt ergab 2005, dass z. B. Frauen in den Bereichen Personalentwicklung und Softwareentwicklung im Schnitt mehr verdienen als ihre männlichen Kollegen. In vielen anderen Branchen verdienen Frauen genau so viel wie die Männer. Grundsätzlich gilt: Frauen zieht es eher in die Konsumgüterindustrie, in Tourismus, Medien, Werbung und PR. Männer dagegen drängt es in die Autoindustrie, IT-Branche, zu Unternehmensberatungen oder ins Investmentbanking - und dort zahlen die Arbeitgeber besser."
(Quelle: http://wikimannia.org , Anfang 2009)
7. 8. 2. 10. Deutscher Gewerkschaftsbund
In einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) aus dem Jahr 2009 hieß es:
"In keinem der untersuchten thematischen Bereiche, d. h. weder bei den Ausbildungsinhalten noch bei der fachlichen Anleitung, den Ausbildungszeiten und Überstunden, der Ausbildungsvergütung sowie der persönlichen Beurteilung der Ausbildungsqualität liefern die Ergebnisse des Ausbildungsreports Hinweise auf bedeutsame Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Auszubildenden, die unabhängig von den gewählten Ausbildungsberufen bestehen."
7. 8. 2. 11. Noch einmal Susan Pinker
"Insbesondere Naturwissenschaftlerinnen geben zweimal häufiger als Männer gut dotierte Jobs wieder auf oder arbeiten weniger Wochenstunden, auch wenn sie keine Kinder haben.
(...)
Mehr als zwei Drittel sehnen sich eher nach Familie als nach einem mühsamen Aufstieg.
(...)
Frauen schlagen im Prinzip eher eine Beförderung aus. Hier wirken wieder die Empathiehormone. Sie sind auf der Mittelstufe zufriedener als ein Mann. Der Anteil von Frauen, die sich bis nach oben durchboxen möchten, ist relativ gering. In Holland traf ich vor kurzem eine Chefredakteurin, die nur vier Tage die Woche arbeitet. Warum, fragte ich. Hast du Kinder? Sie antwortete: Nein, aber am Freitag ist mein Piano-Tag. Sie nimmt ihre Klavierstunden sehr ernst und verzichtet dafür auf beinahe ein Viertel ihres Lohns. Solche Entscheidungen werden aber von der Umwelt, vor allem von Männern, skeptisch beäugt."
(Quelle: Susan Pinker in: "Süddeutsche Zeitung", 14. 08. 2009)
7. 8. 2. 12. "Wiener Zeitung"
"(...) Bei Nationalratspräsidentin Barbara Prammer beispielsweise. Diese schrieb schon 1986 in ihrer Magisterarbeit zur Sozialwissenschafterin, dass als Berufe 'einfacher Qualifikation' die frauentypischen Berufe im Handel und Dienstleistungsbereich wie Verkäuferin, Friseurin oder 'im Büro' gelten (heute würde sie das vermutlich anders formulieren). Aus 225 Lehrberufen würden sich Mädchen auf diese drei konzentrieren.
Zwar hätten die Mädchen in den höheren Schulen gleichgezogen, jedoch nicht im technischen Bereich, und Studentinnen inskribieren immer noch vorwiegend in Geistes- und Sozialwissenschaften, die technischen Disziplinen blieben Männersache. Fast 25 Jahre ist das jetzt her, und es hat sich nichts geändert."
(Quelle: "Wiener Zeitung", 3. September 2009)
7. 8. 2. 13. "Österreich"
Die Tageszeitung "Österreich" veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 18. Februar 2010 eine Tabelle mit einer Auswahl von Lehrberufen. Darin wurde aufgeschlüsselt, wie viele Mädchen und Jungen in der Stadt Wien im Jahr 2009 in dem jeweiligen Beruf ein Lehrverhältnis begannen.
Anschließend nun die Daten aus der Tabelle. Ein Kommentar dazu ist wohl überflüssig.
Mädchen Jungen
Kfz-Technik 9 273
Elektroinstallationstechnik 12 662
Kfz-Elektrik/Kfz-Technik 17 295
Koch 158 616
Maler/Anstreicher 19 378
IT-Technik 47 353
Lebensmittelhandel 372 363
Bürokaufmann/-frau 1120 492
7. 8. 3. Arbeit am Menschen traditionell schlecht bezahlt
In Betracht ziehen sollte man auch folgende Konstellation:
Tendenz 1: Berufe mit der direkten Arbeit am Menschen waren von jeher traditionell schlecht bezahlt. (Was jetzt in keiner Weise eine Rechtfertigung dieses Zustandes bedeuten soll!) Auch und vor allem in einer Zeit, in der Tätigkeit von Frauen außerhalb des eigenen Hauses noch unüblich war. Ein Beispiel hierfür sind die Gemeindelehrer vergangener Jahrhunderte. Diese waren bezüglich der materiellen Absicherung ihres Lebensunterhaltes in hohem Maße von der Solidargemeinschaft ihres Ortes abhängig.
Tendenz 2: Frauen ergreifen heute statistisch gesehen öfter Berufe mit der direkten Arbeit am Menschen.
Könnte es nun vielleicht sein, dass es bloß zu einer eher zufälligen Verkettung dieser beiden ursprünglich separat voneinander existierenden Umstände kam? Was in weiterer Konsequenz heißen soll, dass die durchschnittlich (!) geringere Bezahlung von Frauen gar kein absichtlicher Akt von Frauendiskriminierung ist, sondern bloß "ein dummer Zufall", um es mal volkstümlich zu formulieren?
Die Frauen, die soziale Berufe ergreifen, tun dies ja möglicherweise mit ehrenwerten Motivationen - wird jetzt mal unterstellt. Aber: Die Tatsache, dass diese Berufe schlechter bezahlt werden, ist v o r Dienstantritt bekannt. Und n i e m a n d zwingt diese Frauen, besagte Stellen anzutreten.
Es wäre für alle Beteiligten das Sinnvollste, auf diesem Gebiet den Geschlechterkampf zu beenden und sich stattdessen für eine gesellschaftliche Aufwertung sozialer Arbeit ganz allgemein einzusetzen.
7. 9. Einflussfaktor Babypause
"Welt am Sonntag" schrieb zu dem Thema:
"Eine erhebliche Zahl Frauen kehrt nach der Babypause nur als Teilzeitkraft an den Arbeitsplatz zurück. Und viele von ihnen finden während der Auszeit nicht etwa wieder Lust aufs Büro, sondern Geschmack am häuslichen Leben, vor allem wenn das Einkommen des Mannes auch noch für Tagesmutter und Putzfrau reicht. So erreichen sie nie das Gehaltsniveau erfolgreicher Männer. Frauen verdienten 2003 in Deutschland im Schnitt 30 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In ihrem Buch 'Das dämliche Geschlecht' schreibt Barbara Bierach, dass die Arbeitnehmerinnen zum Teil selbst schuld seien an ihrem Dilemma. 'Frauen sind nicht schwach, Frauen sind faul und unaufrichtig', pöbelt sie mit pädagogischem Elan: 'Frauen Mitte 30 stellen fest: Das Berufsleben ist kalt, eitel, unproduktiv', so Bierach. Sie wollen aus dem mühsamen und langwierigen Wettbewerb um den weiteren Aufstieg aussteigen. Familie sei nicht selten eine bequeme Ausrede."
(Quelle: "Welt am Sonntag", 7. März 2004)
7. 10. Einflussfaktor Hierarchieebenen
"MANNdat Geschlechterpolitische Initiative e. V." zitiert aus einer vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) in Auftrag gegebenen Studie unter dem Titel "Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Branchen, Berufen und Betrieben" (IAB Discussion Paper Nr. 4/2005):
"Für Wissenschaftler und Führungskräfte haben die Verfasser der Studie einen Einkommensunterschied von ca. fünf Prozent zugunsten der Männer ausmachen können."
(Quelle: www.manndat.de/index.php?id=43 )
7. 11. Einflussfaktor Ost-West
Auch Unterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern spielen eine erhebliche Rolle, wie die nachfolgend beschriebene Studie beweist:
"Der Frauen-Daten-Report
Dem 'Frauen-Daten-Report' der Hans Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2005 zufolge verdienen Frauen in Westdeutschland 23 Prozent weniger als Männer, in Ostdeutschland sind es 10 Prozent. Auch diese Zahlen basierten auf einer Rechnung, die pauschal alle Beschäftigten mit einbezog. Auch diese 'Lohndiskriminierung' von Frauen fand ein breites Echo in den Medien. Für die vielen Einschränkungen, die von diesen 23 Prozent nicht viel übrig ließen, galt dies nicht. Das Gros dieser Differenz wurde jedoch auch hier auf Faktoren wie Berufswahl, Branche, Dauer der Betriebszugehörigkeit und niedrigere Tarif-Wochenarbeitszeit von Frauen zurückgeführt. Rechnet man all das heraus, bleibt laut 'Frauen-Daten-Report' ein Drittel (im Westen) bzw. ein Viertel (im Osten) übrig, das nicht durch solch strukturelle Unterschiede erklärt werden kann. Das sind gerade mal 7,7 bzw. 2,5 Prozent. Diese Prozentzahlen berücksichtigen jedoch nicht die höhere Überstundenbelastung der Männer, welche die Lohndifferenz weiter verringert."
(Quelle: www.manndat.de/index.php?id=43 )
Www.wgvdl.com-Forumsteilnehmer Benno schrieb dazu am 25. 03. 2010:
"Ständig werden wir vollgesülzt mit der Behauptung, Frauen verdienen weniger als Männer. Das kann allein deshalb nicht stimmen, weil Gewerkschaften darauf achten, dass alle Arbeitnehmer für gleiche Leistung auch gleichen Lohn erhalten. Diese Tarifverträge schließen sie ab.
Zwar gibt es keine unterschiedlichen verschiedenen Tarifverträge nach Geschlechtszugehörigkeit, aber nach Ost oder West, Nord oder Süd wird durchaus unterschiedlich bezahlt.
Ich nehme mal als Beispiel den Tarifvertrag der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt. Im ab 1. 4. 2010 gültigen Tarifvertrag bekommt eine Angestellte, die in Gruppe A VII eingestuft ist:
In Ostdeutschland: 3335,00 Eur.
In Berlin: 3682,00 Eur.
In Westdeutschland: 3720,00 Eur.
In Bayern (falls früher nach K 5/7 bezahlt und vor dem 1. 4. 1998 eingestellt): 3757,00 Eur.
In Bayern (falls früher nach T 5/1 bezahlt und vor dem 1. 4. 1998 eingestellt) können es aber auch 3948,00 Eur sein.
Ein Ostdeutscher bekommt also für gleiche Leistung bis zu 613,00 Euro weniger als mancher Bayer.
Ach so, nicht vergessen: Der Tarifvertrag gilt auch für männliche Arbeitnehmer. Männer und Frauen werden also gleich diskriminiert.
Die Diskriminierung erfolgt nur nach Himmelsrichtungen und einem Einstellungsstichtag."
7. 12. Ist vielleicht alles sogar nur ein statistischer Irrtum?
7. 12. 1. Die Falschmeldung der OECD
Jährlich vergleicht die OECD in ihren Mitgliedsländern die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. In ihrem Bericht des Jahres 2008 kolportierte sie für Deutschland einen Einkommensunterschied von 24 Prozent zuungunsten der Frauen.
Sogar das eher feminismusfreundliche "Deutschlandradio Kultur" relativierte daraufhin diese Aussage in einer Glosse auf seiner Website. Auszugsweise hieß es darin:
"Wir hören diese Kakophonie seit mindestens 30 Jahren, als würde nichts sich ändern. Das ist in doppelter Hinsicht ärgerlich: Ärgerlich ist der Teil, der noch immer wahr ist, noch ärgerlicher ist jedoch, was uns die Gender-'Fachleute' in den Medien in diesem Fall im Komplott mit der OECD aus durchsichtigen Motiven verschweigen: Wer sich nämlich die Mühe macht, den ganzen, englischsprachigen Bericht zu lesen, stößt auf Differenzierungen und Erläuterungen. Und auf zwei Lügen.
Die Zahl von 24 Prozent 'Gender Wage Gap' (GWG) in Deutschland stammt aus dem Jahr 1996. Für 2006 weist der Bericht keine Zahl aus. In den Ländern, für die zwei Vergleichswerte vorliegen, ging der Unterschied aber im Lauf von zehn Jahren zurück, OECD-weit von 22 auf 17 Prozent. Der zweite Fehler der OECD-Kommunikation: Die errechneten Stundenlöhne beruhen nicht nur auf Vollzeitstellen, sondern berücksichtigen alle Einkommen von Menschen mit mindestens 15 Stunden Wochenarbeit. So steht's in der Studie, so hat es der Autor des dritten Kapitels des Berichts (über Diskriminierung am Arbeitsmarkt), der Italiener Andrea Bassanini, am Telefon bestätigt. Relevant ist das, weil fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland ein meist schlechter bezahlter Teilzeitjob ist, überwiegend geleistet von Frauen. Das erklärt einen erheblichen Teil des großen Unterschieds bei den Löhnen.
Diese zwei Lügen hätte die OECD gar nicht nötig gehabt, um in die Medien zu kommen. Es gibt im Beschäftigungsausblick 2008 eine Reihe guter Nachrichten: dass die Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt und die Bezahlung sich weiter angleichen und mehr und mehr Frauen ihr ganzes Leben berufstätig bleiben; dass das Beschäftigungsgefälle in den zehn Jahren bis 2005 in Deutschland jährlich um durchschnittlich 0,8 Prozent abnahm; dass die deutsche Gesetzgebung zur Anti-Diskriminierung 'zu den fortschrittlichsten im OECD-Bereich' gehört; dass alle OECD-Länder Anti-Diskriminierungsgesetze entwickelten, die sich auch als effektiv erwiesen hätten.
Ich lese außerdem im Bericht, dass Reformen für Frauen flexible Arbeitsplätze geschaffen haben, inklusive Rücksichtnahme auf Mütter und gute, bezahlbare Kinderbetreuung. Natürlich kann man alles immer noch besser machen."
(Quelle: www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/815454)
7. 12. 2. "MANNdat Geschlechterpolitische Initiative e. V."
"MANNdat Geschlechterpolitische Initiative e. V." berichtete auf ihrer Homepage einmal von einem kleinen Aufdeckungserfolg:
"MANNdat fühlte sich daher nachgerade verpflichtet, Verantwortung zu übernehmen und in von der Leyens Ministerium kritisch wie folgt nachzufragen:
'Auf Ihrer Internetseite www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/Kategorien/Presse/reden,did=96174.html findet sich in einer Rede der Ministerin von der Leyen die Aussage: 'Aber es hilft auch, auf die nüchternen Zahlen zu schauen. Beispielsweise: ... die Einkommensunterschiede, wonach Frauen noch immer nur 77 Prozent des männlichen Einkommens verdienen, wohlbemerkt für gleiche Arbeit ...' Dagegen befand der für Arbeit und Gleichstellung zuständige EU-Kommissar Vladimir Spidla in seiner Bilanz: ''Direkte Lohndiskriminierung', also ungleicher Lohn für gleiche Arbeit sei in der EU fast ganz verschwunden.' Wer sagt die Wahrheit bzw. die Unwahrheit?'
(...)
Wer sagt denn nun die Wahrheit?
Gründe genug also für MANNdat, beim Frauenministerium anzufragen und auf den offensichtlichen Widerspruch zwischen der Rede von Ursula von der Leyen und den Erkenntnissen des Vladimir Spidla hinzuweisen, verbunden mit der Bitte um Aufklärung bzw. Richtigstellung.
Das Ministerium antwortete prompt - und überraschend.
Zwar blieb die obligate Belehrung über die mannigfachen Gründe für Lohndiskriminierung von Frauen nicht aus. Der so genannte 'Gender Pay Gap' betrage in Deutschland 22 Prozent zu Lasten von Frauen, wofür es eine Reihe von Gründen gebe: 'Geschlechtsspezifische Trennlinien am Arbeitsmarkt, die sich in den Betrieben fortsetzen', also die Gehaltsunterschiede, die sich auf Berufswahl, Branchen, Betriebsgröße usw. zurückführen lassen. Ferner häufigere Unterbrechung der Erwerbstätigkeit bei Frauen durch Kindererziehung, häufigere Ausübung von Teilzeitjobs, dazu 'geschlechtsspezifische Arbeitsteilung bei der Kindererziehung und Fürsorge für ältere Menschen', was laut Frauenministerium 'Ausdruck tradierter Rollenbilder' sei, die gleichwohl von sehr vielen Frauen nach wie vor gerne und freiwillig gelebt werden.
Die feministische Prothese der so genannten 'strukturellen Benachteiligung' war uns jedoch bereits bekannt. Aber die Ministerin hatte ja ausdrücklich behauptet, dass Frauen 'nur 77 Prozent des männlichen Einkommens verdienen, wohlbemerkt für gleiche Arbeit ...'
Dazu, also zur so genannten unmittelbaren Diskriminierung, teilte das Ministerium dann folgendes mit:
'Verschiedene Studien haben versucht, den Einfluss der verschiedenen Faktoren zu differenzieren. So zeigt eine Untersuchung von Hinz/Gartner für die alten Bundesländer, dass auch zwischen Männern und Frauen im gleichen Betrieb ein durchschnittlicher Lohnunterschied von 15 % verbleibt, bei gleicher Ausbildung und gleichem Alter immer noch von 12 %.'
Diese 12 Prozent sind indes noch nicht das Ende der Fahnenstange, zumindest wenn man die Untersuchung doku.iab.de/discussionpapers/2005/dp0405.pdf zu Ende liest (!). MANNdat hat getan, was das Ministerium offenbar versäumt hat. Im Kapitel 'Schlussfolgerungen' heißt es:
'Ist die unterschiedliche Entlohnung in den Betrieben nun als Diskriminierung zu deuten? Die methodischen Ausführungen machen klar, dass wir hier keine eindeutigen Antworten geben können.' Und in Bezug auf die genannten 12 Prozent: 'Es würde weiter gehende (und qualitativ angelegte) Untersuchungen erfordern, um die Rolle der Tarifverträge für den geschlechtsspezifischen Lohnunterschied herauszuarbeiten. Die Eingruppierungsmerkmale erklären wohl einen Teil der zwischen unterschiedlichen Berufen bestehenden Lohnunterschiede, schwieriger sind die Einflüsse von Tarifverträgen auf den Unterschied innerhalb der gleichen Job-Zelle abzuschätzen.'
Mit anderen Worten: Erst eine detaillierte Analyse von Tarifverträgen und Eingruppierungsmerkmalen kann die Frage beantworten, ob und wenn ja in welchem Maße diese 12 Prozent Minderverdienst von Frauen überhaupt auf 'Diskriminierung' zurückzuführen sind. Dann müssten aber auch noch zwei Mängel der Studie ausgemerzt werden: Die in der Studie (auf Seite 27) selbst bestätigte Überschätzung der Berufserfahrung von Frauen und eine Berücksichtigung der von Männern im Durchschnitt höheren Überstundenbelastung, die in der aktuellen Studie vernachlässigt wurde.
Überraschendes Eingeständnis
Aber wie dem auch sei: Das Ministerium räumte ein, dass die von Ursula von der Leyen anlässlich des Frauentags 2007 genannten 23 Prozent Minderverdienst von Frauen für gleiche Arbeit in jedem Fall nicht zuträfen. Wörtlich heißt es in der Antwort:
'Die in der von Ihnen zitierten Rede vom 8. März 2007 enthaltene Aussage von Frau Ministerin von der Leyen, dass 'Frauen noch immer nur 77 % des männlichen Einkommens verdienen, wohlbemerkt für gleiche Arbeit' ist daher in dieser Form nicht richtig und missverständlich, auch wenn sie sich in den Medien oft so oder ähnlich findet. Wir haben die Rede daher aus dem Netz genommen und danken Ihnen für diesen Hinweis.'"
(Quelle: www.manndat.de/index.php?id=532)
7. 13. Warum stellen dann nicht alle die "billigeren" Frauen ein?
"WikiMANNia" veröffentlichte Anfang 2009:
"Wenn Frauen im Vergleich zu Männern für die gleiche Arbeit grundsätzlich schlechter bezahlt werden, müssten die Arbeitgeber dann nicht (gerade in der heutigen Zeit, in der Kostenersparnis solch eine große Rolle spielt) nur noch Frauen einstellen? Warum sollten sie die teureren Männer einstellen, wenn sie doch die gleiche Leistung von billigeren Frauen haben könnten? Ein Unternehmer der dies erkannt hätte, könnte seine Waren/Dienstleistungen billiger anbieten, hätte mehr Gewinn und der Vorsprung vor der Konkurrenz wäre enorm.
Die Unternehmer sind auf dem Gebiet der Gewinnmaximierung entweder plötzlich vollkommen blind, oder die Situation der Lohndiskriminierung besteht nicht."
(Quelle: http://wikimannia.org )
7. 14. Ist es teilweise vielleicht sogar umgekehrt?
7. 14. 1. "MANNdat Geschlechterpolitische Initiative e. V."
Ein weiterer Text von "MANNdat":
"Frauen verdienen 22 Prozent mehr als Männer
In Bezug auf Teilzeitarbeit zweifelsohne erwähnenswert ist noch der in der Öffentlichkeit fast völlig unbekannte Umstand, dass teilzeitbeschäftigte Frauen mehr verdienen als Männer. So klärt uns der 'Gender-Datenreport', den das Bundesfamilienministerium 2005 veröffentlichte, auf: 'Unter den Teilzeitbeschäftigten kehren sich die Verdienstrelationen von Frauen und Männern zum Teil um (...). So liegt der Bruttojahresverdienst von Frauen, die weniger als 18 Stunden pro Woche arbeiten, 2002 bei 122 Prozent des Verdienstes von Männern in dieser Beschäftigungsform. Bei einer Teilzeitbeschäftigung über 18 Stunden pro Woche erreichen Frauen in Deutschland immerhin 96 Prozent des Männerverdienstes.' (S. 178)
Frauen verdienen also bei Teilzeittätigkeiten mit weniger als 18 Wochenstunden durchschnittlich 22 % mehr als Männer. Aufschlussreich ist, dass dieser Lohnunterschied nach Aussage der Herausgeberin, Waltraud Cornelißen, dennoch keine Diskriminierung von Männern darstellt, da teilzeitbeschäftigte Frauen im Schnitt besser qualifiziert sind: 'Statt einer Diskriminierung von Männern ließe sich bei den teilzeitbeschäftigten Männern als Ursache für ihre schlechtere Entlohnung ein geringes Humankapital vermuten', heißt es im Report.
Solche Vermutungen darüber, warum das eine Geschlecht schlechter bezahlt wird als das andere, sucht man in Stellungnahmen von offizieller Seite zur 'Lohndiskriminierung' von Frauen leider fast immer vergebens. Dies gilt auch dann, wenn es sich nicht nur um Vermutungen handelt, sondern um Tatsachen, die durch Studien belegt worden sind."
(Quelle: www.manndat.de/index.php?id=43 )
7. 14. 2. ITK-Gehaltsstudie der IG Metall
"In einzelnen ITK-Berufen bekommen Frauen sogar deutlich mehr Geld als ihre männlichen Kollegen. (...) In einzelnen Bereichen, etwa in der Beratung und in Call Centern, werden Frauen sogar besser bezahlt."
(Quelle: www.igmetall-itk.de/index.php?article_id=1135, Mai 2009)
7. 15. Ein Punkt, den man ebenfalls bedenken sollte - Viele "Powerfrauen" ernähren keine Familie
"WikiMANNia" schrieb zu Beginn des Jahres 2009:
"Gutverdienende Frauen sind überdurchschnittlich oft kinderlos. Diejenigen, die Kinder haben, sind - anders als die meisten Männer - oftmals nicht bereit, eine Familie zu ernähren und zahlen praktisch nie Unterhalt. Tatsächlich ist es so, dass der weitaus größte Teil der Familieneinkommen noch immer von Männern erwirtschaftet wird. Ob das wünschenswert ist, sei dahingestellt. Tatsache ist jedenfalls, dass die gutverdienenende Akademikerin ihr Geld nicht mit der gleichen Zwangsläufigkeit für Mann und Familie auszugeben willens ist, wie dies von Männern immer noch vorausgesetzt wird."
(Quelle: http://wikimannia.org )
7. 16. Ein mahnendes Schlusswort
Und was überhaupt bei dem ganzen Punkt immer wieder gern vergessen wird: Für die Mehrheit aller Berufstätigen ist der Job nicht "Selbstverwirklichung" und "Karriere", sondern tägliche Mühsal!
Dazu ein sehr pointiertes Zitat des amerikanischen Sozialforschers Neil Gilbert, veröffentlicht in "Die Zeit", Ausgabe vom 26. 02. 2009:
"Für die meisten Männer und Frauen, die für ein Gehalt arbeiten, wird die finanzielle Unabhängigkeit begleitet vom Gehorsam gegenüber der Macht von Vorgesetzten, von der Unterwerfung unter Terminzwänge und der Disziplin des Jobs, von der Unterwürfigkeit gegenüber Kunden und der allgemeinen Unsicherheit des modernen Arbeitsplatzes."
7. 17. Eine Literaturliste zum Thema
Erstmals veröffentlicht wurde die Zusammenstellung von "MANNdat Geschlechterpolitische Initiative e. V." im Jahr 2006 auf der Homepage des Vereins.
"Berufskrankheiten in Europa im Jahr 2001".
Herausgegeben von Eurostat, Reihe "Statistik kurz gefasst", Ausgabe Nr. 15/2004.
www.eds-destatis.de/de/downloads/sif/nk_04_15.pdf
Thomas Hinz und Hermann Gartner: "Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in Branchen, Berufen und Betrieben".
IAB Discussion Paper No. 4/2005. Herausgegeben vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit.
doku.iab.de/discussionpapers/2005/dp0405.pdf.
"Gender-Datenreport - 1. Datenreport zur Gleichstellung von Frauen und Männern in der Bundesrepublik Deutschland".
Herausgegeben im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, November 2005.
"Frauen am Arbeitsmarkt - Beschäftigungsgewinne sind nur die halbe Wahrheit".
IAB Kurzbericht, Ausgabe Nr. 22/24. 11. 2005. Herausgegeben vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit.
www.doku.iab.de/kurzber/2005/kb2205.pdf
(Quelle: www.manndat.de/index.php?id=43 )
gesamter Thread:
- Mein Senf zu der Anfrage von "Das Phantom eines Kindes" -
Kurti,
28.05.2010, 01:46
- Und was bedeutet das nun? -
Mus Lim,
28.05.2010, 03:05
- Und was bedeutet das nun? -
Kurti,
28.05.2010, 03:34
- Solche Lebensläufe gibt es - Mus Lim, 28.05.2010, 07:21
- Und was bedeutet das nun? -
Andreas082,
28.05.2010, 11:46
- Und was bedeutet das nun? - Kurti, 28.05.2010, 13:04
- Ernst gemeint? -
__V__,
28.05.2010, 03:41
- Rhethorisch gemeint? - Mus Lim, 28.05.2010, 07:27
- Und was bedeutet das nun? -
Kurti,
28.05.2010, 03:34
- Bitte auf Quellenangaben achten -
Science,
28.05.2010, 15:04
- Bitte auf Quellenangaben achten - Kurti, 28.05.2010, 15:31
- Und was bedeutet das nun? -
Mus Lim,
28.05.2010, 03:05