Guter Kommentar in Die Zeitin zu GM und dem Gesternkamp-Artikel
"Gendermainstreaming (GM) ist ein krudes, unausgegorenenes und theoretisch nicht fundiertes Sammelsurium trivialer Denkweisen, das schon in der Wahl seiner Begrifflichkeiten auf kaum mehr verweist als eine diffuse, vielleicht geradezu kindliche Gerechtigkeitsvorstellung. Eine Krankheit an der die meisten „linken“ theorieähnlichen Gebäude leiden.
Gender, ursprünglich der englische Begriff für Genus, meint das grammatikalische Geschlecht, ist als Analogie zur Beschreibung von „Geschlechterrollen“ verwandt worden, die selbstverständlich ganz abgekoppelt vom natürlichen Geschlecht austauschbar sein sollen. Für einen Angelsachsen erscheint es merkwürdig, dass wir Deutschen von männlichen Tischen (der Tisch), weiblichen Lampen (die Lampe) und sächlichen kleinen Mädchen (DAS Mädchen*) sprechen und ähnlich austauschbar wie jene grammatikalischen Geschlechter sollen nun auch die „Geschlechterrollen“ biologischer Lebewesen in gewachsenen Gesellschaften sein. Die Analogie hakt natürlich von Grund auf. Ein weiteres Problem besteht in der analytischen Kategorie einer „Rolle“. Die „Rolle“ ist ein soziologisch künstlich geschaffenes Konzept, das die Relativität von Beziehungen zwischen Menschen ausdrücken soll, so können Sie die Rolle Kind einnehmen oder auch die Rolle Elternteil. Es ist ähnlich unausgegoren und beliebig wie die Verteilung grammatikalischer Geschlechter in der deutschen oder auch anderen Sprachen. Die „Rolle“ reduziert eine kaum fassbare Vielfalt komplexer menschlicher Verhaltensweisen. Das Ganze soll dann im weitere in einen „Mainstream“ gebracht werden, wobei keiner so genau weiß, welche „Gender“ denn nun gemainstreamt werden sollen...
Liest man die Literatur jener Genderforscherinnen, so erscheinen die rekonstruierten „Geschlechterrollen“ vergangener Zeiten teils interessant, teils hanebüchen, gegebenenfalls auch mal interessant.
Als definitorische Größe einer politischen Regulierung ist dieses Konzept allerdings völlig unbrauchbar, da ziemlich beliebig anwendbar und das bei einer Vielfalt von denkbaren und auch gelebten Konzepten von „Gender“. Hier liegt die Stärke dieses Begriffes, er ist in vielerlei Hinsicht beliebig füllbar und alle möglichen Dinge können und sollen auf Gender/Geschlechterrollen zurückgeführt werden: Einkommen, Gesundheit, Lebenschancen und ähnliches.
Als eher unbeholfenes Konstrukt versucht „Gender“ dann im weitere eine eher pseudowissenschaftliche Gleichheitsnorm als „Ziel“ zu definieren, also zumindest in der Anwendung von Gleichstellungspolitik die soziometrischen Unterschiede zwischen Mann und Frau verschwinden zu lassen; und jene eingeebneten Unterschiede in Einkommen, Gesundheit und Lebenserwartung, die empirisch messbar sein sollen und es teils auch sind, als Erfolg zu verbuchen. Eine zutiefst sozialistische Vorstellung von „Gleichheit“, die zugegeben nicht unsympathisch, aber utopisch ist. Zur Umsetzung wurden in den letzten 10 Jahren ein Sammelsurium von Konzepten entwickelt, die Unterschiede von „Gender“ im weltweiten, europäischen und auch innerdeutschen Vergleich zu „mappen“, also über Indikatorensets anzuzeigen und derart Entwicklung und Handlungsbedarfe identifizieren und mittels Förderung oder auch Regulierung eingreifen zu können.
Hierbei sind hanebüchene Konzepte entstanden, die den Sozialforscher eher schrecken, aber deutlich machen, dass jenes Gendermainstreaming“ in der Beschreibung und Anwendung meilenweit von einer sinnigen Sozialwahrnehmung geschweige den sozialpolitischen Steuerung entfernt ist. Den Damen ist es bis heute nicht gelungen, ein bis heute ernstzunehmendes Konzept vorzulegen.
Wie soll dies auch möglich sein? Ist eine Soziologin tatsächlich in der Lage dazu, unser Lohnsystem zu verstehen, die Komplexität der medizinischen Versorgung und Finanzierung zu begreifen oder das Steuerrecht auf „geschlechtsspezifische“ Komponenten abzuklopfen, die bestenfalls Häufungen zum einen oder anderen Geschlecht darstellen können, da sie überwiegend geschlechtsneutral ausgestaltet sind. Ich denke nicht.
Der DGB hat in einer Machbarkeitsstudie ein Indikatorenset ausgearbeitet, dass die Gleichstellung in unserer Bundesrepublik beschreiben sollte. Es führte zu irrsinnigen Ergebnissen. Hinsichtlich der Lohngefälle (Genderpaygap) zeigte sich, dass sie in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt am geringsten waren und in den beiden süddeutschen Staaten die größte „Geschlechterungerechtigkeit“ herrschte. Es folgten wilde Spekulationen über selbstbewußte, emanzipierte ostdeutsche Frauen und schwäbische Hausmütterchen. Das haben sie aber nicht gemessen. Da das GPG keine Lohnkomponenten berücksichtigte, von denen insbesondere die Dauer der Betriebszugehörigkeit, die Löhne und Lohnunterschiede in die Höhe zieht, stellten sie – um die Ecke - fest, dass es in Mecklenburg-Vorpommern relativ weniger ältere Männer in Betrieben mehr gibt als in Süddeutschland; oder anders das GPG war überall dort gering, wo die Arbeitslosigkeit groß war.
Das komplette Indikatorenset zeigte – und hier war es merkwürdig – im Grunde genommen, wo indikatorisch gemessen (angeblich) viel Geschlechtergerechtigkeit, da höhere Arbeitslosigkeit, geringere Einkommen und höhere Durchschnittsalter (und oft nicht C-regiert) und schlechtere medizinische Versorgung. Die Damen feierten das wirtschaftliche und soziale Versagen der neuen Länder als Erfolge der Geschlechtergerechtigkeit; das Ding ist von deren Homepage verschwunden.
Das hängt natürlich nicht an den Frauen, sondern an der irrwitzigen Vorstellung das geringe Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein, irgendeine Aussage darüber treffen könnten, wie die Menschen tatsächlich leben. Die Unterschiede wurden seit der Wiedervereinigung soziometrisch betrachtet dort eingeebnet, wo „die Männer“ verloren; den Frauen ging es aber nicht besser.
In einem ähnlichen Irrwitz werden alle möglichen soziometrischen Befunde und Scheinbefunde in einem pseudowissenschaftlichen Herumgedudel nach Geschlecht auseinanderklabustert und als Ungerechtigkeit oder angebliche Steuerungsgrößen verkauft. Kein Mensch weiß, ob ein Girlsday irgendein Effekt auf das Berufswahverhalten der jungen Frauen hat; es sieht aber nicht so aus. Wir wissen noch nicht einmal, was wir damit erreichen wollen.
Wir haben unzählige Initiative und Projekte, die oftmals ausschließlich unter Verwendung öffentlicher Mittel, ein diffuses Förderungsobjekt „Frau“ stützen wollen, von denen völlig unklar ist, was sie bezwecken und ob sie wirken.
Grundlage hierfür ist alleinig eine völlig diffuse Gleichheitsvorstellung und eine feministische Märchenstunde, die zu keiner Zeit in irgendeiner Form auch nur ansatzweise halbwegs modernen sozialwissenschaftlichen Kriterien standhalten konnte. Es ist ein rein politisches Konzept, dass darauf basiert, den Leuten irgendeinen Gerechtigkeitsblödsinn als sozialpolitisches Konzept verkaufen zu wollen und sich einer Sprache bedient, die kein Mensch versteht; sonst wären die Kassen schon lange dicht.
Auf die wirklichen Probleme und auch diejenigen der Frauen geht es nicht ein.
* Anm.: Mädchen ist eine Verniedlichung von Maid, wenn wir im Deutschen verniedlichen werden die Dinge sachlich: der Tisch, das Tischlein; bzw. die Maid, das Maidlein."
http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2010-05/maennerbewegungen