"Zeit-Fragen" von 1997 an Babette Francis - "Rationalität - ein patriarchalisches Konstrukt?"
Subtitel: "Feministische Rechtstheorie und die Zerstörung des Rechtsstaats"
Für bürgerliche Kreise in den deutschsprachigen Ländern ist der heutige Feminismus vielfach eine eher belächelte Zeitströmung. Eine grobe Unterschätzung: In den USA oder Australien bedroht diese radikal antidemokratische Weltanschauung bereits die Grundlagen des Rechtsstaats. Zeit-Fragen sprach mit der indischstämmigen Australierin, Babette Francis, einer langjährigen Kämpferin gegen den Radikalfeminismus.
Tja, nach nunmehr 13 Jahren, die seit dem Erscheinen des Artikels vergangen sind, dürfte vielen das Belächeln im Gesicht gefroren sein. Aber lest selbst:
Zeit-Fragen: Der heutige Feminismus unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von den Ansätzen früherer Bewegungen. Wo setzen die modernen Feministinnen mit ihren Forderungen an?
Babette Francis: Der heutige Feminismus hat sich weit davon entfernt, für rechtliche Gleichheit zu werben. Gleichheit wird von den Radikalfeministinnen nicht mehr nur als rechtliche Angelegenheit, als Chancengleichheit oder gleiche Zugangsmöglichkeiten definiert. Es ist für heutige Feministinnen nicht genug, dass Frauen wie Männer das gleiche Recht haben, eine Universität zu besuchen oder sich um eine Arbeitsstelle zu bewerben. Im Denkgebäude der Feministinnen gehört dazu auch das Recht der Frau auf eine Abtreibung nach "Wunsch, da ja eine Empfängnis den Besuch der Universität verhindern oder verzögern und ein Kind ein Hindernis für die Karriere sein kann. Frauen müssen genauso «unempfänglich> wie Männer gemacht werden.
Ausserdem gibt es, trotz gleicher Zugangsmöglichkeiten, an bestimmten Arbeitsplätzen oder in hochbezahlten Stellen weniger Frauen als Männer, was eine Diskriminierung der Frau «beweist>. Diese Situation muss durch eine «Quote>, d. h. eine bevorzugte Einstellung und Beförderung von Frauen, bereinigt werden. Dies gilt selbst dann, wenn die Qualifikation der Frauen schlechter als die ihrer männlichen Kollegen ist.
Eine weitere feministische Forderung ist die «erschwingliche, hochqualifizierte, 24-Stunden-Kinderfürsorge>. Diese Kinderfürsorge soll aus Steuermitteln bezahlt oder hoch subventioniert werden. Die einzigen, denen aus feministischer Sicht die Bezahlung der Kinderfürsorge verweigert werden sollten, wären die Eltern der Kinder, insbesondere die Mütter: Simone de Beauvoir bemerkte als erste, dass Mütter, welche zu Hause bleiben und sich um ihre Kinder kümmern, dafür nicht bezahlt werden sollten, da «sich zu viele für diese Möglichkeit entscheiden würden>. Ihre Sicht wurde durch viele andere prominente Feministinnen wiederholt: Eine Ironie, brüsten sie sich doch damit, für eine «Wahlfreiheit> einzutreten! ..."
Hier das ganze Interview: http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_38/TTI.HTM