Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

233.682 Postings in 30.704 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Mädchenschulen in Afghanistan?

Puwackel, Saturday, 24.04.2010, 22:01 (vor 5732 Tagen)

Bin gestern zufällig über Thea Dorn gestolpert. In der Sendung ging es um den Afghanistan-Einsatz und die dortige Etablierung von Frauenrechten. Einer der beiden Gäste meinte, dass die afghanische Bevölkerung noch zu sehr mit handfesten Problemen zu kämpfen hätte, als dass man im jetzigen Stadium dort "missionieren" könne. In dem Zusammenhang fiel die Frage, ob man in Afghanistan nicht überhaupt erst einmal Schulen bauen sollte, bevor man speziell über Mädchenschulen nachdenkt.

Thea Dorn stellte daraufhin die Frage, ob Frauen solche Situationen nicht nutzen sollten, um die "Schalter und Hebel" für die Zukunft in die richtige Position zu bringen. Die Gäste gingen über diese Frage hinweg, weil auch nicht so klar war, was Dorn damit genau meinte.

Allerdings habe ich schon länger den Verdacht, dass Feministinnen sich deshalb so gerne in der Entwicklungshilfe engagieren, weil sie glauben, dort noch auf form- und lenkbare Gesellschaften zu treffen, bei denen sie die "Schalter und Hebel" durch intensive Frauenbevorzugung noch in Richtung Matriarchat stellen können (so habe ich auch Thea Dorns Frage verstanden).

Wie sieht denn die Situation in Afghanistan und in anderen Ländern tatsächlich aus? Wie viele Jungen und wie viele Mädchen gehen dort zur Schule? Hier in Deutschland bekommt man den Eindruck, dass alle Jungs aber keine Mädchen zur Schule dürfen (siehe PLAN) - das wird wohl kaum stimmen.

Mädchenschulen in Afghanistan?

Marcel ⌂, Saturday, 24.04.2010, 22:45 (vor 5732 Tagen) @ Puwackel

Mädchenschulen in Afghanistan?

Christine ⌂, Saturday, 24.04.2010, 22:50 (vor 5732 Tagen) @ Puwackel

Wie sieht denn die Situation in Afghanistan und in anderen Ländern
tatsächlich aus? Wie viele Jungen und wie viele Mädchen gehen dort zur
Schule?

Die Schülerzahl hat sich seit dem Sturz der Taliban auf rund 7 Millionen verfünffacht. Jetzt gehen etwa 2/3 der Jungen und die Hälfte der Mädchen zur Schule.

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Aussenpolitik/RegionaleSchwerpunkte/AfghanistanZentralasien/AktuelleArtikel/1...

--
Es ist kein Merkmal von Gesundheit, wohlangepasstes Mitglied einer zutiefst kranken Gesellschaft zu sein

Mädchenschulen in Afghanistan?

Puwackel, Saturday, 24.04.2010, 22:58 (vor 5732 Tagen) @ Marcel

Handelt es sich zufällig um diese Sendung?

http://www.swr.de/literatur-im-foyer/-/id=122518/did=6277650/pv=video/nid=122518/kqhked/index.html


Ja die war's. Ich hab die Sendung aber nicht ganz gesehen, weil ich Thea Dorn nur unter Schmerzen ertragen kann :-)

Mädchenschulen in Afghanistan?

T @, Saturday, 24.04.2010, 23:23 (vor 5732 Tagen) @ Christine

Es ist so traurig das man sich nicht einfach darauf einigen kann Schulen für Kinder statt für Geschlechter zu bauen.
Aber gut, diese Art von Kindesge(miss)brauch scheint feministischen Anliegen ja einfach inne zu wohnen.

Dazu einige Anekdoten

Mirko, Sunday, 25.04.2010, 00:09 (vor 5732 Tagen) @ Puwackel

Zum Thema "Afghanistan und Frauen" fallen mir gleich mehrere Begebenheiten ein, die ich hier aus dem Gedächtnis wiedergebe. Quellen kann ich nicht (mehr) anbringen, ich versichere aber, dass sie authentisch sind.

1. Ein afghanischer Regierungsvertreter in Deutschland wird von einer Journalistin darauf hingewiesen, dass 90% der afghanischen Mädchen Analphabetinnen sind, und gefragt, was man dagegen zu tun gedenke. Der Regierungsvertreter ist irritiert und weist darauf hin, dass 90% der Jungen ebenfalls Analphabeten sind.

2. Eine Deutsche engagiert sich in Afghanistan, baut dort Schulen auf. Hierfür sammelt sie Spenden in Deutschland. Mehrmals wurde sie von Frauen dazu aufgefordert, diese Spenden nur Mädchen zugute kommen zu lassen, speziell für Mädchenschulen. Dagegen verwehrte sie sich: "Den Jungen dort geht es nicht besser als den Mädchen, auch sie brauchen Hilfe."

3. Eine Delegation von afghanischen Frauen besucht die USA. Sie sind entsetzt über das dortige Bild der Männer (ihre Brüder, Väter, Söhne) und stellen klar: "Das sind die Taliban, nicht unsere Männer"

--
Wer gegen Monster kämpft, muss achtgeben, nicht selbst zum Monster zu werden - Nietzsche

Mädchenschulen in Afghanistan?

Puffbesucher, Sunday, 25.04.2010, 13:56 (vor 5731 Tagen) @ Puwackel

Thea Dorn stellte daraufhin die Frage, ob Frauen solche Situationen nicht
nutzen sollten, um die "Schalter und Hebel" für die Zukunft in die richtige
Position zu bringen. Die Gäste gingen über diese Frage hinweg, weil auch
nicht so klar war, was Dorn damit genau meinte.

Vielleicht sind sie auch drüber hinweggegangen, weil es klar war, was sie meinte, aber sowas vor dem unaufgeklärten Gender-Mainstreaming-unbedarftem Publikum vor den Fernsehbildschirmen, welches immer noch glaubt, dass es bei dieser ganzen Schose doch tatsächlich immer noch nur um Gleichberechtigung geht, besser nicht an die Große Glocke gehängt werden sollte, um die Schafe nicht aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken.


Rein machttaktisch gesehen hat sie natürlich recht. In der Stunde Null ist eine Gesellschaft immer noch am lenkbarsten und wer da zuerst wichtige Postitionen besetzt, kann viel ausrichten.

--
...und erlöse uns von dem Bösen.

powered by my little forum