Trend: böse Frauen sind eigentlich Opfer-HeldInnen
http://www.welt.de/die-welt/kultur/article7066894/Das-schleichende-Gift-des-Feminismus.html
Schon Fassbinder sah in Gesche Gottfrieds Morden ihren verzweifelten, scheiternden Versuch, sich in einer männlich dominierten Gesellschaft zu behaupten, und fragte nach den psychologischen und sozialen Hintergründen der Morde. Der Comic folgt zumindest teilweise seiner Sichtweise. Immer wieder lassen Meter und Yelin ihre Erzählerin erstaunt fragen, warum es keine Obduktion der Leichen gegeben habe; ob denn niemand eine Frau verdächtigt habe, die regelmäßig giftige "Mäusebutter" vom Markt holte, und in deren Haus reihenweise Menschen zu Tode kamen? "Trifft da nicht ihre Gesellschaft zumindest eine Mitverantwortung?", will die Schriftstellerin vom Prozessverteidiger wissen. Dieser aber kontert, an solchen Fragen merke man bloß, "dass eine Frau zu geistiger Arbeit nicht bestimmt ist." Ihre Aufgabe sei es vielmehr, "die Schuld des Lebens ... durch Leiden" abzutragen. "Durch die Wehen der Geburt und durch die Unterwürfigkeit unter den Mann, dem sie eine geduldige und aufheiternde Gefährtin sein soll." Ja nun, denkt sich die Schriftstellerin da: Was bleibt einem angesichts solcher Mitbürger anderes übrig, als möglichst viele mit Gift um die Ecke zu bringen?
Bis zu einem gewissen Grad funktioniert dieser Historiencomic also nach ähnlichen Gesetzmäßigkeiten wie die derzeit allgegenwärtigen Historienromane, die nach dem Vorbild von Donna Woolfolk Cross' "Die Päpstin" gestrickt sind, und wahlweise "Die Wanderhure", "Die Löwin" oder "Die Wundärztin" heißen. Die weiblichen Identifikationsfiguren dieser Bestseller wirken ja oft wie Prototypen moderner Kampfemanzen, die sich nur deshalb so vehement gegen die Anfeindungen patriarchaler Gesellschaften zur Wehr setzen, damit sich moderne Post-Feministinnen in ihrem Groll gegen eine unverbesserliche Männerwelt recht angenehm von ihnen bestätigt fühlen können.
Doch man tut Meter und Yelin unrecht, wenn man ihren Comic auf dieses erzählerische Strickmuster reduziert. Gesche Gottfried erscheint in ihrem Werk auch als eine psychisch kranke Frau, der niemand rechtzeitig half. (...)
Und so weiter. Also im Endeffekt erinnert mich das strukturell an diese Reclam-Komponistinnen-Geschichte: es gab natürlich viele Frauen, die nur so vor sich hin komponierten, aber dann ja doch sofort dauerunterdrückt wurden und einfach nicht durften oder natürlich verlacht wurden. Also eigentlich alles nur Patriarchenschuld. Und jede sonstige mehr oder weniger historische weibliche Figur, die sich heranziehen läßt, um den eigenen Weltbild Auftrieb zu geben, wird nun kurzerhand in den ideologisch-feministischen Adelsstand gehoben, egal was wie angestellt hat: "Sie Frau" und allein deswegen wird jedes Motiv und jede Handlung rotzfrech umgedeutet und solange verdreht, bis am Ende etwas Positives herauskommt.
Aber was will man von solchen Leuten auch anderes erwarten:
"(...)Es wird von Feministinnen die Forderung erhoben, Frauen nicht mehr mit Gefängnisstrafen zu belegen und bereits inhaftierte Frauen zu entlassen, da sie aufgrund ihres Geschlechts nicht zur kriminellen Klasse gehören würden.(...)"
http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelmoral#Auswirkungen_in_Politik_und_Gesellschaft
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...und erlöse uns von dem Bösen.