Nachtgedanken: Julia Timoschenko
will ja die Wahl anfechten, die nur aus ihrer Sicht gefälscht war, während
westliche Wahlbeobachter die Wahl als durchgehend fair erlebt haben.
Nun, was einmal klappte, könnte doch auch ein zweites mal klappen; eine vom Westen unterstützte - und selbstverständlich nur den Menschenrechten verpflichtete - Revolution anzetteln, die das Blut-Boden und Frauenpowerweib samt ihrer Gefolgschaft an die Macht puscht.
Nun ist der Umstand, offenbar nicht verlieren zu können, wohl nicht
unbedingt ein frauenspezifisches Problem, aber:
Nein, natürlich nicht.
Wie kann es nur sein, dass eine Frau als Präsidentin abgewählt wird? Nach
der Lesart vom besseren Menschsein hätte doch unter weiblicher Federführung
jetzt doch mindestens beinahe das wahre Paradies ausbrechen müssen! Und
dann auch noch verlieren gegen einen "Kerl"?Ich bin empört. Also entweder sind da Männerbünde am Werk gewesen oder mit
der These stimmt was nicht. Was für uns alle ja eine große Überraschung
wäre.
Nein, diese These stimmt so nicht, mag sein, deutschen Medien zaubern sie sie noch aus dem Hut. In diesem Fall geht es nicht um Frauenpower versus Patriarchat, sondern um pro westliche Machthaber versus pro russische. Wenn sich meine ukrainischen, russischen und russlanddeutschen Quellen und meine Beobachtungen mich nicht täuschen, hat sich die EU und USA diesmal selbst ein Bein gestellt. Sie können die internationalen Beobachter nicht der Parteilichkeit bezichtigen. Zwar schluchzt die Westpresse laut auf, weil die "Orangefarbenen" viele Chancen vergeben hätten, zu einer halbwegs sachlichen Berichterstattung kann sie sich dennoch nur in Teilen und notgedrungen entschließen.Wie sooft vergisst sie ein gewisses Quantum an Fakten in ihren Reporten und schon verschwimmt das Bild des östlichen Eu - Nachbars Ukraine, der im politischen Ränkespiel gegen den Erzfeind Russland nun nicht mehr, wie geplant, funktionieren wird. Die - sagen wir mal- ein wenig parteiliche Berichterstattung, lässt sich gut an der Person Julia Timoschenko fest machen. 2004 durften wir beispielsweise auf der DW noch von "Politikerin mit Leidenschaft", die "wie bei einer Jeanne d'Arc-Verfilmung" mit "Charisma" an der Spitze der Opposition marschierte und die die reichste Frau des Landes sei, erfahren. Frau Timoschenko - schon damals eine Erdgasfürstin - war zuvor für rund ein Jahr Energieministerin gewesen, die die Korruption auf diesem Sektor bekämpfen sollte. Offensichtlich übte sich die Böckin in Gärtnerei und wurde gefeuert. DW - world:
Nach ihrer Absetzung schloss sich Julia Timoschenko mit ihrer "Vaterlandspartei" der Opposition an. Zweifelslos ein Beleg für tief verwurzelte demokratische und rechtsstaatliche Gesinnung.
"Zum Unwillen der Regierung: Der ukrainische Machtapparat um Kutschma und Janukowitsch lässt sie wegen der Korruptionsvorwürfe verhaften. Auch ihr Mann und ihr Schwiegervater müssen in Untersuchungshaft. Bei den Menschen in der Ukraine sorgen jedoch die Bilder der hübschen Julia hinter Gittern für Wut auf die alten Machthaber. Vor allem im europafreundlichen Westen des Landes gewinnt sie viele Sympathien."
Lugt der Michel unter seine Mütze hervor, muss er wohl an einen weiteren Akt schlimmster Verletzungen von Rechtsstaatlichkeit in der ukrainischen Russakei glauben, aber so einfach liegen die Dinge nicht. Dennoch stimmten sich die Öffentlich-Rechtlichen auf diesen Grundton ein. Ob sie auch das Lied der Powerfrau in Krisenzeiten intonierten, erinnere ich nicht mehr.
Und heute?
Die Tagesschau sieht eine "Gefühlvolle mit der dunklen Vergangenheit" und zitiert den Direktor des Moskauer Instituts für politische Studien, Sergej Markow aus dem Jahre 2005: "Sicherlich hat Julia Timoschenko beim Diebstahl von russischem Gas und an anderen dunklen Machenschaften mitgewirkt. Aber wer hat das nicht?"
Und weiter weiß die Tagesschau: "Timoschenko gibt zu, was sich nicht verhehlen lässt: Sie hat die Wirren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion für eigene Zwecke genutzt. Sie habe in den rechtlosen Zeiten viele Regeln verletzt, sich aber nie an den Geldern des Staates vergriffen, sagt sie."
Wer sich ein wenig mit den komplizierten ukrainisch - russischen Verhältnissen auskennt, weiß, was das höchstwahrscheinlich bedeutet: Korruption , Mafia-Verstickungen, Diebstahl, Erpressung, Raub. Wo nicht als Person, dort als Hintermännin. Doch sie brauchte nur unter das Fähnchen "Menschenrechte" zu schlüpfen und schon wollte niemand mehr genaues wissen, welche Rolle eben diese Rechte beim Erlangen ihres Riesenvermögens spielte.
Dennoch taucht die Tagesschau das hübsche Julchen noch einmal in ein mildes Licht:
"Auch wenn sie sich in vielen Fragen kaum von Janukowitsch abhebt, präsentiert sie sich als letzte Verfechterin der Ideale der orangefarbenen Revolution, als die einzig echte Wahlalternative: "Ich habe der Ukraine mein Wort gegeben und bleibe bei ihr bis zu meinem letzten Atemzug, egal, auf welchem Posten, in der politischen Führung oder der Opposition, außerhalb oder innerhalb der Politik."
Nein, diesmal geht es nicht um Geschlechterkrampf, aber wir können gut ablesen, was wir von Berichten - selbst des Flaggschiffs deutscher Nachrichtensendungen - halten müssen. Natürlich waren die Fakten um die Gasprinzessin bereits zur "orangenen Revolution" bekannt, passten aber nicht ins erwünschte Bild. Sichtbar wird: "übergeordnete" Interessen scheinen bei Redaktionssitzungen - entgegen anders lautender Behauptungen - immer mit am Tisch zu sitzen. Sollte sich jedermann merken, besonders wenn es im Bundestag das nächste Mal in der Außenpolitik um Menschenrechte geht. Und Frauenrechte sind Menschenrechte...
Ernsthaft: Ich habe schon des öfteren gedacht, dass man mal diesen
speziellen Wir-sind-besser-Frauen Frauen glatt das Ruder überlassen sollte,
jedenfalls in einem Bereich. Und dann mal gucken, was nach, sagen wir
schätzungsweise einer Dekade, so dabei herausgekommen ist.
Das geht mir auch oft durch den Kopf und ich meine, dort läge ein Hebel zu Problemlösungen, die weit über das Feminanzgewäsch hinaus reichen.
Und ich denke, dann hätten wir endlich Ruhe. Jedenfalls so um die 20 Jahre
lang, bis die ersten wieder bewußt zu vergessen anfangen wollen.*
Da denke ich in weit längeren Zeiträumen. Aber dies ist ein weites Feld.
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© Narrowitsch
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Extemplo simul pares esse coeperint, superiores erunt-
Den Augenblick, sowie sie anfangen, euch gleich zu sein, werden sie eure Herren sein.
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