Haiti - Wo die Frauen die Familien dominieren
Die Familienverhältnisse in der Karibik unterscheiden sich schon auf den ersten Blick deutlich von denjenigen in Afrika und Europa. Mehr als die Hälfte aller Kinder werden nichtehelich geboren und etwa ein Drittel aller Haushalte wird von einer Frau geleitet. Oft sorgen sie allein für den Lebensunterhalt ihrer mehrköpfigen Familien. Frühe sexuelle Beziehungen sind für beide Geschlechter akzeptiert, auch wenn Frauen nicht die gleichen Freiheiten genießen wie Männer. Andererseits herrscht in diesen Gesellschaften - ähnlich wie in Lateinamerika - eine starke Verehrung der Mutter vor, gerade auch seitens der Männer. Biografische Darstellungen von erfolgreichen karibischen Männern verweisen oft auf die Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen, in denen die allein erziehende Mutter unter großen Opfern die Kinder erzog und ihnen eine möglichst gute Ausbildung zukommen ließ, wofür ihnen nicht nur Dank, sondern auch Bewunderung gezollt wird.
Wenig Hoffnung für die Zukunft
Die amerikanische Aussenministerin Hillary Clinton möchte daher offensichtlich Sand in die Augen ihres Publikums streuen, wenn sie sagt, dass Haiti auf einem guten Weg gewesen sei. Haiti war zuletzt ein künstlich ernährter Staat, der in den nächsten Jahren von den internationalen Playern noch abhängiger sein wird als zuvor. Denn erste Anzeichen weisen bereits darauf hin, dass die USA im Rahmen ihres Nothilfe- und Wiederaufbauprogramms auch politisch das Zepter in Haiti wieder in die Hand zu nehmen gedenken. Der Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass es bisher niemals gelungen ist, der haitianischen Gesellschaft durch Interventionen von aussen aus der Misere zu helfen. Eine nachhaltige Verbesserung der Lage wird erst eintreten können, wenn die auf der Nationalflagge beschworene Eintracht unter den verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren eingelöst wird. Dass die Folgen der Erdbebenkatastrophe und die gigantischen Herausforderungen beim Wiederaufbau des Landes dafür eine gute Voraussetzung darstellen, muss leider bezweifelt werden.
DschinDschin
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Barbarus hic ergo sum, quia non intellegor ulli.
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