Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Nicht die Feministinnen waren schuld!

Movemen, Wednesday, 27.01.2010, 08:00 (vor 5818 Tagen)

Da schau sich einer an, wie die TAZ sich sprachlich positioniert, wenn es um Feministinnen geht. Normalerweise scheut man sich nicht von Islamphobie zu sprechen und mitgemeint sind natürlich Maskulisten, die bekanntermaßen alle verkappte Nazis sind, einem Frauenideal aus dem vorletzten Jahrtausend nachhängen und auch sonst jede repressive Geistesströmung für sich gepachtet haben:

Haben islamkritische Feministinnen und Frauen aus dem linken Lager bei der Schweizer Volksabstimmung über ein Minarettverbot Ende November letzten Jahres in signifikanter Anzahl mit "Ja" gestimmt? Gaben sie gar den Ausschlag für die mehrheitliche Annahme des Minarettverbot, von der fast alle BeobachterInnen völlig überrascht wurden?

Geht es aber um Feministinnen, dann muss über die Sprache differenziert werden, dass die Schweizer Abstimmung zum Minarettverbot nicht durch Feministinnen gewonnen wurde. Das böse Wort mit Islam und Phobie wird folgerichtig nicht genannt und mit "Das deutliche Ja zum Minarettverbot ist nur zustande gekommen, weil auch linke Frauen zustimmten, die ein Zeichen setzen wollten gegen eine Kultur, die sie als autoritär, machohaft und aggressiv empfinden." umschrieben.

Und vorsichtshalber stellt man noch abschließend klar, dass wenn schon gegen Minarette, dass dann aber eigentlich die kirchlichen Gruppierungen Schuld sind. Prima Manöver - Haßprediger und Islamophobiker sind immer die anderen, so wie auch Touristen immer die anderen sind und die Hölle sowieso.

Nicht die Feministinnen waren schuld!

Klausi, Wednesday, 27.01.2010, 10:08 (vor 5818 Tagen) @ Movemen

Haben islamkritische Feministinnen und Frauen aus dem linken Lager bei
der Schweizer Volksabstimmung über ein Minarettverbot Ende November letzten
Jahres in signifikanter Anzahl mit "Ja" gestimmt? Gaben sie gar den
Ausschlag für die mehrheitliche Annahme des Minarettverbot, von der fast
alle BeobachterInnen völlig überrascht wurden?

Nicht auch Linke, sondern vor allem Linke. Alice Schwarzer und Company ist bereits seit 2002 für ein Kopftuchverbot. Von Minaretten war damals noch nicht die Rede. Aber ihre repressive Haltung zum Islam sprüht aus allen Poren.

Chance...

Ein Mann, Wednesday, 27.01.2010, 10:50 (vor 5818 Tagen) @ Klausi

Nicht auch Linke, sondern vor allem Linke. Alice Schwarzer und Company ist
bereits seit 2002 für ein Kopftuchverbot. Von Minaretten war damals noch
nicht die Rede. Aber ihre repressive Haltung zum Islam sprüht aus allen
Poren.

Na, tut sich da nicht eine Chance auf, das Übel durch Dritte entsorgen zu lassen...

Grüße
Ein Mann

Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Chato, Wednesday, 27.01.2010, 11:18 (vor 5818 Tagen) @ Klausi

Nicht auch Linke, sondern vor allem Linke. Alice Schwarzer und Company ist
bereits seit 2002 für ein Kopftuchverbot. Von Minaretten war damals noch
nicht die Rede. Aber ihre repressive Haltung zum Islam sprüht aus allen Poren.

Alice Schwarzer ist ja "fortschrittlich". Dann ist das Ganze etwas ganz anderes. Wer "fortschrittlich" ist, darf gegen Minarett und Kopftuch sein. Der darf ggf. sogar steinigen. Nur wer "rückschrittlich" ist, darf das nicht. Der darf auch nicht selbst sagen, wer "rückschrittlich" ist. Das dürfen nur die "Fortschrittlichen", und sie brauchen das nicht einmal zu begründen, denn sie sind ja "fortschrittlich". AH zum Beispiel. Der braucht jetzt auch nichts mehr zu begründen, seit er öffentlich "fortschrittlich" geworden ist. Da reicht jetzt "sagen", um recht zu haben. Das ist sehr praktisch.

Unter Linken halt. Die Pest. Ein einziger stinkender Sumpf von Lebenslügen. Eine orgiastische Begräbnisfeier von zwangsgestörten Zombies und notorisch bösartigen Pedanten. Höchste Zeit, daß diese Kiste endlich abgesengt wird und für immer unter der Erde verschwindet. Rechtzeitig bevor wir alle daran krepieren.

Nick

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Wenn wir Toren wüßten, daß wir welche sind, wären wir keine.

was sie ja mit Rechten gemeinsam haben

Trust, Wednesday, 27.01.2010, 13:19 (vor 5817 Tagen) @ Chato

.. denn an allem sind natürlich die 68er, die Linken, die Feministen usw. schuld

was sie ja mit Rechten gemeinsam haben

Krischan, Wednesday, 27.01.2010, 13:33 (vor 5817 Tagen) @ Trust

.. denn an allem sind natürlich die 68er, die Linken, die Feministen usw.
schuld

Aber natürlich. Die sind nämlich die "Rückständigen", und was "Rückständige" sagen, ist immer falsch. Alles Dhimnis, Gutmenschen und verkappte Feministen. Es heißt, einige von denen seien sogar dagegen, daß Frauen ihren Mann oder Vater nicht um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie erwerbstätig werden wollen. Pudel!

Es waren auch vornehmlich die Linken, die für das Minarettverbot waren, da hat Chato völlig recht. Richtige NPD-Rechte haben nämlich nichts gegen Moslems, die helfen ihnen sogar beim Moscheebau.

Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Garfield, Wednesday, 27.01.2010, 15:11 (vor 5817 Tagen) @ Chato

Hallo Nick!

Unter Linken halt. Die Pest. Ein einziger stinkender Sumpf von Lebenslügen.

Lebenslügen finden sich überall, ganz unabhängig vom politischen Lager.

Vor einiger Zeit kritisierte hier mal jemand pauschal die Christen. Soweit ich mich erinnere, bezog sich das auf einige dunkle Kapitel der katholischen Kirche, wie z.B. Kreuzzüge nach dem Motto "Taufe oder Tod" usw. Jemand anderer (ich glaube, es war Max, denn damals war er ja noch hier) schrieb dazu, daß es keine Christen waren, die sowas verbrochen haben, sondern nur Leute, die sich als Christen ausgaben, die christlichen Werte jedoch mit Füßen traten. (Er hat es sicher etwas anders formuliert, aber das war sinngemäß seine Kernaussage dazu.)

Und er hatte damit völlig recht. Macht korrumpiert die Menschen. Es gibt unzählige Beispiele für Menschen, die für Macht und Besitz ihre früheren Ideale über Bord geworfen haben. Und nur selten gestehen sie das anderen und sich selbst gegenüber ein. Meist belügen sie sich selbst und andere und biegen sich ihre früheren Ideale so zurecht, daß sie scheinbar immer noch passen.

Einem Bischof war es im Mittelalter als führendem Mitglied der katholischen Kirche beispielsweise untersagt, Blut zu vergießen. Das hielt diverse Bischöfe aber nicht davon ab, als Anführer ihrer Truppen mit in die Schlacht zu ziehen. Sie nahmen statt Schwertern eben Keulen mit - so bogen sie sich die für sie eigentlich geltenden Regeln so zurecht, daß sie paßten. Scheinbar, denn unter "Blutvergießen" verstand man ja ursprünglich das Töten von Menschen. Ein Bischof hätte also gar nicht mit in eine Schlacht ziehen dürfen, und genaugenommen hätte er noch nicht einmal Truppen für einen Angriffskrieg aufstellen dürfen. All das widersprach den christlichen Idealen, die ja u.a. auch das Gebot zur Nächstenliebe beinhalten.

War so ein keulenschwingender Bischof nun noch ein Christ oder nicht?

Und wie sieht es mit den Päpsten aus: War ein Papst, der zu einem Kreuzzug aufrief, ein Christ oder nicht?

Freundliche Grüße
von Garfield

Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Mirko, Wednesday, 27.01.2010, 16:07 (vor 5817 Tagen) @ Garfield

Das siehst Du falsch, die Bibel ist eine Schrift, die jede Rechtfertigung zu jeder Bluttat hergibt. Hängt alles von der Auslegung - mal friedliebend und tolerant, mal blutrünstig. Zu sagen, dass diejenigen mit der blutrünstigen Auslegung keine echten Christen seien, ist falsch.

Kleine Anekdote am Rande: Es ist der erzchristliche Chato, der mit seinem Verbaldurchfall Hass gegen Andersdenkende predigt und sich hart am Rande zum Aufruf zu Gewalt befindet. Ein echter Christ also.

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Wer gegen Monster kämpft, muss achtgeben, nicht selbst zum Monster zu werden - Nietzsche

Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Garfield, Wednesday, 27.01.2010, 17:21 (vor 5817 Tagen) @ Mirko

Hallo Mirko!

...die Bibel ist eine Schrift, die jede Rechtfertigung zu jeder Bluttat hergibt.

Ja, klar, sie wurde von verschiedenen Personen über Jahrtausende hinweg geschrieben und dabei immer wieder verändert.

Aber das, was man heute unter christlichen Werten versteht, basiert vor allem auf dem Neuen Testament. Z.B. die oft zitierte christliche Nächstenliebe.

Überhaupt war es ja über Jahrhunderte hinweg so, daß die Masse des Volkes die Bibel überhaupt nicht lesen konnte. Nicht nur, weil viele nicht lesen konnten, sondern weil die Bibel ja lange nur in Latein geschrieben war. Obendrein wurde auch in Latein gepredigt, was ebenfalls viele Menschen gar nicht verstanden. Somit konnte die Bibel der Masse der Bevölkerung gar nicht als "Wertegerüst" dienen.

Als die Bibel dann übersetzt und so verbreitet wurde, stand dabei auch wieder der Gedanke an eine bessere, gerechtere Welt Pate, ähnlich wie bei den Ur-Christen. Die Reformationsbewegung war ja vor allem deshalb erfolgreich, weil der etablierte katholische Kirchenapparat von vielen Menschen als verkommen und korrupt empfunden wurde. Sie glaubten nicht mehr daran, daß diese Kirche etwas mit dem Gott, an den sie glaubten, zu tun hatte. Weshalb sie eine neue Kirche wollten, die dazu beiträgt, die Welt gerechter zu gestalten. So wurden dann auch entsprechende Bibelpassagen, vor allem eben aus dem Neuen Testament, besonders betont.

Ich denke deshalb, daß man Bibelstellen wie "Auge um Auge, Zahn um Zahn" oder "so schlaget sie tot und machet sie nieder" nicht unbedingt als typisch für das Christentum werten kann. Die allgemein propagierten christlichen Werte sahen und sehen eigentlich anders aus, aber umsomehr stellt sich die Frage, wieso Menschen, die sich als Christen bezeichne(te)n so oft dagegen verstoßen bzw. verstießen.

Freundliche Grüße
von Garfield

Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Chato, Thursday, 28.01.2010, 02:27 (vor 5817 Tagen) @ Garfield

Hallo Garfield!

Erst mal danke für deine Klarstellung hinsichtlich Altem und Neuem Testament. In der Tat ist das AT nicht christlich, sondern jüdisch.

Zum übrigen: Die Kirche und der christliche Glaube sind ausdrücklich NICHT dazu da, "die Welt gerecht zu machen"! Das ist ein sehr populärer Irrtum geworden, der aber mit dem Glauben eben nichts zu tun hat. Die frühen Christen lebten nicht deswegen in Gütergemeinschaft, weil sie etwa diesseitigen Utopien über einen "gerechten Kommunismus" angehangen hätten - eine vollkommen abwegige Idee der materialistischen Atheisten Marx und Engels! – sondern weil ihnen diese diesseitige, vergängliche Welt derart egal und belanglos war, daß sie sich kaum für sie interessierten. Wohl für die Menschen in ihr, also für "die Nächsten", aber eben nicht für das, "was des Kaisers ist".

Das Ziel des Christen ist auch heute noch aus Prinzip nicht diese todesverfallene Welt, die bis zum Jüngsten Tag nicht besser werden wird, sondern die Heimat ist die jenseitige Welt. Gerade aus dieser tiefen Absichtslosigkeit in Hinblick auf das materielle Diesseits folgt dann freilich die gewaltige, kulturstiftende Kraft des Christentums. Die europäischen, zumal die deutschen Städte gehen, soweit sie nicht älteren Ursprungs sind, an ihrem Beginn regelhaft auf eine frühmittelalterliche Klostergründung zurück. Dieser tief geistige Impuls hat nun über 1000 Jahre weit getragen und läuft heute aus. Mit ihm zusammen endet auch Europa und geht an sich selbst zugrunde. Wir sind Zeitzeugen diesen blitzartigen Geschehens.

Nick

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Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Garfield, Thursday, 28.01.2010, 19:01 (vor 5816 Tagen) @ Chato

Hallo Nick!

Die frühen Christen lebten nicht deswegen in Gütergemeinschaft, weil sie etwa diesseitigen Utopien über einen "gerechten Kommunismus" angehangen hätten - eine vollkommen abwegige Idee der materialistischen Atheisten Marx und Engels! – sondern weil ihnen diese diesseitige, vergängliche Welt derart egal und belanglos war, daß sie sich kaum für sie interessierten.

Ich glaube, das siehst du nun etwas zu idealistisch.

Wie kommt man denn dazu, eine neue Religion zu gründen? Wieso sind die früheren Christen nicht einfach Juden oder Angehöriger irgendwelcher anderer Religionen geblieben?

Sie müssen doch mit den bisherigen Zuständen unzufrieden gewesen sein. Das Prinzip von Gerechtigkeit und Güte war sehr wohl von Anfang an sehr wesentlich, und deshalb wurde und wird der Gott ja auch üblicherweise als liebender, gütiger und gerechter Vater gesehen, der seine Kinder für positives Verhalten belohnt, für negatives Verhalten aber auch bestraft.

Der von Marx erfundene Kommunismus ist etwas Anderes, aber die Beweggründe dafür dürften sehr ähnlich gewesen sein: Real existierende Mißstände, aus denen man einen Ausweg suchte.

Da der Mensch von Natur aus nun gerade nicht dazu neigt, auf jeglichen Besitz zu verzichten, kann er dauerhaft nur auf eine Art dazu bewegt werden, so etwas wie Gütergemeinschaft zu praktizieren: Durch Armut. Und zwar nicht durch selbst gewählte Armut aus idealistischen Motiven heraus (so etwas gibt es zwar, aber es ist zu allen Zeiten eher selten gewesen), sondern durch Armut, die sich einfach aus den Umständen ergibt, unter denen der Mensch leben muß.

...sondern die Heimat ist die jenseitige Welt.

Das bedeutet, die Sektenführer, die ihre Anhänger zu Massenselbstmorden bewegt haben, hatten Recht? :)

Die Betonung der jenseitigen Welt ergab sich wohl zunächst vor allem aus den Hoffnungen der Menschen, denen das Diesseits nicht viel zu bieten hatte. Später wurde es jedoch zunehmend von den oberen 10.000 als Mittel benutzt, um die Bevölkerung ruhig zu halten. Frei nach dem Motto "wer auf Erden auf Kosten anderer reich ist, wird in der Hölle bestraft, wer aber auf Erden arm ist, der wird im Himmel belohnt".

Die europäischen, zumal die deutschen Städte gehen, soweit sie nicht älteren Ursprungs sind, an ihrem Beginn regelhaft auf eine frühmittelalterliche Klostergründung zurück.

Ja, eben, soweit sie nicht älteren Ursprungs sind. Es gab also schon vor dem Christentum Kultur. Oder wie konnten sonst im Mittelmeerraum die antiken Bauten entstehen, die älter sind als das Christentum?

Freundliche Grüße
von Garfield

Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Mirko, Thursday, 28.01.2010, 20:30 (vor 5816 Tagen) @ Chato


Erst mal danke für deine Klarstellung hinsichtlich Altem und Neuem
Testament. In der Tat ist das AT nicht christlich, sondern jüdisch.

Ach, das Neue Testament gabs noch nicht zu Zeiten von Hexer- und Hexenverfolgung, Raubzüge...?

egal und belanglos war, daß sie sich kaum für sie interessierten. Wohl für
die Menschen in ihr, also für "die Nächsten", aber eben nicht für das, "was
des Kaisers ist".

Komisch, dafür, dass ihnen die diesseitige Welt so egal war, haben sie sich aber viel Mühe mit Feuer, Gewehr und Peitsche gegeben, zwangszumissionieren.

Klostergründung zurück. Dieser tief geistige Impuls hat nun über 1000 Jahre
weit getragen und läuft heute aus. Mit ihm zusammen endet auch Europa und
geht an sich selbst zugrunde. Wir sind Zeitzeugen diesen blitzartigen
Geschehens.

Die Aufklärung, auf die westliche Werte wie (Religions-)Freiheit und Toleranz basieren, wurde gegen die Kirche durchgesetzt, nicht mit ihr. Deswegen ist es auch lächerlich, wenn vom Untergang des "christlichen" Abendlands fabuliert wird.

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Wer gegen Monster kämpft, muss achtgeben, nicht selbst zum Monster zu werden - Nietzsche

Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Movemen, Thursday, 28.01.2010, 03:20 (vor 5817 Tagen) @ Mirko

Das siehst Du falsch, die Bibel ist eine Schrift, die jede Rechtfertigung
zu jeder Bluttat hergibt. Hängt alles von der Auslegung - mal friedliebend
und tolerant, mal blutrünstig. Zu sagen, dass diejenigen mit der
blutrünstigen Auslegung keine echten Christen seien, ist falsch.

Auch wenn es schon angerissen wurde, das AT ist in erster Linie ein Geschichtsbuch aus dem Judentum. Es handelt sich, von der Erschaffung der Welt über Gesetzestexte bis hin zu Ahnenreihen und Prophezeihungen, um die Darstellung dessen, was aus verschiedenen Entwicklungslinien der Religionen im Judentum kummuliert wurde. Das Christentum beruft sich in der Interpretation des Glaubens fast ausschließlich auf das Neue Testament, zumal die Gleichnisse (z. Bsp. "wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein) sehr oft im Widerspruch zum AT stehen. Der Bruch, den die historische Figur Jesus mit dem Judentum vollzogen haben soll, war eben auch der Bruch mit den Gepflogenheiten, Sitten und Bräuchen des Judentums. Dass über die Jahrhunderte selbstverständlich auch die Stellen des AT zur Legitimation von Gewalt genutzt wurden, ist sicher nicht verwunderlich und vielfach aus der Zeit zu erklären. Somit gibt die Bibel eben nicht jede Legitimation für jede Bluttat. Im gleichen Zirkelschluß könnte man dies auch jedem Geschichtsbuch unterstellen, wo gerade heutzutage die meisten Historiker den mahnenden und warnenden Charakter ihrer Texte und Erkenntnisse hervorheben würden. Die Bibel als Anleitung zu Mord und Totschlag zu verstehen, Christen dies vorzuwerfen, auf historisch bedingte Reaktionen oder Untaten des Christentums zu fokussieren, ist von argumentativer Unschärfe und begünstigt aktuell einen Kulturrelativismus, der in seiner Ziellosigkeit Sämtliches gleichsetzen will. Dass zu erkennen, braucht keinen Christen.

Sagt der ungläubige

Movemen

Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Robert ⌂, München, Friday, 29.01.2010, 11:53 (vor 5816 Tagen) @ Movemen

Das siehst Du falsch, die Bibel ist eine Schrift, die jede Rechtfertigung

zu jeder Bluttat hergibt. Hängt alles von der Auslegung - mal

friedliebend

und tolerant, mal blutrünstig. Zu sagen, dass diejenigen mit der
blutrünstigen Auslegung keine echten Christen seien, ist falsch.


Auch wenn es schon angerissen wurde, das AT ist in erster Linie ein
Geschichtsbuch aus dem Judentum.

M.W. war das AT in seinen ältesten Texten eher ein Propagandawerk mit dem Ziel der Schaffung einer Art "jüdischen Identität" und dafür wurde die Form "wiedergefundene uralte Schriftrolle" gewählt. Aber egal, du ignorierst hier den Punkt, daß das AT als "heilige Schrift" galt (und immer noch gilt), die ihren Ursprung direkt von Gott herleitet.

Deswegen ist das:

Somit gibt die Bibel eben nicht jede

Legitimation für jede Bluttat. Im gleichen Zirkelschluß könnte man dies
auch jedem Geschichtsbuch unterstellen, wo gerade heutzutage die meisten
Historiker den mahnenden und warnenden Charakter ihrer Texte und
Erkenntnisse hervorheben würden.

zu kurz gedacht.


Die Bibel als Anleitung zu Mord und

Totschlag zu verstehen, Christen dies vorzuwerfen, auf historisch bedingte

Der Vorwurf, daß in der Bibel Widersprüchliches steht, und man sich deshalb für Alles eine Begründung daraus rausholen kann, wirft den Christen in erster Linie vor, ein menschenerfundenes Werk (weil es eben so selbst-widersprüchlich ist) zu überhöhen und ihrem Gott zuzuschieben und dabei das (eigene) Hirn auszuschalten.
Und der Verweis auf die Untaten von Christen früherer Zeit zeigt doch nur eins: das Christentum macht entgegen dem eigenen Anspruch "die Menschen" halt auch nicht besser ...


Robert

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Wolfgang Gogolin "Diese Hymnen für Frauen erinnern an das Lob, das einem vierjährigen Kind zuteil wird, weil es endlich nicht mehr in die Hose kackt, sondern von allein aufs Töpfchen geht."

Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Chato, Thursday, 28.01.2010, 02:24 (vor 5817 Tagen) @ Garfield

Hallo Garfield!

War so ein keulenschwingender Bischof nun noch ein Christ oder nicht?

Wenn er getauft war, was man bei einem Bischof wohl unterstellen darf: Ja, wenn auch wohl ein irrender. Dazu muß man wissen und bedenken, daß Christen, die sich verfehlen, keineswegs fein raus damit sind, sondern im Gericht die Verantwortung dafür zu übernehmen haben. Der Vorteil gegenüber Nichtchristen, die das ebenfalls zu machen haben, ist, daß der Bischof sich daran erinnern könnte, daß er ein Christ ist und sich deshalb von seinem Irrweg abkehrt. Wer Keulenschwingen sowieso in Ordnung findet, wird das eher nicht machen. Warum sollte er?

Man wirft den Christen immer gerne pauschal vor, was jedem Menschen vorzuwerfen ist, wobei der Vorwurf aber komischerweise darauf abzielt, ausgerechnet den Vorwerfenden selbst von diesem Vorwurf auszunehmen, was natürlich Unsinn und eine sehr verlogene Heuchelei ist. Christen sind meistens nicht bessere Menschen, aber es sollten welche sein, denen das bewußt ist. Damit läßt sich nämlich etwas anfangen. Mit dem Nichtbewußtsein über diese Tatsache hingegen läßt sich überhaupt nichts anfangen. So gut wie jeder hält sich selbst für einen guten Menschen. Das ist so trivial, wie verkehrt. Interessant im christlichen Sinne beginnt die Sache dann zu werden, wenn einer das nicht mehr von sich annimmt. Dann wird es nämlich realistisch und aufrichtig und kann in Bewegung geraten.

War ein Papst, der zu einem Kreuzzug aufrief, ein Christ oder nicht?

Ja, und zwar sogar ein besonders pflichtbewußter. Wer "den Christen" heute die fast ein Jahrtausend lang zurückliegenden Kreuzzüge lächerlicherweise zum Vorwurf macht, der weiß entweder nicht oder unterschlägt mit böser Absicht, daß dem vier Jahrhunderte islamische Eroberung vorausgegangen waren. Wer den Schutz der christlichen Jerusalempilger vor ständigen muslimischen Raubüberfällen für verwerflich erklärt, müßte mir erst vormachen, daß er seine eigenen Kinder auf ihrem Schulweg nicht davor beschützt, verprügelt und ausgeraubt zu werden. Erst wenn er mir das hinreichend lange unter Beweis gestellt hätte, finge ich langsam an, ihn für einen naiven, aber gutmütigen Spinner zu halten, der leider den Menschen nicht kennt, und würde mich deshalb wahrscheinlich selber diskret um den Schutz seiner Kinder kümmern. Wenn er diesen Beweis freilich schuldig bleibt, und das ist erfahrungsgemäß immer so, ist er ein selbstgerechter, scheinheiliger Heuchler, also nichtiger Abschaum, der keinerlei moralische Autorität besitzt und gar nichts zu verlangen oder zu beurteilen hat.

Es ist das selbstverständliche Recht und sogar die moralische Pflicht eines jeden Christen, so wie die eines jeden Menschen, sich gegen evidentes Unrecht auf angemessene Weise zur Wehr zu setzen. Allerdings muß er dabei das rechte Maß wahren und die rechten Mittel einsetzen, darf nicht über den Anlaß, sich und die Seinen zu beschützen, hinausgehen und muß aufhören, sobald er sein Ziel erreicht hat. Das ist das Ideal, das natürlich schwer zu erreichen ist, sobald kollektive Prozesse mit ins Spiel kommen, was im Verlauf der Kreuzzüge natürlich der Fall war und sie deshalb im Nachhinein nicht gerade als ein Ruhmesblatt christlicher Tugend dastehen läßt. Das ist wahr, aber sekundär und vom Prinzip und von der Ausgangsfrage von vor 1000 Jahren zu trennen.

Nick

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Linke und Feministen sind nie an etwas schuld

Garfield, Thursday, 28.01.2010, 18:29 (vor 5816 Tagen) @ Chato

Hallo Nick!

Wenn er getauft war, was man bei einem Bischof wohl unterstellen darf: Ja, wenn auch wohl ein irrender.

Das heißt, ich kann mich jetzt christlich taufen lassen, danach üble Massenmorde begehen und mich trotzdem mit Fug und Recht solange als Christ bezeichnen, bis ich irgendwann vor dem göttlichen Strafgericht lande?

Oder kommt es nicht vielleicht doch mehr darauf an, wie man sich verhält, welche Werte man lebt? Ist das nicht vielleicht doch entscheidender als eine Art Etikett, das man kurz nach der Geburt aufgeklebt bekommen hat?

Wer "den Christen" heute die fast ein Jahrtausend lang zurückliegenden Kreuzzüge lächerlicherweise zum Vorwurf macht, der weiß entweder nicht oder unterschlägt mit böser Absicht, daß dem vier Jahrhunderte islamische Eroberung vorausgegangen waren. Wer den Schutz der christlichen Jerusalempilger vor ständigen muslimischen Raubüberfällen für verwerflich erklärt...

Du glaubst allen Ernstes, Papst Urban II. ging es 1095 bei seinem Aufruf zum Ersten Kreuzzug um Jerusalem???

Urban führte die Politik Gregors VII. fort, der schon 1074 identische Pläne hatte. Tatsächlich ging es beiden um Byzanz, genauer geschrieben um die griechisch-orthodoxe Kirche. Die sah den Papst nämlich nicht als Führer aller Christen, sondern lediglich als Bischof von Rom. Was die Päpste schon lange sehr wurmte. Sie wollten die griechisch-orthodoxe Kirche heim ins Heilige Römische Kirchenreich holen, nur wie? In Byzanz wollte ja partout niemand die geistliche Oberherrschaft der Päpste anerkennen.

Nun herrschte in Byzanz zu der Zeit aber ein heilloses Chaos. Kaiser war dort ein überaus gefährlicher Beruf - üblicherweise starb man dabei irgendwann eines unnatürlichen Todes, wenn man es nicht schaffte, noch vorher rechtzeitig in ein Kloster zu flüchten. Die islamischen Seldschuken nutzen dies aus und bedrängten Byzanz immer heftiger.

Der byzantinische Kaiser rief nun um Hilfe, und das schien Gregor VII. und auch Urban II. eine überaus günstige Gelegenheit zu sein, um sich die Oberherrschaft über die griechisch-orthodoxe Kirche zu sichern. Ihr Plan sah so aus: Der Papst initiiert einen Kreuzzug, die Kreuzfahrer ziehen nach Byzanz, besiegen die Seldschuken, der Papst zieht daraufhin als siegreicher Gönner in Konstantinopel ein und der dortige oberste Patriarch huldigt ihm als oberstem Stellvertreter Gottes auf Erden.

Jerusalem interessierte beide Päpste überhaupt nicht! Und die christlichen Pilger dort schon mal gar nicht!

Es gab aber das Problem, daß man genügend Kreuzfahrer für den geplanten Kreuzzug motivieren mußte. Es war zu befürchten, daß Hilfe für Byzanz keine ausreichende Motivation sein würde. Dummerweise konnte man für den Kreuzzug auch nicht überall die Werbetrommel rühren, denn mit dem damals mächtigsten Herrscher der christlichen Welt, dem römisch-deutschen Kaiser Heinrich IV. hatte Urban leider mal wieder Streit.

Es mußte also etwas Besseres her, etwas, was die Menschen begeistern konnte. So kam man auf die Idee, als Ziel des Kreuzzugs die Rückeroberung des Heiligen Landes zu nennen. Dafür startete man eine große Propagandaaktion und betonte dabei allerlei Gräuel, die christlichen Pilgern irgendwann mal in Palästina widerfahren waren. Vieles davon lag 1095 schon Jahrzehnte zurück.

Weder Gregor noch Urban glaubten ernsthaft daran, daß Jerusalem erobert werden könnte. Ihnen ging es einzig und allein um die Ausweitung ihrer Macht auf Byzanz.

Und die Kreuzfahrer hatten auch häufig keine selbstlosen Motivationen. Anfangs waren es viele Franzosen. Das lag nicht nur daran, daß Urban II. in Frankreich gut für seinen Kreuzzug werben konnte. Nachdem sich das Klima allgemein abgekühlt hatte, waren die auf Grönland und in Skandinavien lebenden Wikinger gezwungen, sich in großer Zahl auf Seeraub zu verlegen, weil sie sich von der Landwirtschaft nun durch die gesunkenen Erträge schlechter ernähren konnten. Besonders häufig suchten sie u.a. Nordfrankreich heim. Dort litt man auch unter dem Klimawandel, und nun kamen auch noch die marodierenden Wikinger dazu. Es ging also vielen Franzosen schlecht. Man brauchte ihnen also nur etwas von den Schätzen des Orients erzählen, und schon zogen sie begeistert los. Die Begeisterung war schließlich so groß, daß viele Menschen gar nicht abwarten konnten, bis sich die Adeligen auf den Weg machten - die zogen gleich auf eigene Faust los. Teilweise wurden sie von religiösen Träumern angeführt, oftmals aber auch von Raubrittern und anderen Strauchdieben. Die massakrierten dann auf dem Weg erst einmal Juden, vor allem auf deutschem Gebiet, und wenn nur Christen da waren, hatten sie auch keine Probleme damit, die auszuplündern. Nachdem die (bereits christlichen) Ungarn mehrere solcher Horden erlebt hatten, machten sie die Grenzen dicht.

Nun wirst du vielleicht einwenden, daß Urban II. doch nichts dafür konnte, wenn auch Kriminelle seinem Aufruf folgten. Er hat sich mit seinem Aufruf aber explizit ganz besonders auch an Kriminelle gerichtet, indem er ihnen Ablaß all ihrer Sünden fürs Diesseits wie fürs Jenseits versprach, wenn sie sich am Kreuzzug beteiligten. Es scherte ihn nicht die Bohne, wer da für ihn in den Krieg zog - Hauptsache, er zog mit.

Es ist das selbstverständliche Recht und sogar die moralische Pflicht eines jeden Christen, so wie die eines jeden Menschen, sich gegen evidentes Unrecht auf angemessene Weise zur Wehr zu setzen.

Ja, aber darum ging es ja eben gar nicht! Es war pure Machtpolitik der Päpste. Wie ist das nun mit christlichen Idealen vereinbar?

Freundliche Grüße
von Garfield

Feministische TAZinnen schon ...

Müller, Wednesday, 27.01.2010, 17:57 (vor 5817 Tagen) @ Movemen

Der größte Blödsinn ist es, Feministinnen in "rechts" oder "links" einzuteilen. Es gibt sowohl rechte als auch linke Feministinnen.

"Zecken" und "Faschos" gibts leider überall.

Witzig finde ich, wie die TAZinnen peinlichst journalistisch am Straucheln sind, mit ihrem Artikel ...


.

Feministische TAZinnen schon ...

Oliver, Wednesday, 27.01.2010, 18:04 (vor 5817 Tagen) @ Müller

Der größte Blödsinn ist es, Feministinnen in "rechts" oder "links"
einzuteilen. Es gibt sowohl rechte als auch linke Feministinnen.


linke Feministinnen sind deutlich in der Mehrheit!

Bitte bedenke vor allem die Femi-Wurzeln.

--

Liebe Grüße
Oliver


[image]

Feministische TAZinnen schon ...

Garfield, Wednesday, 27.01.2010, 18:38 (vor 5817 Tagen) @ Oliver

Hallo Oliver!

linke Feministinnen sind deutlich in der Mehrheit!

Das scheint nur so, weil diejenigen, die du für linke Feministinnen hältst, von den Massenmedien besonders hofiert und natürlich auch gern als Journalistinnen eingestellt werden.

Entscheidend ist dabei die Einstellung zur Erwerbstätigkeit der Frau. Wer als Berufsfeministin sein Geld "verdienen" möchte, der sollte Erwerbstätigkeit für Frauen als alleinseligmachende Alternative propagieren und alle anderen Alternativen verdammen. Nur dann gibts einfach gute Posten und Geld.

Ansonsten kann frau allenfalls noch in einem Frauenhaus oder als "Gleichstellungsbeauftragte" unterkommen, wobei da dann aber nicht immer gut bezahlte Vollzeitstellen winken.

Diejenigen aber, die sich daran ergötzen, sich selbst und/oder ihre geistigen Ergüsse immer wieder in den Massenmedien zu sehen, müssen zwingend die Vollzeit-Erwerbstätigkeit der Frau propagieren. Was sie sonst noch absondern, ist egal, solange es nicht "politisch unkorrekt" wird, da haben sie also im Rahmen der "politischen Korrektheit" Narrenfreiheit.

Was dagegen geschieht, wenn jemand öffentlich in den Massenmedien die Auffassung äußert, daß es für Frauen auch noch jenseits der fremdbestimmten Maloche erfüllende Lebensinhalte geben könnte, kann man am Beispiel Eva Hermann sehen. Was wiederum erklärt, wieso Feministinnen, die so etwas propagieren (und die hat es schon immer gegeben) eben in den Massenmedien so gut wie gar nicht präsent sind und deshalb von der breiten Öffentlichkeit überhaupt nicht wahrgenommen werden.

Und jetzt noch eine kleines Rätsel zwischendurch: Wem könnte das wohl besonders nützlich sein?

Freundliche Grüße
von Garfield

Feministische TAZinnen schon ...

Isegrim, Wednesday, 27.01.2010, 20:33 (vor 5817 Tagen) @ Garfield

Was dagegen geschieht, wenn jemand öffentlich in den Massenmedien die
Auffassung äußert, daß es für Frauen auch noch jenseits der fremdbestimmten
Maloche
erfüllende Lebensinhalte geben könnte, kann man am Beispiel Eva
Hermann sehen.

Lustigerweise verdammt Frau Hermann mit ihrem Pladoyer gegen die fremdbestimmte Maloche der Frau einen anderen zu eben dieser. Wer sich dann der fremdbestimmten Maloche, und wer sich der süßen Selbstverwirklichung mit Kind und Apfelkuchen hingeben kann ist wohl offensichtlich.
Wie man es dreht und wendet: der Diskurs wird von Frauen bestimmt, die gleich nebenbei auch Männern einen Lebensweg vorgeben wollen - und sei es per Unterhaltsrecht und "fiktivem Einkommen"...

Feministische TAZinnen schon ...

Garfield, Thursday, 28.01.2010, 19:05 (vor 5816 Tagen) @ Isegrim

Hallo Isegrim!

Lustigerweise verdammt Frau Hermann mit ihrem Pladoyer gegen die fremdbestimmte Maloche der Frau einen anderen zu eben dieser.

Ja. Eva Hermann ist letztendlich auch eine Feministin, weil sie nur die Interessen der Frauen im Blick hat und die Männer nur als Erfüllungsgehilfen dabei sieht.

Aber diese Art von Feministinnen ist eben heute höchst unerwünscht.

Freundliche Grüße
von Garfield

Weder, noch

Krischan, Thursday, 28.01.2010, 13:55 (vor 5816 Tagen) @ Garfield

Das scheint nur so, weil diejenigen, die du für linke Feministinnen
hältst, von den Massenmedien besonders hofiert und natürlich auch gern als
Journalistinnen eingestellt werden.

Ich halte Feminismus weder für links noch rechts, sondern für eine Ideologie jenseits dieser Kategorien. Sie sind gegen Ausbeutung, aber nicht grundsätzlich, wie es in der Linken der Fall wäre, sondern gegen Ausbeutung von Frauen. Sie sind gegen Islam, eine in der Rechten übliche Haltung. Aber nicht aus Angst vor einer "durchrassten Gesellschaft" (Stoiber), denn wäre der Islam ein matriarchaler Esotherikkult, wäre er bei den Feministinnen herzlich willkommen. Sie propagieren ein solidarisches Miteinander (links) aber nur unter Frauen, von Frauen und für Frauen (schon nicht mehr links.) Und so geht es weiter, auf allen Ebenen. Naziprominenz wie Leni Rieffenstahl gilt als Opfer der Männer; ihr aktiver Beitrag zum Erhalt des Naziregimes wird komplett ausgeblendet. Von Linken erwarte zumindest ich eine kritischere Herangehensweise. Wäre Rieffenstahl ein Mann, so geschähe dies auch.
Sie lehnen Kapitalismus ab, einerseits, verlangen aber, daß Frauen auf die Vorstandsposten der größten kapitalistischen Konglomerate gehievt werden - so wichtig ist die Ablehnung des Kapitals also doch nicht. Entfremdung des Menschen? Ausbeutung? Beteiligung an den Katastrophen durch die transnkontinentale Ausbreitung der Finanzmärkte? Herrschaft des Geldes? Nie davon gehört! Plötzlich reden sie, als wollten sie der FDP Nachhilfe in Kapitalismus erteilen. Links sind sie nur, wenn Männer die Scheiße verbocken. Dann aber zweihundertprozentig.
Diese Widersprüchlichkeit kann man auch bei ihrer Haltung zum Sorgerecht erkennen. Der Mann soll sich an der Erziehung beteiligen, darin sind sie sich einig (Links, 68er-Haltung). Sobald es aber um seine Rechte geht, reden sie mehrheitlich so reaktionär daher, daß ihnen anscheinend selbst die jetztige Gesetzeslage zu "68-er-lastig" ist. So viel linkes Denken ist dann doch nicht erwünscht. Parallel dazu, wir erinnern uns, war gerade bei den Feministinnen das Gejaule am größten, als das reformierte Unterhaltsrecht den Frauen die theoretische Möglichkeit eröffnete, selbständig erwerbstätig werden zu müssen. Links stehen sie nur, wenn es ums Recht auf Erwerbstätigkeit geht. Ansonsten ist ein großer Löffel CSU-Haltung schon willkommen.
Sie geben sich pazifistisch, und jeder Soldat ist in ihren Augen ein Mörder. Sobald aber eine Frau eine Uniform anzieht, sieht die Sache ganz anders aus, und es ertönen Heldengesänge, wie sie seit der Hitlerzeit nicht mehr ertönten.
Daher finde ich, Feminismus ist jenseits der herkömmlichen Links-Rechts-Kategorien zu betrachten. Feminismus ist eine eigene Ideologie, aber trotzem eine klare Haltung mit Dogma.


Krischan

Weder, noch

Puffbesucher, Thursday, 28.01.2010, 14:30 (vor 5816 Tagen) @ Krischan

So gesehen ist der Feminismus schlußendlich nichts weiter als eine Lobygruppe, und zwar eine im geschlechtsspezifischen Sinne; einseitig für Frauen. Und sich ganz einfach lobbyistisch verhalten ist ja ohnehin ideologieunabhängig:

So ist selbst der größte Neoliberale und Linkenhasser mitunter plötzlich sehr sozial-solidarisch eingestellt: wenn es nämlich um seine eigene Brieftasche geht. Sieht man ja an den ganzen kaputten Bankstern gut. Und das wird "ein paar Nummern kleiner" bei den ganzen kleinen sich neoliberal gebenden Internet-Schreihälsen, die man im Netz findet, auch nicht anders sein.

Weder, noch

Krischan, Thursday, 28.01.2010, 22:56 (vor 5816 Tagen) @ Puffbesucher

So gesehen ist der Feminismus schlußendlich nichts weiter als eine
Lobygruppe, und zwar eine im geschlechtsspezifischen Sinne; einseitig für
Frauen. Und sich ganz einfach lobbyistisch verhalten ist ja ohnehin
ideologieunabhängig:

Jain, würde ich da sagen. Das ist schon weit mehr als nur Lobbyismus. Lobbyisten vertreten nicht unbedingt eine Ideologie. Die Autolobby vertritt zwar die Interessen der Autofahrer und -industrie, aber sie hat dabei kein gesellschaftlich-politisches Dogma und läßt auch Kritik zu, m.W.n. sogar externe.
Das ist bei Feministinnen gänzlich anders. Da bekam eine interne Kritikerin wie Katharina Rutschky (R.I.P.) durchaus schon mal Morddrohungen, weil sie es wagte, nicht mehr der Linie zu folgen, die die lautesten Schreihälse für sich als die richtige und einzig wahre beanspruchen.
Auch haben die meisten Lobbygruppen kein Feindbild. Der ADAC kümmert sich zwar nicht um Rad- und Bahnfahrer, das sehe ich auch nicht als seine Aufgabe, aber er erklärt sie nicht zum Feind. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, die innerhalb der Frauenbewegung auch keinen leichten Stand haben, ist das dort wiederum ganz anders. Böse sind die Männer, vor allem die muslimischen.

Zwar sind die Neoliberalen auch nicht gerade gut auf Linke anzusprechen, so wie ein Bankräuber auch nicht gerade Polizisten zum Freunde hat, aber das Feinbild Linker ist nicht das Fundament, auf dem sein Denken aufbaut. Anders gesagt: Neoliberalismus gäbe es auch ohne Linke, aber was wäre der Feminismus ohne Männer?

Weder, noch

Garfield, Thursday, 28.01.2010, 19:25 (vor 5816 Tagen) @ Krischan

Hallo Krischan!

Daher finde ich, Feminismus ist jenseits der herkömmlichen Links-Rechts-Kategorien zu betrachten.

Ja, das sehe ich genauso, und du hast das so gut erklärt, daß ich dem nicht mehr viel hinzufügen kann.

Feministinnen haben sich schon immer überall die ihnen gerade am besten passenden Rosinen herausgepickt. Lange Zeit waren sie sowieso praktisch nur im Bürgertum zu finden, denn nur dort hatten Frauen Zeit, um darüber nachzudenken, wie fürchterlich unterdrückt sie doch sind.

Wenn man sich alte Fotos von Protestaktionen von Frauenrechtlerinnen ansieht, dann sieht man da üblicherweise gut gekleidete Mittelschichtsfrauen, die also eher zu den privilegierteren Gruppen gehörten. Aber wenn frau schon viele Privilegien hat, dann muß da doch noch mehr herauszuholen sein...

Daß sie sich dann teilweise an linken Organisationen orientierten, lag wohl vor allem daran, daß sie da für ihre Forderungen nach dem Frauenwahlrecht (selbstverständlich ohne die dazugehörigen Nachteile wie z.B. die Wehrpflicht) die meisten offenen Ohren fanden.

In der Nazizeit fügten sie sich dann bereitwillig in die Frauenorganisationen der NSDAP ein. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, jemals von Protestaktionen von Frauen gegen die ihnen vom Führer zugedachte Rolle als häusliche Gebährmaschinen gehört zu haben. Nicht einmal gegen Berufsverbote für Frauen in einigen Bereichen gab es Proteste. Gegen Kriegsende waren Frauen freiwillig in KZs als Aufseherinnen tätig und prügelten auch noch dann auf die ihnen unterstellten Häftlinge ein, als Himmler das schon verboten hatte.

Nach dem Krieg wollten zumindest Feministinnen davon nichts mehr wissen - nun waren natürlich wieder die Männer an allem schuld.

So drehen sie sich immer so, wie der Wind für sie gerade am günstigsten ist.

Freundliche Grüße
von Garfield

Weder, noch

Krischan, Thursday, 28.01.2010, 23:04 (vor 5816 Tagen) @ Garfield

Daß sie sich dann teilweise an linken Organisationen orientierten, lag
wohl vor allem daran, daß sie da für ihre Forderungen nach dem
Frauenwahlrecht (selbstverständlich ohne die dazugehörigen Nachteile wie
z.B. die Wehrpflicht) die meisten offenen Ohren fanden.

Naja, gut, bei den Kaiserlichen wären sie in der Tat auf taube Ohren gestoßen. Sich für das Frauenwahlrecht einzusetzen bedeutet auch nichts weiter als einen Schritt hin zum gleichen Recht für alle zu machen. Eine Abschaffung der Männerzwangsdienste wäre ein anderer. Manche sind zwar der Meinung, daß den Frauen kein Wahlrecht zustünde, solange Männer zur Armee müssen, ich bin der umgekehrten Meinung, eben gleiches Recht für alle. So halte ich diesen Einsatz für ein Plus für die linke Bewegung. Ihr Fehler ist, daß sie die Rechte der Männer dabei übersehen hatten, und da nun gleiches Recht für alle nachgeholt werden muß. Auf die Hilfe der Feministinnen haben wir da aber nicht zu zählen. Die sind aber auch keine Linken, wie nun wohl geklärt sein dürfte, sondern bloße Nutznießerinnen der linken Bewegung, die sie für sich ausgenutzt hatten.

In der Nazizeit fügten sie sich dann bereitwillig in die
Frauenorganisationen der NSDAP ein.

Diesen Vorwurf kann man so gut wie allen Gruppierungen machen.

Ich kann mich auch nicht daran
erinnern, jemals von Protestaktionen von Frauen gegen die ihnen vom Führer
zugedachte Rolle als häusliche Gebährmaschinen gehört zu haben. Nicht
einmal gegen Berufsverbote für Frauen in einigen Bereichen gab es Proteste.

Protest gab es generell so gut wie keinen und zu keinem Bereich. Ich führe das vor allem auf eine gewisse Lebensgefahr zurück. Und hätte ich die Wahl zwischen Gebähren und Front, nähme ich auch lieber das Gebähren. (Zudem hatten sie ja auch keine Linken mehr, die sie hätten ausnutzen können. Die waren ja im KZ oder an der Ostfront.)

...

Nach dem Krieg wollten zumindest Feministinnen davon nichts mehr wissen -
nun waren natürlich wieder die Männer an allem schuld.

C'est ca. Linke hätten es aufgearbeitet. Feminismus ist aber nicht links.


Gruß
Krischan

Immer noch

Rainer ⌂, Friday, 29.01.2010, 01:51 (vor 5816 Tagen) @ Krischan

Feminismus ist aber nicht links.

Im Gegenteil. Feminismus ist die letzte funktioniernde Linke Idee.

Rainer

--
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Kazet heißt nach GULAG jetzt Guantánamo

Immer noch

Krischan, Friday, 29.01.2010, 17:34 (vor 5815 Tagen) @ Rainer

Feminismus ist aber nicht links.


Im Gegenteil. Feminismus ist die letzte funktioniernde Linke Idee.

Es kommt natürlich auch darauf an, wie du den Begriff "links" definierst. Oder auch "Idee".

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