Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Ministerieller Umgang mit Zivildienstleistenden

Thomas, Friday, 25.03.2005, 19:05 (vor 7620 Tagen)

Den untenstehenden, offenen Brief an die Bundesfamilienministerin haben Zahnärzte Anfang März ans Ministerium und an diverse Pressorgane geschickt. Weil Zivildienstleistende ausschließlich Männer sind - und weil man unserem Familienministerium getrost unterstellen darf, dass diese Richtlinie sehr anders formuliert worden wäre, wenn davon auch Frauen betroffen wären. Eine Richtlinie zur medizinischen Versorgung Zivildienstleistender, deren explizite Zielsetzung weit eher einem Erlass zur veterinärmedizinischen Behandlung von Nutzvieh angemessen wäre, spricht Bände über das in diesem Ministerium herrschende Menschenbild.

Offener Brief an die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frau Renate Schmidt, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Alexanderplatz 6 11018 Berlin

Betrifft: Richtlinien für die zahnärztliche Versorgung von Zivildienstleistenden vom 01. Februar 2005
Buch am Erlbach, 3. März 2005

Sehr geehrte Frau Ministerin Schmidt,

Mit Bestürzung lesen wir die neuen Richtlinien aus Ihrem Ministerium für die zahnärztliche Versorgung Zivildienstleistender. Unter "2. Ziel der Behandlung" steht hier wortwörtlich: "Ziel der zahnärztlichen Behandlungsmaßnahmen für Zivildienstleistende ist die Erhaltung oder Wiederherstellung der Verwendungsfähigkeit für die Dauer der Dienstzeit." Als rechtlich diesen Richtlinien verpflichtete Zahnärzte sehen wir uns aus ethischen Gründen außerstande, Ihren Erlass umzusetzen: denn Ziel jeglichen, ärztlichen Handelns ist Erhalt oder Wiederherstellung der Gesundheit von Menschen. Auch Zivildienstleistende, Frau Minister, sind Menschen! Es zeugt von einer zutiefst menschenverachtenden Haltung Ihres Hauses, die medizinische Versorgung Zivildienstleistender unter die Prämisse ihrer bloßen, zivildienstlichen Verwendbarkeit zu stellen. Die Zeit, in der Menschen in deutschen Staatserlassen als bloße Verwendungsobjekte gesehen und behandelt wurden, sollte seit 60 Jahren vorbei sein.

Hochachtungsvoll
Dr. Walter H. Greiner
Dr. Anna Maria Thomae
Dr. Anton Schiller
Einberg 15, 84172 Buch am Erlbach

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