Mehr Teenager ungewollt schwanger
Mittwoch, 23. März 2005
Mehr Teenager ungewollt schwanger
Info-Paket für Erzieher und Ärzte
Köln - Immer mehr Teenager in Deutschland werden ungewollt schwanger. Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche minderjähriger Frauen ist seit 1996 um 66 Prozent gestiegen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA wendet sich deshalb mit einem Info-Paket an Ärzte und Lehrer. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, so viele Schwangerschaftskonflikte wie möglich gerade im Jugendalter zu vermeiden, sagte BZgA-Direktorin Elisabeth Pott am Mittwoch in Köln.
Im vergangenen Jahr (2004) gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts 7854 Schwangerschaftsabbrüche bei Frauen unter 18 Jahren. 1996 waren es noch 4724. Außerdem brachten 2003 fast 7300 minderjährige Frauen Kinder zur Welt, im Vergleich zu 7126 vor fünf Jahren. Einer der Gründe ist nach BZgA-Aussage das sinkende Durchschnittsalter beim ersten Geschlechtsverkehr. Es liegt mittlerweile bei 15 Jahren.
Eine repräsentative BZgA-Befragung ergab, dass 12 Prozent der Mädchen und 15 Prozent der Jungen beim ersten Mal nicht verhüten. Als Grund gaben die meisten Jugendlichen an, dass es völlig überraschend zum ersten Geschlechtsverkehr gekommen sei. Viele Jungen und Mädchen trauen sich in dieser Situation nicht, das Thema Verhütung anzusprechen.
Die Frage, wer für Verhütung verantwortlich ist, bleibt oft unausgesprochen, sagte Pott. Sexualaufklärung müsse deshalb deutlich vor dem ersten Geschlechtsverkehr beginnen. Das kostenlose Info-Paket der BZgA mit Daten, Ratschlägen und Faltblättern soll Erzieher und Ärzte dabei unterstützen.
Mangelnde Aufklärung und fehlendes Wissen um Verhütung ist nach Potts Aussage die häufigste Ursache für ungewollte Schwangerschaften bei Teenagern. Ein kleiner Teil der minderjährigen Frauen entscheide sich aber auch bewusst für eine Schwangerschaft. Das gelte vor allem für Mädchen, die in Schule und Beruf für sich keine Perspektive sehen und sich durch die Mutterrolle eine Aufgabe und einen akzeptierten Status versprechen.
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die nach eigener Aussage von ihren Eltern aufgeklärt werden, ist auf mittlerweile 70 Prozent gestiegen. Die Mutter ist für die Aufklärung immer noch die Hauptbezugsperson, sagte Pott. Hinzu kämen Jugendzeitschriften und Webseiten. Über das Medium Internet kommen wir auch an die Jungen heran. (dpa)