Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Rote Männer Info Nr 82

Odin, Tuesday, 08.03.2005, 01:46 (vor 7638 Tagen)

RoteMänner!
Werwölfe und Potenzversager!

Auch unter Soziologen gibt es immer wieder das eine oder andere
volksverhetzende Riesen*****loch. Eins davon lehrt in Hannover und
füttert die Öffentlichkeit mit solcherlei Schwachsinn: "Männer fühlen
sich von Weiblichkeit bedroht, so die These des deutschen Soziologen
Rolf P. Aus diesem Grund werden Männer zu Vergewaltigern und
Sexualmördern. ,Es ist das eigene sexuelle Begehren, das dem Mann die
Kontrolle nimmt und für das die Frau verantwortlich gemacht und deshalb
bestraft wird', erläutert P. das immer wieder kehrende
Verhaltensmuster.(...) Studien beweisen, dass 88 Prozent der deutschen
Männer unbewusst Angst vor Frauen haben, 84 Prozent haben Angst vor
Potenzversagen." http://de.news.yahoo.com/050224/295/4fkzg.html Das
verkauft dieser intellektuelle Wackeldackel den hannoveraner Studenten
und seiner eigenen Fakultät also als Wissenschaft!

Ich frage euch jetzt NUR EINMAL: Was habt ihr letzte Nacht gemacht? Sagt
nicht: geschlafen! Denn das wäre wider jede Natur, sofern ihr Männer
seid. Wir hatten wieder Vollmond. Gesteht also besser gleich alles,
sonst sagen wir das dem "deutschen (!) Soziologen" Rolf P. - immerhin
eine offenkundige Kapazität auf dem Gebiet der Werwolfforschung. Rolf
P. hat übrigens selbstverständlich keine Angst vor Frauen und
Potenzversagen. Er und seine Freunde bilden die verbleibenden 12
Prozent unter den Männern, durch "deutsche" Soziologie geläuterte
Schöngeister, Freunde der Minne und der Baströckchen. Vielleicht
erinnern sich einige von euch, dass uns dieser Mülleimer bereits
neulich untergekommen ist? s. RoteMännerInfo 78. Wir schließen dieses
Thema mit Matthias Richling ab: "Ich bin so deutsch, ein Stolzer zu
sein."

Die RotenMänner erregten erfreulicherweise wieder ein wenig öffentliche
Aufmerksamkeit: Martin Reichert von der "taz" unterhielt sich einen
Abend lang mit uns - und schrieb dann eine nette Reportage darüber.
Also über uns! Dass er allerdings dem Oranienburger Straßenstrich in
der Nähe unserer Stammkneipe so viel Aufmerksamkeit zollte, hat weniger
mit uns zu tun. Wir verlassen das Viertel nämlich immer nur über die
Torstraße, unter Absingen von Gregorianischen Chorälen. Nur damit da
kein falscher Zungenschlag reinkommt.
http://www.taz.de/pt/2005/02/25/a0143.nf/text.ges,1

Der "taz"-Chefredaktion scheint der Beitrag nicht gepasst zu haben,
obwohl uns doch die literarische Insinuierung fortwährender Puffbesuche
vor, während und nach unseren klandestinen Zusammenkünften hinreichend
veralbert. Auf der Titelseite kündigten sie ihn an, als gehe es um die
Vorbereitung eines Rififi-Bankraubs: "Sie möchten nicht erkannt werden.
In einer Kneipe in Berlin-Mitte treffen sich die Herren von den Roten
Männern. Sie sind laut Eigenaussage keine Machos, sondern Weicheier mit
Bindung zur SPD." Na bitte schön, wir nehmen's wie es kommt. Wahlweise
geben wir die Frauenfeinde - und dann wieder den abgeliebten
Kuschelbären mit Schnief-Faktor. Jedenfalls ist es bei uns nicht so
langweilig wie auf manch einer politisch korrekten Meinungsseite.

Martin Reichert schrieb übrigens noch einen schönen Artikel, eine
Rezension des Buchs "Werktätiger sucht üppige Partnerin", das
Kleinanzeigen aus der frühen Sponti-Phase kolportiert. Sehr lustig:
http://www.taz.de/pt/2005/02/26.nf/magText.tname,a0388.re,hi.idx,0

Stephan Lebert erfreute uns mit einem höchst erfrischenden Artikel über
nervende Eltern. Früher waren Eltern einfach da, eine
Selbstverständlichkeit für jeden, für die Kinder zumal. Heute laden sie
bei denen sowie bei den Kinderlosen und natürlich untereinander ihre
Befindlichkeiten ab, zelebrieren auf dem Rücken ihrer Kinder den Streit
miteinander, und gerieren sich immer ein kleines bisschen beleidigt,
wenn sie nicht gerade andere Eltern finden, mit denen sie ihre Phasen
von kindbedingter Schlaflosigkeit begeiern können und sich darüber
auslassen dürfen, wofür sie ÜBERHAUPT KEINE ZEIT MEHR haben. Das
Feindbild schlechthin für diese Pappnasen: die jeder Verantwortung
abholden Kinderlosen. http://www.zeit.de/2005/09/Kinderloser_Lebert_09

Überhaupt machte uns die "Zeit" jüngst viel Freude. Die Beiträge von
Josef Joffe lesen wir gemeinhin nicht, weil er vor allem in
außenpolitischen Fragen eine altkluge Oberlehrerhaftigkeit pflegt, die
wenig zur Aufklärung beiträgt, aber schwer nervt. Sein Beitrag über
"Frauen, Quoten und Gelehrte" aber hat uns mit Herrn Joffe komplett
versöhnt. Fast möchten wir ihn heftig herzen dafür! Es geht um jenen
Präsidenden der Havard-Universität, der ein paar Fragen nach dem Sinn
von Frauenförderung und Quotierung stellte - und der seither einem
landesweiten Schauprozess unterzogen wird. Dabei waren seine Fragen
weder dumm noch platt. Er wollte unter anderem mal wissen, wie man eine
Eliteuniversität als solche aufrecht erhalten soll, wenn man gezwungen
wird, die akademischen Kapazitäten je nach Gruppenzugehörigkeit und
nicht nach der Qualität ihrer Arbeit einzustellen. Joffe kommentiert
dies unter anderem so: "Hätte Summers gesagt, dass 95 Prozent aller
hyperaktiven Kids Jungen sind, dass viermal mehr Jungen als Mädchen mit
Legasthenie oder Lernproblemen kämpfen, wäre nichts passiert. Und schon
gar nicht, hätte er auf die gewaltige Überzahl von Männern in den
Kerkern dieser Welt verwiesen. Werden die auch diskriminiert?" Der
Lesebefehl für den Monat März: http://www.zeit.de/2005/09/B-Harvard

Einen dagegen völlig nichtssagenden Beitrag über mangelnde Linientreue
und Kampfkraft der weltweiten Frauenbewegungen durfte Christa
Wichterich in der "taz" schreiben. Einen kurzen Absatz wenigstens
fanden wir witzig: "In den Ländern des Nordens ist für junge Frauen der
Feminismus abgefrühstückt. Die Landgewinne durch drei Jahrzehnte
Frauenrechtspolitik von oben und feministische Kämpfe von unten
ermöglichen ihnen ein Selbstbewusstsein und Lebenschancen, von denen
ihre Großmütter nur träumten. Dies erzeugt aber vertrackterweise auch
die Illusion, dass Diskriminierungs- und Gewaltstrukturen mit ein
bisschen individueller Anstrengung zu meistern und kollektive Kämpfe
für Rechte nicht mehr vonnöten sind." Immerhin rutscht es einer dieser
Damen endlich mal raus, dass es auch Frauen heute in Deutschland recht
gut geht! http://www.taz.de/pt/2005/02/28/a0154.nf/text (Einen Tag
später schrieb Frau Wichterich übrigens in etwa denselben Artikel noch
einmal: Minimax-Strategie in Sachen Zeilengeld.
http://www.taz.de/pt/2005/03/01/a0174.nf/text )

Die "Süddeutsche" sieht sogar einen regelrechten Trend zu einem
Retro-Spießertum: "Die erschreckenden Studien wissen von immer mehr
25-jährigen Akademikerinnen, die ihren Platz am heimischen Herd und bei
Aufzucht und Hege der lieben Kleinen sehen; die glauben, ihre
ökonomische Unabhängigkeit auch deshalb ohne weiteres aufgeben zu
können, weil ihre Generation in joblosen Zeiten wie diesen gar keine
Freiheit mehr erwerben könne. Passend dazu wird von immer mehr
27-jährigen Männern erzählt, die sich in härtere Karrieren fügen, weil
ihnen die Frauen zuhause ,den Rücken frei halten'. Dass derlei Denken
der patriarchalischen Vergangenheit entlaufen ist, scheint zusätzlich
von modisch-spießigem Reiz zu sein - eben der Abgrenzung zuliebe." Was
WIR da jedoch immer zu bedenken geben: Aus unterhaltsrechtlichen
Gründen kann man wirklich keinem Mann dazu raten, dieses perfide Spiel
mitzumachen. Wird diese Ehe geschieden, ist er ruiniert! Wenn schon,
dann sollte Mann sich fragen, ob es nicht NOCH provokativer und hipper
wäre, wenn ER zuhause bei den lieben Kleinen bleibt und Madame mal was
arbeiten lässt.
http://www.sueddeutsche.de/,kulm3/kultur/artikel/585/48537/

Vor fast anderthalb Jahren gab der Jugendamtmitarbeiter Heribert Giebels
aus gegebenem Anlass dieses Interview, das sich mit
Kompetenzüberschreitungen in den Jugendbehörden kritisch auseinander
setzte: http://www.zeit.de/2003/26/Giebels Seither wurde Giebels nach
Kräften gemobbt, schließlich wegen "Störung des Betriebsfriedens" quasi
strafversetzt. Über viele Monate hinweg wurde Giebels wegen seines
couragierten Verhaltens auch im Kinderschutzbund, dessen
stellvertretender Landesvorsitzender er im Saarland war, geschnitten.
http://www.skifas.de/SaarbrueckerZeitung2.html Inzwischen ist Heribert
Giebels zermürbt von dieser Funktion zurückgetreten. Soviel zum
Kinderschutzbund.

Wer übermorgen nichts Besseres zu tun hat, könnte mal dem Deutschen
Bundestag sein Ohr leihen. Das ist nicht ganz so interessant wie die
Champion's League, aber im Laufe dieses Donnerstags geht es um ein
heikles Thema, das euch interessieren wird: die Vaterschaftstests.
http://www.aerztezeitung.de/docs/2005/03/02/038a1604.asp?cat=/geldundrecht/recht
sowie http://www.eifrei.de/vater.pdf

Schließlich eine Bitte in eigener Sache. Wir sind schon häufiger
angesprochen worden, inwiefern man unser literarisches Schaffen durch
Spenden unterstützen kann. Aber erstens macht uns das Spaß, und
zweitens geht es uns finanziell überwiegend ganz gut. Wenn dennoch ihr
UNS mal eine Freude machen wollt, was wir nach 82 GuteLauneInfos zum
Nulltarif sehr anständig fänden, so tut dies - soweit ihr könnt - bitte
in Form einer großzügigen Spende an das Berliner Kinderprojekt "Arche"
(die natürlich auch steuerlich geltend zu machen ist.) Bankverbindung
und Informationen zu diesem Projekt findet ihr unter
http://www.kinderprojekt-arche.de/index.html Leider sind im teilweise
prekären sozialen Milieu der deutschen Hauptstadt Kinderprojekte wie
dieses dringend nötig. Die "Arche" stach für uns nicht zuletzt dadurch
positiv hervor, dass dort Jungen und Mädchen gleich angesehen werden.
Was ja heute nicht mehr selbstverständlich zu sein scheint.

Pünktlich zum Internationalen Frauentag wollen wir RotenMänner auch zum
Gelingen dieses großartigen alljährlichen Rituals beitragen: mit diesem
SuperSonderRoteMännerFrauentagInfo! Tatsächlich stehen - in mehr oder
weniger betrüblichen Kontexten - Frauen im Mittelpunkt unserer heutigen
Erörterungen. Also zieht euere Kravatten gerade und macht den Hosenstall
zu! - Oh, um das nicht zu vergessen: Unser Verteiler erneuert sich
gerade wieder dramatisch, und wir hoffen, unsere Neuabonennten haben
bei ihrem Besuch auf unserer Homepage bereits gelernt, dass die
RotenMänner beides sind: kritisch-informativ UND hin und wieder ein
ganz klein wenig böse. Der Unterricht soll Freude machen. Uns
jedenfalls. Und hin und wieder auch euch. Also dann:

1. Ein Beitrag aus Amerika wirft ein erhellendes Bild auf die dortige
Geschlechterdebatte. Wendy McElroy von den "independent feminists"
setzte sich mit Warren Farrells Buch "Warum Männer mehr verdienen"
auseinander.
2. Das bingt uns im fließenden Übergang zum Antidiskriminierungsgesetz,
das im Bundesrat einen ersten Dämpfer erhielt. Wir sind einerseits
erleichtert, andererseits enttäuscht, versprechen wir uns doch vom ADG
die Vollendung einer deutschen Satirerepublik.
3. In Berlin wurden in vier Monaten sechs "Ehrenmorde" verzeichnet.
Keine Dunkelziffern, keine Schätzungen, sondern konkrete, grausame
Morde. Aber die Empörung darüber wäre glaubwürdiger und dauerhafter,
wenn nicht schon wieder die Frauenhaus-Mafia politischen Honig daraus
saugen wollte...

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WARUM MÄNNER MEHR VERDIENEN
(von Wendy McElroy - Original unter
http://www.foxnews.com/story/0,2933,148407,00.html - Übersetzung: J.B.)

(Vorbemerkung zur Übersetzung: Den Begriff "affirmative action" wurde so
beibehalten. Auf Deutsch könnte man von Maßnahmen sprechen, die hier
gelegentlich als "positive Diskriminierung" bezeichnet werden - wenn
für tatsächliche oder unterstellte Diskriminierung Entschädigungen
geleistet werden. In den USA scheint das jedenfalls heute gang und gäbe
zu sein.)

"Warum Männer mehr verdienen. Die überraschende Wahrheit hinter der
Behauptung von ungleichem Lohn - und was Frauen dagegen unternehmen
können" ist Warren Farrells neues Bucht und eine faszinierende Lektüre.
Es hat einen heftigen und vorhersagbaren Streit darüber ausgelöst, was
die "Lohnlücke" verursacht, durch die durchschnittliche weibliche
Beschäftigte angeblich etwa 80 Cent verdienen für jeden Dollar, den ein
Mann bekommt.

Was ich allerdings als Farrells kontroversesten Punkt ansehe, wird nicht
aufgelöst, nämlich die Frage: Sollten Frauen "affirmative action" - also
eine staatlich festgelegten Diskriminierungsentschädigung - in Anspruch
nehmen, um die Lohnlücke auf dem freien Markt zu schließen und mehr
Geld zu erhalten? Farrell, der sich normalerweise für Männerrechte
einsetzt, sagt ja! Er gibt detaillierte Ratschläge darüber, wie dies
geht: zum Beispiel über steuerfinanzierte Zuschüsse und andere
Programme, die für Männer nicht verfügbar sind.

Der erste Teil des Buches dreht sich um die Widerlegung der
feministischen Behauptung von einer generellen Lohnlücke, insbesondere
der Ansicht, diese resultiere aus einer schwerwiegenden Benachteiligung
von Frauen am Arbeitsplatz. (...)

Erstens zitiert er Forschungsergebnisse und ausführliche
Regierungszahlen, um zu zeigen dass Frauen bei der Konkurrenz um
denselben Job nicht selten auch mehr anstatt weniger Geld bekommen als
Männer. Farrell vergleicht die Startgehälter für akademisch
ausgebildete Männer und Frauen in 26 Beschäftigungskategorien, vom
Investment-Banker bis zum Diätberater. In einer Kategorie werden Frauen
gleich bezahlt; in allen anderen Kategorien überstiegen die
Startgehälter der Frauen die der Männer: Das Startgehalt einer
Investment-Bankerin betrug 116 Prozent im Vergleich zu dem eines
Mannes. Eine Diätassistentin verdiente beim Jobeinstieg sogar 30
Prozent mehr als ein männlicher Kollege, konkret 23.160 $ im Vergleich
zu 17.680 $.

Zweitens analysiert Farrell die Datengrundlagen, die eine Lohnlücke
zulasten der Frauen bestätigen. Anstatt darin jedoch eine Form der
Unterdrückung zu sehen, erläutert er sie als einen Ausdruck der freien
Berufswahl. Dies erklärt er so: Frauen bevorzugen im Allgemeinen
Anstellungen mit kürzeren und flexibleren Arbeitszeiten, um ihre
familiären Tätigkeiten damit vereinbaren zu können. Verglichen mit
Männern bevorzugen sie Jobs mit einem geringen Gefahrenpotenzial,
kurzem Arbeitsweg sowie solche, die in erster Linie soziale Fähigkeiten
voraussetzen. Solche Jobs bringen grundsätzlich weniger Geld. Den
Rückschluss auf eine Benachteiligung weist Farrell zurück, weil hier
nicht berücksichtigt werde, dass weibliche Beschäftigte andere
Präferenzen bei der Berufswahl zum Ausdruck bringen.

Der Männerrechtler Carey Roberts benennt einen solchen Unterschied:
"Nach Informationen aus dem Amt für Arbeitsstatistik arbeiten
vollerwerbstätige Männer durchschnittlich 45 Stunden wöchentlich,
Frauen dagegen 42 Stunden. Mehr als zweimal soviele Männer wie Frauen
arbeiteten mindestens 50 Stunden pro Woche."

Die Wahlmöglichkeit in Bezug auf den Lebensstil erklärt zum Teil die
Tatsache, dass man Frauen in einzelnen Berufen gar nicht findet -
besonders in solchen mit hohem Gefahrenpotenzial. Roberts rechnet vor:
"92 Prozent aller tödlichen Berufsunfälle treffen Männer. Warum? Weil
bei den gefährlichsten Berufsarten - Feuerwehr, Kraftfahrer, Hochbau
und Bergbau - laut dem Amt für Arbeitsstatistik 96 bis 98 Prozent der
Beschäftigten Männer sind."

Farrell glaubt dennoch, dass Frauen ebenso hohe Einkommen erreichen
können wie Männer und in "Männerjobs" einsteigen können, wenn sie dies
nur wollen. Entsprechend gibt er den Frauen praktische Ratschläge, die
durchaus sehr nützlich scheinen. Allerdings sträuben sich mir die
Nackenhaare, wenn Farrell erklärt, wie man an staatlich finanzierte
Privilegierungen gelangt auf Kosten von Männern, die dann nicht nur
gegen gedrückte Löhne zu konkurrieren haben, sondern auch noch Steuern
zahlen sollen für Programme, die sie selbst von jeder Förderung
ausschließen.

Unter der Überschrift "Risikozulage ohne Risiko" rät Farrell den Frauen,
gefährliche Jobs ruhig zu übernehmen. Sie könnten dort dieselbe
Bezahlung erreichen wie Männer, ohne den entsprechenden Risiken
ausgesetzt zu sein - weil Unternehmer, die gezwungen wären Frauen zu
beschäftigen, diese in der Regel dennoch von riskanten Tätigkeiten
ausnähmen. Auf diese Weise, erklärt Farrell, bekämen Frauen zwar den
Bonus für lebensgefährliche Jobs, müßten aber gar kein größeres Risiko
als im Alltag eingehen.

Farrell rechnet vor, dass Frauen zum Beispiel "beim Militär 15 Prozent
des aktiv Dienst tuenden Personals ausmachen sowie zehn Prozent der im
Irak stationierten Truppen." Allerdings seien nur 2,6 Prozent der im
Irak getöteten Soldaten weiblich. Tatsächlich "haben Frauen bei der
Marineinfanterie und den Luftstreitkräften sogar eine hunderprozentige
Chance, zurückzukehren." Weil nämlich eine junge Frau "sich viel
seltener für die Übernahme gefährlicher Aufgaben entscheidet bzw. damit
beauftragt wird."

Farrell erklärt warum die Sicherheit von Frauen eine andere Priorität
hat. "Ob auf einem Fischerboot in Alaska oder im amerikanischen
Militär, das Leben eines Mannes ist wegen der Neigung der Männer,
Frauen zu schützen, und wegen der Neigung der Frauen, sich selbst (und
die Kinder) zu schützen, stets erheblich größeren Gefährdungen
ausgesetzt." Kurz, Männer gehen größere Risiken ein, um ihre weiblichen
Kollegen zu schützen. Farrell nennt diesen männlichen Beschützerinstinkt
"rührend".

(Tatsächlich wollen viele Frauen in dem Job, den sie übernommen haben,
gar nicht auf diese Weise abgeschirmt werden. Andere finden es
unerträglich, dass ihnen unterstellt wird, sie wären nicht in der Lage,
auf demselben Niveau wie ein Mann zu arbeiten. Diese Frauen wollen das
Regelwerk nicht ausnutzen. Sie wollen es ändern!)

Aber noch ein weiterer Faktor verstärkt eine Situation, in der mit dem
Leben von Männern leichtfertiger umgegangen wird: der Gesetzgeber.
Tatsächlich genießen Frauen selbst in der freien Wirtschaft deutlich
stärkere Bemühungen um ihre Sicherheit und Unversehrtheit - aus Angst
vor einer Prozesslawine bei Verletzungen, wie etwa beim Umgang mit
chemischen Substanzen oder anderen Belastungen während einer möglichen
Schwangerschaft. Eine Regierung, die auf der Grundlage von Geschlecht
oder Rasse diskriminiert, verletzt grundlegende Rechtsprinzipien. Das
Gesetz muss für alle Menschen gleichermaßen Geltung besitzen!

Dies ist der Kern meiner Kritik: Farrell glaubt noch an "affirmative
action" und rät daher jungen Frauen, die Regeln des Systems
auszunutzen, um auf diese Weise mehr Geld zu machen. Ich lehne diese
"affirmative action" ab und versuche darum, dieses System zu zerstören,
um Gerechtigkeit zu schaffen. Trotz dieser Einwände möchte ich "Warum
Männer mehr verdienen" empfehlen - und werde es sicher noch häufiger in
die Hand nehmen.

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Soweit Wendy McElroy! Allerdings fragten wir uns bei der Übersetzung
ihres Texts - und der zitierten Passagen aus Farrells Buch - immer
öfter, ob sie Farrell nicht eine Ernsthaftigkeit unterstellt, die
tatsächlich eher schon bitterer Sarkasmus sein könnte nach dem Motto:
"Na los doch, Mädels, ihr kriegt den Puderzucker doch sowieso hinten
und vorne reingeblasen, greift zu! Ist es nicht ein Wahnsinn, wie ihr
überall bevorzugt werdet? Dafür zwar kleine Lohneinbußen in Kauf nehmen
müsst, aber auch das erheblich angenehmere Leben führt? Hey, ihr könnt
dafür in diesem schönen Land auch noch staatliche Zulagen in Anspruch
nehmen. Nehmt einfach alles, das ist doch sowieso das, was ihr am
besten könnt!" Jedenfalls müsste das Buch nach unserer Ansicht jeder
Frau, die Farrell so versteht wie Wendy McElroy, eher den Magen
umdrehen als sie überzeugen, ernsthaft staatliche Zulagen in Anspruch
zu nehmen. Oder sind jetzt etwa WIR naiv? Möglicherweise. Auf unsere
Nachfrage bestätigte Wendy, sie habe Warren sicher nicht falsch
verstanden, kenne ihn als Freund recht gut, und er sei halt ein
"liberal" - was in den USA quasi ein Sozialdemokrat ist. (Sie selbst
verstehe sich dagegen als "libertarian". Das liegt uns RotenMännern
inzwischen auch näher. Sofern Kategorien da weiterhelfen!)

Eine interessante Illustration lieferten vergangene Woche die Agenturen
mit der Feststellung, es gebe in Deutschland inzwischen mehr Frauen im
öffentlichen Dienst als Männer: "1960 hatte die Frauenquote lediglich
27 Prozent betragen. (.) Relativ wenig Frauen sind bei der Polizei (23
Prozent) und bei der Bundeswehr (4 Prozent) zu finden. (.) Entsprechend
ihren Tätigkeitsfeldern (aha!) sind Frauen überwiegend in mittleren
Gehaltsgruppen eingestuft."
http://www.taz.de/pt/2005/03/04/a0082.nf/text

Jana Hensels neofeministisches Lamento in der "Zeit" bekommt vor dem
Hintergrund dieser Informationen eine ganz eigene Note: "Im Angesicht
von mehr als fünf Millionen Arbeitslosen werden sich die Chancen der
Frauen am Arbeitsmarkt nicht erhöhen, man wird froh über jede sein, die
zu Hause bleibt." heißt es da.
http://www.zeit.de/2005/10/Titel_2fFrauen_10 Der erste Teil des Satzes
stimmt zwar nicht, ist aber auch nicht völlig falsch, nur dass es
Männern am Arbeitsmarkt tatsächlich längst schlechter geht als Frauen!
Gerade deswegen wollen wir dem zweiten Teil der Behauptung auch nicht
völlig widersprechen. Aber wir erneuern unser Angebot an die Frauen:
Ernährt IHR doch in Zukunft UNS. Mal sehen, wie lange ihr das dann
klaglos mitmacht!

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DAS "ANTIDISKRIMINIERUNGSGESETZ":
POSITIVE DISKRIMINIERUNG UND NEUDEUTSCHER DUMMSPRECH

"Liberal" bedeutet in Amerika heute, wie wir gesehen haben, jedes
staatliche Hilfsangebot auf Biegen und Brechen in Anspruch zu nehmen:
"Nehmt, was ihr kriegen könnt!" Unser aller Bundeskanzler brandmarkte
dies vor einigen Monaten noch zutreffend als "Mitnahmementalität".
Gleichwohl scheut er sich derzeit offenbar nicht, neue Anreize dafür im
Rahmen des "Antidiskriminierungsgesetzes" schaffen zu wollen. Das, was
die Amerikaner unter dem Namen "affirmative action" schon länger
praktizieren, soll im Rahmen dieses Gesetzes wohl auch bei uns
implementiert werden. Paragraf 5 des Gesetzentwurfs sieht "positive
Maßnahmen" vor - also gezielte Fördermaßnahmen zum Ausgleich von
Diskriminierung.

Welche Büchse der Pandora mit diesem Projekt geöffnet wird, machen die
eilfertigen Forderungen deutlich, die jetzt in Bezug auf das
Antidiskriminierungsgesetz (ADG) seitens der Sachwalter des
neudeutschen Dummsprechs erhoben werden. Das "Netzwerk der
Antidiskriminierungsbüros in NRW" (wer mag sich nur dahinter
verbergen?) erklärte in einer Depesche an den Gesetzgeber unter
anderem: "Der in der Gesellschaft häufig auftretenden Diskriminierung
zwischen Privatpersonen wird in dem Gesetzentwurf nicht Rechnung
getragen. Hierzu ist eine Differenzierung und Spezialisierung des
Beleidigungs- und Volksverhetzungstatbestandes im Strafgesetzbuch
dringend erforderlich. Die rechtlichen Möglichkeiten gegen derartige
Rechtsverletzungen vorzugehen, sind nach bisherigem Recht noch völlig
unzureichend."

In Zukunft soll also offenbar jede Animosität unter Privatpersonen
strafrechtlich darauf abgeklopft werden, ob möglicherweise einer oder
alle beide Streitparteien minderheitenrelevant zuzuordnen sind. Nur:
Was passiert, wenn ein Türke und ein Schwarzer sich beharken, oder ein
Jude und ein Palästinenser? Dann muss wohl demjenigen Recht gegeben
werden, dessen Benachteiligungsprofil das höchste
Diskriminierungspotenzial hergibt - etwa wenn der Palästinenser eine
Frau (und womöglich auch noch lesbisch) ist und Sozialpädagogik
studiert hat. Überdies gibt obengenanntes Netzwerk zu Protokoll, das
Wort "Rasse" dürfe in einem deutschen Gesetz (wohl wegen der historisch
bedingten Konnotation) nicht vorkommen. Das tut es aber schon längst: Im
Grundgesetz, Art 3, Absatz 3. Dieser Artikel IST im Übrigen ein
Antidiskriminierungsgesetz, das absolut ausreichend sein sollte!

Ulrich Greiner beschreibt die zugrundeliegende Psychose unserer
Gesellschaft in seinem Aufsatz "Polizei im Kopf", den die "Zeit" am 3.
März veröffentlichte, aber leider nicht online stellte: "Es scheint
nun, als ertrügen wir diese Freiheit nicht. ... Es genügt uns nicht,
dass Homosexuelle kaum mehr geächtet werden - wir verlangen die
staatliche Anerkennung einer privaten Neigung, bis hin zum
Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Es genügt uns nicht,
dass Merkmale der ethnischen Herkunft, des Geschlechts oder des Alters
im öffentlichen Comment kaum noch Anlass von Missachtung oder
Herabsetzung sind - wir verlangen ein Gesetz (...), das die völlige
Gleichbehandlung herbeiführt.... All dies läuft sozusagen darauf
hinaus, dass der Staat, den wir zum Sozialingenieur gemacht haben, mein
gutes Benehmen anleitet und kontrolliert. Früher wäre allein ich dafür
zuständig gewesen, dass meine Kinder zu geachteten Menschen
heranwachsen.... Heute hingegen kümmern sich unzählige staatliche
Agenturen, vom Sozialamt bis zur Drogenberatung, um die geschwächte
Familie, und Verordnungen aller Art schützen und pflegen den raren
Nachwuchs: den Gesundheitszustand, den Transport im Auto, die richtige
Ausstattung beim Radfahren und die Aufnahme bekömmlicher Nahrung."

Selbst die, die eigentlich vom ADG politisch bedient werden sollten,
sind mehr als skeptisch. Auf der Homepage der Schwulenzeitschrift
"gigi" erfahren wir: "Wie solche ,Antidiskriminierungspolitik'
bestenfalls zu einer Skandalisierung tatsächlicher oder bloß vermuteter
abweichender Sexualität führen kann, las man im Februar im Kölner
Szenemagazin Up Town im TV-Tip zur Serie ,Boston Public': ,Im
Football-Team geht es drunter und drüber: Der Linebacker Bobby Renfroe
soll schwul sein, weshalb die anderen Spieler nicht mehr mit ihm
duschen wollen. Coach Riley steht nun vor einem schweren Dilemma:
Zwingt er die Mannschaft dazu, mit Bobby im selben Waschraum zu
duschen, kann er sich auf eine Klage wegen sexueller Belästigung gefaßt
machen; grenzt er Bobby aus, droht eine Klage wegen Diskriminierung.'
Schöne ADG-Welt." http://www.gigi-online.de/start.html

Das Größte überhaupt war aber der Bericht "Kein Hund für Lesben", den
wir im Newsletter des Männerrates fanden: "Wie Queer.de unter Berufung
auf dpa berichtet, komme in Schweden möglicherweise eine Hundezüchterin
vor Gericht, weil sei einem lesbischen Paar nicht den ins Auge gefaßten
Welpen verkaufen will. Der staatliche ,Ombudsmann gegen Diskriminierung
wegen sexueller Neigungen' prüfe derzeit eine entsprechende Anzeige.
Laut Queer.de hatten ,die als Paar zusammenlebenden Frauen' der
Züchterin Interesse am Kauf eines im Internet angebotenen
Golden-Retrievers bekundet und zunächst eine Zusage erhalten. ,Als die
Züchterin gewahr wurde, daß sie ihren Welpen einem homosexuellen Paar
übergeben sollte, änderte sie ihre Meinung sofort und endgültig', so
Queer.de unterm unzulässig verallgemeinernden Titel ,Kein Hund für
Lesben'."

Der Bundesrat hat am 18. Februar das Gesetz erst mal abgelehnt.
Irgendwie schade, scheint es doch als seien wir auf dem Weg in die
endgültige Satirerepublik vorläufig auf einem Abstellgleis gelandet.
Selbst bei der SPD gibt es erste Absetzbewegungen gegen das vor allem
von den Grünen betriebene (und verglichen mit den EU-Vorgaben angeblich
übertriebene) Projekt. Einige Sozialdemokraten haben es satt, wegen der
Klientelpolitik ihres Koalitionspartners bei Wahlen ständig abgestraft
zu werden. Schrieben etliche Zeitungen am 4. März. Neue Töne! Wurde
Zeit.

Allerdings meldeten sich umgehend die sozialdemokratischen Frauen mit
der Forderung, das ADG jetzt nicht zu verwässern. Denn nur "mit dem ADG
haben Frauen in Zukunft eine wirkungsvollere Handhabe gegen
Benachteiligungen und Diskriminierungen in der Arbeitswelt sowie gegen
sexuelle Belästigung." Und was war bisher?

***********************************************************

MUSLIMISCHE DORFMORAL IN DER BERLINER MODERNE

In Berlin grassiert derzeit eine ganz andere Pest. Innerhalb von vier
Monaten wurden sechs junge Türkinnen ermordet. Die Erkenntnis über die
zugrundeliegenden Motive dauerte. Das Fass lief erst über, als die
23jährige Hatun Sürücü mutmaßlich von ihren drei Brüdern auf offener
Straße erschossen wurde. Die offenbare Motivationslage der Täter macht
den Mord noch ein bisschen abscheulicher, als ein Mord gemeinhin
ohnedies ist. Hatun Sürücü hatte es gewagt, so zu leben, wie das in
Berlin eigentlich nicht außergewöhnlich ist für eine 23jährige.
Deswegen wurde sie von der eigenen Familie ermordet. Die aufgeregte
Debatte, die sich in der Folge entwickelt, ist also durchaus
nachvollziehbar. Sie macht aber deutlich, dass dieser Fall in
Deutschland etwas darstellt, das von jeder Art krimineller Normalität
meilenweit entfernt ist. Und es hoffentlich bleibt! Auch der (eher
fortschrittliche) Türkische Bund Berlin-Brandenburg hat sich inzwischen
eindeutig geäußert und bekannte sich zum Selbstbestimmungsrecht von
Frauen. http://www.taz.de/pt/2005/02/26/a0327.nf/text Und die
"Süddeutsche Zeitung" konstatiert eine "muslimische Dorfmoral in der
Berliner Moderne".
http://www.sueddeutsche.de/,tt4m3/ausland/artikel/506/48458/

Jörg Lau schrieb in der "Zeit" eine bedrückende Reportage zum Mord an
Hatun Sürücü und den anderen fünf Türkinnen, die seit Oktober in Berlin
umgebracht wurden, um eines geisteskranken Ehrbegriffs willen.
http://www.zeit.de/2005/09/Hatin_S_9fr_9fc_9f_09 Bislang machte dieser
Autor eher als Verteidiger von Männerrechten auf sich aufmerksam. Auch
ihm ist klar, dass es nicht nur um eine Reihe von Verbrechen geht,
sondern auch um eine ausgesprochen politische Frage: Die pauschale
Diffamierung von Männern, gegen die auch wir ankämpfen, speist ihren
Erfolg nicht zuletzt aus Gewalttaten wie den eben in Berlin geschehenen
- und fast mehr noch aus deren schwachsinnigen Motiven. Diese Gewalt ist
konkret, es geht hier nicht um die Schätzungen, Dunkelziffern und
Opfermythen, die wir so gerne lächerlich machen. Die Opfer sind nämlich
real und haben Namen!

Dass es auch beim Thema Ehrenmord um STRUKTUREN - genauer:
Denkstrukturen - geht und nicht nur um Geschlechterzugehörigkeit,
machte in einem Interview die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Agkün
deutlich. Und zwar in erfreulicher Klarheit: "Wir denken falsch. Wir
meinen: Die türkischen Männer, die sind die Täter, bei denen müssen wir
ansetzen. Dabei sind es die Frauen, die ihre Söhne in diesem Denken
erziehen. Oft sind sie die treibende Kraft beim Ehrenmord. Sie stacheln
ihre Söhne gegen die Schwiegertochter auf."
http://www.taz.de/pt/2005/02/25/a0109.nf/text

Vielleicht war dies auch ein Grund, weshalb in Berlin über die üblichen
Verdächtigen der Geschlechterdebatte zunächst fast nichts zu hören war
- nicht mal die gängige ritualisierte Verdammung der Männer! Es dauerte
über drei Wochen, bevor zu einer Kundgebung "gegen Gewalt an Frauen"
aufgerufen wurde, einschließlich des aufschlussreichen Satzes: "Der
Aufruf richtet sich an Frauen und Männer." Was sehr liebenswürdig ist,
billigt dies doch den Männern zu, nicht ausnahmslos Tätergeschlecht zu
sein. http://www.taz.de/pt/2005/03/03/a0269.nf/text

Wir möchten nicht wissen, wie lange über diesen Satz gestritten werden
musste! Denn letztlich konnten sie's eben doch wieder nicht lassen, in
ihrem Aufruf das Chaos und die eigene friedfertige Naivität zu
beschwören: "Ein Mord als Spitze von Unterdrückung, Demütigung und
Gewalt. In unserer Stadt werden unzählige Frauen von ihren Partnern und
Familienangehörigen beschimpft, geschlagen, missbraucht und sogar
getötet. Wir wollen, dass das aufhört." Wenn man einen solchen
Scheißdreck lesen muss, verliert man schlagartig die Lust, sich mit dem
Problem weiter zu befassen. Das ist ein Teil eines anderen Problems,
nämlich des Idioten-Feminismus. Gar zu ungern möchte man mit den
Verursachern dieser Exkremente auf derselben Demo gesehen werden. Man
sollte dem Impuls im Grundsatz dennoch widerstehen, denn die Opfer, die
zu beklagen sind und Solidarität verdienen, können wirklich nichts für
politische Parasiten, die aus ihrem Tod Kapital schlagen möchten! Und
für die "beschimpft" mit "missbraucht" und "getötet" in einer Reihung
steht.

Es geht bei dem Thema nebenbei auch um Fremdenhass. Aber diesmal nicht
gegen Ausländer, sondern gegen Deutsche, denen die jungen Frauen zu
nahe gekommen und denen sie zu ähnlich geworden sind. Der Satz, den sie
sich offenbar mehrheitlich anhören mussten, warf ihnen vor, sie lebten
und redeten schon "wie eine deutsche Schlampe". Wer so redet, sollte
selbst die naheliegendste Konsequenz ziehen. Und wenn er sie nicht
selbst zieht, dem sollte dabei geholfen werden. .falls das
Antidiskriminierungsgesetz das nicht untersagt.

Mit Kriminalität, mit Mordfällen zumal, wird seit jeher Politik gemacht.
Manche mögen dies geschmackvoll finden. Es sind auch genug Männer
darunter. Ausgerechnet die Berliner CDU, selbst gerade wieder von
einigen Fällen platter Fremdenfeindlichkeit in der eigenen traditionell
schwer rechtslastigen Organisation gebeutelt, ergriff forsch die
Gelegenheit und forderte für den Todestag der jungen Türkin ein
landesweites Gedenken, einen Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Die "taz"
wies trocken darauf hin, dass es das schon gibt. Im November.
http://www.taz.de/pt/2005/02/24/a0261.nf/text Na eben, wird sich die
Berliner CDU gedacht haben: Aber noch nicht im Februar. Was hirnlose
Gutwilligkeit angeht, lässt sich in der Politik ungern einer vom
Anderen übertreffen.

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Zwei, die wir gerne als RoteMänner ehrenhalber ansehen würden, sind
gestorben. Arthur Miller war ein Linker, der schon aufgrund seiner
Generation, Jahrgang 1915, mit der political correctness wenig anfangen
konnte, und der deswegen immer auch liberal geblieben ist, ein Vertreter
von Toleranz und Anstand, ganz im Gegensatz zum sozialfeministischen
Kryptostalinismus der postmodernen Eiferer. Mit "Der Tod des
Handlungsreisenden" schrieb Miller ein literarisches Denkmal für all'
die Männer, die in Zeiten der Krise an der von ihnen allein
geschulterten Verantwortung im bürgerlichen Idyll zerbrechen.
"Hexenjagd" hieß Arthur Millers Auseinandersetzung mit Leuten, die ihre
Wertvorstellungen absolut setzen, im deutschen Titel. Im zeitlichen
Kontext der Veröffentlichung ging es um die konservative Hatz des
Senators McCarthy, der allüberall Kommunisten witterte. Die "Hexen",
die der Hatz zum Opfer fielen, sind (ebenso wie diejenigen, die sie in
den Tod jagen) auch bei Miller nicht nur weiblich. Ein Anflug des
denunziatorischen Kotzgeruchs des McCarthyismus, wie ihn Arthur Miller
in "Hexenjagd" beschrieb, liegt auch in Zeiten des
Antidiskriminierungsgesetzes wieder in der Luft.
http://www.zeit.de/2005/08/L-Miller_Nachruf

Ein anderer Autor, ja ein ganz anderer, war Hunter S. Thompson - dem in
allen Nachrufen das Etikett des "Gonzo-Journalismus" umgehängt wurde,
den er, mehr aus der Not geboren, erfunden hatte. Tatsächlich schrieb
Thompson, bildlich gesprochen, unter vollem Körperseinsatz. Dass die
"taz" ausgerechnet diesen Spot von ihm dokumentierte, interpretieren
wir bei diesem Blatt eher als sublime Erleichterung darüber, dass
Thompson tot ist, denn als Trauer:
http://www.taz.de/pt/2005/02/22/a0192.nf/text

Und noch ein Anderer wurde schon ein paarmal totgesagt. Sorry, Freunde,
das muss auch an dieser Stelle einfach raus und bejubelt werden: Nach
12 Jahren gibt es am 21. März wieder eine neue Scheibe von Billy Idol.
Das Leben hat einen neuen Sinn! Ihm zu Ehren haben wir den größten Fan
des "rude Dude" in seiner ganzen Begeisterung auf unsere Homepage
www.rotemaenner.de genommen.

Dennoch: Die Lage ist ernst: "Bereits in zwei Milliarden Jahren wird es
auf der Erde so warm sein, daß es nirgendwo mehr Eis geben wird. Werden
auf einem solchen Planeten noch Menschen leben können?"
http://www.welt.de/data/2005/03/02/552507.html Gute Frage. Und
schlechte Zeiten für unsere Gelaterias. Nirgends mehr ein Eis! Aber
warum sollten dann keine Menschen mehr leben? Es wird ihnen womöglich
sogar viel besser gehen, weil endlich Schluss damit ist, dass Frauen
ständig wegen kalter Füße nörgeln und miese Laune schieben. Was also
soll bloß wieder diese ewig negative Sicht der Dinge in Deutschland?
Andererseits steht zu fürchten, dass Bayern München in zwei Milliarden
Jahren noch ziemlich oft deutscher Meister wird. DAS ist wirklich
schrecklich!

Findet sehr entschieden
euer RedManAlex
(am Internationalen Frauentag 2005)

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diskreditiert und beeinträchtigt wird, wie er in allen relevanten
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