Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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SPIEGEL ONLINE - Mahnwache für ermordete Türkin

Ekki, Tuesday, 22.02.2005, 23:07 (vor 7651 Tagen)

SPIEGEL ONLINE - 22. Februar 2005, 20:10
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,343155,00.html

Mahnwache für ermordete Türkin

"Alles Liebe in einer anderen Welt"

Von Florian Peil
Rund 100 Menschen haben sich heute zu einer Mahnwache für die vor zwei Wochen erschossene Hatin Sürücü versammelt. Politiker verschiedener Parteien würdigten den Mut der Getöteten und forderten die islamischen und türkischen Gemeinschaften auf, einen klaren Standpunkt zum Thema Frauenrechte einzunehmen.

Berlin - "Warum? Wieso? Weshalb?", steht auf einem handgeschriebenen Zettel. "Alles Liebe in einer anderen Welt", heißt es in einem anderen. Beide Blätter liegen zwischen Blumen und weiteren Briefen auf Deutsch und Türkisch in einem Beet nahe dem Tatort, einer Bushaltestelle in Berlin-Tempelhof.

Hier war Hatin Sürücü am 7. Februar 2005 erschossen worden. Mehrere Kugeln hatten sie so schwer getroffen, dass sie noch am Tatort starb. Kurz darauf verhaftete die Polizei drei ihrer Brüder. Die Ermittler befürchten einen so genannten Ehrenmord. Denn Hatin Sürücü hatte sich von ihrem türkischen Mann scheiden lassen und sich von ihrer Familie losgesagt. Sie wollte ihr eigenes Leben leben.

"Wir akzeptieren nicht, dass Menschen, die in dieser Stadt ihr eigenes Leben führen, ermordet werden", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin Marieluise Beck (Grüne) in ihrer Rede. Hatin Sürücü verdiene Respekt, weil es ihr gelungen sei, sich aus einer "unbarmherzigen Tradition" zu befreien - einer Tradition, die es "in unserer Welt" nicht geben dürfe. "Beziehungstaten sind keine Privatsache und nicht durch Religion oder Tradition zu rechtfertigen", so Beck.

Sie empfinde "tiefe Trauer" über die Tat, sagte die Berliner Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates in ihrer Rede. Ein "archaisch-traditioneller Ehrbegriff" habe zu einer "Hinrichtung" Hatin Sürücüs geführt. "Menschenrechte sind aber keine kulturelle Eigenheit, sie gehören allen - auch jungen muslimischen Frauen", sagte Ates.

Für beide Rednerinnen gab es kräftigen Applaus - vor allem von den anwesenden Frauen: deutschen, türkischen und afrikanischen. "So eine Tat muss man heutzutage eigentlich nicht mehr erleben", sagte Nursen Karakaya. Ihre ganze Familie unterstütze diese Mahnwache, so die Türkin.

Auch türkische Männer sind gekommen, wenn auch deutlich weniger als Frauen. "So etwas darf es nicht geben", sagt Serkan Turan. Was Hatin mit ihrem Leben gemacht habe, gehe niemanden etwas an. Der 22-jährige Türke war ein Arbeitskollege der Ermordeten - und ist von ihrem Tod sichtlich getroffen.

Auch der Schulleiter der Thomas-Morus-Oberschule in Berlin-Neukölln, Volker Steffens, und einige Schüler nahmen nach Angaben der Veranstalter an der Mahnwache teil. Der Rektor hatte in einem offenen Brief Aussagen einiger Schüler kritisiert, die den Mord an Hatin Sürücü gutgeheißen hatten.

Die SPD-Landtagsabgeordnete Dilek Kolat forderte die islamischen und türkischen Organisationen in Deutschland dazu auf, endlich eine klare Position zum Thema Frauenrechte zu beziehen und sich "für ein selbst bestimmtes Leben der Frauen" einzusetzen.

Auch wenn es bis dahin noch ein wenig dauern sollte - die deutschen Medien hat die Ermordung von Hatin Sürücü auf jeden Fall wachgerüttelt. "Derartige Morde sind nichts Neues", sagt Öczan Mutlu, Bildungsexperte der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Doch jetzt seien die Medien sensibilisiert für das Thema und die Behörden wachgerüttelt. "Die Presse geht endlich offen und ohne falsche Toleranz mit dem Thema um", so Mutlu. "Das zeigt der Seite, die Ehrenmorde billigt, dass wir sie nicht tolerieren." Um solchen Taten künftig zu verhindern, müsse die Gesellschaft an einem Strang ziehen. Eine Patentlösung gebe es nicht.

Mutlu fordert zum Beispiel die Einführung eines obligatorischen "Werte vermittelndes Fachs" an den Schulen. "Wir müssen bei den Leuten im Kopf etwas ändern - die müssen so etwa wirklich verinnerlichen." Denkbar wäre auch die Änderung der Ausländer-Gesetzgebung: "Frauen dürfen nicht ihren Aufenthaltsstatus verlieren, wenn sie sich scheiden lassen."

Irgendwie freut es mich ja...

Lorenz, Wednesday, 23.02.2005, 19:04 (vor 7651 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: SPIEGEL ONLINE - Mahnwache für ermordete Türkin von Ekki am 22. Februar 2005 21:07:11:

...wenn ich die armen linken Zecken jetzt in ihrem Dilemma verzweifeln sehe:

Denn Multikulti feiern UND gleichzeitig noch Frauenrechte zu fordern geht nunmal leider nicht! Bisher wurde dieses Thema ja totgeschwiegen und jeweils auf Einzelfälle (einige wenige Beispiele "emanzipierter" islamischer Frauen und pseudo "Alle-Sind-Freunde"-Beispiele irgendwelcher kulturübergreifender Szenarien) verwiesen. Z.B. "Trommelfeste" in Stadtparks etc.

Nur leider sieht die Wirklichkeit völlig anders aus: ein Großteil der islamischen Frauen würde gerne die "Rechte" haben, die europäische Frauen bereits im ausgehenden Mittelalter hatten.
Und nur weil paar Deutsche beim Türken um die Ecke Gemüse kaufen und Döner fressen, bedeutet das noch bei Weitem keine friedliche Koexistenz der Kulturen nebeneinander: paar Ecken in der Hauptstadt (bzw. jeder anderen Großstadt) weitergefahren und schon ist man im Ausländer-Ghetto!

Tja, und je mehr das ganze zu Kochen beginnt, desto mehr kriegen die verträumten linken Bonzen zwangsläufig mit, ob sie wollen oder nicht...
ich denke, eine so scharfe Kritik am Islam in Deutschland wie in dem Artikel gab es seitens der Grünen (!) noch nie!

Dumm gelaufen: der Traum ist so langsam ausgeträumt.
Genau wie für die Frauen, die sich mit 20 durch's Leben vögelten, Männer verarschten etc. und für die mit Mitte 30 auch ein ganz böses Erwachen kommt... es sei denn, sie haben Kinder und einen Zahl- und Prügelknaben und überhaupt Sündenbock für alles, was in ihrem Leben so schief lief (sprich Ex-Mann).
Das gilt es zu ändern!

gruß
Lorenz

SPIEGEL ONLINE - 2 kleine Anmerkungen

Ralf, Wednesday, 23.02.2005, 19:19 (vor 7651 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: SPIEGEL ONLINE - Mahnwache für ermordete Türkin von Ekki am 22. Februar 2005 21:07:11:

Mutlu fordert zum Beispiel die Einführung eines obligatorischen "Werte vermittelndes Fachs" an den Schulen. "Wir müssen bei den Leuten im Kopf etwas ändern - die müssen so etwa wirklich verinnerlichen."

Wäre ich zwar nicht prinzipiell dagegen, halte es aber für ein äußerst zweischneidiges Schwert. Man müsste zumindest verdammt aufpassen, wer da welche Werte vermittelt. Bei der gegenwärtig herrschenden Situation kann ein solches Fach in nullkommanix zur staatlich verordneten Gleichschaltung und Zwangsgehirnwäsche durch Emanzen verkommen.

Denkbar wäre auch die Änderung der Ausländer-Gesetzgebung: "Frauen dürfen nicht ihren Aufenthaltsstatus verlieren, wenn sie sich scheiden lassen."

Tun sie nach nur 2 Jahren eh nicht mehr. Eine noch weitere Fristverkürzung dürfte m.E. eher Scheinehen fördern.

Gruß Ralf

Re: SPIEGEL ONLINE - 2 kleine Anmerkungen

Ekki, Wednesday, 23.02.2005, 23:45 (vor 7650 Tagen) @ Ralf

Als Antwort auf: SPIEGEL ONLINE - 2 kleine Anmerkungen von Ralf am 23. Februar 2005 17:19:05:

Hallo Ralf

Mutlu fordert zum Beispiel die Einführung eines obligatorischen "Werte vermittelndes Fachs" an den Schulen. "Wir müssen bei den Leuten im Kopf etwas ändern - die müssen so etwa wirklich verinnerlichen."

Wäre ich zwar nicht prinzipiell dagegen, halte es aber für ein äußerst zweischneidiges Schwert. Man müsste zumindest verdammt aufpassen, wer da welche Werte vermittelt. Bei der gegenwärtig herrschenden Situation kann ein solches Fach in nullkommanix zur staatlich verordneten Gleichschaltung und Zwangsgehirnwäsche durch Emanzen verkommen.

Sehr richtig! Eine der größten Gefahren bei jeder Reform ist, vom Regen in die Traufe zu kommen.

Gruß

Ekki

Re: Irgendwie freut es mich ja...

Ekki, Thursday, 24.02.2005, 00:02 (vor 7650 Tagen) @ Lorenz

Als Antwort auf: Irgendwie freut es mich ja... von Lorenz am 23. Februar 2005 17:04:33:

Hallo Lorenz!

...wenn ich die armen linken Zecken jetzt in ihrem Dilemma verzweifeln sehe:
Denn Multikulti feiern UND gleichzeitig noch Frauenrechte zu fordern geht nunmal leider nicht!

Diese Argumentation ist m.E. nur dann logisch konsequent, wenn du der islamischen Kultur jede Möglichkeit einer Weiterentwicklung in Richtung auf die europäischen Werte hin absprichst.

Das wäre sehr traurig und meiner Meinung nach auch zu pessimistisch, vor allem, wenn man bedenkt, wie lange wir in Europa gebraucht haben, bis wir bei dem heute gelebten Freiheitsbegriff angekommen sind. Auf dem Weg zu diesem Freiheitsbegriff haben unsere Vorfahren immer wieder schwere Rückschläge hinnehmen müssen. Und auch heute noch ist dieser Freiheitsbegriff jederzeit bedroht, wenn wir ihn nicht engagiert verteidigen.

Eben deshalb aber müssen wir meiner Auffassung nach alles tun, um die unter uns lebenden Menschen aus dem islamischen Kulturkreis an unserer Freiheit teilhaben zu lassen - ohne Illusionen und Euphorie, aber mit Ausdauer.

Ob allerdings die Grünen der beste Katalysator für diesen Prozeß sind - das ist eine ganz andere Frage.

ein Großteil der islamischen Frauen würde gerne die "Rechte" haben, die europäische Frauen bereits im ausgehenden Mittelalter hatten.

Allerdings! Siehe die obige Bezugnahme auf die europäische Geschichte.

Genau wie für die Frauen, die sich mit 20 durch's Leben vögelten, Männer verarschten etc. und für die mit Mitte 30 auch ein ganz böses Erwachen kommt... es sei denn, sie haben Kinder und einen Zahl- und Prügelknaben und überhaupt Sündenbock für alles, was in ihrem Leben so schief lief (sprich Ex-Mann).

Eben! Und diese Sorte Frauen sortiere ich in einer ganz anderen Schublade ein als das arme türkische Mordopfer, daß meiner Meinung nach keine Häme, sondern nur Mitleid verdient hat.

Gruß

Ekki

Re: Irgendwie freut es mich ja...

Lorenz, Thursday, 24.02.2005, 18:14 (vor 7650 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Re: Irgendwie freut es mich ja... von Ekki am 23. Februar 2005 22:02:55:


Eben! Und diese Sorte Frauen sortiere ich in einer ganz anderen Schublade ein als das arme türkische Mordopfer, daß meiner Meinung nach keine Häme, sondern nur Mitleid verdient hat.

Seh ich genauso! Nur meiner Ansicht nach ist es wie du sagt geradezu hämisch, wenn sich die politisch korrekten Gutmenschen in ihren sicheren Bereichen verschanzen und die Augen vor dieser Wirklichkeit verschließen!
Natürlich KANN der Islam sich weiterentwickeln und er wird es auch. Nur soetwas ist normalerweise ein Prozess von Jahrhunderten.
Nun ist die Frage, wie man reagieren soll, wenn zwei Welten so drastisch aufeinanderprallen.
Und da finde ich es beachtlich, daß die Grünen zumindest nach außen hin eine klare Ansage gemacht haben.
Denn ansonsten ist aus diesem Lager eher nur weichgespültes Gewäsch zu hören, was wir (die 'Täternation') ja so alles Aufregendes von anderen Kulturen lernen können.

Der Punkt, den ich meine ist ja nur: wo -wenn nicht sonst- als beim Thema _FRAUEN(-RECHTE)_ hört der Spaß wohl auf?

Warum werden prügelnde, randalierende, dealende bis hin zu mordenden Gangs, die aus der ganzen Welt in unsere Vorstädte importiert werden toleriert, kaum wird aber ein Mädchen ein Opfer kochen die Gemüter!
Wie gesagt, ich finde das ganze sowieso schlimm. Aber ich weise nur darauf hin, daß die Herren und vor allem Damen in Berlin erst ein totes MÄDCHEN brauchen, um die schon längst bestehenden Mißstände in der Gesellschaft zumindest nur zu erahnen!

gruß
lorenz

@Lorenz - Re: Irgendwie freut es mich ja...

Ekki, Thursday, 24.02.2005, 21:58 (vor 7649 Tagen) @ Lorenz

Als Antwort auf: Re: Irgendwie freut es mich ja... von Lorenz am 24. Februar 2005 16:14:03:

Hallo Lorenz!

Volle Zustimmung.

Man darf nur gespannt sein, wie lange die eindeutige Ansage der Grünen anhält.

Ich erinnere mich, daß am 12. September 2001 sage und schreibe Claudia Roth den Satz von sich gab: "Amerika hat ein Recht auf Vergeltung."

Als die USA dann dieses Recht ausübten, schwand die Zustimmung bei den linken Gutmenschen ebenso schnell, wie sie gekommen war.

Wär' zu schön, wenn's diesmal anders käme.

Gruß

Ekki

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