Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Presseinformation pro-Test.net

Odin, Wednesday, 16.02.2005, 16:25 (vor 7658 Tagen)

Stellungnahme von www.pro-Test.net - Das Netzwerk pro Vaterschaftstests - zu den Vorschlägen von CSU und FDP und den jüngsten Äußerungen von Frau Zypries zum Verbot von Vaterschaftstests. Mit der Bitte um Weiterverbreitung in den jeweiligen Presseverteilern, Zeitungsmedien, TV, Newslettern und Internetforen.

Beratung statt Bevormundung

Frau Zypries deutet in einigen Interviews an, dass sie darüber nachdenkt, gerichtliche Tests zu erleichtern. Dies ist jedoch kein neuer Gedanke. Bereits Mitte letzten Jahres war davon zu hören. Warum dieser Gedanke wieder fallen gelassen wurde, ist verwunderlich und es entsteht der Eindruck, dass die Ministerin ursprünglich nicht bereit war, den betroffenen Männern auch nur ein kleines Stück entgegen zu kommen und sie dies jetzt nur tut, weil sie die Betroffenheit dieser Männer und der Bevölkerung allgemein in dieser Frage völlig falsch eingeschätzt hat. Es geht ihr nun darum, den Teil ihres Gendiagnostikgesetzes zu retten, der Vaterschaftstests betrifft, obwohl das Meinungsbild der Bevölkerung deutlich zeigt, dass sie hier an dieser Bevölkerung vorbei regiert.

Auch die Stellungnahmen der CSU (Beate Merk) und der FDP (Knut Steinhäuser) und deren Änderungsvorschläge gehen in diese Richtung: Anstatt nun völlig neu über diese Frage nachzudenken, wird durch kleine Änderungen versucht, wenigstens ein großes Unrecht zu verhindern und in ein kleines umzuwandeln.

Viele betroffene Männer werden in dem Gesetzesvorschlag der CSU und der FDP eine Lösung für sich finden. Insofern gehen beide Vorschläge in die richtige Richtung. Beide Vorschläge - und auch der von Frau Zypries - sehen eine Vereinfachung der gerichtlichen Prüfung der Vaterschaft vor. Ein eigener Rechtsanspruch des Vaters auf Wissen um seine Vaterschaft, wie von der CSU gefordert, ist dringend notwenig. Damit ist vielen Männern sicherlich schon geholfen. Auch, dass die Vaterschaft nicht automatisch aberkannt werden muss, wenn der Test negativ ist, ist für viele betroffene Männer eine Erleichterung. Die Vorschläge von CSU und FDP sehen darüber hinaus nur eine Informationspflicht der Mutter des Kindes gegenüber vor. Die Familie wird jedoch immer noch bei allen Gesetzesvorschlägen mit ihrem Problem alleine gelassen.

Frau Zypries spricht noch darüber, dass es eine Person geben muss, die deutlich die Interessen des Kindes in dieser Frage vertritt. Damit erwägt sie erstmals, dass die Interessen der Mutter mit den Interessen des Kindes in dieser Frage nicht übereinstimmen und die Forderung nach einer “Erlaubnis“ der Mutter dann wohl auch gegen die Interessen des Kindes verstoßen könnte. Undenkbar ist für sie aber nach wie vor, dass die Interessen des Mannes hier deutlich vor anderen Interessen höher zu bewerten sind. Damit verlässt sie auch das Recht jedes Bürgers, vor einer Straftat geschützt zu werden.

Ebenso unvorstellbar ist für sie, dass die Sicherheit um die eigene Abstammung zu einem Grundrecht des Kindes gehört.

Hier ist auch der Kritikpunkt bei allen anderen Gesetzesvorschlägen und Äußerungen der Politiker zu dieser Frage: Niemand hat auch nur im entferntesten daran gedacht, dass es hier auch darum geht, den Bürger vor einer Straftat zu schützen und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um diesen, in dieser Frage wohl absolut mangelhaften, Schutz zu verbessern. Es geht in jedem Vorschlag nur darum, die Folgen dieses Verbrechens zu lindern - und zwar nur für eines der Opfer und möglichst auch für die Täterin, aber niemals für das männliche Opfer. Anstatt diese Person als feige zu diffamieren - wie es geschehen ist - sollte darüber nachgedacht werden, wie diesen Menschen geholfen werden kann. Die Äußerungen der CSU vom “offenen Visier”, wenn die Partnerin vom Test informiert wurde, lassen darauf schließen, dass Verletzungen eingeplant sind und die Angst vor den Verletzungen der Familie, viele Männer davon abhalten soll, einen Vaterschaftstest machen zu lassen. Auch hier hat also der Schutz der Täterin Vorrang vor dem Schutz eines der Opfer. Ein beispielloses Vorgehen!

Männer, die trotz dieser Hürde einen Test machen lassen, sehen sich und ihre Familie mit dem Ergebnis alleine gelassen - Dramen, die sich dann abspielen sind einkalkuliert, womöglich gar erwünscht um die Zahl der Tests möglichst klein zu halten und die damit vertuschten Verbrechen weiter ignorieren zu können. Besonders betroffen sind nach wie vor diejenigen Männer, die - gar nicht feige, aber verantwortungsbewusst - ihre Familie nicht mit ihrem, womöglich unbegründeten, aber dennoch nicht zu verleugnenden und belastenden Verdacht, gefährden wollen.

Nicht berücksichtigt sind außerdem die hohen Kosten eines gerichtlich angeordneten Tests. Schon jetzt melden sich Männer mit dem Problem, sich auch einen privaten Test nicht leisten zu können. Ein gerichtlich angeordneter Test kostet um das zehnfache eines privaten Test. Den betroffenen Männern wird also noch mal eine weitere Hürde aufgebaut. Sicherheit nur für wohlhabende Rüpel?

Die Befürchtung bleibt, dass kein Politiker an dem Schutz der Opfer vor der Straftat interessiert ist. Dies ist aber die Aufgabe des Staates. Damit kann er auch der einzelnen Person verbieten, mit illegalen Mitteln für den eigenen Schutz sorgen zu müssen. Jeder, der Männer- und Väterarbeit macht, weiß aber um das Gefühl der Männer, zu wenig bis gar keinen Schutz vor Straftaten durch den Staat zu erfahren. Dieses Gefühl findet nur im Moment am Bespiel des Verbots von Vaterschaftstests seine deutlichste Ausprägung - aber beileibe nicht die einzige.

Das, was hier mit den betroffenen Männern geschehen ist, ist ein Verbrechen und muss auch so benannt werden dürfen. Dem Schutz dieser Männer ist absoluter Vorrang einzuräumen. Die Folgen dieses Verbrechens sind nicht diesen Männern anzulasten. Dieses Verbrechen darf nicht unterstützt werden, um dessen Folgen abzumildern oder zu vermeiden. Ein anderer Weg muss gefunden werden, um weitere Schäden - für die beiden Opfer, aber auch für die Familie insgesamt - zu vermeiden, bzw. zu mildern.

An dieser Stelle ist es dringend geboten, darauf hinzuweisen, dass ein Beratungsangebot zu diesem Thema bislang völlig fehlt. Diese Beratung braucht einen männlichen Berater (Männer-/Väterbüros), richtet sich aber auch an betroffene Frauen und natürlich an “Kinder” jeden Alters. Das Ziel soll sein, Beratung schon bei den ersten Zweifeln anzubieten, bis hin zu therapeutischer Hilfe bei Männern, die feststellen, dass “ihr Kind” nicht ihr Kind ist. Sie soll ergebnisoffen sein, also als Ziel nicht unbedingt den “heimlichen” Test haben. Oberstes Ziel soll aber sein, die Schäden für die beiden Opfer möglichst gering zu halten, bzw. Zweifel beim Mann zu zerstreuen und damit die Basis für eine auf Sicherheit gegründete Vaterschaft zu legen.

Es gilt, die Unterstützung der Politik für dieses Ziel einzufordern!

Wolfgang Wenger

Dipl.Soz.-päd. (FH)

www.pro-Test.net - Das Netzwerk pro Vaterschaftstests

www.majuze.de - Männer- und Jungenzentrale in Rosenheim

Schwaigerweg 1

85625 Baiern

Tel+Fax: 0700 majuzede (0700 62589333)

powered by my little forum