Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Hintergrund: Verbrecher kommen in den Knast - Verbrecherinnen in die Psychatrie

Robert, Tuesday, 15.02.2005, 20:01 (vor 7659 Tagen)

Um den o.g. Thread (Link siehe unten) mit einigen Gedanken zu unterfüttern:

Es gehört wohl zu den stärksten Tabus dieser Gedanken-Diktatur namens "Political Correctness", dass eine Frau niemals als Mutter und gleichzeitig als Verbrecherin gegenüber ihrem eigenen Kind gedacht werden darf. Lieber wird ihr Tun als krankhaft dargestellt. Wenn es nur um reine Semantik ginge, wäre es nicht so schlimm. Fatalerweise hat diese Haltung aber die Konequenz, dass non-konformes Verhalten von Müttern gegenüber ihren Kindern (in nicht-politisch-korrekter-Übersetzung: "Kindesmisshandlung") nicht als Straftat verfolgt, sondern als Krankheit einer Behandlung unterzogen wird. Der Staat nimmt also nicht seine Schutzfunktion ein, um das Kind vor noch größerem Schaden zu bewahren, sondern er versucht die Täterin zu "heilen", um dem Kind "die Mutter zu erhalten".

Gruß
Robert

PS.: Dazu hier einige Zitate aus dem Kriminologisches Journal 1991, S. 125
Strafrecht für Männer, Psychiatrie für Frauen / Kips
(...)
Die Hüter des Strafrechts sowie viele Kriminologen sind davon überzeugt, daß sich Frauen in bezug auf das Gesetz konformer als Männer verhalten. Diesen Schluß ziehen sie gleichermaßen aus den Kriminalstatistiken, den Ergebnissen der Erhebungen über selbstberichtete Delinquenz und aus den Opferforschungen.
(...)
Denn während einerseits ein Unterschied zwischen Frauen und Männern vorausgesetzt wird, der gewichtiger ist, als derjenige, der in der Kriminalstatistik erscheint, werden auf der anderen Seite die Produzenten der Kriminalstatistiken fälschlicherweise als geschlechtsneutral begriffen. Wenn viele Jahrhunderte später eine Historikerin unser Zeitalter untersuchen wird, stößt sie vielleicht auf die Gefängnisse. Sie findet bestimmte Gebäude, die überwiegend mit männlicher Population besiedelt sind. Diese Gebäude sind gut bewacht, aber nicht nur der Ausgang wird kontrolliert, sondern fast noch strenger der Eingang. Die Erlaubnis, das Gebäude zu betreten, stellt das Ergebnis einer langen, mit Ritualen durchsetzten Prozedur dar, die von einem umfangreichen bürokratischen Apparat in Gang gehalten wird. Sie wird feststellen, daß dieser Apparat eine Selektion zwischen denjenigen, die dieses Gebäude betreten dürfen und denjenigen, die keinen Zutritt haben, vornimmt, und daß das wichtigste Kriterium dieser Selektion das Geschlecht ist. Eben diese selektive “Bevorzugung" der männlichen Klientel seitens strafrechtlicher Organe ist ein Punkt, den die traditionellen Erklärungen der Frauenkriminalität außer Acht lassen.
(..)
An dieser wichtigen Feststellung lassen sich weiterführende Fragen anknüpfen. Die nächstliegende ist, warum das Strafrechtssystem nur an männlicher Klientel interessiert ist. Damit hängt die Frage zusammen, warum Frauen nur in so geringem Ausmaß betroffen sind. Kann es sein, daß Frauen keinem solchen mächtigen Instrument der sozialen Kontrolle, wie es das Strafrecht darstellt, unterworfen sind?
(...) Dabei wird deutlich, daß es die Psychiatrie ist, die - als Pendant zum Strafrecht - die soziale Kontrolle über Frauen oder besser gesagt, über ihre Arbeit, ausübt. Die psychiatrische Wissenschaft befaßt sich mit der Beziehung von Leib und Seele und scheint vielleicht deshalb schon besonders geeignet, dasjenige Konzept von Frauenrolle zu bestätigen, das Frauen an ihr biologisches “Schicksal" bindet. Psychiatrische Patientinnen können als Frauen betrachtet werden, die die Grenze der “typisch weiblichen Rolle" überschritten haben.
(...)
Gefängnisse sind vorwiegend mit jungen, arbeitslosen Männern bevölkert, die sich der Erwartung widersetzt haben, die unvorteilhaftesten Arbeitsplätze mit geringer Bezahlung zu akzeptieren. Das Gefängnisregime orientiert sich an der Maxime des disziplinierten und produktiven Lebens und unterstützt dadurch den ökonomischen Status quo.
(...)
Beide Richtungen, sowohl die funktionale Analyse des Gefängnisses als auch die empirischen Forschungen, lassen erkennen, warum so wenige Frauen in den Kriminalstatistiken erscheinen. Zum einen beziehen sich die meisten strafrechtlichen Tatbestände gar nicht auf Frauen.
(..)
Gerade die am häufigsten angewendeten Tatbestände des Strafrechts beziehen sich auf Bereiche, die fast ausschließlich von Männern besetzt sind oder ihrer “Ausstattung" entsprechen: die Wirtschaft - und darunter verstehe ich nicht die Wirtschaftskriminalität, sondern vor allem den Diebstahl und den Drogenhandel - sowie die Anwendung körperlicher Gewalt3. Bereiche, die von Frauen besetzt sind, wie das Kindergebären, die Kindererziehung, die Pflege der Männer, die Haushaltung und das Unterhalten von (Familien-)-Beziehungen, finden sich im Strafrecht so gut wie nicht. Probleme, Konflikte und unerwünschtes Verhalten in diesen Bereichen werden nicht kriminalisiert. Deshalb sind Frauen gar nicht in der Lage, einen kriminellen Status zu erhalten.
(...)
Diese Einsichten stehen im Einklang mit der These, daß das Strafrecht eine Institution zur Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Ordnung ist. Die Antwort auf die Frage, warum es sich so wenig mit Frauen befaßt, heißt dann kurz und bündig: weil sich das Strafrecht nicht zum Ziele setzt, die Arbeit von Frauen zu kontrollieren.
(...)
Frauen werden nämlich weit häufiger als Männer psychiatrischen Definitionen der Abnormalität unterworfen. In psychiatrischen Anstalten sind viel mehr Frauen als Männer eingeschlossen;

Link "Geschlechterjustiz"

sehr interessanter link ! (n/t)

Scipio Africanus, Tuesday, 15.02.2005, 20:31 (vor 7659 Tagen) @ Robert

Als Antwort auf: Hintergrund: Verbrecher kommen in den Knast - Verbrecherinnen in die Psychatrie von Robert am 15. Februar 2005 18:01:33:

Vordergrund

Cleo, Wednesday, 16.02.2005, 01:32 (vor 7658 Tagen) @ Robert

Als Antwort auf: Hintergrund: Verbrecher kommen in den Knast - Verbrecherinnen in die Psychatrie von Robert am 15. Februar 2005 18:01:33:

"Sollte sich der Zustand der Frau wieder bessern, könnte sie später jedoch wieder vor Gericht gestellt werden."

Das stand auch in dem Artikel. Anscheinend macht ihr euch keine Gedanken um psychisch kranke Menschen. Kranke Gewaltäter kommen auch erstmal in die Klapse.

Re: Hintergrund: Verbrecher kommen in den Knast - Verbrecherinnen in die Psychatrie

Nikos, Wednesday, 16.02.2005, 16:29 (vor 7658 Tagen) @ Robert

Als Antwort auf: Hintergrund: Verbrecher kommen in den Knast - Verbrecherinnen in die Psychatrie von Robert am 15. Februar 2005 18:01:33:

Frauen werden nämlich weit häufiger als Männer psychiatrischen Definitionen der Abnormalität unterworfen. In psychiatrischen Anstalten sind viel mehr Frauen als Männer eingeschlossen;<

Davon halte ich nichts, weil daß zu der nführt, daß Männer einfach schlechtere Menschen sind, nur weil sie öfter in den Knast sitzen.

Nikos

Re: Vordergrund

Hintergrundleser, Wednesday, 16.02.2005, 23:13 (vor 7658 Tagen) @ Cleo

Als Antwort auf: Vordergrund von Cleo am 15. Februar 2005 23:32:43:

"Sollte sich der Zustand der Frau wieder bessern, könnte sie später jedoch wieder vor Gericht gestellt werden."

Zugegeben ist das natürlich schwachsinnig, weil sich Persönlichkeitstörungen nicht mal eben wieder bessern. Aber immerhin erhält sie die Gnade, nicht in den Knast zu müssen, solange sie krank ist. Und in den wird sie wahrscheinlich nie gehen müssen. Ein Mann wäre hier 150%ig zur Rechenschaft gezogen worden.
Weil Männer von der Justiz härter bestraft werden, sind in den Psychatrien die "schuldunfähigen" Frauen in der Überzahl. Man schätzt, daß bis 2050 ca. 30-40 Prozent der männlichen Amerikaner im Knast sitzen werden, wenn die Steigerungsrate dieselbe bleibt. Oder waren es 50-60 Prozent? Jedenfalls eine irre hohe Zahl und die Tatsache alleine geht mir seit 12 Jahren nicht mehr aus dem Kopf.

Das stand auch in dem Artikel. Anscheinend macht ihr euch keine Gedanken um psychisch kranke Menschen. Kranke Gewaltäter kommen auch erstmal in die Klapse.

Das stimmt NICHT. Frauen erhalten IMMER einen Psycho-Bonus. Es gibt in meiner Erinnerung allerdings einige Ausnahmefälle mit spektakulären Schaugerichtsprozessen, in denen das nicht der Fall war, die allerdings dem Zweck der Abschreckung dienen sollten.

Folgend ein Beispiel, welches belegt, daß nicht einmal 12-jährige einen solchen Bonus erhalten, sondern es wird immer von uneingeschränkter Schuldfähigkeit ausgegangen, wenn der Täter nur männlich ist, obwohl klar ist, daß er stark depressiv war und unter Einfluss von starken Medikamenten gestanden hat (also Drogen):

männlich

Hier die gleichen Morde von einer 16-jährigen begangen:

weiblich

Mittlerweile verzichtet hier die Anklage auf die Höchststrafe, weil nicht von einem "professionellem Hintergrund" auszugehen ist (lächerlich). In der Mitte des Artikels liest es sich so, daß sie schon fast dafür freigesprochen wird.
Zugegeben etwas wackelig als "Beweis", denn der Fall ist nicht abgeschlossen, aber ich gehe jede Wette ein, daß die Anklage bereits ein warmes kuscheliges Bettchen vorbereitet und daß die Täterin mit einer Minimalstrafe davonkommen wird (Affekt), obwohl sie bei vollstem Bewußtsein war und nicht unter Drogen gestanden hat. Ok, das war jetzt z.T. Polemik ;-).

Frauen wird von der westlichen Justiz der Arsch gepudert, Männer lässt man langsam im Knast verrecken.

HL

Re: Vordergrund

Cleo, Thursday, 17.02.2005, 23:53 (vor 7657 Tagen) @ Hintergrundleser

Als Antwort auf: Re: Vordergrund von Hintergrundleser am 16. Februar 2005 21:13:20:

Frauen wird von der westlichen Justiz der Arsch gepudert, Männer lässt man langsam im Knast verrecken.
HL

Woran liegt das? Ich weiss es auch nicht. Aber das sind ja erschreckende Aussichten in den USA. Warum bist du da dran so interessiert an Amerika? Meinst wir bekommen alles aus den USA zu uns? Ich hoffe doch mal nicht. Deren Mentalität wird sich wohl hier nicht durchsetzen.

Cleo

Re: Vordergrund

Hintergrundleser, Friday, 18.02.2005, 15:38 (vor 7656 Tagen) @ Cleo

Als Antwort auf: Re: Vordergrund von Cleo am 17. Februar 2005 21:53:54:

"Woran liegt das? Ich weiss es auch nicht. Aber das sind ja erschreckende Aussichten in den USA. Warum bist du da dran so interessiert an Amerika?"

Die USA "interressieren" mich eigentlich nicht. Ich wollte nur ein Beispiel bringen, was den "Zeitgeist", dem auch wir unterliegen, vorführt. Es passte ganz gut, weil das, was dort in den USA so offensichtlich zutage tritt, hier ebenfalls schon wirkt, allerdings viel weniger offen und eindeutig.

"Meinst wir bekommen alles aus den USA zu uns? Ich hoffe doch mal nicht.
Deren Mentalität wird sich wohl hier nicht durchsetzen."

Wir haben ja eine ähnliche mit zweierlei Maß messende Justiz. Hatten wir schon immer, auch wenn wir Deutschen mehr dazu tendierten, von drakonische Strafen (wie die in den USA) abzusehen, zumindest in der Zeit nach dem Krieg. Männer werden mehr in die Verantwortung genommen, und die Mehrheit sind männliche Richter, die über diese Männer entscheiden. Ich kann da einen feministischen Einfluß nicht erkennen, zumindest bis 1980 nicht. Offensichtlich ist dieser Einfluß auch erst seit Zypries (und ihrer Vorgängerin?).
Ich glaube in dem Zusammenhang auch weniger an den sog. Zeitgeist (oder einem "Herüberschwappen" oder "Durchsetzen"), sondern mehr an das kollektive Unbewusste, in welchem uralte und unbereinigte Dinge nach "oben steigen", die sich in Handlungen überall zur gleichen Zeit manifestieren. Dinge, die sich nicht verhindern lassen und denen man lieber aus dem Weg gehen sollte, als sich mit Absicht vor die Räder zu werfen und zermalmt zu werden in dem irrigen Glauben, man könne irgendeine womöglich notwendige Entwicklung verhindern.

Cleo

Hintergrundleser

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