mal wieder in China...
Andreas, Tuesday, 15.02.2005, 10:57 (vor 7659 Tagen)
...Mehr als 200 Tote in chinesischer Kohlegrube. Natürlich alles Männer...
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,341790,00.html
Da frage ich mich, wieso im Zusammenhang mit China immer nur wirtschaftliche Ausbeutung von Frauen thematisiert wird.
Gruß
Andreas
Re: mal wieder in China...
Norbert, Tuesday, 15.02.2005, 12:22 (vor 7659 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: mal wieder in China... von Andreas am 15. Februar 2005 08:57:12:
...Mehr als 200 Tote in chinesischer Kohlegrube. Natürlich alles Männer...
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,341790,00.html
Da frage ich mich, wieso im Zusammenhang mit China immer nur wirtschaftliche Ausbeutung von Frauen thematisiert wird.
Gruß
Andreas
Hi
Habe ich auch heute morgen in den Nachrichten gehört.
Dabei fiel mir auf, daß in den Berichten, auch dem verlinkten, nur allgemein von Bergleuten o.ä. die Rede ist.
Wie erkennt man hier, welchem Geschlechts die Opfer angehören?
Schwierig.
Der eigentlich den Sachverhalt richtiger wiedergebende Begriff Bergmänner kommt nicht vor.
Gerade in diesem Beruf zeigt sich auch die große Solidarität der Bergmänner zueinander.
Diese riskieren auch ihre Gesundheit und Leben, um ihre Kollegen zu retten.
Und wissen, daß die anderen genauso handeln würden.
Gruß
Norbert
Re: mal wieder in China...
Nikos, Tuesday, 15.02.2005, 12:40 (vor 7659 Tagen) @ Norbert
Als Antwort auf: Re: mal wieder in China... von Norbert am 15. Februar 2005 10:22:13:
Der eigentlich den Sachverhalt richtiger wiedergebende Begriff Bergmänner kommt nicht vor<
WAS? Soll etwa deutlich werden, daß Männer ihr Leben riskieren UND verlieren, um ihre Familien durchzubringen?
Das wäre fatal für den Feminismus. Opferrolle ade!
Nikos
Re: mal wieder in China...
Expatriate, Tuesday, 15.02.2005, 13:19 (vor 7659 Tagen) @ Nikos
Als Antwort auf: Re: mal wieder in China... von Nikos am 15. Februar 2005 10:40:50:
WAS? Soll etwa deutlich werden, daß Männer ihr Leben riskieren UND verlieren, um ihre Familien durchzubringen?
Das wäre fatal für den Feminismus.
Es gibt in China keinen Feminismus. Die Maenner gehen ins Bergwerk, um mehr Geld zu verdienen als wenn sie 10 Stunden pro Tag im nassen Reisfeld stehen wuerden. Das wird dann von den Frauen gemacht.
Re: mal wieder in China...
Nikos, Tuesday, 15.02.2005, 13:53 (vor 7659 Tagen) @ Expatriate
Als Antwort auf: Re: mal wieder in China... von Expatriate am 15. Februar 2005 11:19:37:
Es gibt in China keinen Feminismus<
Der Bericht ist in Deutschland entstanden (Spiegel) und in Deutschland gibt es den (radikalen) Feminismus. Sollte man im Bericht über die Bergmänner schreiben, wären womöglich "Frauenverbände" (halbgebildete Zicken) empört, daß man nicht gleichzeitig (und völlig zusammenhanglos) über die arme Mütter in Deutschland schreibt, obwohl eine menstru-freie Tag im Monat viel Wichtiger sei, als läpische 200 tote "Bergleute" irgendwo in "doofen" China.
Nikos
Taiwan - VR China: 2 x Feminismus
Rüdiger, Wednesday, 16.02.2005, 02:32 (vor 7658 Tagen) @ Expatriate
Als Antwort auf: Re: mal wieder in China... von Expatriate am 15. Februar 2005 11:19:37:
WAS? Soll etwa deutlich werden, daß Männer ihr Leben riskieren UND verlieren, um ihre Familien durchzubringen?
Das wäre fatal für den Feminismus.
Es gibt in China keinen Feminismus. Die Maenner gehen ins Bergwerk, um mehr Geld zu verdienen als wenn sie 10 Stunden pro Tag im nassen Reisfeld stehen wuerden. Das wird dann von den Frauen gemacht.
Dazu gab's schon vor einigen Jahren einen interessanten Artikel in der FAZ: Frau - leicht emanzenhaft - kommt aus dem "bürgerlichen" Taiwan in die VR China und ist ganz begeistert, daß ihr überall, gemäß der kommunistischen Doktrin, im wirklichen Leben wie in den Schulbüchern, die berufstätige Frau begegnet, die auch in harten Jobs "ihren Mann steht" - "Toll, daß ihr es so weit gebracht habt! Da haben wir in Taiwan noch viel nachzuholen!" -, wundert sich aber, als ihren Ansichten nur kalte Antipathie entgegenschlägt. Schließlich bricht es aus einer "Volks-Chinesin" heraus: "Wir haben es satt! Wir MÖCHTEN gar nicht mehr in solche Jobs - wir wollen die Wahlfreiheit wie Ihr in Taiwan, die Wahlfreiheit Familie oder Beruf!" - also jene Wahlfreiheit, die die Männer nirgendwo haben, ergänzte ich schon damals in Gedanken ....
Gruß, Rüdiger
Re: mal wieder in China...
Andreas (d.a.), Wednesday, 16.02.2005, 12:52 (vor 7658 Tagen) @ Expatriate
Als Antwort auf: Re: mal wieder in China... von Expatriate am 15. Februar 2005 11:19:37:
Es gibt in China keinen Feminismus.
Hallo,
das stimmt einerseits, denn die KPCh hatte es sich ja auch auf die Fahne geschrieben, den Frauen die "Hälfte des Himmels" zukommen zu lassen. Allerdings bestehen da nach wie vor auch noch einige Defizite*, weshalb es auch von dieser Seite erste zurückhaltende Kritik am System gibt. Zumindest etabliert sich gerade - mit Hilfe westlicher Wissenschaftlerinnen - eine chinesische Frauenforschung, die insgesamt eher sehr existenzialistisch ausgerichtet ist. Feminismus wie hier findest Du dort sicher noch nicht, aber wenn Du mal nach "Nüshi Yundong" googelst, findest Du schon eine ganze Reihe (sehr unterschiedlicher) Ergebnisse.
*wobei natürlich zu fragen wäre, wer primär von welchen Strukturen profitiert
Re: mal wieder in China...
Nikos, Wednesday, 16.02.2005, 15:04 (vor 7658 Tagen) @ Andreas (d.a.)
Als Antwort auf: Re: mal wieder in China... von Andreas (d.a.) am 16. Februar 2005 10:52:20:
mit Hilfe westlicher Wissenschaftlerinnen<
Alice?
Nikos
Re: mal wieder in China...
Andreas (d.a.), Wednesday, 16.02.2005, 15:42 (vor 7658 Tagen) @ Nikos
Als Antwort auf: Re: mal wieder in China... von Nikos am 16. Februar 2005 13:04:10:
Alice?
Was? - Es gibt Kooperationen zwischen westlichen Frauenforscherinnen und chinesischen.
Re: mal wieder in China...
scipio, Tuesday, 15.02.2005, 12:55 (vor 7659 Tagen) @ Norbert
Als Antwort auf: Re: mal wieder in China... von Norbert am 15. Februar 2005 10:22:13:
Der eigentlich den Sachverhalt richtiger wiedergebende Begriff Bergmänner kommt nicht vor.
Gerade in diesem Beruf zeigt sich auch die große Solidarität der Bergmänner zueinander.
Also Norbert, Louis Trenker war doch nie in China ! :)
scipio
Kleiner Einwurf
Expatriate, Tuesday, 15.02.2005, 13:14 (vor 7659 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: mal wieder in China... von Andreas am 15. Februar 2005 08:57:12:
...Mehr als 200 Tote in chinesischer Kohlegrube. Natürlich alles Männer...
Aloha!
Natuerlich alles Maenner. Guck mal aus der Sicht des Betriebsleiters zu all diesen anstrengenden Berufen, die physische Kraft verlangen und unter der Praemisse, dass Frauen gleicher Lohn gezahlt werden muss.
Wuerdest Du eine Frau einstellen?
Natuerlich nicht, erstens schaffen sie nichts weg, zweitens sind sie 5 Tage pro Monat noch weniger zu gebrauchen als ohnehin schon.
Hast Du nur Maenner da, ist die Produktivitaet hoeher, und das zaehlt nunmal.
Andererseits hat sich gerade in China gezeigt, dass Frauen in Montageberufen, wo filigrane Sachen zusammengefummelt werden muessen und die nicht automatisierbar sind, im Akkord bessere Leistungen bringen als Maenner. Weil sie irgendwie disziplinierter arbeiten.
Bosch macht das z.B. mit Scheinwerfer-Einheiten, VDO mit den Cockpits fuer Autos. Diese Billigkaffeemaschinen fuer einen Euro von neulich werden sicher auch von Frauen montiert.
Nur mal mein bescheidener Einwurf zum Dienstag.
Cheers!
Re: Kleiner Einwurf
Andreas, Tuesday, 15.02.2005, 13:31 (vor 7659 Tagen) @ Expatriate
Als Antwort auf: Kleiner Einwurf von Expatriate am 15. Februar 2005 11:14:21:
Hallo Expatriate
Andererseits hat sich gerade in China gezeigt, dass Frauen in Montageberufen, wo filigrane Sachen zusammengefummelt werden muessen und die nicht automatisierbar sind, im Akkord bessere Leistungen bringen als Maenner. Weil sie irgendwie disziplinierter arbeiten.
Bosch macht das z.B. mit Scheinwerfer-Einheiten, VDO mit den Cockpits fuer Autos. Diese Billigkaffeemaschinen fuer einen Euro von neulich werden sicher auch von Frauen montiert.
Vergiß das! Sowas dachte ich früher auch. Als ich dann mal zu Beginn meines Studiums nebenbei bei Bosch gearbeitet habe, habe ich was anderes festgestellt. Das war in der Urlaubszeit und ich wurde immer dort eingesetzt, wo gerade Leute dringend gebraucht wurden. Unter anderem auch in einer Montageabteilung, in der normalerweise nur Frauen im Akkord arbeiten. Da ging es um kleine Ventile für Einspritzpumpen, die dort eingesetzt und geprüft wurden. Ich fing also mit meiner Arbeit an, einige Tage später kam eine Frau auf mich zu und gab mir den dezenten Hinweis, ich solle doch mal etwas langsamer arbeiten, weil ich den Akkordschnitt erhöhen würde. Die haben durchschnittlich täglich 800 Ventile durchgebracht, ich 1200. Dabei habe ich noch nicht mal schnell gearbeitet. Soviel zum Gerücht, Frauen würden bei Fitzelkram besser abschneiden.
Gruß
Andreas
Re: Kleiner Einwurf
Magnus, Tuesday, 15.02.2005, 13:47 (vor 7659 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Re: Kleiner Einwurf von Andreas am 15. Februar 2005 11:31:18:
Ich fing also mit meiner Arbeit an, einige Tage später kam eine Frau auf mich zu und gab mir den dezenten Hinweis, ich solle doch mal etwas langsamer arbeiten, weil ich den Akkordschnitt erhöhen würde. Die haben durchschnittlich täglich 800 Ventile durchgebracht, ich 1200. Dabei habe ich noch nicht mal schnell gearbeitet. Soviel zum Gerücht, Frauen würden bei Fitzelkram besser abschneiden.
Ist mir früher auch mal in einem Semesterjob passiert.
Magnus
Re: Kleiner Einwurf
Norbert, Tuesday, 15.02.2005, 15:28 (vor 7659 Tagen) @ Magnus
Als Antwort auf: Re: Kleiner Einwurf von Magnus am 15. Februar 2005 11:47:58:
Ich fing also mit meiner Arbeit an, einige Tage später kam eine Frau auf mich zu und gab mir den dezenten Hinweis, ich solle doch mal etwas langsamer arbeiten, weil ich den Akkordschnitt erhöhen würde. Die haben durchschnittlich täglich 800 Ventile durchgebracht, ich 1200. Dabei habe ich noch nicht mal schnell gearbeitet. Soviel zum Gerücht, Frauen würden bei Fitzelkram besser abschneiden.
Ist mir früher auch mal in einem Semesterjob passiert.
Magnus
Hi
Da habe ich auch noch eine Begebenheit aus meiner Jugend.
Ich arbeitete in den Sommerferien in einer Spielkartenfabrik.
Manche Spielkartensets waren zwar sortiert, standen aber ohne Trennung in Holzkästen.
Eine meiner Aufgaben war es, die Sets einzeln in Hüllen zu sortieren.
Mein Griff war so gut, daß ich nur selten eine Karte zuviel/zuwenig hatte.
Nun kam die Mutter meines Freundes, der auch hier in den Ferien arbeitete.
Sie war ganz entsetzt, ich hatte den Kasten so aufgestellt, daß ich mit der linken Hand die Karten holte. Obwohl ich Rechtshänder bin.
Sie stellte mir das um, so daß ich nun die Karten mit der rechten Hand holen mußte.
Nach einigen Minuten hatte ich dann festgestellt, daß es vorher viel besser gewesen war, und stellte mir es wieder wie zuvor auf.
Dabei blieb es dann auch.
Nach eine Sportverletzung der linken Hand (Bänderanriß) stellte ich dann fest, was ich alles mit der linken Hand tue.
Danach stufte ich mich als Beidhänder ein.
Es gibt Tätigkeiten, die ich fast ausschließlich mit links tue, andere fast ausschließlich mit rechts. Und bei weiteren, eben wie es gerade günstiger ist.
Gruß
Norbert
Re: Kleiner Einwurf
Scipio Africanus, Tuesday, 15.02.2005, 23:09 (vor 7658 Tagen) @ Norbert
Als Antwort auf: Re: Kleiner Einwurf von Norbert am 15. Februar 2005 13:28:22:
Es gibt Tätigkeiten, die ich fast ausschließlich mit links tue, andere fast ausschließlich mit rechts. Und bei weiteren, eben wie es gerade günstiger ist.
Gruß
Norbert
so nebenbei, finde ich interessant. Ich zeichne ausschliesslich mit links, schreibe aber mit rechts. Im ersten Schuljahr schrieb ich noch links, wechselte dann immer mehr auf rechts.
Wahrscheinlich gehören wir zu den wenigen Exemplaren des homo sapiens, die zwei intakte gehirnhälften haben .. ;)
scipio
Re: Kleiner Einwurf
Expatriate, Tuesday, 15.02.2005, 13:57 (vor 7659 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Re: Kleiner Einwurf von Andreas am 15. Februar 2005 11:31:18:
Hallo Expatriate
Die haben durchschnittlich täglich 800 Ventile durchgebracht, ich 1200. Dabei habe ich noch nicht mal schnell gearbeitet. Soviel zum Gerücht, Frauen würden bei Fitzelkram besser abschneiden.
Gruß
Andreas
Ich schaetze mal, das war in D'land mit deutschen Frauen, richtig? Ich bin ziemlich sicher, in einem Chinesischen Werk siehst Du selbst nach einem Vierteljahr Training gegen die Frauen keine Schnitte.
Oder in China? Das sollte mich echt wundern.
Cheers!
Re: Kleiner Einwurf
Norbert, Tuesday, 15.02.2005, 15:04 (vor 7659 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Re: Kleiner Einwurf von Andreas am 15. Februar 2005 11:31:18:
Hi Andreas
Soviel zum Gerücht, Frauen würden bei Fitzelkram besser abschneiden.
Gruß
Andreas
Es gab mal einen Beitrag, der sich darauf bezog, daß die weibliche Hand (im Durchschnitt) gewisse Beweglichkeitsvorteile hat.
Und deshalb für manche feine Arbeiten besser geeignet sei.
Was allerdings nur über die theoretische Möglichkeit etwas aussagt, nicht aber ob man diese dann auch tatsächlich in vollem Umfang nutzt.
Manche Dinge können z.B. meine Kinder besser als ich, weil ihre kleineren Hände und Finger dafür besser geeignet sind, als meine.
Obwohl ich mit Fitzelkram sehr gut zurecht komme.
Für sehr kleine Knoten oder Schleifen (z.B. bei Puppenschuhen) sind meine Finger zu groß. Oder die Bändchen zu kurz 
Im Übrigen, das Spitzensticken brachten die Kreuzritter aus dem Orient nach Europa.
Also führten dieses zuerst Männer aus, und brachten es hier ihren Frauen bei.
Da aber die männlichen Kräfte eben für einige Tätigkeiten dringender gebraucht wurde, mußten die Männer diese übernehmen.
Es blieb ihnen keine Zeit mehr für das Spitzensticken.
Da waren unsere Vorfahren eben einfach pragmatischer, als manche überkandidelten (Pseudo-)Gleichheitsfanatiker es heute wahrhaben wollen.
Wobei man dann noch auf die filigranen Goldschmiedearbeiten hinweisen sollte. Nichts mit derb. Und auch Männerhände.
Gruß
Norbert
Re: Kleiner Einwurf
Odin, Tuesday, 15.02.2005, 16:22 (vor 7659 Tagen) @ Norbert
Als Antwort auf: Re: Kleiner Einwurf von Norbert am 15. Februar 2005 13:04:12:
Im Übrigen, das Spitzensticken brachten die Kreuzritter aus dem Orient nach Europa.
Also führten dieses zuerst Männer aus, und brachten es hier ihren Frauen bei.
Da aber die männlichen Kräfte eben für einige Tätigkeiten dringender gebraucht wurde, mußten die Männer diese übernehmen.
Es blieb ihnen keine Zeit mehr für das Spitzensticken.
Da waren unsere Vorfahren eben einfach pragmatischer, als manche überkandidelten (Pseudo-)Gleichheitsfanatiker es heute wahrhaben wollen.
Interessante Anekdote!
Ohnehin würde sich unsere Vorfahren schief lachen, was wir heute als "typisch männlich" und "typisch weiblich" verkaufen. Auch die Tatsache, daß bei uns einige Frauen für Kindererziehung freigestellt sind und nicht arbeiten würde da wohl als "modernes Zeugs" nur Kopf schütteln verursachen.
Re: Kleiner Einwurf
Fidel68, Tuesday, 15.02.2005, 16:06 (vor 7659 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Re: Kleiner Einwurf von Andreas am 15. Februar 2005 11:31:18:
Da ging es um kleine Ventile für Einspritzpumpen, die dort eingesetzt und geprüft wurden. Ich fing also mit meiner Arbeit an, einige Tage später kam eine Frau auf mich zu und gab mir den dezenten Hinweis, ich solle doch mal etwas langsamer arbeiten, weil ich den Akkordschnitt erhöhen würde. Die haben durchschnittlich täglich 800 Ventile durchgebracht, ich 1200.
... und deshalb hatte Bosch vor kurzem die Qualitätsprobleme mit seinen Dieselpumpen, so dass die Bänder bei Daimler, Audi und VW für mehrere Tage stillstehen mussten. Jetzt haben wir den Übeltäter!
(Sorry, nur Spaß, aber der paßte so gut rein)
Re: Kleiner Einwurf
crazyPhil, Tuesday, 15.02.2005, 19:30 (vor 7659 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Re: Kleiner Einwurf von Andreas am 15. Februar 2005 11:31:18:
Ich fing also mit meiner Arbeit an, einige Tage später kam eine Frau auf mich zu und gab mir den dezenten Hinweis, ich solle doch mal etwas langsamer arbeiten, weil ich den Akkordschnitt erhöhen würde. Die haben durchschnittlich täglich 800 Ventile durchgebracht, ich 1200.
Das passiert auch in "Männerabteilungen" und liegt, daß die Leute, die jahrein jahraus diesen Kram machen, einfach langsamer arbeiten (wollen) als hochenergetische Studenten, die diesen Job mal ein paar Wochen lang machen (oder Neuankömmlinge). Ist mir passiert, und habe ich auch von einigen Kommilitonen gehört.
Gruß
-Philipp
Re: Kleiner Einwurf
Garfield, Tuesday, 15.02.2005, 19:56 (vor 7659 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Re: Kleiner Einwurf von Andreas am 15. Februar 2005 11:31:18:
Hallo Andreas!
Solche Aussagen habe ich auch schon von Männern gehört. Viele Akkord-Arbeiter sind bemüht, die Normen möglichst wenig zu überbieten. Meist sind die Akkordlöhne ohnehin so ausgelegt, daß man bei sehr großer Übererfüllung der Norm kaum noch mehr verdient. Außerdem wird die Norm sehr schnell hoch gesetzt, wenn man sie weit übererfüllt.
Manchmal ist es auch so, daß die hergestellten Produkte sehr unterschiedliche Anforderungen stellen, was sich aber nicht immer korrekt in den Normen widerspiegelt. Es kann dann also sein, daß es manchmal gar nicht möglich ist, die Norm überhaupt zu erfüllen. Wenn man dann mal wieder ein leichteres Produkt zu bauen hat, die Norm weit übererfüllt, sie dann für alle Produkte hoch gesetzt bekommt und dann plötzlich wieder ein schwereres Produkt kriegt, dann hat man erst recht keine Chance, auf einen akzeptablen Lohn zu kommen.
Außerdem mußt du bedenken, daß es ein Unterschied ist, ob man nur mal kurzzeitig an einem Fließband aushilft oder ob man jahrelang dort arbeitet und immer wieder diese eintönigen Bewegungen machen muß. Sowas geht enorm auf Sehnen und Gelenke. Sehnenscheidenentzündung ist da oft die typische Berufskrankheit.
Einen Tag lang steckt man das locker weg. Eine Woche oder notfalls auch mal ein Monat sind auch kein so großes Problem. Aber wenn man ständig am Fließband steht, dann zermürbt das auf Dauer ganz schön. Ich habe selbst auch eine Zeitlang in einer Fabrik gearbeitet, auch am Fließband. Am Freitag hatte ich immer starke Schmerzen in den Handgelenken und Fingern. Die waren erst am Sonntagnachmittag wieder weg. Wenn wir mal auch am Sonnabend gearbeitet haben, dann reichte der Sonntag nicht mehr aus, um die Gelenke wieder komplett zu regenerieren. Dann hatte ich wochenlang Schmerzen, die dann an den Wochenenden erst langsam immer schwächer wurden.
An den Fließbändern arbeitete auch so gut wie niemand über 30.
Solche eintönigen Arbeiten sind eine enorme Belastung. Übrigens arbeiteten an den Fließbändern an allen Stationen, wo die Arbeit obendrein auch noch besonders anstrengend war, Männer.
Da überlegt man es sich gut, ob man da den Arbeitshelden spielt und nach einem Jahr, wenn man sich die Gesundheit runiert hat, als Dank dafür die Kündigung bekommt, weil man mal ein paar Wochen krankgeschrieben war, oder ob man nicht doch eher versucht, sich möglichst zu schonen.
Ich habe dann später in der Fabrik allein in der Verpackung gearbeitet. Da hatte ich manchmal über 200% Leistung, aber das konnte ich so natürlich nie aufschreiben. Da ich allein arbeitete und da es nicht möglich war, mir exakt auf den Tag genau nachzuweisen, was ich wann verpackt habe, konnte ich den Leistungsüberhang immer vor mir herschieben und an ruhigeren Tagen aufbrauchen. So hatte ich dann ganz zufällig jeden Tag einen Leistungsgrad von exakt 139% - das war die Grenze, bis zu der niemand über Norm-Änderungen nachdachte. Natürlich wußten die im Büro genau, wie das läuft, aber solange meine Zahlen mit den Produktionszahlen übereinstimmten, konnte mir ja niemand etwas.
Am Fließband läßt sich so etwas aber nur sehr begrenzt machen. Man kann an schlechten Tagen vielleicht mal ein paar fast fertige Produkte, die noch auf dem Band stehen, mitzählen oder an guten Tagen einige fertige Produkte nicht zählen und für den nächsten Tag aufheben, aber das geht eben nur sehr begrenzt. Im Großen und Ganzen muß man schon aufschreiben, was man produziert hat. Da hat man eben nur die Möglichkeit, über das Arbeitstempo einen Ausgleich zu schaffen. Wenn man weit unter der Norm liegt, muß man eben möglichst schnell arbeiten, aber wenn man deutlich drüber liegt, muß man das Tempo drosseln, um nicht zu hoch zu kommen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Kleiner Einwurf
Garfield, Tuesday, 15.02.2005, 18:55 (vor 7659 Tagen) @ Expatriate
Als Antwort auf: Kleiner Einwurf von Expatriate am 15. Februar 2005 11:14:21:
Hallo Expatriate!
"Andererseits hat sich gerade in China gezeigt, dass Frauen in Montageberufen, wo filigrane Sachen zusammengefummelt werden muessen und die nicht automatisierbar sind, im Akkord bessere Leistungen bringen als Maenner. Weil sie irgendwie disziplinierter arbeiten."
Nicht nur deshalb. Frauen haben auch geschicktere und kleinere Finger als Männer. Das bringt ihnen bei solchen filigranen Fummelarbeiten Vorteile. Das wußte man schon im Mittelalter. Da wurde der Textilbereich in grobe und feine Arbeiten unterteilt. Die Zünfte für die groben Arbeiten nahmen Männer und Frauen auf, die für die feinen Arbeiten dagegen meist nur Frauen.
Das wird heute natürlich gern ignoriert, denn das Märchen, nach dem Frauen früher keinen Beruf ausüben durften, soll ja weiter leben. Die Tatsache, daß es sogar Berufe gab, in denen grundsätzlich nur Frauen tätig waren, paßt einfach nicht dazu und muß deshalb selbstverständlich tot geschwiegen werden.
Was Disziplin angeht, sind Frauen den Männern allerdings eher unterlegen. Das hat sich auch in der Armee immer wieder gezeigt. Ich bin mir nicht sicher, ob das eher aus Erziehung oder aus Vererbung resultiert. Vermutlich ist beides der Fall, aber ich schätze, die Erziehung wirkt da stärker. Frauen werden eben nach wie vor dazu erzogen, daß Verantwortung Männersache ist, und so sehen sie manches eben etwas lockerer.
Frauen kommen aber trotzdem auf Dauer besser mit eintönigen Arbeiten, wie z.B. am Fließband, zurecht als Männer. Das scheint mir eher ein genetisch bedingter Unterschied zu sein, denn in der Vergangenheit haben Frauen weit häufiger solche eintönigen Arbeiten erledigt als Männer. Ich habe von Frauen auch schon oft die Aussage gehört, daß es ihnen lieber ist, Arbeiten immer wieder nach dem altgewohnten Schema F zu erledigen als ständig mit Veränderungen am Arbeitsplatz umgehen zu müssen. Männern dagegen sind eintönige Arbeiten oft zu langweilig. Ich denke, das ist auch der Grund, wieso die meisten Erfindungen von Männern stammen. Männer mußten in früheren Zeiten immer mit unvorhersehbaren Ereignissen rechnen und deshalb fähig sein, auf Veränderungen schnell zu reagieren. Sie mußten dabei oft blitzschnell ganz neue Methoden entwickeln, und das kann man nicht, wenn man zu sehr an altgewohnten Handlungsabläufen hängt. Für Männer war das in der unsicheren Welt außerhalb des Lagers oft wirklich überlebenswichtig, und so überlebten eben auch die Männer, die diese Fähigkeit leidlich gut beherrschten. Für Frauen, die meist in der Wohnung und der relativ sicheren näheren Umgebung blieben und die sich üblicherweise auf den Schutz der Männer vor Raubtieren und menschlichen Feinden verlassen konnten, war diese geistige Flexibilität weniger wichtig. So hat es bei ihnen diese Auslese nie gegeben. Sie konnten es sich im Alltag leisten, sich einfach ein bequemes Schema F zurecht zu legen und dem dann immer wieder blind zu folgen.
So sind es auch oft die Frauen, die besonders stur an alten Traditionen festhalten, und so verhindern auch heute vor allem die Frauen die echte Emanzipation.
Freundliche Grüße
von Garfield