Re: Genetische Verlierer / genetische Gewinner
Als Antwort auf: Genetische Verlierer / genetische Gewinner von Mikael am 07. Februar 2005 20:21:11:
Ein interessanter Aspekt der Vaterschaftstestdebatte ist m.E. folgender:
Durch die Versorgung eines "Kuckuckskindes" verliert ein Mann finanzielle Ressourcen, um ein eigenes Kind aufzuziehen. Stattdessen zieht er ein Kind auf, dass einen Vater hat, den die Frau bewusst (oder unbewusst) als die "genetisch bessere" Wahl vorgezogen hat.
Was für Auswirkungen hat das jetzt auf die Gesamtbevölkerung ?
Die von den Frauen Ausgewählten geben ihre Gene weiter, die "Versorger" nicht.
Welcher der folgenden Effekte wird letztendlich ausschlaggebend sein ? Fallen "Versorger" weg, wirkt das u.U. destabilisierend auf das Gemeinwesen, da "Versorger" wohl eher Menschen sind, die langfristig und zukunftsorientier planen.
Andererseits ist es natürlich auch möglich, dass die "genetische Auswahl" durch die Frauen zu einer (wie auch immer definierten) Verbesserung des Genpools führt, wie (als Vergleich) bei Konsumgütern schon lange üblich: Das Produkt mit der besten Qualität bei dem besten Preis-Leistungsverhältnis setzt sich am Markt durch.
Hierzu folgendes. "Versorger" und "Nicht-Versorger" sind keineswegs seperate Phänotypen. Tatsächlich gibt es eine sehr geringe Streuung, was Partnertreue auf genetischer Basis angeht (1,2+- 0,05 Partner/durchschnittsdauer eines Menstruationszyklus, d.h. in etwa ein Seitensprung jedes halbe Jahr). Sozial sieht das anders aus, aber soziale Verhältnisse werden eben nicht vererbt.
Für sexuelle Selektion gilt hingegen: Sie ist nie adaptiv (Siehe z.B. John Maynard Smith "The evolution of sex").
Die Kombination von Verhaltensweisen führt zu einem ESS (evolutionär stabilen System in der evolutionären Spieltheorie), dabei wird der genetische Payoff von Männern und Frauen maximiert:
Männer: Parentales Investment in wahrscheinlich eigenen Kinder + gezeugte Kuckuckskinder, unwahrscheinlicher, aber maximaler evolutionärer Payoff bei minimalem Investemnt
Frauen: Parentales Investement in Kinder durch den Partner, gleichzeitig genetische Streuung.
Im kommenden Sommersemeseter läuft an der Uni Bonn ein Seminar zu diesem Thema, wenn ich die Termine kenne, kann ich sie mal für die posten, die Interesse haben.
Eh ich´s vergesse: Gutes Beispiel für: Nur weil es dem evolutionsbiologischen Erkenntnisstand entspricht, gibt uns das noch lange keine moralischen Vorgaben.
susu
gesamter Thread:
- Genetische Verlierer / genetische Gewinner -
Mikael,
07.02.2005, 22:21
- Re: Genetische Verlierer / genetische Gewinner -
Sebastian,
07.02.2005, 22:28
- Re: Genetische Verlierer / genetische Gewinner - Mikael, 07.02.2005, 22:32
- Re: Genetische Verlierer / genetische Gewinner -
susu,
07.02.2005, 23:11
- Re: Genetische Verlierer / genetische Gewinner - Scipio Africanus, 07.02.2005, 23:49
- Re: Genetische Verlierer / genetische Gewinner - BartS, 08.02.2005, 14:17
- Re: Genetische Verlierer / genetische Gewinner - Scipio Africanus, 08.02.2005, 14:25
- Re: Genetische Verlierer / genetische Gewinner -
Sebastian,
07.02.2005, 22:28