Der Untergang der Wilhelm Gustloff
Andreas, Sunday, 30.01.2005, 20:57 (vor 7675 Tagen)
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,339095,00.html
Es war die größte Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt: Heute vor genau 60 Jahren kamen etwa 9000 Menschen in der eisigen Ostsee ums Leben - drei Torpedos eines sowjetischen U-Boots hatten das deutsche Flüchtlingsschiff "Wilhelm Gustloff" getroffen. An Bord waren vor allem Frauen und Kinder.
...
Am 21. Januar gibt Großadmiral Karl Dönitz den Befehl: Alle verfügbaren deutschen Schiffe sollen vor den Sowjets retten, was zu retten ist. Die "Operation Hannibal" wird die größte Evakuierung über See aller Zeiten. Mehr als zwei Millionen Menschen gelangen so gen Westen. Die Offiziere haben Order, vor allem die U-Boot-Kadetten in den Westen zu bringen - und deren Kriegsmaterial. In jeden dann noch freien Winkel ihrer Schiffe sollen sie Flüchtlinge stopfen, allerdings nur Frauen und Kinder. Männer müssen bleiben und bis zur letzten Patrone kämpfen.
...mal wieder das alte Lied: Frauen werden gerettet, Männer getötet.
Re: Der Untergang der Wilhelm Gustloff
Eugen Prinz, Monday, 31.01.2005, 01:01 (vor 7675 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Der Untergang der Wilhelm Gustloff von Andreas am 30. Januar 2005 18:57:38:
Es war die größte Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt: Heute vor genau 60 Jahren kamen etwa 9000 Menschen in der eisigen Ostsee ums Leben - drei Torpedos eines sowjetischen U-Boots hatten das deutsche Flüchtlingsschiff "Wilhelm Gustloff" getroffen. An Bord waren vor allem Frauen und Kinder.
...mal wieder das alte Lied: Frauen werden gerettet, Männer getötet.
Die Zahl ist nicht ganz richtig. Es wurden in diesen Tagen noch zwei weitere Flüchtlingsschiffe versenkt, wodurch man auf diese Zahl kommt, aber natürlich kommt es darauf nicht an.
Dazu vielleicht noch dieses drastische Beispiel (entnommen einer Fußnote im noch nicht ganz weltberühmten Handbuch):
Eine Überlebende des Flüchtlingsschiffes Wilhelm Gustloff berichtet (ZDF, März 1995): Wir drängten alle nach oben, aber es durften nur Frauen und Kinder raus. Oben stand ein Offizier mit einer Pistole und erschoss einen Mann, der sich retten wollte. Die Wilhelm Gustloff sank 1945 nach Torpedobeschuss in der Ostsee, wobei über 5000 Menschen den Tod fanden.
Einen Gruß von Eugen
Re: Der Untergang der Wilhelm Gustloff - Nachtrag zum Nachtrag
Eugen Prinz, Tuesday, 01.02.2005, 21:48 (vor 7673 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Der Untergang der Wilhelm Gustloff von Eugen Prinz am 30. Januar 2005 23:01:27:
Hallo Andreas,
...weil es mir gerade wieder in die Hände fiel, noch diesen Nachtrag (und natürlich nicht, um hier den Krieg noch mal zu gewinnen oder zu verlieren):
Schiffstragödien zu Kriegsende in der Ostsee:
30.1.45 "Gustloof", 5438 Tote
10.2.45 "Steuben", 3608 Tote
16.4.45 "Goya", 6666 Tote
Quelle: Ostsee-Archiv.
Also, sie haben schon ordentlich hingelangt, damals.
Und dennoch gab es Zeichen der Hoffnung. In dieser Zeit von Chaos, Untergang und Tod hat sich ein junges Paar daran gemacht, Klein-Eugen zu basteln 
Es grüßt wohlauf
ebendieser
Re: Nachtrag zum Nachtrag zum Nachtrag
Peter, Tuesday, 01.02.2005, 23:08 (vor 7673 Tagen) @ Eugen Prinz
Als Antwort auf: Re: Der Untergang der Wilhelm Gustloff - Nachtrag zum Nachtrag von Eugen Prinz am 01. Februar 2005 19:48:43:
Schiffstragödien zu Kriegsende in der Ostsee:
30.1.45 "Gustloof", 5438 Tote
10.2.45 "Steuben", 3608 Tote
16.4.45 "Goya", 6666 Tote
Wen's interessiert: In der neuen National Geographic gibt es die ersten Bilder der gesunkenen Steuben zu sehen, von aussen, nicht von innen, denn die Taucher "wollten nicht in ein Grab gehen".
Gruss,
Peter
Randnotiz
ein weiterer Andreas, Monday, 31.01.2005, 10:50 (vor 7674 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Der Untergang der Wilhelm Gustloff von Andreas am 30. Januar 2005 18:57:38:
In einer der Fernseh-Dokus zur Versenkung der Gustloff wurde berichtet, an Bord habe sich auch eine Kompanie Marine-Soldaten befunden, die offenbar zwecks eines späteren Einsatzes aus Ostpreußen in weiter westlich gelegene Marinestützpunkte evakuiert werden sollte. Wenn das stimmt, war die Gustloff an militärisches Ziel.
Gruß
Andreas
Re: Randnotiz
Eugen Prinz, Monday, 31.01.2005, 11:19 (vor 7674 Tagen) @ ein weiterer Andreas
Als Antwort auf: Randnotiz von ein weiterer Andreas am 31. Januar 2005 08:50:49:
In einer der Fernseh-Dokus zur Versenkung der Gustloff wurde berichtet, an Bord habe sich auch eine Kompanie Marine-Soldaten befunden, die offenbar zwecks eines späteren Einsatzes aus Ostpreußen in weiter westlich gelegene Marinestützpunkte evakuiert werden sollte. Wenn das stimmt, war die Gustloff an militärisches Ziel.
Gruß
Andreas
Hallo Andreas,
darauf kommt es rückblickend nach der Logik des Kriegs wirklich nicht an. Zu hinterfragen ist die Logik, nach der Frauen sich retten dürfen, während Männer, die nicht töten - oder nicht getötet werden wollen, erschossen werden dürfen. Diesen Krieg müssen wir gewinnen.
Eugen
Dazu noch eines meiner Lieblingsgedichte aus Brechts Kriegsfibel:
Ihr Brüder, hier im fernen Kaukasus
lieg nun ich, schwäbischer Bauern Sohn begraben,
gefällt durch eines russischen Bauern Schuss.
Den Krieg verlor ich schon vor Jahr und Tag in Schwaben.
Recht hast du!
Magnus, Monday, 31.01.2005, 12:34 (vor 7674 Tagen) @ ein weiterer Andreas
Als Antwort auf: Randnotiz von ein weiterer Andreas am 31. Januar 2005 08:50:49:
In einer der Fernseh-Dokus zur Versenkung der Gustloff wurde berichtet, an Bord habe sich auch eine Kompanie Marine-Soldaten befunden, die offenbar zwecks eines späteren Einsatzes aus Ostpreußen in weiter westlich gelegene Marinestützpunkte evakuiert werden sollte. Wenn das stimmt, war die Gustloff an militärisches Ziel.
Hey, in Dresden gab es außerhalb der Innenstadt eine Flackabwehr und Industrie für militärische Geräte - war also auch militärisches Ziel. Komisch nur, dass diese Industrie und die zwei Flack ganz blieben und von den Bomben gar nicht getroffen wurden - sondern nur die Zivilisten. Und noch was: hast du schon gewusst, dass Hiroshima ein Militärstützpunkt war? Genau wie Nagasaki! Zumindest hat das Truman gesagt.
Du hast vollkommen Recht. Es gibt keine Deutschen Opfer im zweiten Weltkrieg - nur böse Nazis! Das dürfen wir NIEEEEE vergessen! Es gibt auch keine männlichen Opfer, nur potentielle Vergewaltiger! Aus diesem Grund darf, ja muss!, das Gewaltschutzgesetz auch nur für Frauen gelten.
Magnus
Re: Recht hast du!
BartS, Monday, 31.01.2005, 14:46 (vor 7674 Tagen) @ Magnus
Als Antwort auf: Recht hast du! von Magnus am 31. Januar 2005 10:34:38:
Hallo Magnus,
Hey, in Dresden gab es außerhalb der Innenstadt eine Flackabwehr und Industrie für militärische Geräte - war also auch militärisches Ziel. Komisch nur, dass diese Industrie und die zwei Flack ganz blieben und von den Bomben gar nicht getroffen wurden - sondern nur die Zivilisten. Und noch was: hast du schon gewusst, dass Hiroshima ein Militärstützpunkt war? Genau wie Nagasaki! Zumindest hat das Truman gesagt.
Du hast vollkommen Recht. Es gibt keine Deutschen Opfer im zweiten Weltkrieg - nur böse Nazis!
Natürlich gab es deutsche Opfer im 2.Weltkrieg. Wird das in irgendeiner Form bestritten?
Gruss
BartS
Re: Recht hast du!
Nikos, Monday, 31.01.2005, 15:21 (vor 7674 Tagen) @ Magnus
Als Antwort auf: Recht hast du! von Magnus am 31. Januar 2005 10:34:38:
Hi Magnus.
Finde ich auch. Wir müßen wirklich weg von der Gedanke, daß in ein Krieg irgendwie in Verlierern und Gewinnern eingeteilt werden kann. Immerhin hat sich dieser Gedanke drei tausend Jahre hartnäckig gehalten, und uns nichts gebracht, und schon gar keinen Frieden. Im Krieg verlieren immer alle.
Aber "Opfer" sind doch eben die "von jemand". Von wem waren denn die Deutsche Soldaten die Opfer gewesen?
Führer´s Opfer, oder Opfer des "wir befolgen blind und unüberpruft alle Gesetze und Befehle" eigenen Ideals?
Ich zb bin Opfer meiner blöden und unüberpruften Vertrautheit an die Menschen. DAS ist auch sehr dumm, glaub mir. Im Falle meines Kindes hat sich dies gerächt. Stell dir mal vor, ich hätte die Kleine, als sie noch klein war, auf Urlaub nach Griechenland gebracht, immer und immer wieder, ohne die Mutter, und die Beziehungen dort total stark gefestigt. Oder, noch viel besser, hätte ich die Weltanschauung meiner Ex realistischer betrachtet (so wie viele mittlerweile machen) und mit ihr erst gar kein Kind gemacht. Also, eigentlich bin ich nur Opfer meiner eigenen Leichtgläubigkeit.
Daß die deutschen irgendwann von der Vergangenheit los kommen sollen, halte ich für angebracht. Ich schlage vor, daß man sich auf die gute deutsche Sachen konzetriert, die bekanntlich in keineswegs geringem Masse existieren.
Nikos