Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Saseler Säuglingsmord

ein weiterer Andreas, Thursday, 27.01.2005, 15:19 (vor 7678 Tagen)

Moin allerseits,

vor einigen Monaten wurde in HH-Sasel (wohlsituierte Villengegend) ein Säugling in einer Mülltonne gefunden. Die Mutter konnte erst nicht ermittelt werden. Ein Speicheltest für Frauen war zeitweise im Gespräch.

Schließlich wurde die Mutter doch ermittelt und wegen Mordes angeklagt. Über den Prozeß war in der Lokalpresse nur Spärliches zu vernehmen, u.a. soll der Richter georakelt haben, der eigentliche Schuldige sei der Vater (wer sonst?).

Nun der Urteilsspruch: Freispruch, da nicht zweifelsfrei geklärt werden könne, ob der Säugling nicht schon während des Geburtsvorganges erstickt sei. Die Pressemeldungen sind denkbar knapp. In der Druckausgabe des Abendblattes habe ich die entsprechende Meldung glatt überlesen. Wurde aber in der Online-Version fündig (siehe unten). Dem Fernsehsender HH1 war es gestern immerhin eine Schlagzeile im Videotext wert, sonst wäre ich auf den Urteilsspruch gar nicht aufmerksam geworden.

Ich meine: Wenn sie das Kind nicht hätte umbringen wollen, wäre sie zur Entbindung in die Klinik gegangen, oder hätte bei einer heimlichen Geburt einen Notarzt gerufen. Der Weg zum Telefon war mit Sicherheit kürzer als der zur Mülltonne. Die Erstickung des Säuglings während des Geburtsvorganges halte ich für eine reine Schutzbehauptung, der das Gericht offenbar nur zu bereitwillig gefolgt ist.

Im Norden nichts Neues ...

Gruß

Andreas

Hamburger Abendblatt

Re: Saseler Säuglingsmord

Scipio Africanus, Thursday, 27.01.2005, 16:41 (vor 7678 Tagen) @ ein weiterer Andreas

Als Antwort auf: Saseler Säuglingsmord von ein weiterer Andreas am 27. Januar 2005 13:19:00:

Moin allerseits,
vor einigen Monaten wurde in HH-Sasel (wohlsituierte Villengegend) ein Säugling in einer Mülltonne gefunden. Die Mutter konnte erst nicht ermittelt werden. Ein Speicheltest für Frauen war zeitweise im Gespräch.
Schließlich wurde die Mutter doch ermittelt und wegen Mordes angeklagt. Über den Prozeß war in der Lokalpresse nur Spärliches zu vernehmen, u.a. soll der Richter georakelt haben, der eigentliche Schuldige sei der Vater (wer sonst?).
Nun der Urteilsspruch: Freispruch, da nicht zweifelsfrei geklärt werden könne, ob der Säugling nicht schon während des Geburtsvorganges erstickt sei. Die Pressemeldungen sind denkbar knapp. In der Druckausgabe des Abendblattes habe ich die entsprechende Meldung glatt überlesen. Wurde aber in der Online-Version fündig (siehe unten). Dem Fernsehsender HH1 war es gestern immerhin eine Schlagzeile im Videotext wert, sonst wäre ich auf den Urteilsspruch gar nicht aufmerksam geworden.
Ich meine: Wenn sie das Kind nicht hätte umbringen wollen, wäre sie zur Entbindung in die Klinik gegangen, oder hätte bei einer heimlichen Geburt einen Notarzt gerufen. Der Weg zum Telefon war mit Sicherheit kürzer als der zur Mülltonne. Die Erstickung des Säuglings während des Geburtsvorganges halte ich für eine reine Schutzbehauptung, der das Gericht offenbar nur zu bereitwillig gefolgt ist.

Ich kann mir schlicht nicht vorstellen, dass ein Mann so milde und verständnisvoll von einem Gericht beurteilt würde, und wenn doch, ginge ein Aufschrei durchs Land.
Dieser Fall zeigt, dass rechtliche Gleichstellung noch lange keine Gleichbehandlung (vor Gericht) garantiert. Der Ermessensspielraum des Richters ist nicht zu unterschätzen, und Urteile leiten sich nicht so mir nichts dir nichts vom Gesetzestext ab.
Scipio

Im Norden nichts Neues ...
Gruß
Andreas

powered by my little forum