Frauenbeauftragte kippt männlichen C4-Kandidaten
Die Berliner Zeitung schreibt über einen Vorfall an der Humboldt-Universität:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/0122/magazin/001...
Auszüge aus dem Artikel:
" [...] In einem der Institute der Philosophischen Fakultät II der Humboldt-Universität war eine Stelle neu zu besetzen, eine Professur. Zu diesem Zwecke gibt es eine Berufungskommission, dort Hatte Professor K. den Hut auf, wie er sagt. Die Kommission erarbeitet eine Liste in Frage kommender Wissenschaftler, sortiert nach Rangfolge. Auf Platz 1 stand ein Mann. Frau Dr. W. als Frauenbeauftragte gab eine Stellungnahme gegen die Liste ab. Bevor der Antrag der Kommission aber im Fakultätsrat diskutiert werden sollte, wurde er zurückgezogen. Aus anderen Gründen, sagt der Professor.
Eine Woche später, sie sei morgens um zehn in ihr Büro gekommen, klingelte das Telefon bei Frau Dr. W. Es war der 19. Juni. Am Apparat sei der Professor gewesen. Er habe gesagt: Frau W., Sie wollen sich doch an dieser Fakultät habilitieren. Sie wissen, dass die Fakultät über die Habilitation entscheidet.
Da sehe ich kein Problem, will sie erwidert haben, da wird ja über die Qualität meiner Arbeit entschieden. Im Inneren habe sie sich befohlen, ganz ruhig zu bleiben, aber gedacht, was will der von mir, der will mich unter Druck setzen, das kann ich nicht mit mir machen lassen. Verunsichert lief sie zur Verwaltungsleiterin, die riet ihr, die Zentrale Frauenbeauftragte zu informieren, das tat Frau Dr. W. in einem Brief, es kam zu einer Aussprache mit dem Professor, auch der Präsident war dabei.
Auf dem Professor lag der Verdacht der versuchten Nötigung. Das konnte er nicht zulassen, er stellte Strafantrag gegen Frau Dr. W. Aus Gründen seiner Reputation an der Uni, sagt er. Ich bin mit allem, was ich tue, stigmatisiert. 85 Prozent der Studenten sind Frauen. Wenn ich von einer Frau beschuldigt werde, sie so unter Druck gesetzt zu haben, muss ich das klären.
So wurde Frau Dr. W. die Angeklagte, beschuldigt der Verleumdung und Verächtlichmachung. Der Professor ist Zeuge.
Er redet von Säuberung seines Images, er müsse an dieser Universität noch fünfzehn Jahre arbeiten. Im übrigen sei er am 19. Juni in Leipzig gewesen, er habe nicht telefoniert, das lasse sich belegen. Er hat die Nachweise dabei und einen Beleg des Professors aus Leipzig, dass man um die fragliche Zeit zusammen war.
Haben Sie eine Erklärung weshalb Frau Dr. W. das gemacht haben soll? fragt der Richter den Professor. War es ein Rachefeldzug?
Der sagt, er habe lange darüber nachgedacht: Das Votum der Frauenbeauftragten war möglicherweise ein politisches, kein wissenschaftliches. Sie sollte Werkzeug sein. Derer, die daran interessiert waren, die Stelle mit ihrem Kandidaten zu besetzen. Das, was die Dekanin wollte, ist passiert, sagt er. Die Kommission hat sich aufgelöst. Eine neue Kommission mit einem anderen Vorsitzenden hat eine neue Liste erstellt mit Leuten, die genehmer waren.
Der Richter unterbricht. Der Professor könne hier nicht alle Interna ausbreiten. Wurde das Telefongespräch geführt oder nicht?
Ich habe kein Telefonat geführt.
Die Verwaltungsleiterin sagt, Frau Dr. W. sei am besagten Tag in ihr Büro gekommen, weinend, aufgelöst. Das war nicht inszeniert.
Ich kann überhaupt nicht feststellen, wer die Wahrheit gesagt hat, beschließt der Richter die Verhandlung. Für den Professor sprechen die Telefonrechnungen. [...]
Im Zweifel für die Angeklagte - der Richter spricht sie frei. Die übrigen Zeugen, unter ihnen der Präsident, werden mit Dank entlassen. Der Prozess ist zu Ende, verloren hat die Universität. Der Präsident murmelt passenderweise, er finde das Ganze ziemlich kafkaesk."
Soweit die Berliner Zeitung. Die Geschichte ist damit aber noch nicht zuende. Der Vorfall, der sich am Institut für Romanistik ereignet hat - ich weiß das, weil ich Leute kenne, die dort arbeiten -, hatte ein Nachspiel: Die Institutsdekanin hatte, wie im Artikel erwähnt, eine neue Berufungskommisssion eingesetzt, die schließlich - welche Überraschung! - genau so entschied, wie es die Frauenbeauftragte gewollt hat; der ursprüngliche Favorit wurde durch eine Frau ersetzt. Voilá!