Re: Beziehungen könnten so schön sein, ...
Als Antwort auf: Beziehungen könnten so schön sein, ... von Sven am 23. Januar 2005 18:36:22:
In den Siebzigern noch galt das Geschlecht als allenfalls anatomisch festgelegt, soziologisch aber als reines Konstrukt. Für Judith Butler war der Unterschied zwischen Mann und Frau eine Frage des Milieus und der Erziehung, nicht aber der Gene. So konnten Frauen sich neu erfinden und die Männer dazu zwingen, dasselbe zu tun: sanfter, fürsorglicher, weiblicher zu werden.
Wahnsinn. Gibt es noch eine andere mir unbekannte Judith Butler, die nicht 1980 noch studiert hätte und erst in den späten 80ern überhaupt eigene Texte veröffentlichte, um dann mit Gender Trouble als relevant wahrgenommen zu werden? Also eine Judith Butler, die tatsächlich in irgendeiner Weise für die Geschlechtskonstruktion der 70er als repräsentativ gesehen werden könnte?
Was für ein Irrtum! Inzwischen haben Dutzende Studien den Beweis geliefert, dass die meisten Frauen War es Selbstbetrug? War es der Zeitgeist? doch nicht den Sitzpinklern den Vorzug geben, sondern Männern, die reicher, älter, größer und wichtiger sind; dass Männer umgekehrt Frauen wählen, die kleiner und jünger sind, während Chefgehälter und IQ bei Frauen deutliche Wettbewerbsnachteile darstellen.
Ich würde gern ein dutzend Studien sehen, in denen belegt wird, daß Männer strunzdoofe Frauen bevorzugen. Vieleicht erklärt das auch den Text: "Wenn ich Unsinn schreibe, finden mich die Männer sexy." Andererseits ist diese Überlegung dann schon wieder so behämmert, daß sie unnötig wäre...
Und Liebe? Dient evolutionär betrachtet als Stimulus, damit man den ganze Reproduktionszirkus überhaupt mitmacht. Ein Flackern auf dem Computertomographen, mehr nicht. Ein starkes Flackern, manchmal.
Unsinn. Orgasmen gibt es, damit Leute den ganzen Reproduktionszirkus mitmachen. Liebe gibt es, damit eventueller Nachwuchs größeres parental Investment erfahren. Menschen sind evolutionsökologisch als "Unkrautartige Spezies" zu betrachten, eine Position, die außer uns unter den terrestrischen mehrzelligen Tieren nur noch Ratten und Schaben einnehmen (kein Scherz, dazu gibt es interessante Papers u.a. von Jablonsky). Nun könnte eingeworfen werden, daß das ja nun eine sehr eingeschränkte Sicht auf den Menschen sei. Dem würde ich zustimmen, denn meines Wissens haben weder Ratten noch Schaben jemals eine Erfindung wie z.B. den Hexegger gemacht. Genauso ist auch die evolutionsbiologische Erklärung der Liebe, eben nur eine Sicht, die zwar stimmt, aber eben andere nicht ausschließt. So wie Willhelm Buschs Definition "Liebe ist mit jemandem alt werden zu wollen", nicht ganz vereinbar mit z.B. Romeo und Julia ist.
Anders als früher aber soll diese biologische Disposition nicht als Steilvorlage für patriarchalische Falken verstanden werden, sondern als eine Art Angebot der Natur, als Aufforderung zu mehr Offenheit, mehr Sensibilität, mehr Förderung. Ich bin o.k., du bist o.k., auch wenn du nicht einparken kannst.
Das Ergebnis davon ist, daß die Diplom-Informatikerin, die nach 15 Jahren Pizza-Service gern Sushi machen lernen würde an der VHS den Kurs "Interneteinstieg für Frauen" angeboten bekommt und der 3-Sterne Koch, der gerne wüste was eine Maus ist den Kurs "Kochen für Männer". Natürlich hat jeder Mensch Fehler. Nur sind die eben individuell. Ach ja: Und zum Teil behebbar. Wenn ich bin OK, du bist OK eine Entschuldigung dafür ist, jede schlechte Eigenschaft an sich selbst belassen zu wollen, weil sie ja eh nicht zu ändern ist, dann ist das vermutlich der entgültige Abschied von der Kultur.
Die Frauenbewegung hat berauschende Freiheiten gebracht, aber umso größer ist die Frustration, dass sie viele Glücksversprechen nicht eingelöst hat; weil es leichter ist, alte Rollenbilder zu zertrümmern als neue zu finden; weil die Evolution so verdammt zäh ist; weil der Weg doch länger ist als gedacht, weil Frauen meist immer noch weniger verdienen als Männer.
Nichts ist leicher als "neue Rollenbilder" zu finden. Was daran so frustrierend ist, ist doch, daß sie wieder zum gleichen Unbehagen führen, wie die alten.
susu
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Sven,
23.01.2005, 20:36
- Re: Beziehungen könnten so schön sein, ... - Eugen Prinz, 23.01.2005, 20:46
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susu,
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