Re: Die Pop-Generation
Als Antwort auf: Re: Die Pop-Generation von Ferdi am 23. Januar 2005 01:08:24:
Hallo Ferdi
Einer meiner Freunde ist Toningenieur und arbeitet für Plattenfirmen und Rundfunkanstalten. Der hat mir mal erklärt, dass die moderne Tontechnik aus jeder Feldkrähe eine Callas machen kann. Wahrscheinlich ist das auch hier der Fall. Man muss sich nur darüber im Klaren sein, wenn man so einen Mist hört, dass es sich hier nicht um ein "süßes Mädchen" handelt, sondern um einen Hohlleiter.
Da übertreibt dein Freund. Machbar ist das sicherlich, aber es wird in der Regel nicht gemacht. Der Grund ist einfach: Es kostet Unmengen an Studiozeit und Arbeitsstunden. Außerdem gibt es genügend Sänger und Sängerinnen, die gut genug sind, so etwas nicht nötig zu haben. Selbst bei Aufnahmen, wo es sich rentieren könnte wird es nicht gemacht (die Jungelstars klangen immer noch schief). Außerdem ist jeder Pitchshift mit Verlusten von Tonqualität belegt. D.h. irgendwann ist der Gesang dann richtig, aber hört sich Aufnahmetechnisch so an, als wär er in den 30ern aufgenommen worden.
Außerdem werden moderne Produktionsmethoden bei jeder Stimme verwendet und der Qualitätsunterschied im Ausgangsmaterial setzt sich fort. Eine Scheißstimme, klingt zwar am Ende gut, eine Super-Stimme klingt am Ende aber überwältigend. Um die Entwicklung nachzuvollziehen höre dir mal die erste Queen-Platte an und vergleiche die Stimme mit Innuendo. Freddy Mercury hat eine Super Stimme, aber der Unterschied ist wahnsinnig. Und heute ist noch mahr an Psychoakkustik verfügbar.
Was aber entscheidender als die Technik ist, sind das Songwriting und das Sound-design. Also das was ich mal als den Idealistischen Teil der Musik beschreiben würde. Wie ich einen Song strukturiere und wie ich ihn arrangiere ist entscheidend. Aus diesem Grund finde ich es auch problematisch Musik nach dem "können" der Interpreten zu beurteilen. Yngwie Malmsteen mag ein tausendmal besserer Gitarist sein als es John Lennon je war, meine Preferenz liegt jedoch eindeutig beim schlechteren Musiker. Die besten Momente auf Platten die ich produziert habe, waren Fehler. Die snare-drum die ein 16. hängt und dem langweiligen Standart-Rhythmus etwas eigenwilliges gibt. Das Gitarren-Riff, das in den nächsten Akkord hängt und da völlig disharmonisch ist, aber jedesmal ein Schaudern erzeugt (das war am Donnerstag, ich habe dann das richtige Riff an anderen Stellen durch das falsche ersetzt, weil der Fehler so verdammt gut war). Wenn es etwas gibt, daß ich an modernem Radio-Pop nicht mag, ist es, daß hier der subjektiven Einschätzung von Fehlern als eigentlich noch viel besser ein Riegel vorgeschoben wird. Ich habe kein Problem mit dem Einsatz von Synthies, solange es tatsächlich Synthies sind, und nicht blos Keyboards. Ich teile den Gedankengang, daß der Einsatz von elektronik zur Entmenschlichung oder der Einschränkung von Ausdrucksmöglichkeiten führe nicht (Im Gegenteil, Synths sind eine erweiterung der möglichen Klangfarben, einem Projekt zuzuordnen das sich in der musique concret wiederfindet).
Final noch die Frage: Was heißt hier "Die Pop-Generation"? Jede Nachkriegsgeneration war eine Pop-Generation. Der jetzige Trend Bands zu pushen, die im Fahrwasser von Wir sind Helden und 2Raumwohnung deutlich langweiligere Mausik machen wäre sicher zu untersuchen (und würde vermutlich das gleiche Ergebnis bringen, wie eine Untersuchung von BoyBands nach Take That).
susu
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Lorenz,
22.01.2005, 20:56
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Freddy,
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