Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Misstrauen

Sven75, Thursday, 13.01.2005, 08:44 (vor 7692 Tagen)

Wolfsburger Nachrichten, 13.01.05

Es geht um Gefühle. Es geht um Vertrauen, um das Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Es geht um Persönlichkeitsrechte. Es geht um die Zukunft von Kindern. Und es geht um viel Geld, das Männer für den Unterhalt von Kindern bezahlen, die sie nicht gezeugt haben. Beim Streit um heimliche Vaterschaftstests gibt es keine absolute Wahrheit. Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß, nur Gut oder Böse, nur richtig oder falsch. Wie so oft liegt die Lösung in der Mitte zwischen Gesetz und Gefühl. Und dennoch gibt es Fakten:

- Ein heimlicher Test verletzt vor allem das Persönlichkeitsrecht des Kindes, wie auch der Bundesgerichtshof argumentiert. Das Urteil, nach dem diese Tests in einem Vaterschaftsprozess unzulässig sind, ist konsequent.
- Heimliche Tests bieten auch unseriösen Anbietern einen größeren Markt. Die Gefahr des Missbrauchs von Genmaterial steigt somit erheblich.
- In der Europäischen Union gibt es bei Vaterschaftstests keine einheitliche Gesetzgebung. Bundesjustizministerin Zypries will die Tests EU-weit verbieten lassen, was etwa mit Blick auf die traditionell liberalen Niederlande als sehr unwahrscheinlich gilt.
- Nach Experten-Schätzungen sind jährlich bis zu 70 000 und damit rund 10 Prozent aller Neugeborenen in Deutschland so genannte Kuckuckskinder. In diesen Fällen betrügen Frauen die Männer, indem sie die wahre Vaterschaft bewusst verheimlichen.

Aufgrund dieser Fakten muss der Gesetzgeber zum einen die Rechte der Kinder stärken, andererseits auch die gleichen Rechte von Frau und Mann berücksichtigen. Nach dem bisherigen Gesetz kann eine Mutter einen Vaterschaftstest ablehnen. Dann muss aber der Mann endlich die Chance bekommen, einen legalen Test leichter durchzusetzen. Die von Ministerin Zypries geplante Gesetzesverschärfung geht in diesem Punkt in die falsche Richtung: Sie will die Kinder schützen, kriminalisiert aber zugleich die Männer. Dabei sind sie keine Täter, sondern vor allem Betrogene - in jedem Jahr zehntausendfach in Deutschland.


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