Jedes zehnte Kind mit falschem Vater
Wolfsburger Nachrichten, 13.01.05
Regierung will heimliche Vaterschaftstests verbieten - Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes
Als der britische Sexualforscher Robin Baker in Liverpool und im Südosten Englands unterwegs war, machte er eine erstaunliche Entdeckung. Er hatte sich von Eltern und Kindern genetische Fingerabdrücke eingeholt. Tests ergaben, dass, je nach Wohnbezirk, bis zu 30 Prozent der Kinder nicht vom vermeintlichen Vater stammten. Der Mittelwert seiner Recherchen lag bei neun Prozent. Über viele Jahre untersuchte Baker europaweit das Fortpflanzungsverhalten von Familien. Das Ergebnis auch hier: Durchschnittlich jedes zehnte Kind ist ein so genanntes Kuckuckskind. Viele Männer zweifeln, ob sie der Vater eines Kindes sind. Doch mittlerweile lassen viele ihre Vaterschaft auch heimlich testen. So werden bundesweit jährlich rund 40 000 Tests erstellt - ein Großteil in privaten Labors. ein bisschen Speichel von Vater und Kind reicht für den Test aus. Notfalls tut es auch die Zahnbürste, der Schnuller oder die Haarbürste des Kindes.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) will nun solche Tests unter Strafe stellen, wenn die Betroffenen nicht eingewilligt haben. Das so genannte Gendiagnostik-Gesetz soll noch in dieser Legislaturperiode in Kraft treten. Auch Datenschützer warnen vor einem Missbrauch genetischer Daten. "Jeder Nachbar könnte theoretisch Genmaterial eines Kindes unter falschem Namen in ein Labor schicken", sagt Burckhard Nedden, Datenschutzbeauftragter des Landes Niedersachsen. Es müsse dringend geregelt werden, wie mit genetischen Daten zu verfahren ist. Väter-Initiativen argumentieren hingegen, dass auch Männer grundsätzlich Sicherheit haben müssen, ob sie der Vater eines Kindes sind. Schließlich zahlten viele auch viel Geld für den Unterhalt. "Wo Zweifel sind, geht oft das Herz verloren - auch die Motivation, für das Kind einzustehen", sagt der Peiner Hans Helmut Meyer vom bundesweit aktiven Verein "Väteraufbruch für Kinder". Vaterschaftsanfechtungen vor Gericht seien oft sehr belastend für die Familie - und besonders für die Kinder. Oft sei es für die Männer auch sehr schwer, ihre Vaterschaft vor Gericht zu beweisen. Der Gesetzgeber sollte deshalb die Feststellung der Vaterschaft nicht erschweren, sondern erleichtern - und notfalls die Hürden für eine gerichtliche Anfechtung senken. "Mit dem geplanten Gesetz aber", sagt Meyer, "werden Männer kriminalisiert".
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Sven75,
13.01.2005, 08:29
- alles sehr interessant, danke! :-) (n/t) - Arne Hoffmann, 13.01.2005, 09:47