Zypries' Haltung ist zwar widerlich, aber ...
... man könnte herrlich den Spieß umdrehen und diese Haltung zur Waffe gegen Frau Zypries machen.
In dem bereits zitierten SPIEGEL-Interview habe ich eine Stelle gefunden, die in mir erst den Empörungspegel auf 180 hochschießen ließ, bei näherem Nachdenken aber mir diebisch Freude zu machen begann:
"Außerdem schmälert die Tatsache, daß eine Frau ihren Mann betrügt, nicht ihren Anspruch auf Datenschutz."
Zum einen ist das formaljuristisch natürlich korrekt. Zum anderen aber könnte ich mich abrollen vor Lachen beim Gedanken daran, welche (moralischen und juristischen) Rechte die political correchtness Männern abspricht, die ihre Frauen betrügen, gar ihre Familie verlassen (so ziemlich alle Rechte nämlich).
Na, dann wollen wir doch mal:
Wir erlauben uns einfach, der Ansicht zu sein, daß die Tatsache, daß ein Mann seine Frau betrügt, keines seiner moralischen und juristischen Rechte schmälert, insbesondere nicht sein Recht, seine Frau mit immer neuen Frauen zu betrügen, sie in jeder beliebigen Weise zu vernachlässigen und einfach abzuhauen, wenn es ihm paßt. Um dann mit der nächsten Lebensabschnittsgefährtin in derselben Weise zu verfahren usw. ad infinitum.
Um bei meiner bekannten brutalen Ehrlichkeit zu bleiben:
Ich habe hier bei jeder Gelegenheit gegen Monogamie und christliche Moral vom Leder gezogen und habe davon auch nichts zurückzunehmen.
Ich bin des Weiteren der Ansicht, daß der Staat sich aus dem Intimleben seiner Bürger - und die Zeugung von Nachwuchs ist Resultat des Intimlebens, nämlich des Sexualverkehrs - weitestgehend heraushalten sollte.
Ein Grundsatz aber darf m.E. nicht aufgegeben werden:
Die Gleichheit aller vor dem Gesetz.[/u]
Der Freiheit, seine Kinder von mehreren Partnern zu haben und dies gegenüber dem jeweiligen Lebensabschnittsgefährten zu verheimlichen, muß auf der anderen Seite auch die Freiheit korrespondieren, diese Heimlichtuerei aufzudecken und den Ertappten zu stellen.
Aus diesem Grunde ist die Haltung von Frau Zypries in erster Linie ein Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz.
Und das rüttelt an den Grundfesten unserer verfassungsrechtlichen Ordnung.
Aber das ist ja nichts Neues - an denen wird in der vielfältigsten Weise gerüttelt, in vielen Fällen, ohne daß das noch jemanden aufregt.
Und das ist der eigentliche Skandal.
Gruß
Ekki