Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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neue Artikel zum drohenden Vaterschaftstestverbot

Arne Hoffmann, Monday, 10.01.2005, 21:50 (vor 7695 Tagen)

Ein Verbot heimlicher Vaterschaftstests sei überfällig, betonte die frauenpolitische Fraktionssprecherin der Grünen, Irmingard Schewe-Gerigk am 7. Januar in Berlin. Allerdings distanzierte sich die Politikerin von "überzogenen strafrechtlichen Konsequenzen". (…)
Der vollständige Artikel (in dem allerdings sonst nix Neues steht):
http://www.zwd.info/story.php?cat=20&subcat=10&page=1&storyid=3415

(…) Wie so oft, ist auch hier die Drohung mit dem Strafrecht fantasielos. Stattdessen sollte sich der Gesetzgeber Gedanken machen, wie er die gegenläufigen Interessen - hier das Interesse des Mannes, Klarheit über die Abstammung des Kindes zu bekommen, dort das Interesse der den Test ablehnenden Frau, nicht im Zusammenleben mit dem Kind unangemessen gestört zu werden - so zum Ausgleich bringt, dass das Kind möglichst wenig geschädigt wird. Das wird mit Sicherheit nicht im Gerichtssaal - weder eines Familiengerichts noch eines Strafgerichts - erreicht, schon eher im Gespräch des zweifenden Mannes mit einem qualifizierten Berater. Die Erfahrung zum Beispiel mit dem Recht des Schwangerschaftabbruchs zeigt, dass auf diese Weise etliche Konflikte schmerzfrei aus dem Weg geräumt weden können. Besteht der Mann dennoch auf seiner Absicht, entgegen dem Wunsch der Frau einen Vaterschaftstest einzuholen, kann er zu einem weiteren Beratungsgespräch, diesmal in Anwesenheit der Frau gebeten werden. Zur Teilnahme wären sowohl der Mann als auch die Frau verpflichtet. Erst danach wäre der Gang zum Gericht eröffnet, er aber müsste dann deutlich erleichtert werden. Die bisherige Verpflichtung des Mannes, seine Vaterschaft ausdrücklich zu bestreiten, war schon bisher vor allem für die betroffenen Kinder belastend. In einem gestuften Verfahren wäre sie nicht länger zu halten: Die Verpflichtung müsste dem Recht des Mannes weichen, die Abstammung des Kindes mit einem DNS-Test klären zu lassen, wenn sein Zweifel an der Vaterschaft plausibel ist und die Ablehnung der Frau willkürlich erscheint. Und was, wenn sich der Mann nicht an das Verfahren hält und ein heimlicher DNS-Test ihm bescheinigt, nicht der biologische Vater zu sein? Dann verlöre er den Anspruch gegen den biologischen Vater auf Rückzahlung des geleisteten Unterhalts, aber das geschuldete Geld müsste der wahre Vater spenden, zum Beispiel an das Kinderhilfswerk. Das wären zwei Strafen und ein guter Zweck.
Der vollständige Artikel:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/meinung/411364.html

(…) Der Alltag im Wiesbadener ID-Labor tatsächlich ist viel grauer. Von den jährlich 2- bis 3000 Vaterschaftstests, die dort durchgeführt werden, sind nach Schätzungen von Geschäftsführerin Angelika Lösch gerade einmal zehn Prozent heimliche, also ohne Wissen der Mutter, initiierte. Und in 80 Prozent entpuppt sich der vermeintliche Vater eben doch als der biologische. (…) „Da werden mit PR-Aktionen labile Männer aufgestachelt, da kommen falsche oder irreführende Gutachten zustande", meint Jürgen Henke vom Sachverständigenverband für Abstammungsgutachten. Henke, der selbst in Köln seit vielen Jahren ein Labor betreibt und hauptsächlich für Gerichte tätig ist, lehnt heimliche Tests generell ab, befürwortet auch das geplante Verbot von Justizministerin Zypries: "So wie es verboten ist, anderer Leute Telefone abzuhören." Henke sieht durch heimliche Tests die Persönlichkeitsrechte von Mutter und Kind verletzt. (…) Die Wirklichkeit freilich ist meist vielschichtiger und eben auch so, dass es für Männer eher schwierig ist, ihre Vaterschaft vor Gericht zu klären. Nicht nur, dass ihr Verdacht schlüssig und begründet sein muss, er kann auch nur in den ersten zwei Jahren geltend gemacht werden, nachdem Anhaltspunkte für Zweifel an der Vaterschaft bekannt wurden. "Eine gerichtliche Klärung ist außerdem viel belastender als eine private. Danach ist eine Familie wirklich kaputt", sagt Henriette Tewes, Geschäftsführerin von Papacheck. Zumal das Misstrauen der Männer, die um sich greifende Sorge vor Kuckuckskindern, ja in den seltensten Fällen gerechtfertigt ist. Bei Papacheck im niedersächsischen Geesthacht zum Beispiel sind es gerade einmal fünf bis zehn Prozent der Männer, die am Ende der Analyse als gehörnt dastehen. Beim Deutschen Kinderschutzbund entschied man gestern angesichts der nun entbrandeten Diskussion, den Vorstoß der Justizministerin zu unterstützen. Im Wohl des Kindes eben. "Kinder können es nicht nachvollziehen, wenn sie plötzlich nicht mehr Vater sagen dürfen", erklärt dessen Pressesprecherin Gabriele Wichert. Der Verband erhoffe sich allerdings als Ausgleich für das Verbot der heimlichen Tests ein vereinfachtes gerichtliches Verfahren. Wenn allerdings um ein Kind, um Sorgerecht, um Besuchsrecht oder eben um die Vaterschaft vor Gericht gefochten wird, das weiß man ja, hat sich so etwas wie familiäre Harmonie längst verflüchtigt, ist Krieg angesagt. Heimliche Tests sind da - bei aller Kritik - zumindest diskreter.
Der vollständige Artikel:
http://www.waz.de/waz/waz.westen.artikel.php?kennung=on1wazWESRegRegionRhein-Ruhr38360&zulieferer=waz&kategorie=WES&rubrik=Region®ion=Region%20Rhein-Ruhr&auftritt=WAZ&dbserver=1

Re: neue Artikel zum drohenden Vaterschaftstestverbot

Odin, Monday, 10.01.2005, 23:21 (vor 7695 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: neue Artikel zum drohenden Vaterschaftstestverbot von Arne Hoffmann am 10. Januar 2005 19:50:16:

Den deutschen Kinderschutzbund als möglichen Unterstützer zu verlieren ist natürlich happig.
Zumindest der ISUV hat positiv reagiert und sich zu der Forderung nach generellen Vaterschaftstests entschlossen.

Kinderschutzbund

S*mon, Monday, 10.01.2005, 23:53 (vor 7695 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: neue Artikel zum drohenden Vaterschaftstestverbot von Odin am 10. Januar 2005 21:21:12:

Den deutschen Kinderschutzbund als möglichen Unterstützer
zu verlieren ist natürlich happig.

Hat es den Kinderschutzbund eigentlich interessiert, was
es für Kinder bedeutet, wenn die Familien durch egoistische
Frauen und männerfeindliche Justiz zerstört werden?

Ich habe nie gehört, daß die darum lautstark Kritik
geäußert hätten.

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