Parallelen
Hallo an alle.
Suche gerade Parallelen der heutigen gesellschaftlichen Situation (extreme Diskriminierung eines Teils der Bevoelkerung) mit aehnlichen Situationen in der Geschichte, die zu einer Revolution muendeten.
Gibt es gleiche Signale? Kann man sogar direkt Einzelabschnitte erkennen?
Faellt euch dazu etwas ein?
Nikos
Re: Parallelen
Als Antwort auf: Parallelen von Nikos am 10. Januar 2005 14:32:58:
Hallo,
Suche gerade Parallelen der heutigen gesellschaftlichen Situation (extreme Diskriminierung eines Teils der Bevoelkerung) mit aehnlichen Situationen in der Geschichte, die zu einer Revolution muendeten.
Gibt es gleiche Signale? Kann man sogar direkt Einzelabschnitte erkennen?
Es würde sich sicherlich ein Vergleich an den Haaren herbeiziehen lassen. Aber warum? Wir haben zwar eine Diskriminierung, aber keine, die eine "Revolution" rechtfertigen würde. Eine Korrektur politischer Leitlinien in einzelnen Bereichen und dei Beseitigung einiger gesellschaftlicher Vorurteile reicht völlig. Alles andere ergibt sich dann von selbst.
Gruß
Andreax
Re: Parallelen
Als Antwort auf: Re: Parallelen von Andreax am 10. Januar 2005 14:47:50:
Super optimistisch. Mir scheint es aber, dass eine Veraenderung viel mehr benoetigt, als nur ein Bisschen dort und ein Wenig da.
Welche Vergleiche waeren es denn fuer dich moeglich? "An den Haaren herbeiziehen" ist fuer mich ein sehr weit dehnbarer Begriff.
Nikos
Re: Parallelen
Als Antwort auf: Parallelen von Nikos am 10. Januar 2005 14:32:58:
Moin Nikos,
was Du ansprichts ist ein sehr weites Feld.
Es gibt eine geschichts-philosophische Schule, die die Menschheitsgeschichte abweichend von der herrschenden Sichtweise (zB Hegel) nicht als stetig fortschreitende Höherentwicklung, sondern als Abfolge in sich abgeschlossener Hochkulturen interpretiert. Das ist die sogenannte kulturzyklische Sicht.
Nach deren Sicht handelt es sich beispielsweise bei der Geschichte im europäischen Umfeld nicht um eine aufeinander aufbauende Entwicklung vom pharaonischen Ägypten über die griechisch-römische Antike hin zum Abendland, sondern um eine rein zufällige geografische Nähe dieser Kulturen und mehr nicht. Überliefert werden einige äußere Formen, nicht aber das innere kulturtragende Grundverständnis.
Die Kulturzykler vergleichen die verschiedenen Kulturen nicht nach der absoluten historischen Zeit, sondern nach deren innerer Uhr. So ist nach deren Sicht beispielsweise der Alexanderzug der griech.-röm. Antike gleichzeitig zu Napoleons Eroberung Europas, da sie das Entwicklungsstadium der griech.-röm. Antik um 350 v. Chr. in den abendländischen Zuständen um ca. 1800 n. Chr. wieder erkennen.
Der herausragendste Vertreter der Kulturzykler ist Oswald Spengler mit seinem Hauptwerk Der Untergang des Abendlandes. Dieser erkennt den Feminismus als eines der Niedergangssymptome einer sich zersetzenden Gesellschaft in den jeweils späten,d.h. untergangs-nahen, Phasen aller Kulturen wieder.
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3406441963/qid=1105368190/sr=1-4/ref=sr_1_11_4/02...
Spenglers Hauptwerk, 1917 geschrieben, wurde zu einem der meistgelesenen Bücher der Weimarer Republik. Spengler war als traditionalistischer, wilhelminischer Denker einer der geistigen Haupttodesgräber der Weimarer Republik. Obwohl er stets auf die Unvereinbarkeit seiner Lehre mit dem aufkommenden Nationalsozialismus hinwies, explizit wegen der Einstellung zur Judenfrage, war er doch nach der Machtergreifung anfänglich auf der Seite des Dritten Reiches. Ein Treffen mit Hitler anfang der 30er Jahre, bei dem es darum ging, Spengler als außenpolitischen Berater zu gewinnen endete im Eklat.
Als Spengler sich - wiederum im Hinblick auf die NS-Einstellung zur Judenfrage - über Jahre hinweg weigerte, die ihm von Goebbels angediente Professur anzutreten oder auf dem deutschen Tag von Potsdam als Redner aufzutreten, erhielt er schließlich Rede- und Publikationsverbot.
Spengler starb 1936 an einem Nierenleiden.
Gruß
Andreas
Re: Parallelen
Als Antwort auf: Re: Parallelen von Nikos am 10. Januar 2005 15:10:38:
Super optimistisch. Mir scheint es aber, dass eine Veraenderung viel mehr benoetigt, als nur ein Bisschen dort und ein Wenig da.
"Super optimistisch" bin ich nicht unbedingt. Ich wollte nur ausdrücken, daß unsere Gesellschaft bzw. im speziellen unsere Situation nicht an einem Punkt angelangt ist, der im historischen Vergleich eine Revolution im Sinne von einem gewaltsamen Umsturz hervorbringen könnte.
Welche Vergleiche waeren es denn fuer dich moeglich? "An den Haaren herbeiziehen" ist fuer mich ein sehr weit dehnbarer Begriff.
Um ehrlich zu sein: mir fällt kein direkter Vergleich ein.
"An den Haaren herbeiziehen" könnte man z.B. Vergleiche mit Rassenaufständen im vergangenen Jahrhundert. Nach dem Motto "Damals gab es eine Rassentrennung in Bussen, was vergleichbar ist mit heutigen Frauenparkplätzen".
Sorry, aber ich halte dies nicht für besonders gelungen.
Was ich damit insgesamt ausdrücken möchte: Viele hier fordern, getrieben von ihrem Gerechtigkeitsgefühl drastische Maßnahmen, Massenproteste, Revolution, Umsturz und was weiß ich noch alles. Das ist zwar verständlich, aber unrealistisch. Am harmlosesten sind noch diejenigen, die nur hier (quasi intern) rumblöken, aber sonst nichts tun.
Schlimmer, weil schädlich für die Sache wären diejenigen, die dies auch umzusetzen versuchten. Aber das macht eh keiner.
Wer wirklich etwas politisch erreichen will, der soll sich entsprechenden Organisationen anschließen oder diese unterstützen. Beispiele sind MANNdat, große Teile des VAFK oder Odin mit seine pro-test.net-Aktion.
(Bitte nicht böse sein, wenn ich jemanden vergessen habe
)
Diese Leute arbeiten wirklich daran, etwas zu verändern und sie haben auch Schritt für Schritt Erfolge zu verzeichnen.
Von "Revolution" redet da aber keiner.
Gruß
Andreax
Re: Parallelen
Als Antwort auf: Re: Parallelen von Andreax am 10. Januar 2005 16:20:50:
Was ich damit insgesamt ausdrücken möchte: Viele hier fordern, getrieben von ihrem Gerechtigkeitsgefühl drastische Maßnahmen, Massenproteste, Revolution, Umsturz und was weiß ich noch alles. Das ist zwar verständlich, aber unrealistisch. Am harmlosesten sind noch diejenigen, die nur hier (quasi intern) rumblöken, aber sonst nichts tun.
Schlimmer, weil schädlich für die Sache wären diejenigen, die dies auch umzusetzen versuchten. Aber das macht eh keiner.
Wer wirklich etwas politisch erreichen will, der soll sich entsprechenden Organisationen anschließen oder diese unterstützen. Beispiele sind MANNdat, große Teile des VAFK oder Odin mit seine pro-test.net-Aktion.
(Bitte nicht böse sein, wenn ich jemanden vergessen habe)
Diese Leute arbeiten wirklich daran, etwas zu verändern und sie haben auch Schritt für Schritt Erfolge zu verzeichnen.
Von "Revolution" redet da aber keiner.
Gruß
Andreax
Danke, Andreax, du rettest meinen Glauben an die Menschheit
Ich bin wirklich froh, dass hier auch noch Leute mit kühlem Kopf schreiben.
Gruß von Eugen
Re: Parallelen
Als Antwort auf: Re: Parallelen von Andreax am 10. Januar 2005 16:20:50:
Hi Andreax.
Nun, ich sehe es genau so wie du. Doch wie ist es dazu gekommen, dass es in der Geschichte immer wieder (trotzdem) Revolutionen gab? Ich meine, Demokratie ist ein alter Begriff.
Ich denke, wenn Versuche zum friedlichen Loesung nicht gefruchtet haben, sobald das Fass ueberlaufen ist, dann kippt die Situation um, dann gibt es keinen Halt mehr.
Mir macht eine Revolution definitiv keinen Spass und ich werde auch mit Sicherheit keine Revolution selbst anfangen.
Eine Parallele waere aber genau diese: Dachten in vor-Revolutionaeren Zeiten die Menschen auch so, wie wir jetzt "Wir schaffen es auch ohne"? Oder sogar "wir muessen es ohne schaffen"? Gab es nicht welche, die eher aggresiv und andere, die eher verhalten waren?
So wie jetzt bei der Maennerbewegung? Wie erkennt man einen sozialen Aufstand fruehzeitig?
Die politische Loesung ist sicherlich eine sehr Gute. Allerdings bringt mir mein gestohlenes Kind nicht zueruck (ebenso wenig wie eine Revolte, natuerlich), weil sie so ewig lang dauert. Wenn aber mein (persoenliches) Leid sich hoch genug multipliziert hat, dann, denke ich, dass es so weit sein wird, ob uns dies gefaellt oder nicht.
Einen kuehlen Kopf bewahren kann man nur, wenn man auf irgendeiner Art unbeteiligt ist. Wenn man mittendrinn steckt, wenn das eigene abermals geliebte Kind nur noch einem anschimpft, dann wird es extrem schwierig, mit dem kuehlen Kopf.
Nicht unmoeglich, aber extreeeeeeem schwierig. Fuer mich kommt es nur noch auf die kritische Zahl leidende Maenner und Kinder, die dem "Point of no return" ueberschreiten.
Natuerlich kann noch alles politisch geregelt werden. Meine Frage war aber, ob es Parallelen zu frueheren Vor-Revolutionaeren Situationen erkennbar sind.
Nikos
Re: Parallelen
Als Antwort auf: Re: Parallelen von Nikos am 12. Januar 2005 08:55:54:
Hallo Nikos,
Nun, ich sehe es genau so wie du. Doch wie ist es dazu gekommen, dass es in der Geschichte immer wieder (trotzdem) Revolutionen gab? Ich meine, Demokratie ist ein alter Begriff.
Revolutionen entstehen, wenn ein große Anzahl von Menschen der Meinung sind, sie haben nichts mehr zu verlieren. Ebenso brauchen die Revolutionäre den Rückhalt der Bevölkerungsmehrheit. Wenn nicht, ist einfach nur Terrorismus. Eine Revolution hat nichts mit Demokratie zu tun. Was war beispielsweise an der Russischen Revolution 1917 demokratisch?
Ich denke, wenn Versuche zum friedlichen Loesung nicht gefruchtet haben, sobald das Fass ueberlaufen ist, dann kippt die Situation um, dann gibt es keinen Halt mehr.
Ja, das kannn so kommen.
So wie jetzt bei der Maennerbewegung? Wie erkennt man einen sozialen Aufstand fruehzeitig?
Die politische Loesung ist sicherlich eine sehr Gute. Allerdings bringt mir mein gestohlenes Kind nicht zueruck (ebenso wenig wie eine Revolte, natuerlich), weil sie so ewig lang dauert. Wenn aber mein (persoenliches) Leid sich hoch genug multipliziert hat, dann, denke ich, dass es so weit sein wird, ob uns dies gefaellt oder nicht.
Einen kuehlen Kopf bewahren kann man nur, wenn man auf irgendeiner Art unbeteiligt ist. Wenn man mittendrinn steckt, wenn das eigene abermals geliebte Kind nur noch einem anschimpft, dann wird es extrem schwierig, mit dem kuehlen Kopf.
Nicht unmoeglich, aber extreeeeeeem schwierig. Fuer mich kommt es nur noch auf die kritische Zahl leidende Maenner und Kinder, die dem "Point of no return" ueberschreiten.
Was Du schreibst, sieht eher nach Märtyrertum aus.
Ich kann es zwar verstehen, warum einige wenige Männer Amok laufen und ihre Frau, Kinder und sich selbst umbringen oder andere Kurzschlußhandlungen begehen, aber es ist dumm und nützt überhaupt nichts.
Wer solche Gedanken hegt, sollte profesionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Natuerlich kann noch alles politisch geregelt werden. Meine Frage war aber, ob es Parallelen zu frueheren Vor-Revolutionaeren Situationen erkennbar sind.
Ist nicht alles irgendwie vor-revolutionär? 
Im Ernst, ich glaube nicht, daß es Sinn macht, nach Parallelen zu suchen.
Welchen Nutzen hätte das?
Gruß
Andreax