"Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan?"
Howdy 
In einer meiner beiden Heimatzeitungen, dem "Wiesbadener Tagblatt", findet sich auf Seite 2 ein sehr ausführlicher Kommentar von Reinhard Breidenbach zu dem von Zypries angedrohten "Schlampenparagraphen". Er steht leider nicht online und ist viel zu lang, als dass ich ihn sinnvoll abtippen könnte, deshalb hier nur einige Höhepunkte:
--- ( ) Es gilt, Schutzrechte und Interessensphären behutsam gegeneinander abzuwägen. Sowohl das betroffene Kind als auch der an seiner Vaterschaft zweifelnde Mann möchten die anderen Familienmitglieder schonen - oder er misstraut ihnen massiv, weil bereits ein Konflikt schwelt. ( ) All dies zeigt: die Materie ist höchst sensibel. Und in der Verantwortung, damit vernünftig umzugehen, stehen in allererster Linie die Betroffenen selbst. Der Staat mit seinen Gerichten und Institutionen kann helfend eingreifen, wenn er gerufen wird oder wenn die Lage eskaliert. In diese empfindliche Balance-Situation passt eins nun allerdings überhaupt nicht hinein: die Idee, heimliche Vaterschaftstests unter Strafe zu stellen. Abgesehen davon, dass solch ein strafbewehrtes Verbot leicht durch Ausweichen ins Ausland unterlaufen werden könnte ( ): Strafe darf von ihrer Natur her immer nur das allerletzte Mittel sein, um schweres Unrecht zu sühnen und gravierende Gefahren abzuwehren. ( ) Deshalb mit Strafe in ein so anfälliges Beziehungsgeflecht wie das einer schwelenden Vaterschafts-Unsicherheit einzugreifen, das war eine krause Idee. Das wäre so, als gehe ein Chirurg mit dem großen Schlachtermesser in eine Operation am offenen Herzen. Ganz spät, am Freitagabend, ruderte die Ministerin zurück, wenigstens ein bisschen. Ach, Frau Zypries. ---
Einen weiteren guten Kommentar veröffentlicht unter http://www.ez-online.de/ueberregional/kommentar/Artikel82546.cfm die Esslinger Zeitung. Zitat: "Es ist zu begrüßen, dass nicht nur Oppositionspolitiker, sondern auch die mitregierenden Grünen das ganz offensichtlich geschlechterideologisch motivierte Vorhaben der Justizministerin ablehnen."
Noch deutlicher wird der "Tagesspiegel" unter http://www.tagesspiegel.de/meinung/index.asp?gotos=http://archiv.tagesspiegel.de/toolbox-neu.php?ran=on&url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/08.01.2005/1578320.asp. Der Kommentar eröffnet mit folgendem Absatz:
--- Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan? Sie sind doch sonst nicht so. Vermutlich eine Retro-Droge, die sie in das Jahr 1975 zurückversetzt. Es berührt einen jedenfalls ziemlich nostalgisch, wenn man sieht, wie in diesen Tagen für ein strafbewehrtes Verbot heimlicher Vaterschaftstest gestritten wird. Biggi Bender zum Beispiel, eine sonst ausgesprochen vernünftige grüne Sozialpolitikerin schmettert: "Es darf keinen Bonus geben für männliche Feigheit." Das ist wohl wahr. Nur geht es ihr darum ja gar nicht, vielmehr möchte sie "männliche Feigheit" mit bis zu einem Jahr Gefängnis bestrafen. Außerdem erklärte Frau Bender, Frauen und Kinder seien "mindestens" so schutzbedürftig wie Männer. Mindestens? ---
Die Leipziger Volkszeitung sieht es ähnlich (und ist wieder mal eine Zeitung, die auch "Männerrechtler" erwähnt): http://www.lvz-online.de/lvz-heute/153118.html
Dito die Mitteldeutsche Zeitung unter http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1105111341259&openMenu=1013083806188&calledPageId=1013083806188&listid=1018881578522
Kann es sein, dass Zypries Idiotie der Männerbewegung so viel Aufmerksamkeit verschafft wie in den Siebzigern die Abtreibungsdebatte der Frauenbewegung?
Eine hübsche Karikatur zu Zypries Vorhaben findet man unter http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/politik/1403282/artikel.php?SWAID=608b4306f5d2e4c3a29b47884c1d6f5b
Die Kontroverse ist noch nicht beendet, aber eines scheint mir klar: Noch vor fünf Jahren, als noch keine wenigstens einigermaßen lautstarke Männerbewegung existierte, hätte Zypries mit ihrer "krausen Idee" genauso einen heimlichen Durchmarsch geschafft wie die Ministerinnen damals mit ihrem "Gewaltschutzgesetz". Diese Zeiten wenigstens sind für den Moment vorbei.
Arne
NDR
Als Antwort auf: "Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan?" von Arne Hoffmann am 08. Januar 2005 10:46:36:
Moin,
gestern war wieder ein Beitrag im Hörfunk-Nachrichtenkanal des NDR. Und zwar von der gestrigen (07.01.) Pressekonferenz des Justizministeriums in Berlin.
Es wurde gesagt, die Stimmung sei äußerst gereizt gewesen. Vor allem männliche - was Wunder! - Pressevertreter hätten die Ministeriumssprecherin mit harten Fragen bedrängt.
Als diese zur Klarstellung abhob, es gehe nur um das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und nicht um die Benachteiligung von Männern hob schallendes Gelächter an. Diese Passage war als Aufzeichnung mitzuhören.
Gruß
Andreas
PS: Hamburger Abendblatt
Als Antwort auf: NDR von ein weiterer Andreas am 08. Januar 2005 11:35:15:
Einen sehr positiven (in unserem Sinne) Kommentar druckt das Hamburger Abendblatt ...
Gruß
Andreas
Re: "Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan?"
Als Antwort auf: "Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan?" von Arne Hoffmann am 08. Januar 2005 10:46:36:
Hallo Arne
<i/>Die Kontroverse ist noch nicht beendet, aber eines scheint mir klar: Noch vor fünf Jahren, als noch keine wenigstens einigermaßen lautstarke Männerbewegung existierte, hätte Zypries mit ihrer "krausen Idee" genauso einen heimlichen Durchmarsch geschafft wie die Ministerinnen damals mit ihrem "Gewaltschutzgesetz". Diese Zeiten wenigstens sind für den Moment vorbei.[/i]
Richtig! Aber das ist der Erfolg von Männern, die sich dem Thema ernsthaft gestellt haben. Menschen die Bücher geschrieben, Organisationen gegründet, Netzwerke aufgebaut haben. Wie schnell könnte diese Chance vorbei sein, wenn die Männerbewegung mit Intoleranz, Engstirnigkeit und Wahnsinn assoziiert wird?
Damit meine ich nicht einen rechten oder linken Flügel. Die Männerbewegung sollte für alle politischen Orientierungen offen sein.
Aber primitive Rachegedanken, Antisemitismus und unreflextierte Vergleiche versauen der Männerbewegung den Ruf schneller als er aufgebaut wurde.
Daher gilt es sich von inhumanen Formulierungen abzugrenzen bevor die Männerbewegung im gesellschaftlichen Diskurs dasselbe Etikett bekommt wie der Feminismus.
Zudem gefährden diese Äußerungen die Existenz des Forums.
Meinungsfreiheit bedeutet nicht endlich mal die Sau rauslassen zu dürfen.
Grüße
Garp
Das bedauerliche Weise ist nur,
Als Antwort auf: Re: "Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan?" von Garp am 08. Januar 2005 14:42:40:
Zudem gefährden diese Äußerungen die Existenz des Forums.
[quote]Meinungsfreiheit bedeutet nicht endlich mal die Sau rauslassen zu dürfen.[/quote]
Dass dann die Männerbewegung auf nur solche Äußerungen reduziert werden und das verkauft sich dann in Presse und Medien besonders gut. Vielleicht erscheinen dann neben den Büchen "Vorsicht 'Lebensschützer'" noch "Vorsicht 'MännerRECHTler'"
Man(n) weiß es nicht....
Magnus
Re: "Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan?"
Als Antwort auf: "Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan?" von Arne Hoffmann am 08. Januar 2005 10:46:36:
Die Kontroverse ist noch nicht beendet, aber eines scheint mir klar: Noch vor fünf Jahren, als noch keine wenigstens einigermaßen lautstarke Männerbewegung existierte, hätte Zypries mit ihrer "krausen Idee" genauso einen heimlichen Durchmarsch geschafft wie die Ministerinnen damals mit ihrem "Gewaltschutzgesetz". Diese Zeiten wenigstens sind für den Moment vorbei.
Am Ende können wir der guten Frau noch dankbar sein, weil sie der Männerrechtsbewegung mit ihrem absonderlichen Gesetzesvorhaben zu ungebremstem Zulauf und letztlich zum Durchbruch verholfen hat.
Die Feministinnen haben den Bogen überspannt. Jetzt beginnt er allmählich zu reißen.
Re: "Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan?"
Als Antwort auf: Re: "Was hat man bloß diesen Frauen in den Kaffee getan?" von Frank am 08. Januar 2005 17:12:42:
Tja, es faellt halt an Erfahrung und an Ethik.
Die Feministinnen haben den Bogen überspannt. Jetzt beginnt er allmählich zu reißen<
Nikos