Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Mal schauen, wer gewinnt....

Ekki, Friday, 07.01.2005, 23:21 (vor 7698 Tagen) @ Sven

Als Antwort auf: Mal schauen, wer gewinnt.... von Sven am 07. Januar 2005 18:56:15:

"Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht", sagte Meisner seinem Predigttext vom Dreikönigstag zufolge.
"Nach Ansicht des Zentralrats der Juden in Deutschland hat Meisner mit der Gleichsetzung von NS-Völkermord und heutiger Abtreibung Millionen Holocaust-Opfer beleidigt. "Meisner muss sich unverzüglich von diesem unzulässigen Vergleich distanzieren", forderte Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats. Ein Bischof habe eine Vorbildfunktion, sagte Spiegel."
Mal schauen, wer gewinnt.
Der Kardinal als Vertreter der katholischen Kirche mit ca. 600 Mio. Gläubigen weltweit
oder
der Zentralrat der Juden, als Vertreter der Juden mit ca. 15 Mio. Gläubigen weltweit.
Na was meint Ihr ?

Hallo allerseits!

Ich bin durchaus der Meinung, daß es - und zwar sowohl in näherer als auch in sehr ferner Verangenheit! - Verbrechen gegeben hat, die den Vergleich mit dem Mord an den Juden durchaus aushalten. Hier um die Zahl der Opfer zu feilschen, fände ich geschmacklos.

Ob der Zentralrat der Juden einen bestimmten Vergleich für angemessen hält oder nicht - das bewegt sich schlicht und einfach im Rahmen der Meinungsfreiheit. Ich nehme die Äußerungen des Zentralrats zur Kenntnis wie alle anderen Äußerungen, bin mit manchem einverstanden, mit manchem auch nicht.

Bei mir schrillen aber in der Tat die Alarmglocken bei Äußerungen wie "Schon wieder die Juden"[/i], oder, wie es hier in m.E. bewußt persiflierender und herabsetzener Absicht formuliert wurde "Schon wieder der Rat der Guten"[/i]. Es ist dieser Zungenschlag - und NICHT die Kritik an irgendwelchen Äußerungen des Zentralrates! - der seinen Autoren ein eindeutiges (antisemitisches) Zeugnis ausstellt.

Und bei alledem sind wir unversehens vom Thema - der Bewertung von Abtreibungen durch Kardinal Meißner - abgekommen.

Es ist bekannt, daß ich zwar einerseits Abtreibungen auch minimieren möchte (z.B. durch Einführung der Pille für den Mann), daß ich aber andererseits die flammende Verdammung von Abtreibungen, wie sie von Meißner und seinen Gesinnungsgenossen ausgesprochen wird, nicht teile und insbesondere auch Abtreibung (bis zur 12. Woche) nicht als Mord einstufe.

Insofern erledigt sich für mich das Problem des Vergleichs mit dem Holocaust von vornherein. Auf der Grundlage meiner oben dargelegten Haltung komme ich zu dem Schluß, daß Meißner hier schlicht und einfach Unvergleichbares verglichen hat. Deshalb würde ich, hätte ich für den Zentralrat der Juden zu sprechen, diesen Vergleich nicht als beleidigend, sondern als vollidiotisch einstufen.

Es wäre übrigens sehr interessant, zu erfahren, wie der Zentralrat der Juden das Problem der Abtreibung bewertet. Zu erwarten ist am ehesten, daß im Judentum - wie in allen anderen Religionen auch - streng religiöse Menschen in die Richtung von Kardinal Meißner tendieren, während die Akzeptanz der Abtreibung oder zumindest ihre Nicht-Verdammung mit dem Grad der Säkularisierung (Religionsferne) zunehmen dürfte.

Gruß

Ekki


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