Ich bin gegen heimliche Gentests
Hallo!
OK, die Überschrift ist irreführend, denn ich bin nicht gegen die Sache selbst, sondern gegen diesen Begriff.
Die Benutzung von Begriffen und Schlagworten ist in der politischen Debatte von größter Wichtigkeit. Man darf sich vom Gegner nicht die Schlagworte und Formulierungen diktieren lassen. Die meisten Leute waren gegen den Großen Lauschangriff, aber für das Abhören von Gangsterwohnungen zur Verhinderung schlimmster Verbrechen.
Deswegen ist es falsch, sich die Formulierung Heimliche Gentests anzueignen. Man sollte in allen Leserbriefen und Veröffentlichungen weder das Wort heimlich noch Gentest benutzen.
Stattdessen sollte man von Untersuchung der DNS auch ohne Erlaubnis der Mutter sprechen. Das ist auch wesentlich präziser und korrekter.
Die Abstammungsgutachten beruhen nämlich gar nicht auf einem Gentest. Das ist faktisch einfach falsch. Ein Gen ist eine Erbanlage, also der Code für den Bauplan des Lebewesens. In der (menschlichen) DNS steckt aber auch eine Menge Datenmüll, der bei Verwandten sehr ähnlich und bei fremden sehr verschieden ist. Aber dieser Datenmüll enthält nicht die geringste sinnvolle Information. Es gilt: Die Gene (Erbanlagen) sind zwar in der DNS verschlüsselt, aber nicht die gesamte DNS verschlüsselt auch Gene. Untersucht und verglichen werden ausschließlich die nichtkodierenden DNS-Sequenzen. Die DNS-Sequenzen, die die Gene kodieren, sind überhaupt nicht verwertbar, da sie bei den Individuen zu ähnlich sind.
Man sollte im Disput auch das Wort heimlich vermeiden, denn es klingt nach verstohlen, etwas zu verbergen habend, nach schlechtem Gewissen. Und es geht doch tatsächlich darum, nicht die Erlaubnis der Kindesmutter einholen zu müssen.
Ich bin gegen die Bestrafung von Vätern, die, ohne vorher die Mutter um Erlaubnis zu fragen, einen Vaterschaftstest machen lassen. klingt doch besser als: Ich bin für heimliche Gentests. Oder?
Gruß,
Daddeldu
von Nick am 07. Januar 2005 22:19:52: