Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Kardinal Meissner vergleicht Abtreibungen mit Hitlers Verbrechen

Ekki, Friday, 07.01.2005, 14:42 (vor 7698 Tagen)

SPIEGEL ONLINE - 07. Januar 2005, 11:32
URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,335815,00.html
Predigt in Köln

Kardinal Meisner vergleicht Abtreibungen mit Hitlers Verbrechen

Der Kölner Kardinal Meisner hat in seiner Dreikönigspredigt Abtreibungen mit den Verbrechen von Hitler und Stalin verglichen. Der Zentralrat der Juden reagierte mit Empörung auf die Rede Meisners.

DDP
Meisner: "Im höchsten Maße empörend"
Köln - "Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht", sagte Meisner seinem Predigttext vom Dreikönigstag zufolge.

Ein Sprecher der Erzbistums sagte heute, es sei davon auszugehen, dass der Kardinal dies so auch wörtlich im Kölner Dom geäußert habe. Abtreibung und Euthanasie seien ein anmaßendes Aufbegehren, sagte der als erzkonservativ geltende Meisner weiter. Der Mensch dürfe sich nicht selbst zu Gott machen, der sich Verfügungsgewalt über den eigenen Leib und über das Leben anderer anmaße.

Nach Ansicht des Zentralrats der Juden in Deutschland hat Meisner mit der Gleichsetzung von NS-Völkermord und heutiger Abtreibung Millionen Holocaust-Opfer beleidigt. "Meisner muss sich unverzüglich von diesem unzulässigen Vergleich distanzieren", forderte Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats. Ein Bischof habe eine Vorbildfunktion, sagte Spiegel.

"Was soll man von der Jugend erwarten, wenn ein katholischer Würdenträger auf diese Weise und ungestraft den millionenfachen Mord an Juden relativieren kann", kritisierte der Zentralratspräsident den Kardinal. Personen des Öffentlichen Lebens hätten auf Grund solcher Äußerungen schon von ihren Ämtern zurücktreten müssen. Bei allem Verständnis für die moralische Empörung des Kardinals in der Frage der Abtreibung ist laut Spiegel "der direkte Vergleich mit dem systematischen und fabrikmäßigen Massenmord der Nazis unzulässig und im höchsten Maße empörend".

Zur Flutkatastrophe in Asien sagte der Kardinal, es sei verständlich, dass viele Menschen fragten, wo Gott bleibe. Er sei mitten unter den Leidenden. "Wir wissen die im Indischen Ozean versunkenen Schwestern und Brüder in den Händen Gottes und die Zurückgebliebenen in unseren Händen, die sich ihrer Not nun öffnen werden."

<hr>

Mein Kommentar:

Wann begreifen die "liberalen Katholiken" endlich, daß man wir Karlheinz Deschner treffend schrieb, 'in dieser Kirche schon längst nichts mehr retten kann, sondern nur noch sich und andere vor ihr'?!

Im Übrigen wiederhole und betone ich in diesem Zusammenhang meine Anmerkungen zur Enzyklika "Casti Connubii":

<hr>

Es ist kein Zufall[/u], dass in der evangelischen Kirche[/u] die Vertreter einer rigiden Sexualmoral erstens[/u] zahlenmäßig geringer sind, und dass dort zweitens[/u] keine Rundschreiben mit solchen Inhalten wie die zitierte Enzyklika erlassen werden.

Es gibt halt zu viele evangelische Pfarrer, die sowohl Sexualität als auch Familie leben durften. Drastisch-plastisch ausgedrückt: Wer (im physischen Sinne) ejakulieren darf, dem strömen solche Gehirn-Ejakulate wie die zitierte Enzyklika einfach nicht aus der Feder.

Gleiches gilt für Judentum und Islam.

Wenn diese Wahnsinns-Organisation namens katholische Kirche ihre Macht einmal verloren haben wird, dann werden die Fragen von Fortpflanzung, Familienplanung und Sexualität von Grund auf neu verhandelt werden müssen.

Und das wird eine wahnsinnig interessante Sache werden.

Wie immer diese Verhandlung auch ausgehen wird – ich halte den Spruch „Mein Schwanz gehört mir“, den ich als Titel dieses Postings gewählt habe, in Ehren. Kinder zeugt man entweder, weil man sie von ganzen Herzen annehmen will, oder man läßt es bleiben.[/u]

<hr>

Gruß

Ekki

Mal schauen, wer gewinnt....

Sven, Friday, 07.01.2005, 20:56 (vor 7698 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Kardinal Meissner vergleicht Abtreibungen mit Hitlers Verbrechen von Ekki am 07. Januar 2005 12:42:24:

"Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht", sagte Meisner seinem Predigttext vom Dreikönigstag zufolge.

"Nach Ansicht des Zentralrats der Juden in Deutschland hat Meisner mit der Gleichsetzung von NS-Völkermord und heutiger Abtreibung Millionen Holocaust-Opfer beleidigt. "Meisner muss sich unverzüglich von diesem unzulässigen Vergleich distanzieren", forderte Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats. Ein Bischof habe eine Vorbildfunktion, sagte Spiegel."

Mal schauen, wer gewinnt.

Der Kardinal als Vertreter der katholischen Kirche mit ca. 600 Mio. Gläubigen weltweit

oder

der Zentralrat der Juden, als Vertreter der Juden mit ca. 15 Mio. Gläubigen weltweit.

Na was meint Ihr ?

Re: Mal schauen, wer gewinnt....

Ekki, Friday, 07.01.2005, 23:21 (vor 7698 Tagen) @ Sven

Als Antwort auf: Mal schauen, wer gewinnt.... von Sven am 07. Januar 2005 18:56:15:

"Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht", sagte Meisner seinem Predigttext vom Dreikönigstag zufolge.
"Nach Ansicht des Zentralrats der Juden in Deutschland hat Meisner mit der Gleichsetzung von NS-Völkermord und heutiger Abtreibung Millionen Holocaust-Opfer beleidigt. "Meisner muss sich unverzüglich von diesem unzulässigen Vergleich distanzieren", forderte Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats. Ein Bischof habe eine Vorbildfunktion, sagte Spiegel."
Mal schauen, wer gewinnt.
Der Kardinal als Vertreter der katholischen Kirche mit ca. 600 Mio. Gläubigen weltweit
oder
der Zentralrat der Juden, als Vertreter der Juden mit ca. 15 Mio. Gläubigen weltweit.
Na was meint Ihr ?

Hallo allerseits!

Ich bin durchaus der Meinung, daß es - und zwar sowohl in näherer als auch in sehr ferner Verangenheit! - Verbrechen gegeben hat, die den Vergleich mit dem Mord an den Juden durchaus aushalten. Hier um die Zahl der Opfer zu feilschen, fände ich geschmacklos.

Ob der Zentralrat der Juden einen bestimmten Vergleich für angemessen hält oder nicht - das bewegt sich schlicht und einfach im Rahmen der Meinungsfreiheit. Ich nehme die Äußerungen des Zentralrats zur Kenntnis wie alle anderen Äußerungen, bin mit manchem einverstanden, mit manchem auch nicht.

Bei mir schrillen aber in der Tat die Alarmglocken bei Äußerungen wie "Schon wieder die Juden"[/i], oder, wie es hier in m.E. bewußt persiflierender und herabsetzener Absicht formuliert wurde "Schon wieder der Rat der Guten"[/i]. Es ist dieser Zungenschlag - und NICHT die Kritik an irgendwelchen Äußerungen des Zentralrates! - der seinen Autoren ein eindeutiges (antisemitisches) Zeugnis ausstellt.

Und bei alledem sind wir unversehens vom Thema - der Bewertung von Abtreibungen durch Kardinal Meißner - abgekommen.

Es ist bekannt, daß ich zwar einerseits Abtreibungen auch minimieren möchte (z.B. durch Einführung der Pille für den Mann), daß ich aber andererseits die flammende Verdammung von Abtreibungen, wie sie von Meißner und seinen Gesinnungsgenossen ausgesprochen wird, nicht teile und insbesondere auch Abtreibung (bis zur 12. Woche) nicht als Mord einstufe.

Insofern erledigt sich für mich das Problem des Vergleichs mit dem Holocaust von vornherein. Auf der Grundlage meiner oben dargelegten Haltung komme ich zu dem Schluß, daß Meißner hier schlicht und einfach Unvergleichbares verglichen hat. Deshalb würde ich, hätte ich für den Zentralrat der Juden zu sprechen, diesen Vergleich nicht als beleidigend, sondern als vollidiotisch einstufen.

Es wäre übrigens sehr interessant, zu erfahren, wie der Zentralrat der Juden das Problem der Abtreibung bewertet. Zu erwarten ist am ehesten, daß im Judentum - wie in allen anderen Religionen auch - streng religiöse Menschen in die Richtung von Kardinal Meißner tendieren, während die Akzeptanz der Abtreibung oder zumindest ihre Nicht-Verdammung mit dem Grad der Säkularisierung (Religionsferne) zunehmen dürfte.

Gruß

Ekki

Re: Mal schauen, wer gewinnt.... *LOL*!

Max, Saturday, 08.01.2005, 15:05 (vor 7697 Tagen) @ Sven

Als Antwort auf: Mal schauen, wer gewinnt.... von Sven am 07. Januar 2005 18:56:15:

Hi Sven,

Mal schauen, wer gewinnt.
Der Kardinal als Vertreter der katholischen Kirche mit ca. 600 Mio. Gläubigen weltweit
oder
der Zentralrat der Juden, als Vertreter der Juden mit ca. 15 Mio. Gläubigen weltweit.
[quote]Na was meint Ihr ?
[/quote]

...das Pokalendspiel der Religionen? Aufpassen! Die krassen Außenseiter werden oftmals unterschätzt!
Wenn ich jetzt noch einen Schlachtengesang der "Catholic Kickers United" entwerfe, dann bedeutet das die Schließung dieses Forums. Also laß´ich´s lieber.

"Mal schauen, wer gewinnt" - genial!

Meine Verehrung - Max

Kardinal Meisner bedauert Hitler-Äußerungen

Sven, Saturday, 08.01.2005, 15:23 (vor 7697 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Mal schauen, wer gewinnt.... *LOL*! von Max am 08. Januar 2005 13:05:42:

Der hat ja noch schneller gekuscht, als ich gedacht habe.

Tja, mit der Meinungsfreiheit hat Deutschland halt immer noch so seine Probleme ...

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Kardinal Meisner bedauert Hitler-Äußerungen

08. Jan 12:33

Kardinal Joachim Meisner

Mit den Worten «Es tut mir Leid, dass es dazu kam» hat der Kölner Erzbischof Meisner seinen Vergleich von Abtreibungen mit Machenschaften Hitlers kommentiert. Er hätte die Wirkung unterschätzt.

Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner hat bedauert, Abtreibungen mit den Verbrechen Hitlers und Stalins verglichen zu haben. Am Samstag sagte er, wenn er geahnt hätte, dass sein Verweis auf Hitler missverstanden werden könnte, hätte er «seine Erwähnung» unterlassen. «Es tut mir Leid, dass es dazu gekommen ist», sagte Der Kardinal.

Die Äußerungen Meisners vom Dreikönigstag waren scharf kritisiert worden. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, reagierte auf die Bemerkung des Erzbischofs, mit dem Kommentar, wenn Meisner den NS-Völkermord mit Abtreibung gleichsetze, beleidige er damit Millionen Opfer des Holocausts.

Entschuldigung gefordert

Die Bundes-Grünen und die «Initiative Kirche von unten» hatten eine Entschuldigung Meisners gefordert. Er habe die Holocaust-Opfer beleidigt - und auch Frauen, die sich in einer schwierigen existenziellen Notsituation befänden, sagte Grünen-Chefin Claudia
Roth.

Das ökumenische Netzwerk «Initiative Kirche von unten» warf Meisner «beleidigende und volksverhetzende Äußerungen» vor. Er habe der katholischen Kirche und dem jüdisch-christlichen Dialog großen Schaden zugefügt.

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