Nürtinger Zeitung: Vaterschaftstests
Streit um heimliche Vaterschaftstests
Zypries kündigt Verbot an - Goll für Ausnahmen wegen des Familien-friedens
Hamburg/Stuttgart (AP/rai) - Heimliche Vaterschaftstests sollen nach dem Willen von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries SPD künftig mit Geld- und Freiheits-strafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.
Bestraft werden sollen demnach Män-ner, die ohne schriftliche Einwilligung der Betroffenen genetische Proben von Frauen oder Kindern testen lassen. E-benso sollen Labors, die solche Unter-suchungen vornehmen, künftig belangt werden können, sagte Zypries der Zeit-schrift Brigitte". Sie will diesem Jahr ei-nen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg bringen.
Baden-Württembergs Regierung kündig-te Widerstand im Bundesrat an, um in Verhandlungen oder einem Vermitt-lungsverfahren Ausnahmen durchzuset-zen. Landesjustizminister Ulrich Goll (FDP) sagte unserer Zeitung, er halte ein ausnahmsloses Verbot für falsch und verfassungswidrig. Die Väter, die nach dem Gesetz schon heute anfechtungs-berechtigt sind und ihre Vaterschaft in jedem Fall durch ein Gerichtsverfahren klären lassen könnten, sollten auch heimlich einen Vaterschaftstest durch-führen dürfen", sagte er. Dies seien all jene, die ihre Vaterschaft anerkannt hät-ten, oder zum Beispiel der Ehemann.
Laut Goll dienen heimliche Tests oft dem Familienfrieden. Durch die Anfech-tung der Vaterschaft vor einem Gericht werde oft viel Unruhe und offenes Miss-trauen in die Familien getragen, so der Minister. Da kann es im Einzelfall bes-ser sein, wenn die Tests heimlich durch-geführt werden."
Man dürfe außerdem nicht nur das Recht auf informationelle Selbstbestim-mung des Kindes oder der Mutter im Auge haben, so der Justizminister wei-ter. Es gebe auch das Recht des Vater, zu wissen, ob das Kind
wirklich von ihm ist, und auch das Recht des Kindes auf Kenntnis der Abstam-mung".
Zypries zeigte sich empört über das flo-rierende Geschäft mit dem Zweifel vieler Männer an ihrer Vaterschaft. Sie finde es unglaublich", dass Labors sogar in U-Bahnen werben, man solle anonym genetische Spuren einschicken. Dabei handelt es sich um einen schweren Ein-griff in die Intimsphäre", sagte sie. Das Verbot solle Teil des geplanten Gendi-agnostikgesetzes sein.
Ihr sei bewusst, dass das Gesetz um-gangen werden könne, da die Tests in zahlreichen europäischen Nachbarlän-dern erlaubt seien, so die Ministerin. Sie wolle sich deshalb für eine europäische Regelung einsetzen. Gleichzeitig sei es wichtig, in Deutschland eine öffentliche Diskussion über das Problem anzusto-ßen und zu fragen, warum Männer den Frauen so massiv misstrauen", dass sie heimliche Tests machen lassen.
Nürtinger Zeitung, 04. 01. 2005, S. 2
Re: Nürtinger Zeitung: Vaterschaftstests
Als Antwort auf: Nürtinger Zeitung: Vaterschaftstests von Odin am 07. Januar 2005 09:40:54:
Bestraft werden sollen demnach Män-ner, die ohne schriftliche Einwilligung der Betroffenen genetische Proben von Frauen oder Kindern testen lassen.
Genetische Proben von Frauen? Da sieht man mal, wie wenig Ahnung viele Leute noch haben. Kein Wunder, wenn es dann zu solchen Gesetzen kommt.
Magnus