Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Nürtinger Zeitung: Vaterschaftstests

Odin, Friday, 07.01.2005, 11:40 (vor 7698 Tagen)

Streit um heimliche Vaterschaftstests
Zypries kündigt Verbot an - Goll für Ausnahmen wegen des Familien-friedens
Hamburg/Stuttgart (AP/rai) - Heimliche Vaterschaftstests sollen nach dem Willen von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries SPD künftig mit Geld- und Freiheits-strafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.

Bestraft werden sollen demnach Män-ner, die ohne schriftliche Einwilligung der Betroffenen genetische Proben von Frauen oder Kindern testen lassen. E-benso sollen Labors, die solche Unter-suchungen vornehmen, künftig belangt werden können, sagte Zypries der Zeit-schrift „Brigitte". Sie will diesem Jahr ei-nen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg bringen.
Baden-Württembergs Regierung kündig-te Widerstand im Bundesrat an, um in Verhandlungen oder einem Vermitt-lungsverfahren Ausnahmen durchzuset-zen. Landesjustizminister Ulrich Goll (FDP) sagte unserer Zeitung, er halte ein ausnahmsloses Verbot für falsch und verfassungswidrig. „Die Väter, die nach dem Gesetz schon heute anfechtungs-berechtigt sind und ihre Vaterschaft in jedem Fall durch ein Gerichtsverfahren klären lassen könnten, sollten auch heimlich einen Vaterschaftstest durch-führen dürfen", sagte er. Dies seien all jene, die ihre Vaterschaft anerkannt hät-ten, oder zum Beispiel der Ehemann.
Laut Goll dienen heimliche Tests oft dem Familienfrieden. Durch die Anfech-tung der Vaterschaft vor einem Gericht werde oft viel Unruhe und offenes Miss-trauen in die Familien getragen, so der Minister. „Da kann es im Einzelfall bes-ser sein, wenn die Tests heimlich durch-geführt werden."
Man dürfe außerdem nicht nur das Recht auf informationelle Selbstbestim-mung des Kindes oder der Mutter im Auge haben, so der Justizminister wei-ter. Es gebe auch „das Recht des Vater, zu wissen, ob das Kind
wirklich von ihm ist, und auch das Recht des Kindes auf Kenntnis der Abstam-mung".
Zypries zeigte sich empört über das flo-rierende Geschäft mit dem Zweifel vieler Männer an ihrer Vaterschaft. Sie finde es „unglaublich", dass Labors sogar in U-Bahnen werben, man solle anonym genetische Spuren einschicken. „Dabei handelt es sich um einen schweren Ein-griff in die Intimsphäre", sagte sie. Das Verbot solle Teil des geplanten Gendi-agnostikgesetzes sein.
Ihr sei bewusst, dass das Gesetz um-gangen werden könne, da die Tests in zahlreichen europäischen Nachbarlän-dern erlaubt seien, so die Ministerin. Sie wolle sich deshalb für eine europäische Regelung einsetzen. Gleichzeitig sei es wichtig, in Deutschland eine öffentliche Diskussion über das Problem anzusto-ßen und zu fragen, „warum Männer den Frauen so massiv misstrauen", dass sie heimliche Tests machen lassen.

„Nürtinger Zeitung“, 04. 01. 2005, S. 2


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