Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

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@Thomas, Rüdiger, Martin

Garfield, Tuesday, 04.01.2005, 12:02 (vor 7702 Tagen)

Hallo zusammen!

Ich versuche es mal mit einer "Sammelantwort". :-)

@Thomas: Du versuchst offenbar, alles in eine einheitliche, große Theorie zu bringen. Das ist meiner Meinung nach meist schwierig oder sogar unmöglich, weil es meist nicht DEN einen großen Grund für irgendetwas gibt, sondern viele kleinere Gründe, die zusammen wirken.

Ich denke, es hat immer Menschen gegeben, die Eigenschaften hatten, die als typisch für das andere Geschlecht galten. Manchmal war das mehr anerzogen, manchmal aber auch einfach von Geburt an so. Es hat also auch in früheren Zeiten schon Menschen gegeben, deren "seelisches Geschlecht" nicht ihrem "physischen Geschlecht" entsprach.

So hat es zu allen Zeiten Frauen gegeben, die als Männer verkleidet in Armee-Einheiten dienten oder zur See fuhren. Manche davon wurden wahrscheinlich nie enttarnt.

Das ist soweit also nichts Neues. In früheren Zeiten war es aber so, daß die Lebensumstände der Menschen eine Rollenverteilung zwischen Mann und Frau erforderten. Ein wesentlicher Grund dafür war das Nichtvorhandensein der heutigen bequem anzuwendenden hormonellen Verhütungsmittel für Frauen. Es gab zwar schon Kondome, aber die waren früher in der Anwendung noch lästiger als heute, und so wurden sie weder von Männern noch von Frauen gern verwendet. So wurden Frauen also immer wieder schwanger, und allein das legte dann schon die traditionelle Rollenverteilung fest. Dazu kam noch der gesellschaftliche Druck, der die Menschen noch zusätzlich in ihre Rollen drängte.

Heute ist das Leben leichter, und heute kann auch jede Frau bewußt entscheiden, ob sie ein Kind bekommt oder nicht. Bisher sind alle diese Verbesserungen aber überwiegend Frauen zugute gekommen. So kommt es, daß vor allem Frauen heute alle Freiheiten haben, während die Männer nach wie vor auf ihre alte Rolle festgelegt sind.

Allein bei der Kleidung sieht man das schon deutlich: Früher galt es für Frauen als unschicklich, Hosen zu tragen. Für Männer galt es dagegen als unschicklich, Kleider zu tragen. Heute können Frauen alles tragen, natürlich auch Hosen. Männer dagegen dürfen immer noch keine Kleider tragen. Weil für sie immer noch im Großen und Ganzen dieselben Einschränkungen gelten wie vor 100 oder 200 Jahren.

Frauen, die eher männliche Eigenschaften haben, müssen diese heute also nicht mehr unterdrücken. In früheren Zeiten war das anders. Da war der gesellschaftliche Druck auch auf Frauen stärker, und das bewirkte, daß so manche Frau sich dann eben darum bemühte, möglichst weiblich zu erscheinen.

Männer versuchen heute auch zuweilen, sich dieselbe Freiheit zu nehmen wie die Frauen und aus ihrem Rollenbild auszubrechen. Aber das wird von Frauen häufig nicht akzeptiert. So gilt ein Mann, der sich eher weiblich benimmt, schnell als Witzfigur. Dieser Druck geht zwar auch von Männern aus, aber viele Männer üben diesen Druck nur aus, weil sie wissen, daß viele Frauen das von ihnen erwarten. Weil sie den Frauen eben gefallen und ihnen zeigen möchten, daß sie noch "echte Kerle" sind. Auch untereinander möchten sie das demonstrieren, weil sie bewußt und unbewußt davon ausgehen, daß Frauen eben "echte Kerle" wollen und weil sie sich auch anderen Männern als "echte Kerle" präsentieren wollen, die eben auch bei Frauen erfolgreich sind.

Rüdiger hat dann noch das Thema "Dienen" angesprochen. Interessanterweise erwähnte er das nur in Bezug auf Frauen. Das ist aber genau das, was Feministinnen uns glauben machen wollen: Immer hätten die Frauen den Männern selbstlos gedient, und die Männer hätten ihnen das nie vergolten...

Tatsächlich dient aber auch der Mann der Frau und dem Kind, indem er beide ernährt. Und wenn man sich Ergebnisse von Umfragen zum sexuellen Bereich ansieht, dann kommt man zu dem Schluß, daß da die Männer den Frauen mehr dienen als umgekehrt. Denn die Mehrheit der Männer gibt da immer wieder an, daß sie sich mehr Aktivität von ihren Partnerinnen wünschen und daß es ihnen sehr wichtig ist, daß der Sex für ihre Partnerinnen möglichst schön ist. Frauen dagegen geben eher an, daß sie vor allem auf ihre eigenen Bedürfnisse achten.

Zusammengefaßt kann man also sagen, daß die Freiheiten unserer modernen Welt überwiegend für Frauen gelten, während die Männer weiterhin auf ihre alte Rolle festgenagelt sind. Denn vor allem dadurch bekommen die Frauen ja ihre heutige Freiheit der Wahl zwischen verschiedenen Lebensalternativen. Frauen müssen den Männern heute nicht mehr dienen. Wenn sie es doch tun, dann nur freiwillig, und selbst dann haben sie immer die Option, sich darüber zu beklagen. Männer dagegen müssen den Frauen nach wie vor dienen. Das wird aber nicht so gesehen, sondern man stellt die Erwerbstätigkeit des Mannes (und damit seinen Ernährer-Dienst an der Frau) gern als Selbstverwirklichung dar, so als würde es nichts Schöneres geben, als jeden Tag in der Fabrik, im Büro oder wo auch immer zu arbeiten. Männer wollen es häufig auch so sehen, um ihr Selbstbild nicht zu zerstören, und Frauen kommt es sehr entgegen, weil sie so nicht nur keinerlei Gegenleistung erbringen müssen, sondern obendrein auch noch zusätzliche Leistungen von den Männern einfordern können, wenn sie gnädigerweise etwas für sie tun.

Freundliche Grüße
von Garfield


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