Feministischer Fundamentalismus in der "Evangelischen Theologie"?
Arne Hoffmann, Tuesday, 28.12.2004, 17:46 (vor 7708 Tagen)
Bekam ich gerade zugemailt:
Re: Feministischer Fundamentalismus in der "Evangelischen Theologie"?
Max, Tuesday, 28.12.2004, 18:33 (vor 7708 Tagen) @ Arne Hoffmann
Als Antwort auf: Feministischer Fundamentalismus in der "Evangelischen Theologie"? von Arne Hoffmann am 28. Dezember 2004 15:46:11:
Hallo Arne,
das hier -
"...In einer kultursoziologischen Perspektive läßt sich andeuten, wie sich auch und gerade in einer wissenschaftlichen Zivilisation dauerhaft Mythen halten können. Wie zu allen anderen Zeiten ist ein guter Mythos realitätsresistent, denn sonst hätte er sich nicht als Mythos etabliert. Er erneuert sich im Gegenteil permanent selbst, erzeugt gewissermaßen seine eigene Selbstbewahrheitung. Beginnt man unten im Kreis der Selbstbewahrheitung (im Original ist eine Grafik beigegeben), so sieht man, daß es die geschlechtsspezifischen Befunde aus dem Hellfeld sind, die von Expertinnen und Medien und von unzähligen Propagatoren und Multiplikatoren zur stetigen Auffrischung des Mythos verarbeitet werden. Gebrochene Stimmen erzählen von Schmerz und Ohnmacht. Bilder zeigen Tränen, blaue Augen und verstörte Kinder. Dazu arrangiert man männliche Verbrechervisagen, ritterliche Polizisten und betroffene Moderatorinnen. So wird der Stoff des Mythos gewoben, so gewinnt er eine anschauliche, faßliche Gestalt, die ihn in den Gefühlen der Menschen verankert. Abscheu, Vergeltung, Haß und Rache, ein ganzes Arsenal archaischer Emotionen läßt sich alsdann einspeisen in den Strom politischer Programme, Reden, Schriften und Auftritte, gemäß deren Botschaft Gewalt in allen ihren Erscheinungen geächtet werden muß. Es sind diese archaischen Emotionen, die von der Politik einerseits mobilisiert und aufgenommen, andererseits aber auch bedient und befriedigt werden müssen. Pluralismus, Meinungsfreiheit, Opposition und die ganzen anderen Regeln der offenen Gesellschaft sind dabei außer Kraft gesetzt, denn wer wollte mit Argumenten und Fakten gegen Emotionen dieses Kalibers antreten. Er würde sich unweigerlich als heimlicher Komplize verdächtig machen.
- verdeutlicht m.E. bestens, wie der Wahnsinn funktioniert. Zähneknirschende Zustimmung meinerseits. Und es stellen sich eine ganze Menge weiterer Fragen, die mit dem Thema nur noch bedingt etwas zu tun haben. Eine, die sich mir zuerst aufdrängt: Wie soll Demokratie funktionieren, wenn nicht Fakten sondern Mythen die Grundlage der gesellschaftlichen Meinungsbildung sind? Und eine ketzerische Frage gleich hinterher: Wenn sich Politiker Mythen als Entscheidungsgrundlage hernehmen - sind sie dann bloß doof, sind sie etwa nur nicht informiert (wozu dann diese ganzen HannswurstInnen?) - oder handeln sie schlicht und einfach
verbrecherisch? Wenn Letzteres zuträfe: Warum lassen wir uns das dann gefallen?
Fragen über Fragen - Max
Re: Feministischer Fundamentalismus in der "Evangelischen Theologie"?
Garfield, Tuesday, 28.12.2004, 19:23 (vor 7708 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Re: Feministischer Fundamentalismus in der "Evangelischen Theologie"? von Max am 28. Dezember 2004 16:33:05:
Hallo Max!
"Wenn sich Politiker Mythen als Entscheidungsgrundlage hernehmen - sind sie dann bloß doof, sind sie etwa nur nicht informiert (wozu dann diese ganzen HannswurstInnen?) - oder handeln sie schlicht und einfach
verbrecherisch? Wenn Letzteres zuträfe: Warum lassen wir uns das dann gefallen?"
Das sind äußerst berechtigte Fragen.
Ich denke, es ist einfach so, daß den Politikern diese ganze Geschlechterdebatte äußerst willkommen ist, weil sie dazu beiträgt, die Menschen von dem Sumpf aus Korruption und Mißwirtschaft, der hier in den vergangenen Jahrzehnten eingerissen ist und sich jetzt, wo es immer weniger Menschen gibt, denen man noch immer mehr Geld aus den Taschen ziehen kann, immer hemmender bemerkbar macht, abzulenken. Darüber hinaus bietet dieses Thema Politikern bei Wahlen auch noch die Chance, sich "politisch korrekt" und damit für viele Wähler positiv zu profilieren, ohne den Menschen Versprechungen machen zu müssen, die sie dann nach der Wahl ohnehin nicht halten wollen. So zahlt man gern noch die eine oder andere Steuer-Million an Berufsfeministinnen, solange das dazu beiträgt, daß ansonsten alles so weiter läuft wie bisher.
Nach ihnen die Sintflut...
Freundliche Grüße
von Garfield