Rosenkrieg - Mann wohnt zur Miete und ist wg. Misshandlung angeklagt...
Erbitterter Rosenkrieg
GERICHT / Mediziner soll seine Ehefrau körperlich misshandelt und bedroht haben.
WESEL. Wut, Tränen, gegenseitige Vorwürfe: Das Weseler Amtsgericht wurde gestern zum Schauplatz eines erbitterten Rosenkrieges. Auf der Anklagebank saß Dr. Peter I. (Name geändert), der seinen Beruf aufgrund massiver Herz-Rhythmusstörungen derzeit nicht ausüben kann. Er soll seine Ehefrau, eine praktizierende Medizinerin, am 9. Januar diesen Jahres nach einer verbalen Auseinandersetzung angetrunken in den Daumen gebissen, mehrfach gewürgt und gedroht haben, sie umzubringen. Bereits im Sommer 2003 soll er seiner Ehefrau im Urlaub auf der Nordseeinsel Norderney an die Gurgel gegangen sein und ihr im Februar dieses Jahres gedroht haben, sie zu ermorden.
"Es ist eine Farce. Meine Frau will das gesamte Vermögen, die Praxis umsonst haben, das Auto und die Pferde auch", ereiferte sich der angeklagte dreifache Familienvater. "Sie hat mir klar gesagt, dass diese Nummer hier vor Gericht nicht passiert, wenn ich zahle."
Strafrichter Bluhm hatte während der gesamten Verhandlung Mühe, das Hauptaugenmerk weg von familienrechtlichen Angelegenheiten - parallel läuft ein Scheidungsverfahren - hin zu den konkreten Anklagepunkten zu lenken. Dr. I. bestritt die erhobenen Vorwürfe. Er habe vielmehr immer versucht, über die Probleme zu reden, letztlich aber sogar seine Segelyacht nach Rees verlegt, um Ruhe zu haben: "Ich bin aufs Schiff gezogen, weil es immer nur Stress gegeben hat", so der 49-Jährige, der mittlerweile zur Miete wohnt.
Seine Ehefrau brach bei ihrer Vernehmung in Tränen aus: "Mein Mann hat mir ständig gedroht und mich und meine Kinder körperlich misshandelt. Wenn ich meine Anzeige nicht zurückziehe, werde er mich finanziell ruinieren. Aber ich lass´ mich nicht mehr erpressen." Peter I. schüttelte den Kopf und sagte unter Tränen: "Ich habe gerade daran gedacht, wie wir uns kennen, lieben gelernt haben und wie es jetzt hier endet."
Richter Bluhm war während der gesamten Verhandlung sichtlich bemüht, "den Graben nicht noch breiter werden zu lassen". Er schlug deshalb vor, dass der Angeklagte eine Geldsumme an die Staatskasse zahlt. "Wenn er für mehrere Jahre Misshandlung mit einer kleinen Geldbuße wegkommt, dann weiß ich nicht", meinte die Ehefrau des Angeklagten dazu.
Schließlich gab der Richter seine Bemühungen auf: "Ich habe keine Lust mehr. Ich halte meine Bemühungen für gescheitert." Die Verhandlung wurde vertagt. (wib)
21.12.2004
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