Studie: Ehegattenunterhalt
Studie "Ehegattenunterhalt und Ehegattensubsidarität als Gleichstellungshindernisse"
In Deutschland sind Frauen seltener als Männer erwerbstätig und damit in höherem Masse als Männer auf Ehegattenunterhalt und/oder Sozialleistungen angewiesen. Eine mit 200 000 Euro von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften der Freien Universität Berlin untersucht noch bis März 2006 den Ehegattenunterhalt und das Ehegattensubsidiarität im Hinblick auf Gleichstellungshindernisse. Das interdisziplinär angelegte Projekt unter Leitung von Dr. Sabine Berghahn geht der Frage nach, welche juristischen Faktoren im Zusammenspiel mit wirtschaftlichen und sozialen Umständen dazu beitragen, dass Frauen in bestimmten Situationen auf die Sicherung durch die Ehe ausweichen bzw. auf den Unterhalt vom Ehemann verwiesen werden. "Auf Grund der gesetzlichen Norman wird Frauen nahe gelegt, lieber die familiäre Versorgung in Anspruch zu nehmen, statt eine Erwerbstätigkeit nachzugehen", sagt Dr. Sabine Berghahn. Das Erwerbs-, Sozial-, Steuer- und Unterhaltssystem in Deutschland fördert nach wie vor die Ernährerstellung des Mannes und sieht die Frau als eher geringfügige Zuverdienerin. "Darin ist eine rechtlich relevante Benachteiligung und ein Hindernis für die Verwirklichung von Gleichstellung zu vermuten," so Berghahn.
Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit einer Soziologin und einer Juristin durchgeführt. Untersucht werden die jeweiligen Schnittstellen zwischen Arbeits-, Sozial- und Steuerrecht und dem Recht des Ehegattenunterhalts im Hinblick auf die Vereinbarkeit mit der Gleichberechtigung der Geschlechter und dem aktiven Gleichstellungsgebot. Damit sollen Wege zur Überwindung des "männlichen Ernährermodells" in der deutschen Existenzsicherung aufgezeigt werden. Die Studie bezieht Untersuchungen über die sich verändernde Akzeptanz der ehelichen Solidaritätspflichten mit ein, zudem will die Forschungsgruppe qualitative Interviews mit Frauen und Männern in Paarbeziehungen führen. Nähere Informationen: Dr. Sabine Berghahn, fon 030 838-52984, Berghahn@zedat.fu-berlin.de oder ermodell@zedat.fu-berlin.de
aus "Switchboard" Zeitschrift für Männer- und Jungenarbeit