Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Studie: Ehegattenunterhalt

Odin, Tuesday, 14.12.2004, 13:46 (vor 7723 Tagen)

Studie "Ehegattenunterhalt und Ehegattensubsidarität als Gleichstellungshindernisse"

In Deutschland sind Frauen seltener als Männer erwerbstätig und damit in höherem Masse als Männer auf Ehegattenunterhalt und/oder Sozialleistungen angewiesen. Eine mit 200 000 Euro von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften der Freien Universität Berlin untersucht noch bis März 2006 den Ehegattenunterhalt und das Ehegattensubsidiarität im Hinblick auf Gleichstellungshindernisse. Das interdisziplinär angelegte Projekt unter Leitung von Dr. Sabine Berghahn geht der Frage nach, welche juristischen Faktoren im Zusammenspiel mit wirtschaftlichen und sozialen Umständen dazu beitragen, dass Frauen in bestimmten Situationen auf die Sicherung durch die Ehe ausweichen bzw. auf den Unterhalt vom Ehemann verwiesen werden. "Auf Grund der gesetzlichen Norman wird Frauen nahe gelegt, lieber die familiäre Versorgung in Anspruch zu nehmen, statt eine Erwerbstätigkeit nachzugehen", sagt Dr. Sabine Berghahn. Das Erwerbs-, Sozial-, Steuer- und Unterhaltssystem in Deutschland fördert nach wie vor die Ernährerstellung des Mannes und sieht die Frau als eher geringfügige Zuverdienerin. "Darin ist eine rechtlich relevante Benachteiligung und ein Hindernis für die Verwirklichung von Gleichstellung zu vermuten," so Berghahn.
Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit einer Soziologin und einer Juristin durchgeführt. Untersucht werden die jeweiligen Schnittstellen zwischen Arbeits-, Sozial- und Steuerrecht und dem Recht des Ehegattenunterhalts im Hinblick auf die Vereinbarkeit mit der Gleichberechtigung der Geschlechter und dem aktiven Gleichstellungsgebot. Damit sollen Wege zur Überwindung des "männlichen Ernährermodells" in der deutschen Existenzsicherung aufgezeigt werden. Die Studie bezieht Untersuchungen über die sich verändernde Akzeptanz der ehelichen Solidaritätspflichten mit ein, zudem will die Forschungsgruppe qualitative Interviews mit Frauen und Männern in Paarbeziehungen führen. Nähere Informationen: Dr. Sabine Berghahn, fon 030 838-52984, Berghahn@zedat.fu-berlin.de oder ermodell@zedat.fu-berlin.de

aus "Switchboard" Zeitschrift für Männer- und Jungenarbeit

Re: Studie: Ehegatten ... äh, Ehegattinnenunterhalt

Eugen Prinz, Tuesday, 14.12.2004, 17:15 (vor 7723 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Studie: Ehegattenunterhalt von Odin am 14. Dezember 2004 11:46:21:

Dröselt man dieses Soziologenkauderwelsch mal auf, kommt man zu folgenden Übersetzungen:

In Deutschland sind Frauen seltener als Männer erwerbstätig und damit in höherem Masse als Männer auf Ehegattenunterhalt und/oder Sozialleistungen angewiesen.

Das geht so glatt runter: Da ich nicht arbeite, bin ich auf das Geld anderer angewiesen. Zwingend - oder etwa doch nicht?

Das Erwerbs-, Sozial-, Steuer- und Unterhaltssystem in Deutschland fördert nach wie vor die Ernährerstellung des Mannes und sieht die Frau als eher geringfügige Zuverdienerin.

Ei, ei, dieses böse, böse Erwerbs-, Sozial-, Steuer- und Unterhaltssystem, ts, ts, ts... Es zwingt die Frauen ja förmlich, die Hände in den Schoß zu legen. Stimmt aber nicht ganz. Lediglich das Unterhaltsystem arbeitet direkt den Frauen zu - über das Druckmittel Kinder. Für Frauen, die keine Kinder haben, sollte das schließlich alles bedeutungslos sein.

Damit sollen Wege zur Überwindung des "männlichen Ernährermodells" in der deutschen Existenzsicherung aufgezeigt werden.

Die hätten auch schreiben können: Damit sollen Wege zur Überwindung des "weiblichen Schmarotzermodells" in der deutschen Existenzsicherung aufgezeigt werden. Aber das klingt halt nicht so nett. Da ist es doch einfacher, "das männliche Ernährermodell" zu überwinden.

Ich fürchte, die Studie ist erstmal ein "Ernährermodell" für die dafür bezahlten Wissenschaftlerinnen.

An dann wird sich finden, dass noch mehr Geld ausgegeben werden muss, um die "aktive Gleichstellung" zu fördern, also noch mehr Frauenfördermittel, damit sie doch bitte bitte Geld verdienen gehen, und Mittel für die Umerziehung von Männern, damit sie mehr verschissene Windeln wechseln, damit Frauen Geld verdienen gehen können, und konsequent findet sich damit schließlich wieder eine Rechtfertigung für die Forderung nach einer Frauenquote in der Wirtschaft.

Aber vielleicht sehe ich ja alles viel zu negativ und die wollen wirklich nur unser Bestes?

Eugen

Re: Studie: Ehegatten ... äh, Ehegattinnenunterhalt

Sternchen, Wednesday, 15.12.2004, 11:22 (vor 7722 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Studie: Ehegatten ... äh, Ehegattinnenunterhalt von Eugen Prinz am 14. Dezember 2004 15:15:14:

Ganz einfach gesagt, nur derjenige, der auch arbeitet, kann sich selbst unterhalten. Wer dies nicht tut, muß von jemand anderen unterhalten werden. Wieso wählen aber so viele Paare die klassische Aufgabenteilung, sie zu Hause und er im Job? Diese Konstellation führt meistens zwangsläufig zu Unterhaltsabsprüchen, denn die nicht arbeitende Person hat sich an das Nicht-Arbeiten gewöhnt und ist zu lange aus dem erlernten Beruf raus, um wieder etwas Anständiges zu bekommen. Ich kenne aus dem kollegenkreis z.B. einen gut verdienenden Mann (Abteilungsleiter), der der Meinung ist, dass seine Frau zu Hause Heim und Kinder hüten soll. Die Gefahren, was bei einer Scheidung dann passieren wird, will er nicht sehen, obwohl wir mal darüber geredet haben.

Solange Frauen nicht bereit sind, sich am Erwerbsleben zu beteiligen und Männer nicht bereit sind, sich am Familienleben zu beteiligen, wird sich am Unterhaltsrecht nicht viel ändern.
LG, Suse

Re: Studie: Ehegatten ... äh, Ehegattinnenunterhalt

Eugen Prinz, Wednesday, 15.12.2004, 15:14 (vor 7722 Tagen) @ Sternchen

Als Antwort auf: Re: Studie: Ehegatten ... äh, Ehegattinnenunterhalt von Sternchen am 15. Dezember 2004 09:22:37:

Solange Frauen nicht bereit sind, sich am Erwerbsleben zu beteiligen und Männer nicht bereit sind, sich am Familienleben zu beteiligen, wird sich am Unterhaltsrecht nicht viel ändern.

Da ist einiges zu ergänzen:

Frauen sind ja durchaus erwerbstätig, aber immer noch erwirtschaften Männer den größten Anteil der Familieneinkommen. Frauen wollen, wie man häufig von ihnen hören kann, "ihr eigenes Geld" verdienen. Wenn Kinder da sind, erwarten sie aber nach bisherigen Erkenntnissen noch immer überwiegend, dass der Mann arbeiten geht. Der Hausmann ist nicht sehr gefragt.

Wenn beide Parteien das so wollen, finde ich daran nichts auszusetzen. Was mich stört, ist der Versuch, die Männer politisch auf allen möglichen Wegen aus dem Erwerbsleben zu verdrängen, sie aber andererseits rücksichtslos als Geldesel zu missbrauchen, wenn die Ehe in die Binsen geht.

Die Behauptung, Männer seien nicht bereit, sich am Familienleben zu beteiligen, ist zwar auch immer wieder zu hören, aber deswegen noch lange nicht zureffend. Persönlich kenne ich keine solchen Männer. Ich kenne aber viele, die zu ihrem eigenen Bedauern ihre Arbeitskollegen besser kennen als ihre Kinder.

Im übrigen "beteiligen" sich Männer, die eine Familie durch Erwerbsarbeit ernähren, natürlich ganz massiv am "Familienleben". Wenn Frauen, insbeondere feministisch infizierte, verlangen, Männer sollten sich am Familienleben beteiligen, dann meinen sie aber meist, dass Männer, neben einer ganztägigen Erwerbsarbeit außer Hauses, auch noch zu Hause Geschirrspülen, Mülleimer wegtragen, und ähnliche lästige Arbeiten verrichten sollen. Das gibt dem Gerede von "Beteiligung" einen unangenehmen Beigeschmack.

Das geht so weit, dass eine Schafsnase von Politikerin schon mal sagt, ein soziales Jahr für Mädchen käme für sie erst in Frage, wenn Männer die Hälfte der Hausarbeit machen. Den Wehr- oder Zivildienst von Männern hält sie offenbar für deren Privatvergnügen.

Einen Gruß von Eugen

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